Die Geschichte der Frauenhilfsvereinigung: Die Vision des Herrn für seine Töchter


Julie B. Beck
Als Töchter Gottes, die nach ewigem Leben streben, können wir vertrauensvoll vorwärtsgehen, inspiriert vom Beispiel derer, die uns vorausgegangen sind.

Zu Beginn unserer Amtszeit als neue Präsidentschaft der Frauenhilfsvereinigung überreichte man uns eine Dokumentation der Geschichte der Frauenhilfsvereinigung, mit der wir uns befassen sollten. Gebeterfüllt machten wir uns an diese Aufgabe. Wir wollten herausfinden, was der Herr von uns erwartete, was wir daraus lernen und in die Tat umsetzen sollten. Diese Dokumentation offenbarte das Vermächtnis, das die Frauen in der Kirche mit ihrer geistigen Stärke und ihrem Einsatz hinterlassen haben. Sie war ein beeindruckender Bericht darüber, wie der Herr mit seinen Töchtern umgeht und was er von ihnen erwartet. Durch unser Studium und die Inspiration, die daraus resultierte, wurde uns der Zweck der Frauenhilfsvereinigung deutlich bewusst. Wir erfuhren, dass der Herr von seinen Töchtern, die sich auf die Segnungen des ewigen Lebens vorbereiten, erwartet, dass sie den Glauben und die Rechtschaffenheit fördern, die Familie und das Zuhause stärken und die Bedürftigen ausfindig machen und ihnen helfen. Wenn FHV-Schwestern mit einem Gebet im Herzen ihre gemeinsame Geschichte lesen, werden sie wie wir Einsichten gewinnen und Antworten und Inspiration erhalten.

Wir hoffen, dass alle, die sich mit der Geschichte und dem Werk der Frauenhilfsvereinigung befassen, erkennen, wie der Vater im Himmel den Schwestern in der Vergangenheit geholfen hat. Wenn wir sehen, wie er ihnen geholfen hat, erlangen wir ein Zeugnis davon, dass er auch uns heute helfen wird. Wir erkennen, dass Gott heute – ebenso wie vor mehr als hundert Jahren – eine Frau durch den Heiligen Geist führen kann.

Schwester Eliza R. Snow, die zweite Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung, war eine starke, glaubenstreue Frau. Sie verstand, dass der Heilige Geist „jedes Sehnen des Herzens stillt und jede Leere füllt“. Zu verschiedenen Zeiten ihres Lebens hatte sie mit Krankheit und Einsamkeit zu kämpfen. Aber sie wurde gestärkt, indem sie persönliche Offenbarung empfing und danach handelte. Für sie waren persönliche Offenbarung und die ständige Begleitung durch den Heiligen Geist wie eine nie versiegende Quelle. Sie sagte: „Und haben wir es nicht in der Hand, so zu leben, dass dies immerfort unserer Seele zufließt?“1

Beispiele wie dieses, die sich durch unsere Geschichte ziehen, rufen uns in Erinnerung, dass die Fähigkeit, persönliche Offenbarung zu empfangen und danach zu handeln, das Allerwichtigste ist, was man in diesem Leben erlernen kann. Mit dieser Fähigkeit können wir nicht scheitern; ohne sie können wir nicht erfolgreich sein.

Die Geschichte der Frauenhilfsvereinigung ist auch heute für die Schwestern auf der ganzen Welt von Bedeutung.

In unserer Geschichte gab es eine ganze Reihe starker, rechtschaffener, gläubiger, engagierter Frauen. Dieses Vermächtnis begann mit Eva. Die Berichte über diese Frauen sind unser gemeinsames Erbe und geben uns Ausblick auf unsere Zukunft. Wir setzen dieses Vermächtnis rechtschaffener, engagierter Frauen nur dann fort, wenn wir auf dem aufbauen, was sie geleistet haben. Wenn wir uns in unsere gemeinsame Geschichte vertiefen, erkennen wir, dass die Frauen dieser Kirche stark sind und große Fähigkeiten besitzen, was auf ihren Glauben an den Herrn Jesus Christus und sein wiederhergestelltes Evangelium zurückzuführen ist. Ihr Glaube hat diese Frauen befähigt, richtige Entscheidungen zu treffen und Herausforderungen und Schwierigkeiten zu überwinden. Er hat sie befähigt, das Feuer ihres Glaubens und die Macht ihrer Bündnisse so zu nutzen, dass uns ihr Leben als leuchtendes Beispiel dient. In jedem Land findet sich ein solches Vermächtnis des Glaubens unter den Frauen, die mitgeholfen haben, die Kirche aufzubauen und die Familien der Mitglieder zu stärken.

