Glauben, gehorchen, ausharren


Thomas S. Monson
Glaubt daran, dass es ungemein wichtig ist, stark und treu zu bleiben, was die Wahrheiten des Evangeliums angeht. Ich bezeuge, dass dem so ist!

Meine lieben jungen Schwestern, die Aufgabe, zu euch zu sprechen, stimmt mich demütig. Ich bete um Gottes Hilfe, dass ich diesem Auftrag gerecht werden kann.

Vor nur zwanzig Jahren hattet ihr eure Reise durchs Erdenleben noch nicht einmal angetreten. Ihr wart noch in eurem himmlischen Zuhause. Ihr wart bei denen, die euch lieb hatten und an eurem ewigen Wohlergehen interessiert waren. Irgendwann wurde es dann für euren Fortschritt wichtig, dass ihr auf die Erde kamt. Es wurden sicherlich Abschiedsworte gesprochen und man hat euch Mut gemacht. Ihr habt einen Körper erhalten und wurdet sterblich. Jetzt wart ihr von der Gegenwart des Vaters im Himmel abgeschnitten.

Doch hier auf der Erde wurdet ihr auch voller Freude begrüßt. Die ersten Jahre waren ganz besonders kostbar. Der Satan hatte keine Macht, euch zu versuchen, denn ihr hattet noch nicht das Alter der Verantwortlichkeit erreicht. Ihr wart vor Gott schuldlos.

Bald darauf fing der Lebensabschnitt an, den manche als die „fürchterliche Pubertät“ bezeichnen. Mir gefällt aber „fabelhafte Pubertät“ besser. Was für eine Zeit voller Chancen, eine Zeit des Wachstums, eine Zeit, sich zu entwickeln – ihr eignet euch Wissen an und sucht nach der Wahrheit.

Niemand hat behauptet, die Teenagerzeit sei einfach. Häufig erlebt man Jahre voller Unsicherheit, man hat das Gefühl, nicht gut genug zu sein, man versucht, seinen Platz in einer Gruppe zu finden, und will irgendwo dazugehören. In diesem Zeitabschnitt werdet ihr unabhängiger – und wünscht euch vielleicht mehr Freiheit, als eure Eltern euch im Augenblick gewähren wollen. In diesen Jahren gibt sich auch der Satan besonders viel Mühe, euch zu versuchen und euch von dem Pfad wegzulocken, der zu dem himmlischen Zuhause zurückführt, aus dem ihr gekommen seid – zurück zu euren Lieben dort und zurück zu eurem Vater im Himmel.

Die Welt um euch herum ist nicht darauf eingerichtet, euch die Hilfe zu bieten, die ihr auf dieser häufig tückischen Reise braucht. Heutzutage scheinen sich so viele Menschen vom sicheren Ankerplatz gelöst und vom ruhigen Hafen entfernt zu haben.

Freizügigkeit, Unsittlichkeit, Pornografie, Drogen, Gruppenzwang – dies und noch viel mehr – treiben viele auf einem Meer von Sünden hin und her und lassen sie an den zerklüfteten Klippen vergebener Chancen, eingebüßter Segnungen und zerplatzter Träume zerschellen.

Gibt es einen Weg in die Sicherheit? Gibt es einen Fluchtweg vor drohender Zerstörung? Die Antwort ist unmissverständlich Ja! Ich rate euch, auf den Leuchtturm des Herrn zu blicken. Ich habe es schon einmal gesagt und sage es noch einmal: Kein Nebel ist so dicht, keine Nacht so finster, kein Sturm so stark, kein Seemann so sehr vom Kurs abgekommen, dass der Leuchtturm des Herrn ihn nicht retten kann. Inmitten der Stürme des Lebens führt uns sein Licht. Es ruft uns zu: „Hier seid ihr in Sicherheit! Hier geht es nach Hause!“ Der Leuchtturm sendet stetig Lichtsignale aus, die man leicht sehen und nicht verfehlen kann. Wenn ihr diesen Signalen folgt, führen sie euch zurück in euer himmlisches Zuhause.

Ich möchte heute Abend über drei wichtige Signale sprechen, die der Leuchtturm des Herrn aussendet, und die euch helfen, zum Vater zurückzukommen, der schon sehnsüchtig auf eure triumphale Rückkehr wartet. Diese drei Signale lauten: glauben, gehorchen und ausharren.

Das erste Signal, das ich nennen will, ist ganz grundlegend: glauben. Glaubt daran, dass ihr Töchter des Vaters im Himmel seid, dass er euch liebt und dass ihr aus einem herrlichen Grund hier seid: Ihr sollt eure ewige Erlösung erlangen. Glaubt daran, dass es ungemein wichtig ist, stark und treu zu bleiben, was die Wahrheiten des Evangeliums angeht. Ich bezeuge, dass dem so ist!

