Die Entstehung des Neuen Testaments


Unsere Kenntnis des Ursprungs dieser bemerkenswerten heiligen Schrift bereichert unser Schriftstudium.

Jede heilige Schrift hat ihre eigene Geschichte und legt auf ihre Weise Zeugnis ab vom Evangelium der Errettung. Das Besondere am Neuen Testament ist, dass in dieser heiligen Schrift Menschen zu Wort kommen, die Jesus selbst gekannt haben oder ihm kurz nach seiner Auferstehung nachgefolgt sind. Darum ist das Neue Testament eine so unschätzbare Quelle, die uns hilft, dem Erretter näherzukommen, und die uns einen kleinen Einblick in sein irdisches Wirken gewährt. Wenn wir verstehen, wie das Neue Testament entstanden ist, wie es uns überliefert wurde und wer es verfasst hat, wissen wir diese außergewöhnliche heilige Schrift umso mehr zu schätzen. Dies wiederum schenkt uns größere geistige Kraft, wenn wir – wie die damaligen Jünger Christi – unsere eigenen Prüfungen durchmachen.

Was ist das Neue Testament?

In den Jahren kurz nach Jesu Tod wäre der Begriff Neues Testament nicht mit einer Zusammenstellung verschiedener Bücher über das Leben und den Tod des Herrn in Verbindung gebracht worden, sondern vielmehr mit etwas, was er beim Abschiedsmahl zu seinen Jüngern gesagt hatte: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ (Matthäus 26:28; Hervorhebung hinzugefügt.) Der in der King-James-Bibel mit „Neues Testament“ wiedergegebene griechische Begriff bezieht sich auf den neuen Bund, den der Erretter uns durch das Sühnopfer anbietet. Die biblischen Schriften, die als Neues Testament bezeichnet werden, beschreiben, belegen und erläutern diesen neuen Bund zwischen dem Herrn und seinem Volk.

Die Schriften, die uns im Neuen Testament erhalten blieben, beleuchten verschiedene Aspekte des Wirkens Jesu. Das Neue Testament beginnt mit den Evangelien. Evangelium bedeutet die „gute Nachricht“ – und dies bezieht sich auf das Leben, das Wirken und die göttliche Mission Jesu Christi. Es enthält außerdem eine Chronik der ersten missionarischen Bemühungen seitens der Kirche (die Apostelgeschichte), darüber hinaus Briefe der Führer der damaligen Kirche – etwa von Petrus und Paulus –, die die ersten Christen (die ebenfalls als Heilige bezeichnet wurden) ermahnten, im Glauben treu zu bleiben, ferner ein Zeugnis (Hebräer) und eine Apokalypse (die Offenbarung des Johannes), in der verheißen wird, dass der Herr in den Letzten Tagen zurückkehren wird. Jeder der Verfasser betrachtet das Geschehen aus einer anderen Perspektive, und jeder hatte beim Schreiben eine bestimmte Zuhörerschaft im Sinn und nicht die Absicht, im Geschichtsbericht wahrgenommene Lücken zu füllen. Mitte des vierten Jahrhunderts n. Chr. wurden die 27 Bücher mit den Aufzeichnungen des neuen Bundes des Herrn gesammelt und in der Reihenfolge zusammengestellt, wie wir sie heute kennen.

Wie wurde uns das Neue Testament überliefert?

Aus der größeren Schar seiner Jünger berief Jesus zwölf Männer als Apostel. Diese Männer folgten ihm während seines Wirkens und litten mit ihm. Aber sie erfreuten sich auch großer Erfolge und Erlebnisse, bei denen sie vom Heiligen Geist erfüllt wurden. Nach dem Tod Jesu begannen die Apostel und andere glaubenstreue Jünger damit, ihre Erlebnisse niederzuschreiben. Möglicherweise lösten zwei Ereignisse ihren Wunsch aus, ihre Aufzeichnungen über das Leben Jesu der Nachwelt zu erhalten. Erstens: Jerusalem und der Tempel fielen im Jahr 70 n. Chr. in die Hände der Römer. Zweitens: Der Abfall vom Glauben war bereits vorangeschritten (siehe Apostelgeschichte 20:29,30). Daher wurden viele der Schriften im Neuen Testament aufgeschrieben, damit die Glaubenstreuen ihren Weg durch das Unheil und den Meinungsstreit ihrer Zeit finden konnten.