Silvia H. Allred, Erste Ratgeberin in der FHV-Präsidentschaft, erzählte einmal von ihrer Mutter Hilda Alvarenga, die zur Zeit ihrer Bekehrung Mitte dreißig war und kurz darauf zur FHV-Leiterin in einem Zweig in El Salvador berufen wurde. Sie erklärte ihrem Zweigpräsidenten, dass sie unerfahren, unvorbereitet und ungeeignet sei. Aber der Zweigpräsident berief sie dennoch. In dieser Berufung erlernte sie Führungskompetenzen und entwickelte neue Talente, beispielsweise unterrichten, in der Öffentlichkeit reden und Versammlungen, Aktivitäten und Dienstprojekte organisieren. Sie half anderen Schwestern in ihrem Zweig, ebenfalls am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken.2 Heute erwartet der Vater im Himmel, wie schon in der Vergangenheit, dass seine Töchter in jeder Gemeinde und jedem Zweig Führungsaufgaben übernehmen. Schwestern wie Hilda Alvarenga werden zu Pionierinnen und Vorbildern für kommende Generationen.

Frauen von heute, die großen Belastungen ausgesetzt sind, können aus der Geschichte lernen.

Als Präsidentschaft haben wir die ganze Welt bereist und waren auch bei vielen Schwestern zu Hause. Wir kennen ihre Kämpfe und die Schwierigkeiten, die ihnen fast das Herz brechen. Viele Schwestern fühlen sich überlastet. Einige finden es schwer, Zeit für das tägliche Gebet und Schriftstudium zu finden und all das zu tun, was ihnen hilft, den Heiligen Geist zu verspüren. Wir leben in zunehmend schwierigen Zeiten und sind umgeben von Meinungen und Praktiken, die uns von unserem ewigen Ziel abbringen könnten. Aber weil wir als Frauen großen Einfluss auf unser Umfeld haben, müssen wir alles tun, was in unserer Macht steht, damit wir geistig stark bleiben.

Die Geschichte der Frauenhilfsvereinigung hilft uns, uns auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist, und die richtigen Prioritäten zu setzen. Jeden Tag können wir Entscheidungen treffen, die unseren Glauben vertiefen und unsere Familie stärken. Vor mehr als sechzig Jahren forderte Belle S. Spafford, die neunte Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung, die Schwestern auf, ihre Interessen zu bewerten, das, womit sie sich beschäftigen, kritisch zu beurteilen und ihr Leben einfacher zu gestalten, indem sie sich dem widmen, was von bleibendem Wert ist, und sich so von allen Beschäftigungen freimachen, die weniger lohnend sind.3 Ihr Rat gilt auch heute noch. Wenn wir uns mit unserer Geschichte befassen, können wir zu der Sichtweise gelangen, die wir brauchen, um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren – das, was uns in Ewigkeit Segen bringen wird.

Den Glauben zu fördern, Familien zu stärken und dem Nächsten zu dienen sind heute ebenso wichtig wie damals, als die Frauenhilfsvereinigung gegründet wurde.

Unsere Geschichte belegt, dass starker Glaube eine treibende und stabilisierende Kraft im Leben einer rechtschaffenen Frau ist. Der Glaube an das Sühnopfer Jesu Christi heilt uns nicht nur, sondern lässt uns auch Schwieriges meistern und ein vorbildliches Leben führen. Aus unserer Geschichte lernen wir, dass die Nächstenliebe – die reine Christusliebe, die nie vergeht –, den Frauen geholfen hat, sehr schwierige Prüfungen auf bewundernswerte Weise zu meistern. Wir nehmen an Glauben und Rechtschaffenheit zu, wenn wir uns dafür entscheiden, unseren Willen mit Gottes Willen in Einklang zu bringen. Wenn wir das tun, finden wir Frieden. Wenn wir nicht im Einklang mit Gottes Willen sind, haben wir Schuldgefühle. Das bedeutet, dass der Heilige Geist uns sagt, dass wir umkehren und uns wieder mit Gottes Willen in Einklang bringen müssen. Die Umkehr ist ein Grundsatz, den man täglich anwenden muss, um geistig stark zu bleiben.

Wir lernen aus unserer Geschichte, dass starke Familien kein Zufall sind. Exakt, überzeugt und entschlossen nach dem Plan des Herrn zu leben, erfordert in der heutigen Welt, dass man sich bewusst und voller Glauben dafür entscheidet. Es ist ein vom Glauben getragener Akt der Nächstenliebe, unsere Mitmenschen zu stärken und jede Familie zu umsorgen.

