Es gibt Hoffnung auf Haiti


Der Missionsgeist bei diesem Inselvolk ist lebendig und ausgeprägt, und die heranwachsende Generation ist entschlossen, dies beizubehalten.

Anmerkung des Herausgebers: Wegen der politisch instabilen Lage wurden 2005 alle ausländischen Missionare aus Haiti abgezogen. Heute sind alle 67 Missionare in der Mission Port-au-Prince Haitianer, und die Kirche blüht auf.

Dieuveut Demosthène (18) und Robenson Marcel Laroque Jean (19) sind die besten Freunde. Und sie wollen, dass es so bleibt. Für immer.

„Wir waren Nachbarn, und wir spielten immer zusammen Basketball“, erklärt Robenson. „Mit 16 schloss ich mich der Kirche an, und nach einer Weile schlug ich Dieuveut vor, er solle doch auch mitkommen. Ich betete viel, und ich blieb beharrlich. Seht ihn euch jetzt an: Er ist ein starkes Mitglied der Kirche. Ich bin stolz auf ihn.“

„Robenson lud mich häufig ein, und irgendwann nahm ich die Einladung an“, sagt Dieuveut. „Er fand immer die richtigen Worte, so als würde er alles verstehen. Daher machte mir seine Einladung keine Angst, vielmehr war sie außergewöhnlich. Nach einer Weile hörte ich mir die Missionarslektionen an, und mit 17 schloss ich mich der Kirche an.

Das Ideal

Das ist die ideale Weise, Missionsarbeit zu verrichten: Freunde sprechen mit Freunden über das Evangelium und geben den Missionaren Empfehlungen, wen sie unterweisen können. „Erst war ich einer in der Kirche, jetzt sind wir zwei, und wir setzen die gleiche Arbeit gemeinsam fort“, sagt Robenson. Infolge ihrer Bemühungen haben sich auch einer von Dieuveuts älteren Brüdern und ein weiterer Freund der Kirche angeschlossen. Aus einem wurden zwei und aus zweien wurden vier.

Robenson und Dieuveut aus der Gemeinde Centrale im Pfahl Port-au-Prince Nord sind ein typisches Beispiel dafür, wie auf Haiti die Missionsarbeit funktioniert, seit im Jahr 2005 aufgrund politischer Unruhen die ausländischen Missionare abgezogen wurden. Die Haiti-Mission Port-au-Prince hat Stärke bei sich selbst gesucht und sie gefunden. Heute erfüllen nur Einheimische eine Mission auf Haiti, und für die Teenager ist es keine Frage, ob sie auf Mission gehen, wenn sie das entsprechende Alter erreicht haben. Schon bevor sie auf Vollzeitmission berufen werden, sprechen sie mit Nachbarn und Freunden über die Kirche.

„Überall auf Haiti, wo man ‚Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage‘ sieht, weiß man, dass die Mitglieder Haitianer sind“, sagt Farah Jean-Baptiste (18), eine Junge Dame, die ebenfalls zur Gemeinde Centrale gehört. „Der Gedanke, dass wir für die Zukunft der Kirche hier verantwortlich sind, ist für die Jugendlichen wirklich eine Motivation.“

„Die einheimischen Jungen Männer und Jungen Damen in der Kirche sind motiviert, dem Erlöser zu folgen“, sagt Farahs 17-jährige Freundin Nathalie LaGuerre, die in der gleichen Gemeinde ist. „Wir möchten auf seinem Weg gehen, damit wir sehen, wie sein Werk vorangeht. Und so erfüllt es uns mit Freude, wenn wir haitianische Missionare auf Haiti arbeiten sehen. Sie sind begeistert und glücklich, und nach ihrer Mission erzählen sie uns, was für eine gute Erfahrung dies war. Dann fordern sie uns auf, dies auch zu erleben und schon heute damit anzufangen, indem wir mit unseren Freunden über das Evangelium sprechen.“

Sie sagt, dass die Jungen Damen zwar nicht diese Priestertumspflicht haben wie die Jungen Männer, nämlich eine Vollzeitmission zu erfüllen, „doch wir sehen, dass diejenigen, die dienen, reichlich gesegnet werden. Man kann für andere ein Segen sein, und es baut einen auf. Es stärkt einen für die Herausforderungen, denen man im Leben begegnet, und es verankert einen im Evangelium. Es ist ein Zeichen dafür, dass man wahrhaftig ein Nachfolger Jesu Christi ist, dass man ein Zeuge für ihn ist und dass man seinem Beispiel folgt.“

Die Hoffnung

„Hier auf Haiti gibt es große Hoffnung für das Reich Gottes“, sagt Gh. Ghammald Francillon, Präsident des Pfahles Port-au-Prince Nord. „Die Jugendlichen sind wirklich motiviert, eine Mission zu erfüllen. Eine Mission gehört ganz selbstverständlich zu den Prioritäten bei ihrer Lebensplanung, sogar noch vor dem College. Wenn man die Missionare auf der Straße trifft, muss man sie nur danach fragen, und dann werden sie einem erzählen, dass sie ihre Ausbildung unterbrochen haben, weil sie zum Werk des Herrn berufen sind.“

