Wie man Widrigkeiten hinter sich lässt


David S. Baxter
Es kommt die Zeit, da wir Widrigkeiten hinter uns lassen können und mit der Hilfe des Herrn aus der Finsternis hervortreten in die Fülle des Lichts.

Eines der schönen Lieder über die Wiederherstellung wurde von Parley P. Pratt verfasst und beschreibt, wie die dunklen Vorhänge des Abfalls vom Glauben zurückgezogen werden und die wiederhergestellte Wahrheit als herrliches Licht erstrahlt:

Der Morgen naht, die Schatten fliehn,
seht, Zions Banner ist enthüllt! …
Es dämmert über jenen Höhn
zum schönen Tag der ganzen Welt.
Der reinen Wahrheit göttlich Licht
treibt fort des Irrtums lange Nacht, …
denn Gott, der aus dem Himmel spricht,
hat seines Bundes noch gedacht.1

Interessanterweise verwendet der Apostel Paulus ebenfalls das Licht als Sinnbild, um zu erklären, warum er bezeugen konnte: „Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet.“ (2 Korinther 4:8,9.)

Und er legt dar, wie er all dem gerade noch entkommen konnte: „Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttliches Glanzes auf dem Antlitz Christi.“ (2 Korinther 4:6.)

Die meisten von uns bekommen irgendwann einmal die frostigen Winde irgendwelcher Widrigkeiten zu spüren. Stürme brauen sich zusammen, Winde wehen, der Regen fällt, die Fluten steigen. Es mag uns so vorkommen, als sei kein Ende in Sicht und als stünden uns nur noch Beklommenheit und Zweifel, Prüfung und Bedrängnis bevor.

Neben gelegentlichen Gewittern kann man auch schreckliche Wirbelstürme und gewaltige Turbulenzen erleben, die das Vertrauen zerstören und das Selbstwertgefühl erschüttern. Alles, was uns lieb und teuer ist, kann uns plötzlich so vergänglich vorkommen, als rinne es uns durch die Finger. Einschneidende Veränderungen können uns völlig aus dem Gleichgewicht bringen.

Vielleicht führt eine unerwartete Entlassung zu langfristiger Arbeitslosigkeit, vielleicht engen finanzielle Zwänge unseren Handlungsspielraum ein oder eine Hypothekenkrise stürzt uns finanziell ins Unglück. Möglicherweise bringt der Ruhestand nach einem langen, betriebsamen und produktiven Arbeitsleben ein Gefühl des Verlustes mit sich. Vielleicht fühlen wir uns aufgrund einer plötzlich aufgetretenen Krankheit oder einer schlimmen Behinderung wie „eingesperrt“ – hilflos, hoffnungslos und verunsichert. Unter solchen Umständen stellt sich leicht Furcht ein, und es mag schwerfallen, am Glauben festzuhalten.

Ich habe all dies selbst erlebt. Als ich mich von einer Operation erholte, bei der zwei große Hirntumore entfernt worden waren, war ich aufgrund der seelischen und mentalen Belastung phasenweise sehr niedergeschlagen und bedrückt. Ich musste feststellen, dass ich nicht so unverwundbar war, wie ich früher gedacht hatte. Medikamente sprachen nicht an, und ein, zwei Rückschläge machten mich noch mutloser. Langsam verfiel ich in Selbstmitleid.

Beschließen Sie, glücklich zu sein

Doch dann geschah nach und nach Wunderbares. Gute Freunde und treue Führer der Kirche standen mir verständnisvoll zur Seite, und ich öffnete mich ihrem Rat und ihren aufmunternden Worten. Als ich einmal spät am Abend unserem jüngsten Sohn meine Niedergeschlagenheit beschrieb, meinte er: „Weißt du, Papa, ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass wir uns dafür entscheiden müssen, glücklich zu sein.“ Und er hat Recht.

Mehr und mehr brachte ich meine Dankbarkeit für all die Segnungen zum Ausdruck, die mir geblieben waren. Ich fand heraus, dass „diese Art [von Prüfung] nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden“ konnte (siehe Fußnote zu Matthäus 17:21).

Ich spürte die Kraft, erneuernde Macht und Liebe des Erlösers. Wie Paulus freute ich mich über die Erkenntnis, dass weder Bedrängnis noch Not oder Gefahr mich von der Liebe Christi scheiden konnten (siehe Römer 8:35).

Glücklicherweise haben wir die hoffnungsfrohe Zuversicht, dass wir Kraft und neuen Mut finden können, was immer auch geschehen mag. Unsere Last kann leichter gemacht werden, selbst wenn sie uns nicht sofort genommen wird. Wir können auf der anderen Seite des finstersten Abgrunds als stärkere, entschlossenere und bessere Menschen hervorkommen.

Nachdem wir uns in der Feuerprobe der Bedrängnis bewährt haben, haben wir einen Charakter entwickelt, der in der Lage ist, künftige Schicksalsschläge zu meistern. Zudem können wir unsere Erfahrungen dazu nutzen, andere einfühlsam aufzurichten. Unser Durchhaltevermögen kann einem anderen Hoffnung schenken und unserer Familie ein gutes Beispiel geben. Wir sind dann besser für die Zukunft gerüstet.

Auch wenn Widrigkeiten uns nicht unbedingt leicht loslassen, können wir uns doch jederzeit dafür entscheiden, sie loszulassen. Wie Alma und seinem Volk inmitten schrecklicher Verfolgung, verheißt auch uns der Herr:

„Erhebt das Haupt und seid voller Trost, denn ich weiß von dem Bund, den ihr mir gemacht habt; und ich werde mit meinem Volk einen Bund machen und es aus der Knechtschaft befreien.

