Saure Gurken, Rüben und ein Zeugnis: Inspirierendes aus dem Leben und den Lehren von Lorenzo Snow

Aaron L. West

Redakteur der Abteilung Lehrplan

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    Wenn Sie sich dieses Jahr mit den Lehren von Präsident Lorenzo Snow befassen, werden Sie ihn als Propheten, Seher und Offenbarer kennenlernen, dessen Worte auch heute noch bemerkenswert viel Gültigkeit haben.

    Wer schon einmal ein Porträt von Lorenzo Snow, dem fünften Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, gesehen hat, wird vielleicht seinen langen weißen Bart und seinen liebevollen Gesichtsausdruck bemerkt haben. Und wenn Sie sich ein paar Minuten Zeit nehmen, sein Porträt genauer zu betrachten, fallen Ihnen wahrscheinlich auch die Augen von Präsident Snow auf – müde zwar, aber nicht matt, alt zwar, aber voller Energie und Licht.

    Vielleicht wissen Sie auch, dass Präsident Snow die Eingebung erhalten hatte, über den Zehnten zu sprechen, und möglicherweise haben Sie schon einmal etwas über jenes heilige Erlebnis gelesen, das er im Salt-Lake-Tempel hatte.

    Aber wissen Sie, warum es überhaupt zu diesem Erlebnis gekommen ist und was die Folge davon war? Wollen Sie mehr über die Hintergründe jener Offenbarung erfahren, die er in Bezug auf das Gesetz des Zehnten empfangen hatte?

    Und seine Augen und sein Gesichtsausdruck? Nachdem ein Geistlicher einer anderen Kirche Präsident Snow kennengelernt hatte, schrieb er: „Sein Antlitz spendete Frieden; seine Gegenwart besiegelte diesen Frieden. In der friedvollen Tiefe seiner Augen spiegelten sich nicht nur stille Gebete wider, sondern auch geistige Kraft. … Was ich empfand, war höchst seltsam; etwas sagte mir, dass ich auf heiligem Boden stand.“1 Möchten Sie etwas über die Abenteuer, Versuchungen, Triumphe, Sorgen, Freuden und Offenbarungen erfahren, die alle zusammen schließlich dieses Antlitz geprägt haben?

    In diesem Jahr werden sich die Schwestern der FHV und die Träger des Melchisedekischen Priestertums mit dem Leitfaden Lehren der Präsidenten der Kirche: Lorenzo Snow befassen. Und wenn Sie sich eingehend mit seinen Lehren befassen und in der Kirche und zu Hause darüber sprechen, werden Sie ihn kennenlernen und erkennen, dass er mehr ist als nur ein netter Mann auf einem alten Gemälde. Sie werden ihn als Mann Gottes kennenlernen, als Propheten, Seher und Offenbarer, dessen Worte auch heute noch bemerkenswert viel Gültigkeit haben.

    Um Ihnen einen Vorgeschmack zu geben, finden Sie hier ein paar seiner Worte und einige Geschichten, mit denen Sie sich dieses Jahr befassen werden. Kapitel und Seitenzahlen beziehen sich auf das Buch Lehren der Präsidenten der Kirche: Lorenzo Snow.

    Vielleicht erinnern Sie sich an die Generalkonferenzansprache, bei der Elder David A. Bednar vom Kollegium der Zwölf Apostel die Bekehrung mit dem Einlegen von Gurken verglich.2 Elder Bednar war nicht der erste Apostel, der diesen Vergleich zog. Präsident Snow erwähnte vor 150 Jahren etwas Ähnliches:

    „Legen Sie eine Gurke in ein Essigfass. In der ersten Stunde tut sich nicht viel, auch in den ersten zwölf Stunden nicht. Überprüfen Sie es selbst, und Sie werden feststellen, dass die Wirkung nur an der Schale zu sehen ist, da es längere Zeit dauert, eine Gurke einzulegen. Wenn jemand durch die Taufe in diese Kirche eintritt, hat das natürlich eine Wirkung auf ihn, er hat damit aber die Lehre nicht gleich vollständig in sich aufgenommen. In den ersten zwölf oder vierundzwanzig Stunden wurde in ihm dadurch noch nicht das Gesetz von Recht und Pflicht verankert. Er muss in der Kirche verbleiben wie die Gurke im Essig, bis er vom rechten Geist durchdrungen ist.“3

    Wenn Präsident Snow von Bekehrung sprach, sprach er immer aus eigener Erfahrung. Häufig sprach er von zwei Erlebnissen – einem vor seiner Taufe und einem kurz nach seiner Taufe und Konfirmierung, die ihm halfen, „vom rechten Geist durchdrungen“ zu werden. Den Bericht darüber finden Sie auf den Seiten 1, 3 und 65 bis 67.