Meine jungen Freundinnen, glaubt an die Worte, die ihr jede Woche sprecht, wenn ihr den Leitgedanken der Jungen Damen aufsagt. Denkt über die Bedeutung dieser Worte nach. Es steckt Wahrheit in ihnen. Seid immer bemüht, nach den darin genannten Werten zu leben. Glaubt daran, dass ihr – wie es im Leitgedanken heißt – dadurch, dass ihr diese Ideale annehmt und euch dementsprechend verhaltet, euch bereitmacht, eure Familie und euer Zuhause zu stärken, heilige Bündnisse einzugehen und zu halten, die heiligen Handlungen des Tempels zu empfangen und einmal die Segnungen der Erhöhung zu erlangen. Das sind so schöne Wahrheiten des Evangeliums. Wenn ihr euch daran haltet, werdet ihr in eurem ganzen Leben hier und auch im nächsten Leben glücklicher sein, als wenn ihr sie außer Acht lasst.

Die meisten von euch wurden von Kindesbeinen an im Evangelium unterwiesen. Ihr wurdet von liebevollen Eltern und Lehrern belehrt. Die Wahrheiten, die sie euch nahegebracht haben, haben euch geholfen, ein Zeugnis zu erlangen. Ihr habt geglaubt, was man euch gesagt hat. Dieses Zeugnis kann zwar weiterhin geistig genährt werden und wachsen, wenn ihr in den Schriften lest, um Führung betet und jede Woche die Versammlungen der Kirche besucht, aber es ist an euch, dieses Zeugnis lebendig zu halten. Der Satan wird alles daransetzen, es zu zerstören. Ihr müsst es euer ganzes Leben lang nähren. Wie die Flammen eines lodernden Feuers wird euer Zeugnis – wenn es nicht ständig genährt wird – zu glimmender Asche verglühen und dann ganz erlöschen. Das dürft ihr nicht zulassen!

Besucht nicht nur die Versammlungen am Sonntag und eure Aktivitäten unter der Woche. Wenn die Möglichkeit besteht, nehmt am Seminar teil – entweder am frühen Morgen oder zu einer anderen Tageszeit. Nutzt diese Chance! Viele von euch nehmen jetzt am Seminar teil. Wie bei so vielem im Leben hängt es auch beim Seminar sehr von eurer Einstellung und eurer Lernbereitschaft ab, was ihr daraus für euch mitnehmt. Ich hoffe, ihr seid demütig und habt den Wunsch, etwas zu lernen. Ich bin so dankbar, dass ich als Jugendlicher die Gelegenheit hatte, am Seminar am frühen Morgen teilzunehmen, denn es spielte eine bedeutende Rolle bei meiner Entwicklung und der Entwicklung meines Zeugnisses. Das Seminar kann das Leben ändern.

Vor einigen Jahren gehörte ich zusammen mit einem wunderbaren Mann, der in seinem Leben äußerst erfolgreich gewesen war, einem Vorstand an. Ich war beeindruckt von seiner Redlichkeit und seiner Loyalität gegenüber der Kirche. Ich erfuhr, dass er dank des Seminars ein Zeugnis erlangt und sich daraufhin der Kirche angeschlossen hatte. Er hatte eine Frau geheiratet, die schon ihr ganzes Leben lang Mitglied der Kirche gewesen war. Er hatte keiner Kirche angehört. All die Jahre und trotz der Bemühungen seiner Frau hatte er kein Interesse daran gezeigt, mit seiner Frau und den Kindern zur Kirche zu gehen. Und dann fuhr er zwei seiner Töchter immer zum Seminar am frühen Morgen. Er wartete im Auto, während sie Unterricht hatten, und anschließend brachte er sie zur Schule. Eines Tages regnete es, und eine seiner Töchter sagte: „Komm doch rein, Papa. Du kannst im Foyer warten.“ Er nahm die Einladung an. Die Tür des Klassenzimmers war offen, und so hörte er zu. Sein Herz wurde berührt. Das ganze restliche Schuljahr besuchte er mit seinen Töchtern das Seminar, was schließlich dazu führte, dass er sich taufen ließ und sein Leben lang in der Kirche aktiv war. Lasst das Seminar euer Zeugnis aufbauen und stärken!

