Sinnvoller Unterricht zu Hause


Vier Möglichkeiten, wie wir unseren Kindern wichtige Lektionen fürs Lebens beibringen

Bei acht Kindern war es nicht so einfach, Momente zu finden und zu nutzen, in denen wir ihnen etwas beibringen konnten – aber es lohnt sich. In dem Bewusstsein, dass „das Zuhause der erste Ort für Kinder [ist], um die Lektionen des Lebens erfolgreich zu lernen“1, haben meine Frau und ich versucht, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um unseren Kindern zu helfen, dass sie diese Lektionen auch wirklich lernen. Hier sind ein paar Grundsätze, die uns geholfen gehaben.

Das Beste tun

Als unsere Kinder anfingen, an immer mehr Aktivitäten teilzunehmen, erwies es sich zunehmend als notwendig, Prioritäten zu setzen. Elder Dallin H. Oaks vom Kollegium der Zwölf Apostel hat erklärt, dass „allein die Tatsache, dass etwas gut ist, noch kein triftiger Grund ist, es auch zu tun. … Einiges ist besser als gut, und dem sollten wir in unserem Leben vorrangig Aufmerksamkeit widmen.“ Außerdem sagt er: „Eltern müssen handeln, um Zeit für das Familiengebet, das gemeinsame Schriftstudium und den Familienabend sowie andere wertvolle Zeiten freizuhalten, die sie zusammen oder allein mit einem Kind verbringen und die die Familie miteinander verbinden und die Werte der Kinder auf das ausrichten, was ewig Bestand hat. Eltern müssen durch das, was sie mit ihren Kindern tun, lehren, welche Prioritäten das Evangelium vorgibt.“2

Das hat sich für unsere Familie als guter Rat erwiesen. Als meine Frau und ich über die Aktivitäten unserer Kinder außerhalb der Familie nachdachten und darüber beteten, stellte sich heraus, dass einiges, was wir für wichtig gehalten hatten, unnötig war. Eine Überraschung war für mich ihre Antwort auf die Frage, ob sie nicht in einer Basketball-Mannschaft mitspielen wollten, wenn ich der Trainer wäre. Sie sagten: „Eher nicht“, und „Papa, wir haben einen Korb im Vorgarten, und es ist schön, wenn du mit uns spielst und wir gegen die Nachbarn spielen. Dann bekommen wir den Ball viel öfter!“

In den Schriften studieren und das Gelesene in die Tat umsetzen

Es ist etwas ganz anderes, ob man in den Schriften liest oder ob man sie studiert. Der Prophet Josua aus dem Alten Testament hat gesagt, dass das Schriftstudium dann etwas nützt, wenn wir „Tag und Nacht darüber nachsinnen“ und „darauf [achten], genau so zu handeln, wie darin geschrieben steht“ (Josua 1:8; Hervorhebung hinzugefügt). Am meisten bringt uns das gemeinsame Schriftstudium, wenn wir unseren Kindern Zeit geben, über konkrete Fragen nachzudenken, und sie dann auffordern, „genau so zu handeln, wie darin geschrieben steht“.

Eines Abends saßen wir draußen bei einem leckeren Essen und lasen im Buch Mormon über den Niedergang der Nephiten. Ich spürte, dass ich die Kinder fragen sollte, weshalb die Nephiten ihrer Meinung nach so schlecht geworden waren. Die sechsjährige Celeste meinte, sie denke, die Nephiten und Lamaniten hätten aufgehört, jeden Tag zu beten. Wir waren uns alle einig, dass der Niedergang der Nephiten damit begonnen hatte, dass sie das Beten und anderes, was scheinbar nicht so wichtig war, vernachlässigt hatten. In diesem Augenblick kam mir der Gedanke, ich solle meine Kinder bitten, ernstlicher und inniger zu beten.

Tags darauf fragte ich sie, wie es ihnen beim Beten ergangen war. So konnten sie über ihre Erfahrungen sprechen, und ich konnte wiederum Zeugnis vom Gebet geben. Nicht immer verläuft unser Schriftstudium in der Familie so problemlos. Aber wenn wir über eine Schriftstelle sprechen und die Kinder bitten, dann auch entsprechend zu handeln, gewinnen die heiligen Schriften an Bedeutung.

Den Kindern helfen, Verantwortung zu übernehmen

Wir haben festgestellt, dass es viel bringt, wenn wir unseren Kindern Aufgaben übertragen und sie so manches selbst herausfinden lassen. Wenn unsere Kinder bei einigen Entscheidungen, die die Familie betreffen, mitreden dürfen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie sich aktiv am Familienleben beteiligen. Sie werden sich ihrer Verantwortung und ihrer Rechenschaftspflicht bewusst. So lernen sie, „vieles aus ihrem eigenen, freien Willen [zu] tun und viel Rechtschaffenheit zustande [zu] bringen“ (LuB 58:27). Folgendes hat unseren Kindern geholfen, ihrerseits Verantwortung zu übernehmen:

  • Für den Familienabend dürfen sie mit elterlicher Hilfe eine Lektion oder eine Schriftstelle vorbereiten oder einen eigenen Beitrag beisteuern.

  • Die Kinder dürfen das Lied aussuchen, das beim gemeinsamen Schriftstudium gesungen wird, und dann bitten wir ein Kind, das Gebet zu sprechen.

  • Die Kinder dürfen sich an der Planung eines Familienausflugs beteiligen und sind für einen Teilbereich selbst zuständig.