    „Warum wird ein Mann berufen, über andere zu präsidieren?“, fragte Präsident Snow einmal. „Soll er an Einfluss zunehmen und sich dann selbst damit verherrlichen? Nein, im Gegenteil: Er ist berufen, ein solches Amt nach demselben Grundsatz auszuüben wie das Priestertum, das dem Sohn Gottes gegeben wurde, nämlich um Opfer zu bringen. Für sich selbst? Nein, sondern für die Menschen, über die er präsidiert. … Er soll der Diener seiner Brüder werden, nicht ihr Herr, und er soll in ihrem Interesse und zu ihrem Wohl tätig werden.“4

    Präsident Snow lebte als Führer der Kirche nach diesem Grundsatz und fand mitunter recht anschauliche Worte. Unter Zuhilfenahme von Rüben, Bettlaken und Stroh gelang es ihm, eine Gruppe notleidender Heiliger ein wenig aufzumuntern. Diesen Bericht finden Sie in Kapitel 7. Wenn Sie nachlesen möchten, was er über Führung in der Kirche sagt, schlagen Sie in Kapitel 18 nach.

    Präsident Snow war deswegen ein machtvoller, kreativer und erfolgreicher Führer, weil er wusste, wer der wahre Führer ist. Er sagte: „Das große Werk, das nun verrichtet wird – die Sammlung der Menschen aus den Völkern der Erde –, entspringt nicht der Fantasie eines Menschen und wurde auch von keiner Gruppe Menschen ersonnen, sondern geht vom Herrn, dem Allmächtigen, aus.“5 Zu den Mitgliedern, die zusammengekommen waren, um seinen 85. Geburtstag zu feiern, sagte er: „Ich habe das Gefühl, dass alles, was ich erreicht habe, nicht Lorenzo Snow zuzuschreiben ist; die Umstände, die mich in diese Position als Präsident der Kirche gebracht haben, hat nicht Lorenzo Snow herbeigeführt, sondern der Herr.“6

    Während seiner gesamten Amtszeit vermittelte er stets diese Einstellung, denn kurz bevor er Präsident der Kirche wurde, war ihm das auf heilige und höchst persönliche Weise klargeworden. Nach dem Tod von Präsident Wilford Woodruff am 2. September 1898 wurde er der dienstälteste Apostel der Kirche. Da er sich für diese Aufgabe als unzulänglich betrachtete, ging er allein in einen Raum im Salt-Lake-Tempel, um zu beten. Er betete flehentlich um Führung, verspürte aber keine Antwort auf sein Gebet, weshalb er nach einiger Zeit den Raum verließ und den großen Flur betrat. Dort erhielt er die Antwort, die er ersehnt hatte. Der auferstandene Erretter erschien ihm. Er stand vor ihm, knapp einen Meter über dem Boden, und sagte ihm, wie er als Führer der Kirche vorgehen solle. Mehr über dieses Erlebnis finden Sie in Kapitel 20.

    Präsident Snow ist hinlänglich dafür bekannt, dass ihm eine Offenbarung in Bezug auf das Gesetz des Zehnten zuteilwurde. Für die Mitglieder damals im Jahr 1899 waren dies kühne einleitende Worte: „Für jeden Heiligen der Letzten Tage, der willens ist, sich für die Zukunft bereitzumachen und unverrückbar auf festem Grund zu stehen, ist jetzt die Zeit gekommen, den Willen des Herrn zu tun und den vollen Zehnten zu zahlen. Dies ist das Wort des Herrn an Sie.“7

    Glaubenstreu befolgten die Heiligen den Rat ihres Propheten, und darum segnete der Herr sowohl die einzelnen Mitglieder als auch die Gemeinschaft. Der Einfluss dieser Offenbarung ist auch heute noch spürbar, und die Mitglieder der Kirche in aller Welt empfangen geistig und zeitlich Segnungen, weil sie das Gesetz des Zehnten befolgen. Die Ereignisse, die zu dieser Offenbarung führten, und die Segnungen, die darauf folgten, werden in Kapitel 12 beschrieben.