Es wird Zeiten geben, in denen ihr Schwierigkeiten durchmacht, die eurem Zeugnis gefährlich werden könnten, oder ihr schenkt ihm nicht so viel Aufmerksamkeit, weil euch anderes mehr interessiert. Ich bitte euch, euer Zeugnis stark zu halten. Ihr seid dafür verantwortlich, ihr allein, dass seine Flamme stets lodert. Das erfordert Mühe, aber diese Mühe werdet ihr niemals bereuen. Dazu fällt mir ein Liedtext ein, den Julie de Azevedo Hanks verfasst hat. Über ihr Zeugnis schrieb sie:

Stürmische Zeiten ändern alles,
wie Wolken umgeben mich Schmerzen,
doch ich schütze es mit meinem Leben,
ich brauche die Wärme, ich brauche das Licht.
Auch wenn der Sturm wütet
und Regen prasselt auf mich ein:
Meine Flamme
soll stets sicher sein.1

Möget ihr Glauben haben, und möget ihr dann die Flamme eures Zeugnisses hell lodern lassen, komme, was da wolle.

Als Nächstes, meine Jungen Damen, möget ihr gehorchen. Gehorcht euren Eltern. Gehorcht den Gesetzen Gottes. Wir haben sie von einem liebevollen Vater im Himmel erhalten. Wenn wir uns daran halten, ist unser Leben erfüllter und weniger kompliziert. Wir können Herausforderungen und Probleme leichter ertragen. Wir erhalten die Segnungen, die der Herr verheißen hat. Er hat gesagt: „Der Herr fordert das Herz und einen willigen Sinn; und die Willigen und Gehorsamen werden in diesen Letzten Tagen das Gute aus dem Land Zion essen.“2

Ihr habt nur dieses eine Leben. Haltet es frei von Schwierigkeiten, so gut es geht. Ihr werdet in Versuchung geführt werden – manchmal von Menschen, die ihr für Freunde gehalten habt.

Vor ein paar Jahren sprach ich mit einer Beraterin der Rosenmädchen. Sie erzählte mir, was sie mit einem Mädchen aus ihrer Klasse erlebt hatte. Diese Junge Dame wurde immer wieder versucht, den Weg der Wahrheit zu verlassen und die Abwege der Sünde zu betreten. Nachdem ihr einige Schulfreundinnen ständig zugesetzt hatten, willigte sie schließlich ein, sich auf so einen Abweg zu begeben. Der Plan sah so aus: Sie wollte ihren Eltern sagen, dass sie zur JD-Aktivität geht. Sie hatte aber vor, nur so lange dort zu bleiben, bis ihre Freundinnen und deren Freunde sie abholten. Dann wollten sie auf eine Party gehen, wo Alkohol getrunken wurde und wo ein Verhalten an den Tag gelegt werden würde, von dem diese Junge Dame wusste, dass es alles andere als richtig war.

Die Lehrerin hatte um Inspiration gebetet, um all ihren Mädchen helfen zu können, vor allem aber diesem einen Mädchen, das nicht so recht zu wissen schien, ob es das Evangelium wirklich ernst nahm. Die Lehrerin erhielt die Eingebung, an diesem Abend nicht nach Plan vorzugehen. Stattdessen solle sie mit den Mädchen darüber sprechen, wie man sittlich rein bleibt. Als die Lehrerin anfing, darüber zu sprechen, was sie bei diesem Thema bewegte, sah das betreffende Mädchen häufig auf die Uhr, damit es auf keinen Fall den Termin mit seinen Freunden verpasste. Doch im Laufe des Gesprächs wurde das Herz des Mädchens berührt, sein Gewissen regte sich wieder und seine Entschlossenheit wurde erneuert. Als es so weit war, ignorierte es das häufige Hupen, mit dem es hinausgerufen werden sollte. Das Mädchen blieb den ganzen Abend bei seiner Lehrerin und den anderen Mädchen aus der Klasse. Die Versuchung, von Gottes vorgesehenem Weg abzuweichen, war abgewendet worden. Der Plan des Satans war durchkreuzt worden. Die Junge Dame blieb noch, nachdem die anderen gegangen waren, um ihrer Lehrerin für den Unterricht zu danken. Außerdem erzählte sie ihr, wie ihr die Lektion geholfen hatte, eine Situation zu meiden, die tragisch hätte ausgehen können. Das Gebet einer Lehrerin war erhört worden.

Später erfuhr ich, dass diese Junge Dame wegen ihrer Entscheidung, an diesem Abend nicht mit ihren Freunden fortzugehen – einigen der meistumschwärmten Jungen und Mädchen an der Schule –, von ihnen ausgeschlossen wurde und viele Monate lang keine Freunde in der Schule hatte. Sie konnten es nicht hinnehmen, dass dieses Mädchen nicht bei ihnen mitmachen wollte. Es war eine äußerst schwierige und einsame Zeit für sie, aber sie blieb standhaft und fand schließlich Freunde, die die gleichen Grundsätze hatten. Jetzt, viele Jahre später, hat sie im Tempel geheiratet und hat vier süße Kinder. Wie anders hätte ihr Leben verlaufen können. Unsere Entscheidungen bestimmen unser Schicksal.

