2009
Vier Ansprachen – vier Herzen berührt
September 2009


Vier Ansprachen – vier Herzen berührt

Jedes Jahr im April und Oktober hören Millionen von Heiligen der Letzten Tage den Dienern des Herrn zu. Hier erzählen vier Mitglieder der Kirche, wie die Generalkonferenz ihr Leben über die Jahre hinweg beeinflusst hat.

Das Gute folgt

Kurz nachdem mein Mann seinen Master-Abschluss gemacht hatte, überlegte er, ob er zur Hochschule zurückgehen sollte, um zu promovieren. Diese Aussicht beängstigte uns, da es bereits so schwierig gewesen war, den Master-Abschluss zu erwerben. Wir hatten zwei kleine Kinder und sehnten uns nach einer guten Anstellung und vielleicht sogar einem Haus.

Auf der Herbst-Generalkonferenz in diesem Jahr berichtete Elder Jeffrey R. Holland vom Kollegium der Zwölf Apostel von seinen Erlebnissen im Zusammenhang mit dem Umzug seiner jungen Familie nach Connecticut, wo er ein Aufbaustudium absolvieren wollte. Auch wir waren wegen eines Aufbaustudiums nach Connecticut umgezogen. Elder Holland erzählte, dass er und seine Familie all ihre Habseligkeiten in ihren Kleinwagen geladen hatten – wie wir auch. Er erzählte, dass zu Beginn der Reise sein Auto überhitzt und nicht nur einmal, sondern sogar zweimal liegengeblieben sei! Unser Wagen war ebenfalls zweimal liegengeblieben.

Schließlich sprach er von einem erst kürzlich zurückliegenden Erlebnis, als er nämlich mit einem zuverlässigen Auto an der Stelle vorbeifuhr, wo sein Auto dreißig Jahre zuvor liegengeblieben war. In Gedanken sah er sich selbst als jungen Vater vor sich und sagte: „Gib nicht auf, mein Junge. Verzweifle nicht. … Es wird Hilfe kommen, es wird Glück geben – sogar großes Glück. … Halt die Ohren steif. Alles wird am Ende gut. Vertraue Gott und glaub an die künftigen Güter.“1 Elder Hollands Erfahrung verhalf mir dazu, mich verstanden und geliebt zu fühlen. Sein Vorbild verlieh mir den Mut, nach der geistigen Bestätigung zu trachten, dass die Fortbildung für meinen Mann der Wille des Herrn für unsere Familie war. Fünf Jahre und zwei Babys später schloss mein Mann seine Dissertation ab. Die Ausbildung war zweifellos eine Herausforderung, aber wir waren glücklich. Wir folgten dem Willen des Herrn und empfingen zeitliche, geistige und finanzielle Segnungen.

Seit dieser Konferenz habe ich oft über Elder Hollands Ansprache nachgedacht. Jetzt weiß ich: Wenn ich mich darum bemühe, Gott zu vertrauen, indem ich dem Rat seiner Propheten und Apostel folge, dann folgt auch das Gute.

Melinda McLaughlin, Maryland, USA

So lernte ich Großmutter schätzen

Als Kind schrieb ich meiner Großmutter gerne Briefe. Sie wohnte weit entfernt, sodass ich sie selten öfter als einmal im Jahr sah. Als Teenager war ich jedoch zu beschäftigt, um ihr zu schreiben, und wir entfremdeten uns allmählich voneinander. Wenn Großmutter ein paar Tage zu Besuch kam, stellte ich ihr wohl ab und zu eine Frage oder brachte einen Kommentar an, aber wir führten selten ein ernsthaftes, aufrichtiges Gespräch. Als ich sechzehn wurde, kannte ich sie kaum noch, und ich wusste nicht, wie ich mit ihr reden sollte.

Am letzten Tag eines ihrer Besuche war ich alleine in der Küche und bereitete das Abendessen vor. Sie kam herein und setzte sich hin. Ich begrüßte sie, dann wusste ich aber nicht mehr recht, was ich sagen sollte. Ich bemerkte sehr wohl, dass sie mit mir reden wollte und wahrscheinlich schon längere Zeit nach einer passenden Gelegenheit gesucht hatte; womit sollte ich jedoch ein Gespräch mit einer 75-jährigen Frau beginnen, von der ich glaubte, ich hätte nichts mit ihr gemein?