Und ich werde auch die Lasten, die euch auf die Schultern gelegt sind, leicht machen, sodass ihr sie nicht mehr auf eurem Rücken spüren könnt.“ (Mosia 24:13,14.)

Überdies hat der Herr uns zugesagt: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch.“ (Johannes 14:18.)

Bitten Sie Gott um Hilfe

Hilfe von Gott ist möglicherweise nicht gleich offensichtlich. Wir sehen oder merken vielleicht nicht sofort, dass Lasten, die uns auf unserem Lebensweg erwartet hätten, von uns genommen oder abgewendet worden sind.

Der Herr versichert uns: „Aber siehe, wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Meine Augen ruhen auf euch. Ich bin mitten unter euch, und ihr könnt mich nicht sehen.“ (LuB 38:7.)

Natürlich ist es notwendig, mit anderen und mit uns selbst äußerst geduldig zu sein. Oft dauert es einfach eine Weile, bis alles sich zum Guten wendet. Selbst wenn unser Glaube zuweilen nicht größer zu sein scheint als ein Senfkorn, wird Gottes Fürsorge und Führung uns jeden Schritt des Weges begleiten. Wenn wir Gott um Hilfe bitten, erhalten wir sie auch – vielleicht sogar auf ganz unerwartete Weise.

Wir finden die nötige Kraft, dankbar zu sein für das, was wir haben, anstatt zu beklagen, was wir verloren haben. Es ist interessant, dass Menschen, die durch eine Naturkatastrophe, etwa einen Waldbrand, eine Überschwemmung oder einen Wirbelsturm, allen weltlichen Besitz verloren haben, oft den gleichen Gedanken zum Ausdruck bringen. So oft hört man von ihnen: „Zumindest haben wir immer noch das, was wirklich wichtig ist.“

Das Zeugnis des Paulus macht Mut:

„Ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden: Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung.

Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt.“ (Philipper 4:11-13.)

Und es heißt: „Alles, was im Leben ungerecht ist, kann durch das Sühnopfer Jesu Christi wiedergutgemacht werden.“2

Wie unsere Umstände auch aussehen mögen – es kommt die Zeit, da wir Widrigkeiten hinter uns lassen können und mit der Hilfe des Herrn aus der Finsternis hervortreten in die Fülle des Lichts.

Jugendliche

Nie allein

In den vergangenen drei Jahren bin ich geprüft worden. Mir ist bewusst geworden, dass man, ganz gleich, was man durchlebt, es nicht alleine bewältigen muss, wenn man Gott an seiner Seite hat.

Kurz nach meinem 16. Geburtstag stellte ich fest, dass sich bei mir ein Ekzem entwickelte. Es war schwer, jeden Morgen im Spiegel den Ausschlag sehen zu müssen, der meinen Körper bedeckte. Aber ich nahm mir vor, dies als Bewährungsprobe zu betrachten. Anstatt mich selbst zu bemitleiden, bemühte ich mich, die Aufforderung meiner JD-Lehrerinnen zu befolgen, nämlich mir trotz meiner Prüfungen jeden Tag meine Segnungen bewusst zu machen. Meine Haut ist auch jetzt noch nicht geheilt, doch ich bin dankbar für meine Familie, meine Freunde und mein musikalisches Talent. Ich bin dankbar, dass ich zwei Beine, zwei Hände und zwei Füße haben, dass ich sehen und hören kann. Ich weiß, dass wahre Schönheit von innen kommt und nicht von außen.

Das Ekzem machte mir aber immer mehr zu schaffen. Ich war nicht mehr so freundlich wie sonst und lächelte nicht mehr. Die vielen Ärzte, die ich zu Rate zog, waren sicher, meine Haut werde noch vor Weihnachten wieder makellos sein. Dem war aber nicht so. Ich betete jeden Tag um die Kraft, die Schüchternheit zu überwinden, die durch meine Hautkrankheit entstanden war.

Alle rieten mir, ich solle einfach gar nicht daran denken und mich ganz normal verhalten, so als ob mit meiner Haut alles in Ordnung wäre. Das ging aber nicht so leicht. Meine Mutter erzählte mir einfühlsam immer wieder Geschichten aus den heiligen Schriften, mit denen sie mich trösten und mir Mut machen wollte.

In Lehre und Bündnisse 24:8 steht: „Sei geduldig in Bedrängnissen, denn du wirst viele haben; aber ertrage sie, denn sieh, ich bin mit dir, ja, bis ans Ende deiner Tage.“ An diesen Worten hielt ich mich fest. Ich habe sie auf Lesezeichen und in Notizbücher geschrieben und in meinem Zimmer angebracht. Dieser Vers gehört nun zu meinen Lieblingsschriftstellen und motiviert mich, trotz meiner Prüfung mein Bestes zu geben.

Diese Prüfung zu ertragen ist nicht leicht, aber ich bin jetzt besser vorbereitet auf die Prüfungen, die mir noch bevorstehen. Der Vater im Himmel hat mich vorbereitet, sodass ich jegliche Schwierigkeit meistern kann. Ich weiß jetzt, dass ich alles, was ich durchlebe, nicht alleine bewältigen muss.

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    „Der Morgen naht“, Gesangbuch, Nr. 1

  2.   2.

    Verkündet mein Evangelium! – eine Anleitung für den Missionsdienst, Seite 59