Unsere Auffassung von der Ehe


President Hugh B. Brown

Unsere Auffassung von der Ehe

Die Ehe ist ein Sakrament und soll es auch sein. Das Wort Sakrament wird unterschiedlich definiert, doch Christen verstehen darunter eine religiöse Handlung oder Zeremonie, die von jemandem vollzogen wird, der die entsprechende Vollmacht hat. Es ist ein Versprechen, ein feierlicher Bund, im geistigen Sinne ein Zeichen oder Band zwischen den beiden Partnern und zwischen ihnen und Gott. Die Ehe wurde vom Herrn selbst eingerichtet und geheiligt, wie aus den folgenden Zitaten hervorgeht:

„Dann sprach Gott, der Herr: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. …

Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch.“ (Genesis 2:18,24.)

Als Jesus Galiläa verließ und jenseits des Jordans an die Küste Judäas kam, folgte ihm eine große Menschenmenge. Die Pharisäer stellten ihm eine Frage zur Ehescheidung.

„Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat

und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein?

Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ (Matthäus 19:4-6.)

Die Ehe erfüllt Gottes Absichten

Es ist völlig klar: Gott hat vorgesehen, dass ein Mann und eine Frau eins werden. Er selbst vollzog die erste Eheschließung und heiligte dadurch die Institution Ehe. Die Ehe ist ein normaler, gesunder, wünschenswerter Stand und wurde eingerichtet, um Gottes Absichten auf der Erde zu erfüllen.

Sie ist das zentrale Element bei der Gründung einer Familie. Sie ist mehr als eine Institution des Menschen, die nur von Gebräuchen und dem Zivilrecht geregelt wird. Sie ist mehr als nur ein Vertrag, der durch das Sittengesetz gerechtfertigt wird. Sie ist ein religiöses Sakrament – oder soll es sein –, durch das Mann und Frau sich feierlich verpflichten, gemeinsam mit Gott dessen erklärte Absicht zu verwirklichen, seinen Geistkindern das Erdenleben und die Sterblichkeit zu ermöglichen und damit für sie die Unsterblichkeit und das ewige Leben zustande zu bringen.

Es gibt Leute, die behaupten, die erhabenste, hingebungsvollste und wünschenswerteste Lebensweise sei in der Ehelosigkeit zu finden. Mit anderen Worten, sie wollen denen, die die höchste Herrlichkeit anstreben, verbieten, „sich von einer körperlichen, triebhaften Beziehung beflecken zu lassen“. In den heiligen Schriften findet sich keinerlei Bestätigung für so eine Lehre. In den Sprichwörtern heißt es: „Wer eine Frau gefunden, hat Glück gefunden und das Gefallen des Herrn erlangt.“ (Sprichwörter 18:22.) …

Und im Buch Lehre und Bündnisse steht: „Und weiter, wahrlich, ich sage euch: Wer verbietet zu heiraten, ist nicht von Gott verordnet, denn die Ehe ist dem Menschen von Gott verordnet.“ (LuB 49:15.)

Die Eheschließung im Tempel führt zu wahrem Glück

Die Heiligen der Letzten Tage glauben, dass ein Mann und eine Frau im Tempel für Zeit und Ewigkeit getraut werden müssen, um das Beste im Leben und das größte Glück in dieser und der nächsten Welt zu erlangen. Ohne die Siegelung der Ehe im Tempel kann der Mensch nicht wie Gott werden oder eine Fülle der Freude empfangen. …

Für einen Heiligen der Letzten Tage ist nur eine Form der Eheschließung vollständig: die Tempelehe oder celestiale Ehe, die nur in den Tempeln der Kirche geschlossen wird. Tempel werden gebaut und dem Herrn als Heiligtum geweiht, damit es einen Ort gibt, wo Zeremonien oder heilige Handlungen vollzogen werden können, die geistiger und ewiger Natur sind. Wir erkennen zwar eine Ehe an, die von einem Geistlichen einer anderen Kirche oder einem Standesbeamten geschlossen wurde, aber wir glauben, dass nur im Tempel Gottes die Ehe für Zeit und Ewigkeit geschlossen werden kann, und zwar von jemandem, der die Vollmacht hat, die Christus dem Petrus mit den Worten übertrug: „Was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein.“ (Matthäus 16:19.)