Unsere Geschichte ist reich an Vorbildern – Schwestern, die sich den Auftrag, „den Armen zu helfen“ und „Seelen zu erretten“, zu eigen gemacht haben.4 Amy Brown Lyman war zur Zeit des Zweiten Weltkriegs als achte Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung berufen. Sie hielt die Schwestern dazu an, ihren Glauben zu stärken und auszuharren. Sie forderte sie auf, ihr Zuhause zu einer Zuflucht zu machen und ihrer Familie oberste Priorität einzuräumen.5

Durch die Mitgliedschaft in der Frauenhilfsvereinigung gehört jede Schwester zu einer großen, weltweiten Gemeinschaft von Schwestern, die in der Nachfolge Jesu Christi vereint sind. Hier arbeitet sie mit anderen zusammen, die ebenfalls fest entschlossen sind, ihre Bündnisse zu halten und für den Aufbau des Reiches Gottes alles zu geben.

Unsere Geschichte macht deutlich, dass die FHV untrennbar mit dem Priestertum verbunden ist.

Der Herr hat seinen Söhnen und seinen Töchtern ein wichtiges Werk anvertraut. Die Priestertumskollegien und die Frauenhilfsvereinigung verrichten das Werk des Herrn. Der Prophet Joseph Smith sagte: „Ich werde die Frauen unter dem Priestertum nach dem Muster des Priestertums organisieren.“6

Wie in der Vergangenheit handelt auch heute die FHV-Leiterin auf Weisung des Bischofs oder Zweigpräsidenten, der die Priestertumsschlüssel zur Führung der Gemeinde oder des Zweiges innehat.

Barbara W. Winder, die elfte Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung, sagte: „Ich wünsche mir so sehr, dass wir einig sind, eins mit dem Priestertum, dass wir gemeinsam dienen und das Reich Gottes hier und heute aufbauen.“7

Darüber hinaus ist es doch großartig, zu wissen, dass jede Schwester alle errettenden heiligen Handlungen empfangen und Bündnisse schließen kann, die sie befähigen, ihre irdische und ihre ewige Mission zu erfüllen. Jede Schwester kann den Heiligen Geist als ständigen Begleiter bei sich haben, der sie führt und tröstet und sie in ihrem rechtschaffenen Tun bestätigt. Außerdem kann sie geistige Gaben empfangen, die sie noch besser befähigen, zuversichtlich und behütet zu leben. Unsere Geschichte zeigt auf, wie Frauen in der Vergangenheit diese Segnungen genutzt haben.

Unsere Geschichte zu kennen hilft uns dabei, uns auf die Segnungen des ewigen Lebens vorzubereiten.

Wir erfahren, dass FHV-Schwestern in der Vergangenheit schwierige Zeiten erlebt haben, aber auch heute kämpfen wir gegen einen entschlossenen Feind, der unseren Glauben und unsere Familien zerstören will und uns einsam und leidend zurücklassen möchte. Die Geschichte der Frauenhilfsvereinigung zeigt die Hintergründe auf für alles, was wir tun. Durch den Propheten Joseph Smith hat der Erretter die Frauen dieser Evangeliumszeit aufgerufen, bei der Verwirklichung seines Werkes mitzuhelfen.

Aus unserer Geschichte lernen wir, wer wir sind und welche entscheidende Rolle wir im Plan des himmlischen Vaters spielen. Wir können unsere Aufgaben nicht anderen überlassen. Unser Vater im Himmel kennt uns und liebt uns und wird uns deshalb Kraft geben, wenn wir uns bemühen, unseren Willen mit dem seinen in Einklang zu bringen. „Wenn ihr darum vorwärtsstrebt und euch am Wort von Christus weidet und bis ans Ende ausharrt, siehe, so spricht der Vater: Ihr werdet ewiges Leben haben.“ (2 Nephi 31:20.)

Den Glauben und die Rechtschaffenheit fördern

Die Familie und das Zuhause stärken

Die Bedürftigen ausfindig machen und ihnen helfen

Maria und der auferstandene Herr, Gemälde von Harry Anderson; Foto von Busath Photography

Fotos von Matthew Reier und Howard Collett

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Eliza R. Snow, zitiert in Die Töchter in meinem Reich: Die Geschichte und das Werk der Frauenhilfsvereinigung, Kapitel 4

  2.   2.

    Siehe Die Töchter in meinem Reich, Kapitel 6

  3.   3.

    Siehe Die Töchter in meinem Reich, Einleitung

  4.   4.

    Siehe Die Töchter in meinem Reich, Kapitel 2

  5.   5.

    Siehe Die Töchter in meinem Reich, Kapitel 5

  6.   6.

    Joseph Smith, zitiert in Die Töchter in meinem Reich, Kapitel 2

  7.   7.

    Barbara W. Winder, zitiert in Die Töchter in meinem Reich, Kapitel 8