Auf ihre Erfahrungen zurückblickend können wir daraus lernen, wie sie schwierige Zeiten meisterten und wie das Evangelium – die gute Nachricht – zu einem Stützpfeiler im Kampf gegen den Sog der Abtrünnigkeit wurde.

Gegen Ende des ersten Jahrhunderts waren sämtliche Schriften, aus denen heute das Neue Testament besteht, vollendet, und sie kursierten in den verschiedenen Zweigen der Kirche. Zwar wurden Abschriften dieser Texte auf Papyrus und später auf Pergament angefertigt, es waren jedoch relativ wenige im Umlauf. Die Mitglieder der Kirche sammelten die Bücher, derer sie habhaft werden konnten, und befassten sich mit den Worten des Herrn und der Apostel. Die Verfolgung der Christen durch den römischen Kaiser Diokletian im Jahr 303 n. Chr. schränkte die Zirkulation der Schriften erheblich ein. Diokletian ordnete an, die christlichen Schriften zu verbrennen, und zwang die Christen dazu, heidnische Götter anzubeten. Viele der Glaubenstreuen hielten die heiligen Texte in diesen Jahren der Verfolgung versteckt. Als Konstantin – der erste Kaiser, der sich zum Christentum bekannte – später anordnete, neue Abschriften der Schriften anzufertigen, konnten seine Gelehrten die Bücher zurückbekommen, die in den Gemeinden in der Zeit vor Diokletians Erlass in Gebrauch gewesen waren. Man kann die Geschichte des Neuen Testaments, wie es uns heute in gedruckter Form vorliegt, bis zu den Bibeln zurückverfolgen, die zur Zeit Konstantins angefertigt wurden. Das haben wir den Menschen zu verdanken, die ihre Sicherheit opferten, um den Neuen Bund des Herrn zu bewahren.

Nicht lange, nachdem Konstantin angeordnet hatte, das Neue Testament zu vervielfältigen und erneut in Umlauf zu bringen, wurden die Bücher, aus denen unsere aktuelle Bibel besteht, in die jetzige Reihenfolge gebracht. Diese gleicht einem Muster, das durch das Alte Testament vorgegeben wird. Das Neue Testament enthält das Gesetz (die Evangelien), die Geschichte des Christentums (die Apostelgeschichte) und die Propheten (Brief an die Römer bis Offenbarung des Johannes). Sowohl das Alte als auch das Neue Testament enden mit der Verheißung, dass der Herr wiederkehren wird (Maleachi und Offenbarung des Johannes). Mit der Platzierung dieser prophetischen Werke wird auch auf eine nach vorn gerichtete Hoffnung auf Errettung und künftige Offenbarung Nachdruck gelegt.

Wer hat das Neue Testament verfasst?

Jeder der Verfasser des Neuen Testaments schrieb aus einer individuellen Sichtweise auf die errettende Mission Jesu Christi. Zwei der Evangelien wurden von Aposteln verfasst: Matthäus und Johannes. Diese apostolischen Zeugen geben einen Augenzeugenbericht vom Wirken Jesu. Zwei spätere Jünger des Herrn verfassten ebenfalls Evangelien: Markus und Lukas, die von dem Zeugnis gaben, was sie empfunden und gehört hatten. Beide Männer waren einst Gefährten von Paulus gewesen (siehe Apostelgeschichte 12:25; 2 Timotheus 4:11) und berück-sichtigten unter anderem die Belange der zunehmenden Anzahl Heiliger, die außerhalb Judäas wohnten und den Herrn zu dessen Lebzeiten nicht kennengelernt hatten. In ihren Berichten legten sie lebhaft Zeugnis vom Herrn ab, an den sie glaubten.