Diese Vollmacht wird in den heiligen Schriften als „die Schlüssel des Himmelreichs“ (Matthäus 16:19) bezeichnet. Wird eine celestiale Ehe geschlossen, dann öffnen diese Schlüssel die Tür zum Himmelreich.

Alle Bedürfnisse werden erfüllt

Der Mensch hat bestimmte Grundbedürfnisse – sittlicher, sozialer, biologischer und geistiger Art –, die nur in der von Gott eingerichteten Institution der ewigen Ehe voll und ganz erfüllt werden können.

Um hier das Leben in Fülle und später das ewige Leben zu haben, muss der Mensch lieben und geliebt werden, dienen und Opfer bringen, Verantwortung tragen und die von Gott gegebene schöpferische Kraft ausüben. „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Johannes 10:10.)

Der größte Wert der Ehe liegt aber wahrscheinlich nicht in dem Nutzen, der für den Einzelnen daraus erwächst. Vielmehr wird der Zweck der Vereinigung von Mann und Frau am Anfang in diesem Gebot des Herrn deutlich: „Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch.“ (Genesis 1:28.) In einer rechtmäßigen Ehe hat der Mensch die Möglichkeit, sein natürliches Verlangen, kreativ und produktiv zu sein, zu verwirklichen. Dies kann nur in der Ehe, und indem man Kinder bekommt und großzieht, voll und ganz erfüllt und auf die richtige Weise verwirklicht werden. Eltern dürfen nicht vergessen, dass die Kinder, die sie zur Welt bringen – ihre Kinder – auch Gottes Kinder sind. Er ist der Vater ihres Geistkörpers. Im Vorherdasein hat er weise dafür gesorgt, dass ewige Materie und ewiger Geist untrennbar verbunden werden und eine Fülle der Freude empfangen können. Daher glauben die Heiligen der Letzten Tage, dass Gott tatsächlich der dritte Partner in ihrer Beziehung ist und dass zu seinem Plan, mit dem er die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande bringen will, gehört, dass man innerhalb der von Gott gutgeheißenen Institution Ehe Kinder zur Welt bringt.

Die ewige Natur der Ehe

Als der Herr Jesus Christus die Liebe zu Gott und die Liebe zum Mitmenschen als die beiden wichtigsten Gebote bezeichnete, verherrlichte er die Liebe. Ja, es wird uns gesagt, dass Gott die Liebe ist. Da Gott ewig ist, muss also die Liebe ewig sein, und ihre Früchte und Segnungen sollen durch alle Ewigkeiten weiterbestehen. Doch Mann und Frau, Eltern und Kinder können nur dann die Rechte und Vorteile ewiger Liebe genießen, wenn die Zeremonie, durch die diese schönste aller Beziehungen rechtmäßig und geheiligt wird, nicht die Einschränkung „bis dass der Tod euch scheidet“ enthält. Damit die Familienbeziehung und die eheliche Beziehung ewig sein können, muss die Ehe bindend „für Zeit und für alle Ewigkeit“ geschlossen werden.

Alle Menschen sollten ihre Verantwortung gegenüber ihren Nachkommen und gegenüber den Bündnissen, die sie im Hinblick darauf schließen, begreifen. Als der Herr sagte: „Ohne sie können wir nicht vollkommen gemacht werden“ (LuB 128:18), sprach er von einer Kette, deren Glieder sowohl in die Zukunft als auch in die Vergangenheit reichen. Tatsächlich tragen wir wohl für diejenigen, die uns in diesem Leben anvertraut werden, mehr direkte Verantwortung als für unsere Vorfahren. Wir können nicht für die Sünden – ob Begehungs- oder Unterlassungssünden – unserer Vorfahren verantwortlich gemacht werden. Doch Gott hat uns gewarnt, dass die Sünden unserer Nachkommen auf unser Haupt kommen, falls unsere Nachkommen scheitern, weil wir unserer Pflicht ihnen gegenüber nicht nachgekommen sind.

Zu den Segnungen für diejenigen, die den höchsten Grad im celestialen Reich erreichen, gehört die ewige Vermehrung, was unter anderem bedeutet, dass der Mensch auch nach dem Tod weiterhin in Partnerschaft mit Gott dazu beitragen kann, die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen.