Ich sprach über das, was ich gerade kochte, doch das Thema war schnell erschöpft. Schließlich fragte ich Großmutter danach, wie ihr Leben gewesen sei, als sie in meinem Alter war. Sie erzählte mir Geschichten über die Arbeit und das Sozialleben und sprach dann darüber, wie sie meinen Großvater kennengelernt und sich in ihn verliebt hatte. Ich stellte fest, dass sich ihr Leben und ihre Sehnsüchte als Teenager gar nicht so sehr von meinen unterschieden.

Einige Monate später sprach Präsident Boyd K. Packer, Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel, auf der Generalkonferenz über Großeltern. In seiner Ansprache „Die goldenen Jahre“ sprach er von der Weisheit und Führung, die ältere Mitglieder der Kirche bieten können. Sein Thema brachte mich dazu, über meine Beziehung zu meiner Großmutter nachzudenken, und mir wurde klar, dass ich mir eine wertvolle Freundschaft entgehen ließ.

Ich beschloss, Großmutter wieder zu schreiben. Ich war nicht ganz sicher, wovon ich berichten sollte; also schrieb ich über die Arbeit, Freunde, die Familie und darüber, was ich alles tat. Sie beantwortete jeden meiner Briefe und berichtete mir von ihren anderen Verwandten, ihrem Garten und ihren täglichen Unternehmungen. Bei unserem nächsten Beisammensein fiel mir ein Gespräch mit ihr leicht.

Ich bin dankbar für die Konferenzansprache, die zu einer Zeit kam, als ich bereit und willens war, meine Großmutter erneut kennenzulernen. Durch Präsident Packers Worte wurde mir klar, dass ich über die „kostbare Quelle der Erfahrung, der Weisheit und der Inspiration“2, die meine Großmutter wirklich ist, hinweggesehen hatte. Jetzt habe ich diese wunderbare Frau schätzen gelernt, deren Beispiel und Freundschaft mir so viel geben.

Laura A. Austin, Utah, USA

Ich fand es für mich selbst heraus

Ich muss zugeben, dass sich mein Zeugnis zu dem Zeitpunkt, als ich auf Mission ging, auf die Kenntnis vom Plan der Erlösung und vom Buch Mormon beschränkte. Ich erkannte, dass mein Zeugnis nicht so tiefgehend war, wie ich es mir wünschte, und fühlte mich daher als Missionar unzulänglich.

Wie die meisten französischen Mitglieder zu jener Zeit war ich noch nie bei der Live-Übertragung einer Generalkonferenz dabei gewesen. Wir sahen uns immer Aufzeichnungen an, wobei wir die Konferenz mittels eines Dolmetschers auf Französisch verfolgten. Als englisch sprechender Missionar in Wales sollte ich nun die Stimme des Propheten, Präsident Ezra Taft Benson (1899–1994), zum ersten Mal im Original hören.

Als die Konferenzversammlung begann, sangen die vor Ort Anwesenden gemeinsam mit den im Tabernakel in Salt Lake City versammelten Mitgliedern. Auch ich sang mit und war überrascht, dass ich sofort ein Gefühl der Zugehörigkeit und überwältigende Freude empfand. Diese Gefühle bezeugten mir, dass ich zur Kirche des Herrn Jesus Christus gehörte.

Als ich in der Versammlung saß, kam mir ein Gedanke in den Sinn. „Was wäre, wenn ich den Herrn bitten würde, mir zu bestätigen, dass Präsident Benson sein Prophet ist?

Ich wusste zwar, dass ich „Gott fragen“ konnte (siehe Moroni 10:4), befürchtete jedoch, dass ich ihn irgendwie mit meiner Frage kränken könnte. Nach kurzem Nachdenken beschloss ich, es dennoch zu versuchen. Ich neigte den Kopf und bat den Herrn darum, mir zu bestätigen, dass der Mann, der im Begriff war zu sprechen, sein Prophet, Seher und Offenbarer war. Bald darauf wurde mein Herz von einem intensiven Gefühl des Friedens und des Glücks erfüllt. Ich hob den Kopf, öffnete die Augen und hörte, wie Präsident Benson Zeugnis vom Buch Mormon gab.