  • Bei einem Familienrat über Finanzen dürfen die Kinder mitentscheiden, was gekauft werden soll.

  • Zeigen Sie ihnen, wie man eine bestimmte Arbeit macht, und übertragen Sie ihnen eine Woche lang die Verantwortung dafür.

  • Führen Sie als Familie jeden Monat ein Dienstprojekt durch, und lassen Sie die Kinder entscheiden, wem die Familie etwas Gutes tun soll.

  • Lassen Sie jedes Kind einmal aussuchen, wen die Familie an einem bestimmten Sonntag besucht.

  • Die Kinder dürfen eine Familienaktivität für einen bestimmten Abend im Monat aussuchen.

Die Kinder behüten

Bisweilen fühlen meine Frau und ich uns wie Schafhirten, die unsere Kinder zum Beten oder Schriftstudium in den Pferch treiben. Doch es gibt auch Zeiten, zu denen wir stark den Geist verspüren und wissen, dass wir unsere kleine Herde wahrhaftig behüten und dass sie gut versorgt ist. Wir müssen aufpassen, dass wir diese Momente nicht verpassen, in denen wir Behüter sein können.

Ein solcher Moment ergab sich einmal, als ich unsere Kinder zu Bett brachte. Einer meiner Söhne fragte mich: „Papa, was stellt für dich eine Versuchung dar?“

Diese Frage kam wie aus heiterem Himmel.

Dann fügte er hinzu: „Wir haben darüber gesprochen, was für uns eine Versuchung darstellt, und nun frage ich mich, was für Versuchungen du hast.“

Ich wusste, dies war genau der richtige Zeitpunkt, die Kinder zu belehren, aber ich war nach einem langen Arbeitstag erschöpft. Ich hatte nicht das Bedürfnis, zu so später Stunde mit zwei Jungs ein tiefschürfendes Gespräch zu führen, vor allem auch deshalb nicht, weil sie am Morgen ja wieder zur Schule mussten.

Mir kam jedoch die Geschichte vom Heiland am Brunnen in den Sinn. Selbst nachdem er 50 Kilometer oder mehr zu Fuß unterwegs gewesen war, nahm er sich Zeit, um die samaritische Frau zu belehren (siehe Johannes 4). Ich fand, dass einer dieser Augenblicke „am Brunnen“ gekommen war, setzte mich zu den Kindern und fragte sie, ob sie meinten, es sei Sünde, wenn man versucht wird. Erst gab es eine lange Pause, doch dann fand ein offenes Gespräch statt, bei dem wir aufeinander eingingen. Ich sprach mit ihnen über des Heilands Begegnung mit dem Satan (siehe Matthäus 4) und gab ihnen Zeugnis von den Segnungen, die man empfängt, wenn man der Versuchung widersteht.

Es war einer dieser besonderen Momente für Eltern. Wir kamen etwas später als gewöhnlich ins Bett, doch die Freude, die ich empfand, war mir dieses Opfer wert.

„Wir müssen unbedingt dann dem Kind Antwort geben, wenn es eine ernsthafte Frage stellt, denn bedenken wir, dass es nicht immer fragen, dass es nicht immer belehrbar sein und nicht immer auf uns hören wird“, hat Elder Richard L. Evans (1906–1971) vom Kollegium der Zwölf Apostel gesagt. „Und oftmals müssen wir es dann tun, wenn es ihnen passt, zu ihrer Zeit, und nicht immer dann, wenn es uns passt und zu unserer Zeit. … Wenn sie mit belanglosen Fragen zu uns kommen können, entwickeln sie Zutrauen und tun es später vielleicht auch mit schwerwiegenderen Fragen.“3

Erwählt und vom Herrn unterstützt

Die Aufgabe, über Gottes Kinder zu wachen, ist eine große Verantwortung. Sooft ich mich als Vater unzulänglich fühle, denke ich an etwas, was Elder Neal A. Maxwell (1926–2004) vom Kollegium der Zwölf Apostel einmal gesagt hat: „Gott, der den Stern Jahrtausende, bevor dieser zur Ankündigung der Geburt des Kindleins über Betlehem erschienen ist, schon auf seine genaue Umlaufbahn gesetzt hat, verwendet mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit darauf, einen jeden von uns auf seine Lebensbahn zu setzen, damit wir sozusagen die Landschaft unseres Lebens erhellen, sodass unser Licht andere nicht nur führt, sondern auch wärmt.“4

Diese Aussage richtet mich auf, wenn ich entmutigt bin. Sie verleiht meiner Frau und mir Mut, was unsere Fähigkeiten als Eltern betrifft, denn wir wissen, dass unsere Kinder nicht ohne Grund in unsere „Lebensbahn“ gesetzt worden sind und dass der Vater im Himmel uns vertraut.

Möge Gott Ihre Familie segnen, wenn Sie gemeinsam vom Evangelium lernen, Ihren Kindern helfen, Verantwortung zu übernehmen, und diese kostbaren Augenblicke wahrnehmen, sie zu lehren.

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    David O. McKay, in Family Home Evening Manual, 1968, Seite III

  2.   2.

    Dallin H. Oaks, „Gut, besser, am besten“, Liahona, November 2007, Seite 104f.

  3.   3.

    Richard L. Evans, „The Spoken Word,” Ensign, Mai 1971, Seite 12

  4.   4.

    Neal A. Maxwell, That My Family Should Partake, Seite 86