Ewige Partner und gemeinsamer Fortschritt

Unter ewigem Fortschritt verstehen die Heiligen der Letzten Tage unter anderem ewige Entwicklung, ewige Vermehrung von Erkenntnis, Macht, Intelligenz und Bewusstsein sowie all die Eigenschaften und Fähigkeiten, die die Gottheit ausmachen. Doch nach Gottes Plan kann der Mensch diesen Zustand der fortdauernden Vervollkommnung nicht erreichen, solange er unvollendet – nicht verheiratet – ist. Der ganze Mensch – mit anderen Worten, der Mensch, der seine andere Hälfte gefunden hat und mit ihr vereint wurde – muss wachsen und sich weiterentwickeln.

Dieses Bild von der Ehe – aus Gottes Sichtweise – verleiht der Ehe als solcher einen neuen Sinn und mehr Bedeutung, Würde und Herrlichkeit. Mit diesem Bild vor Augen wählt jeder umsichtige Mensch seinen ewigen Partner mit größerer Sorgfalt aus. Gewiss sollen beide, Mann und Frau, demütig und bedacht sein und gebeterfüllt nach göttlicher Führung streben, ehe sie eine solche ewige Verbindung eingehen.

Die Unverletzlichkeit und Heiligkeit der ehelichen Beziehung im religiösen Sinn gewinnt für ein Ehepaar an Wert und Bedeutung, wenn beide schon vor der Eheschließung dasselbe Ziel vor Augen haben – und dazu müssen sie notwendigerweise denselben Glauben haben. Sie müssen sich vorbereiten und würdig sein, in einem Gebäude, das nur die Würdigen betreten dürfen, diese heilige Handlung zu empfangen. Hier müssen sie unterwiesen werden, Bündnisse schließen und dann am Altar in der Gegenwart von Gott und von Engeln einander ewige Liebe und Treue geloben. Gewiss trägt eine solche Auffassung, ein solcher Brauch – mit allen dazugehörigen Verpflichtungen – zur Beständigkeit der Familie bei, zur Ehrung der Institution Ehe und zur Errettung der Menschenseelen.

Ein Akt des Glaubens

Eine solche Eheschließung ist im Wesentlichen ein Akt des Glaubens, feierlich vollzogen in der Gegenwart Gottes. Glauben und Mut sind erforderlich, um trotz der Schwierigkeiten, Prüfungen und Enttäuschungen, die man erleben kann, und manchmal auch trotz eines schmerzlichen Verlusts, durchzuhalten, bis ans Ende auszuharren.

Wenn man die Bedingungen und Verpflichtungen dieser ewigen Partnerschaft annimmt, muss einem bewusst sein, dass ein Scheitern hierbei fast ein Totalversagen bedeutet. Wenn jemand den Verpflichtungen, die ihm durch diesen ewigen Bund auferlegt sind, nicht nachkommt – wie erfolgreich er auch in anderen Bereichen sein mag –, wird die schreckliche Strafe der Verlust der celestialen Herrlichkeit sein, und dazu kommt die Verantwortung für die Verluste derer, mit denen er den Bund geschlossen hat und für die er verantwortlich ist.

„Die Ehe ist dem Menschen von Gott verordnet.

Darum ist es rechtens, dass er eine Frau habe, und die beiden werden ein Fleisch sein, und dies alles, damit die Erde den Zweck ihrer Erschaffung erfülle

und damit sie sich mit dem Maß an Menschen fülle, gemäß seiner Erschaffung, ehe die Welt gemacht wurde.“ (LuB 49:15-17.)

Foto von Jerry Garns

Oben: Foto von Jerry Garns; unten: Foto von April Newman

Die Heiligen der Letzten Tage glauben, dass ein Mann und eine Frau im Tempel getraut werden müssen, um das Beste im Leben und das größte Glück in dieser und der nächsten Welt zu erlangen.

Die Heiligen der Letzten Tage glauben, dass Gott tatsächlich der dritte Partner in ihrer [ehelichen] Beziehung ist und dass zu seinem Plan gehört, dass man innerhalb der von Gott gutgeheißenen Institution Ehe Kinder zur Welt bringt.