Bei den Paulinischen Briefen handelt es sich wahrscheinlich um die ältesten Schriften im Neuen Testament, obwohl sie nicht alle zur selben Zeit geschrieben wurden. Paulus’ Zeugnis gründete sich auf seine Erfahrungen als Missionar, auf mehrere machtvolle Visionen (siehe Apostelgeschichte 9:1-6; 2 Korinther 12:1-7) und auf die persönliche Beziehung zu Petrus und anderen (siehe Galater 1:18,19). Er schrieb überwiegend zu dem Zweck, Streitigkeiten innerhalb der Gemeinden beizulegen. Bei anderen Gelegenheiten schrieb er jedoch auch an seine Freunde (Timotheus und Titus). In einem seiner Briefe bittet Paulus einen Sklavenbesitzer (Philemon) darum, einem entlaufenen Sklaven, dem Paulus im Gefängnis begegnet war, die Rückkehr zu erlauben. Bisher wird der Hebräerbrief Paulus zugeschrieben, obwohl die übliche Einleitung fehlt, in der er sich sonst als Verfasser zu erkennen gibt. Dessen ungeachtet bezeugt der Brief, wie wir Mut beweisen und durch Glauben zum Herrn kommen können. Der Hebräerbrief folgt im Neuen Testament gleich nach den Paulinischen Briefen und ist eine Abhandlung darüber, wie man trotz Ungemach Glauben üben kann.

Der kurze Jakobusbrief entstand ebenfalls recht früh und enthält Hinweise auf die Lehren Jesu aus der Bergpredigt, die vom schriftlich verfassten Matthäusevangelium getrennt mündlich überliefert worden sind (siehe Jakobus 1:13; 4:12; 5:12). Man nimmt an, dass Jakobus, der jüngere Bruder des Herrn, diesen Brief verfasst hat. Er war einer derjenigen, die den Erretter kannten und ihn nach dessen Auferstehung sehen durften (siehe 1 Korinther 15:7), und spielte bei vielen Ereignissen in der Entwicklung der Kirche eine wichtige Rolle (siehe Apostelgeschichte 15:13-29).

Das Neue Testament enthält außerdem zwei Briefe des Apostels Petrus und drei des Apostels Johannes. Beide hielten die Christen dazu an, glaubenstreu zu sein; besonders Pe-trus legte Wert auf Treue, gerade auch in schwierigen Zeiten.

Der Brief des Judas ist eine der letzten Schriften im Neuen Testament. Wie der Brief des Jakobus wurde auch dieser Brief vermutlich von einem der Brüder des Herrn verfasst (siehe Markus 6:3). Judas’ Anliegen war, dem zunehmenden Abfall in den Gemeinden entgegenzuwirken.

Das Neue Testament endet schließlich mit der Offenbarung des Apostels Johannes, der eine Vision niederschrieb, in der der Herr in Herrlichkeit erscheint, um seine Herrschaft im Millennium anzutreten. Diese Vision beschreibt anschaulich den Kampf zwischen Gut und Böse. Die meisten Kapitel handeln von Ereignissen, die für Johannes noch in der Zukunft lagen; dazu gehören auch Ereignisse in den Letzten – unseren – Tagen.

Für wen wurde das Neue Testament geschrieben?

Da es sich beim Neuen Testament um einen neuen Bund zwischen dem Herrn und denjenigen handelt, die an ihn glauben, sind diese Schriften an diejenigen gerichtet, die danach trachten, ihn zu erkennen – in alten wie in neuen Evangeliumszeiten. Ursprünglich schrieben die Verfasser des Neuen Testaments Texte für den sofortigen Gebrauch in den Gemeinden der damaligen Zeit. Hierbei war ihnen bewusst, dass sie die wichtigsten Geschehnisse in der Geschichte der Menschheit niederschrieben. Johannes wollte beispielsweise seine Schriften als Zeugnis betrachtet wissen: „Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.“ (Johannes 20:31.) Andere, so etwa Lukas, schrieben in der Absicht, die geschichtliche Entwicklung festzuhalten:

„Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat.

Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren.

Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich … der Reihe nach aufzuschreiben.“ (Lukas 1:1-3.)