Er erkennt auch die Segnungen, die seiner eigenen Familie zuteilwerden, weil seine Frau eine zurückgekehrte Missionarin ist. Er sagt, dass stärkere Familien und stärkere Führungsbeamte eine direkte Folge des Missionsdienstes sind. „Stellen Sie sich nur vor, wie die Kirche hier in 15 bis 20 Jahren aussehen wird, wenn so viele Haitianer eine Mission in Haiti erfüllen!“ Er meint, die Mitglieder „spüren die Liebe und die Unterstützung so vieler Menschen: vom Propheten und den Generalautoritäten und von den zurückgekehrten ausländischen Missionaren, die hier in der Vergangenheit gedient haben. Aber im Moment sind es ausschließlich Haitianer; auch der Missionspräsident Fouchard Pierre-Nau ist ein Einheimischer, der vor etwa zehn Jahren in Haiti auf Mission war.“

Die Zukunft

Manche Leute dachten, die Kirche hier würde ohne Hilfe von außen Schwierigkeiten haben. „Aber ich habe mir nie Sorgen gemacht“, sagt der Missionar Elder J. Henry Michel, der momentan in der Haiti-Mission Port-au-Prince dient. „Die Kirche wird niemals scheitern. Es ist die Kirche Jesu Christi, und deshalb kann sie gar nicht scheitern.“

„Vielmehr wird die Kirche auf Haiti weiter wachsen, wenn die Menschen erkennen, wie glücklich uns das Evangelium macht“, meint Dieuveut. „Ich bin Robenson wirklich dankbar, dass er mir vom Evangelium erzählt hat, und deshalb möchte auch ich mit anderen über das Evangelium sprechen“, sagt er. „Letzte Woche fragte ich mich, ob ich früher überhaupt wusste, was Freude ist. Heute verspüre ich stets inneren Frieden, auch wenn ich in materieller Hinsicht nicht all das habe, was ich gern hätte. Ich hege die große Hoffnung, dass ich meinem himmlischen Vater nahe sein werde.“

„Ich versuche bereits, ein Missionar zu sein“, sagt Robenson. „Jeden Tag habe ich meinen Rucksack mit mehreren Exemplaren des Buches Mormon dabei, damit ich sie an andere weitergeben kann. Viele wissen, dass ich Mitglied der Kirche bin, und ich bin eifrig bemüht, mein Zeugnis zu geben. Eine Vollzeitmission wird mir die großartige Gelegenheit bieten, Gott zu dienen, indem ich seinen Kindern diene. Ich wünsche mir sehr, auf Mission zu gehen.“

Dieuveut sagt, er spricht oft mit zurückgekehrten Missionaren. „Sie haben mir erzählt, wie der Herr Menschen durch die Missionare segnen konnte, und ich möchte auch gern Anteil an solchen Segnungen haben. Sie haben mir von ihrem Missionarsleben berichtet und wie sehr sie es genossen haben. Auch nach ihrer Mission sind sie würdige, gute Vorbilder. Ich möchte auch so sein.“

Was wird die Zukunft bringen? „Der himmlische Vater hat seinen Plan für Haiti“, sagt Dieuveut. „Er gibt den Mitgliedern hier die Gelegenheit, stark zu werden. Haitianer belehren Haitianer, und das wird für uns ein Segen sein.“

Robenson wird bald seine Missionsberufung erhalten, und er hofft, dass er auf Haiti dienen wird. Dieuveut wird bald folgen und hofft ebenfalls, in seinem Heimatland zu dienen. Aber ob sie nun nach Haiti oder in ein anderes Land berufen werden – sie wissen, dass sie viele neue Freunde in der Kirche gewinnen werden und dass die Freundschaft zwischen ihnen weiterbestehen wird. Freunde im Evangelium sind nämlich Freunde für die Ewigkeit.

Die jungen Mitglieder der Kirche wie Robenson Jean, Dieuveut Demosthène, Nathalie LaGuerre und Farah Jean-Baptiste glauben, dass das Evangelium ihr Leben und auch ihr Land verwandeln kann und sehen voller Hoffnung in die Zukunft. Auf einem Hügel in Port-au-Prince, wo das Land zur Verkündigung des Evangeliums geweiht wurde, und auch überall sonst zeigen Haitianer, die der Kirche angehören, ein Lächeln und bereiten sich auf die Zukunft vor.

Ganz oben: Der Missionspräsident und seine Frau unterhalten sich mit Missionaren, die im Missionsbüro dienen. Präsident Pierre-Nau spornt die jungen Mitglieder an, jetzt zu beginnen, mit anderen über das Evangelium zu sprechen. „Ihr seid schon Missionare“, sagt er. Präsident Francillon aus dem Pfahl Port-au-Prince Nord genießt die Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern. Er sagt, die Kirche segne die Jugend auf vielerlei Weise.

Die Jugendlichen auf Haiti beteiligen sich aktiv an den Klassen der Jungen Damen und in den Priestertumskollegien. Sie denken nicht nur an die Versprechen, die sie bei ihrer Taufe gegeben haben, sie leben auch jeden Tag danach.

Fotos von Richard M. Romney