Meine lieben Jungen Damen, stellt euch vor jeder Entscheidung, die ihr treffen müsst, diese Fragen: „Was macht das aus mir? Was werden die Folgen für mich sein?“ Und fragt euch bei eurem Verhaltenskodex nicht: „Was werden die anderen von mir halten?“, sondern überlegt vielmehr: „Was werde ich selbst von mir halten?“ Lasst euch von der sanften, leisen Stimme leiten. Denkt daran, dass jemand, der Vollmacht hatte, euch bei der Konfirmierung die Hände aufgelegt und zu euch gesagt hat: „Empfange den Heiligen Geist.“ Öffnet dieser besonderen Stimme, die von der Wahrheit Zeugnis ablegt, das Herz, ja, eurer tiefstes Inneres. Der Prophet Jesaja hat verheißen: „Deine Ohren werden es hören, wenn er dir nachruft: Hier ist der Weg, auf ihm müsst ihr gehen.“3

Unsere Zeit ist von Freizügigkeit gekennzeichnet. In Zeitschriften und im Fernsehen wird gezeigt, wie die Stars aus dem Kino, die Helden aus der Welt des Sports – diejenigen, denen viele junge Menschen gern nacheifern möchten – die Gesetze Gottes missachten und sündhafte Verhaltensweisen zur Schau stellen, scheinbar ohne Schaden zu nehmen. Glaubt das bloß nicht! Es gibt eine Zeit der Abrechnung, zu der Soll und Haben abgeglichen werden. Selbst für Aschenputtel ist der Ball irgendwann vorbei – wenn nicht in diesem Leben, dann im nächsten. Der Tag des Gerichts kommt für uns alle. Seid ihr bereit? Seid ihr mit eurer Leistung zufrieden?

Wenn eine von euch auf der Reise ins Stolpern geraten ist, verspreche ich euch: Es gibt einen Weg zurück. Dieser Weg ist die Umkehr. Der Heiland ist gestorben, um uns dieses kostbare Geschenk zu machen. Der Weg ist steinig, aber die Verheißung gibt es wirklich. Der Herr hat gesagt: „Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee“,4 und: „Ich [denke] nicht mehr [daran].“5

Meine lieben jungen Schwestern, ihr habt die kostbare Entscheidungsfreiheit. Ich bitte euch inständig: Entscheidet euch, zu gehorchen.

Und schließlich: Möget ihr ausharren. Was bedeutet „ausharren“? Mir gefällt diese Definition: mit Mut standhalten. Mut werdet ihr vielleicht brauchen, um glauben zu können, manchmal braucht ihr ihn auch, um zu gehorchen. Auf jeden Fall braucht ihr ihn, wenn ihr bis zu dem Tag ausharrt, an dem ihr dieses irdische Leben verlassen werdet.

Im Laufe der Jahre habe ich mit vielen Menschen gesprochen, die mir gesagt haben: „Ich habe so viele Probleme, wirklich schlimme Sorgen. Die Schwierigkeiten des Lebens machen mich fertig. Was kann ich machen?“ Diesen Menschen habe ich einen Rat gegeben, den ich jetzt auch euch gebe: Bemüht euch um Führung aus dem Himmel – einen Tag nach dem anderen. Was als Ganzes viel zu viel, ist Stück für Stück ein Kinderspiel. Jeder von uns kann doch einen Tag treu sein – und dann noch einen und danach noch einen –, bis wir ein ganzes Leben gelebt haben werden, in dem wir vom Geist geführt wurden, dem Herrn nahe waren, gute Taten vollbrachten und rechtschaffen waren. Der Heiland hat verheißen: „Blickt auf mich, und harrt bis ans Ende aus, und ihr werdet leben; denn dem, der bis ans Ende ausharrt, werde ich ewiges Leben geben.“6

Aus diesem Grund seid ihr in das irdische Leben gekommen, meine jungen Freundinnen. Es gibt nichts Wichtigeres als das Ziel, das ihr anstrebt – nämlich das ewige Leben im Reich eures Vaters.

Ihr seid äußerst kostbare Töchter unseres Vaters im Himmel, der euch zu dieser Zeit aus einem bestimmten Grund auf die Erde gesandt hat. Ihr seid bis zu dieser Zeit zurückbehalten worden. Wunderbare, herrliche Dinge liegen vor euch, wenn ihr glaubt, gehorcht und ausharrt. Diesen Segen erbitte ich für eine jede von euch im Namen Jesu Christi, unseres Erlösers. Amen.

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Julie de Azevedo Hanks, „Keeper of the Flame“, Treasure the Truth, CD, 1997

  2.   2.

    Lehre und Bündnisse 64:34

  3.   3.

    Jesaja 30:21

  4.   4.

    Jesaja 1:18

  5.   5.

    Jeremia 31:34

  6.   6.

    3 Nephi 15:9