Von diesem Moment an wusste ich für mich selbst, dass der Herr seine Kirche durch einen erwählten Propheten leitet. Aufgrund dieses Zeugnisses verließ ich die Konferenz mit neuen Zielen und wusste, dass es an mir lag, sie zu erreichen. Ich setzte auf meiner Mission andere Schwerpunkte und freute mich auf zukünftige Generalkonferenzen. Auch freute ich mich darauf, die Zeitschriften der Kirche zu erhalten, um die heiligen Worte der Diener Gottes nachlesen zu können.

Thierry Hotz, Frankreich

Sagen Sie ihnen, dass Sie sie lieben

Auf der Herbst-Generalkonferenz 2007 sprach Elder Claudio R. M. Costa von der Präsidentschaft der Siebziger darüber, dass wir das, was wir heute tun können, nicht aufschieben sollen; dies gelte besonders in Bezug auf unsere Familie.3 Am Ende seiner Ansprache zitierte er einige Zeilen aus einem Text, der auf einem Gedicht von Norma Cornett Marek basiert. Die Botschaft von Elder Costa und die Worte dieses Gedichts rührten mich zutiefst und bestärkten mich darin, meinen Eltern, meinen Schwestern und meinen Freunden häufiger zu zeigen, dass ich sie lieb hatte.

Natürlich liebte ich meine Familie und meine Freunde bereits, bevor ich diese Konferenzansprache gehört hatte, doch war ich es nicht gewohnt, ihnen dies zu sagen – zumindest nicht jeden Tag. Vielleicht war es für sie wirklich notwendig, diese besonderen Worte öfter von mir zu hören. Anfangs war ich mir nicht sicher, wie sie es aufnehmen würden; als ich aber spürte, dass positive Reaktionen kamen, beschloss ich, damit weiterzumachen. Während der darauffolgenden Monate konnte ich beobachten, dass meine Beziehungen zum Teil deswegen gestärkt wurden, weil ich Elder Costas Rat beachtet hatte.

Jetzt erfülle ich tausende Kilometer von meiner Heimat Costa Rica entfernt eine Vollzeitmission. Meine Familie fehlt mir, aber das ist nicht so schlimm. Ich weiß, dass meine Familie mich liebt und dass sie weiß, dass ich sie liebe. Ich verspüre Frieden, weil ich Gelegenheiten ergriffen habe (und noch immer nutze), meine Liebe zum Ausdruck zu bringen.

Ich bin dankbar, dass wir oft die Möglichkeit haben, den von Gott berufenen Führern zuzuhören. Ich weiß, dass wir – und die Menschen, die wir lieben – gesegnet werden, wenn wir ihrem Rat folgen.

Elder Hugo Lino Rivera Mena, Idaho-Mission Boise

Anmerkungen

  1. Jeffrey R. Holland, „Ein Hoherpriester der künftigen Güter“, Liahona, Januar 2000, Seite 44

  2. Boyd K. Packer, „Die goldenen Jahre“, Liahona, Mai 2003, Seite 83

  3. Siehe Claudio R. M. Costa, „Warten Sie nicht bis morgen, wenn Sie heute noch Zeit haben“, Liahona, November 2007, Seite 73ff.

Wir erlebten als Familie etwas Ähnliches wie Elder Holland. Seine aufmunternden Worte, an „die künftigen Güter“ zu glauben, bewirkten, dass ich mich verstanden und geliebt fühlte.

Illustration von Mike Malm

Ich bat den Herrn darum, mir zu bestätigen, dass der Mann, der im Begriff war zu sprechen, sein Prophet war.

Ausschnitt aus dem Gemälde Christus und der reiche Jüngling von Heinrich Hofmann, Abdruck mit freundlicher Genehmigung von C. Harrison Conroy Co.