Die ersten Christen konnten unterschiedlicher nicht sein. Einige stammten aus jüdischen Familien, während andere in nichtjüdischer Umgebung aufgewachsen waren; manche hatten vor ihrer Taufe keine formelle Religion praktiziert. Eigentlich waren die frühen Christen ein Spiegelbild der unterschiedlichen Gruppierungen unter den heutigen Heiligen. Darum kann der von ihnen ausgetragene Kampf uns wertvolle Lektionen darüber vermitteln, wie man Schlechtigkeit überwindet und trotz Prüfungen und Versuchungen glaubenstreu bleibt. Sie zeigen uns auch, mit welchen Schwierigkeiten die Gemeinden zu kämpfen hatten, solange sie sehr klein waren, und inwiefern in den Worten der Apostel und Propheten Sicherheit lag.

Ein Zeugnis für die heutige Zeit

Das Neue Testament macht deutlich, dass in unsicheren Zeiten – wenn einige dem Aufruf des Evangeliums nicht folgen wollten – diejenigen, die „an der Lehre der Apostel … und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten [festhielten]“, in Sicherheit waren (siehe Apostelgeschichte 2:42). Andere Beispiele zeigen uns, wie selbst die Rechtschaffenen geprüft werden (siehe 1 Korinther 10:13) und dass die Kernaussage des Evangeliums vor zweitausend Jahren genauso einfach war wie heute: „Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater, besteht darin: für Waisen und Witwen zu sorgen, wenn sie in Not sind, und sich vor jeder Befleckung durch die Welt zu bewahren.“ (Jakobus 1:27.) So wie das Buch Lehre und Bündnisse, in dem der Prophet Joseph Smith Zeugnis gab, „dass er lebt!“ (siehe LuB 76:22), legt auch das Neue Testament Zeugnis davon ab, dass das Grab am Ostermorgen leer war: „Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden.“ (Matthäus 28:6.)

Augenzeugenberichte

Elder M. Russell Ballard

„Ich lese gern von den Reisen und Wundern der Apos-tel und die Briefe des Paulus im Neuen Testament. Am meisten gefallen mir die Augenzeugenberichte über die Worte, das Beispiel und das Sühnopfer unseres Heilands, Jesus Christus. Die Sichtweise und der Frieden, die wir erlangen, wenn wir die Bibel lesen, bedeuten mir sehr viel.“

Elder M. Russell Ballard vom Kollegium der Zwölf Apostel, „Das Wunder der Bibel“, Liahona, Mai 2007, Seite 81

Kinder

Wo steht die Geschichte?

Hier sind acht Geschichten aus den heiligen Schriften aufgeführt. Finde heraus, in welchem Buch der heiligen Schriften jede Geschichte steht. Wenn du dir nicht sicher bist, schlage das Thema der Geschichte im Schriftenführer nach.

  • Nephi zerbricht seinen Bogen. (1)

  • Noach baut die Arche. (2)

  • Das Wort der Weisheit wird offenbart. (3)

  • Ester rettet ihr Volk. (4)

  • Der verlorene Sohn kehrt nach Hause zurück. (5)

  • Hauptmann Moroni macht das Banner der Freiheit. (6)

  • Jesus hält die Bergpredigt. (7)

  • Der Kirtland-Tempel wird geweiht. (8)

Such im Puzzle die Zahlen, die oben in Klammern stehen. Mal die Felder mit der Farbe aus, die unten bei dem jeweiligen Buch angegeben ist.

Altes Testament = blau

Neues Testament = rot

Buch Mormon = gelb

Lehre und Bündnisse = braun

Viele der Schriften im Neuen Testament wurden verfasst, damit die Glaubenstreuen ihren Weg durch das Unheil ihrer Zeit finden konnten.

Jesus Christus und seine Apostel beim Abschiedsmahl

Die Heiligen in früher Zeit hören zu, wie aus einem der Briefe des Paulus vorgelesen wird

Paulus verfasst einen Brief aus dem Gefängnis

Petrus predigt Kornelius und seinem Haus

Petrus und Johannes predigen und heilen

Illustrationen © Dover Publications

Rechts: Illustration von Adam Koford