    Wie alle Propheten gab auch Präsident Snow machtvoll Zeugnis von Jesus Christus. Er erklärte: „Wir alle sind auf Jesus Christus angewiesen; darauf, dass er in die Welt gekommen ist, um den Weg zu bereiten, wie wir Frieden, Glück und Erhöhung erlangen können. Und hätte er diese Strapazen nicht auf sich genommen, hätten wir niemals diese Segnungen und Vorzüge erlangen können, die uns im Evangelium dank der Vermittlung, die Jesus Christus zuwege gebracht hat, zugesprochen werden.“8 Er gab Zeugnis von der Geburt des Erretters, von seinem irdischen Wirken, dem Sühnopfer, seinem persönlichen Mitwirken in der wiederhergestellten Kirche und dem Zweiten Kommen. Mehr zu seinem Zeugnis von Jesus Christus steht in Kapitel 24.

    Natürlich kann dieser kurze Artikel Ihnen nur einen kleinen Vorgeschmack auf das Leben und Wirken von Präsident Snow geben. Durch Ihr Studium des Leitfadens Lehren der Präsidenten der Kirche: Lorenzo Snow finden Sie viele weitere inspirierende Geschichten – unter anderem einen Bericht darüber, wie er zum ersten Mal als Missionar gepredigt hat, oder seine völlige Überraschung, als er ins Kollegium der Zwölf Apostel berufen wurde, oder seine Gefühle, als sein Schiff auf dem Atlantik in Seenot geriet, und wie er viermal jemanden durch die Macht des Priestertums vor dem Tod bewahrt hat (darunter auch sich selbst). Aus seinen Worten lässt sich vieles über ganz unterschiedliche Themen lernen – etwa Einigkeit, Demut, Bündnisse, Tempelarbeit, Beziehungen innerhalb der Familie, Streben nach Vollkommenheit, Priestertum, FHV und die Freude, die es macht, wenn man mit anderen über das Evangelium spricht.

    Wenn Sie sich Zeit genommen haben, über die Berichte und Worte nachzudenken, die in diesem Artikel erwähnt werden, oder wenn Sie sich entschlossen haben, sie demnächst zu lesen, können Sie davon ausgehen, dass sich Präsident Snow darüber freuen würde. Er lernte selbst sein Leben lang, und er erklärte, dass wir uns anstrengen müssen, damit wir „in die Grundsätze der Wahrheit“ vordringen und an „göttlichem Wissen“9 zunehmen. Er legte uns dringend ans Herz: „Jeder vergangene Tag und jede vergangene Woche müssen die Besten sein, die wir je erlebt haben; das heißt, wir sollen uns jeden Tag ein wenig steigern – in Wissen und Weisheit und in der Fähigkeit, Gutes zu vollbringen“10.

    Möge Ihr Leben durch das diesjährige Studium des Leitfadens Lehren der Präsidenten der Kirche: Lorenzo Snow bereichert werden. Sie können dabei ähnliche Erlebnisse haben wie jener Geistliche, der Präsident Snow persönlich kennenlernte. Wenn Sie hinter das freundliche Gesicht und den gelassenen Blick sehen, können auch Sie spüren, dass Sie auf heiligem Boden stehen – nicht weil Sie Lorenzo Snow kennengelernt haben, sondern weil Sie dem Vater im Himmel und Jesus Christus, deren Zeuge er war, nähergekommen sind.

    Präsident Snow hat klargemacht, dass das Zahlen des Zehnten Segnungen bringt. Der Zehnte wurde normalerweise in Büros wie diesem hier entgegengenommen (Salt Lake City, um das Jahr 1880). Links: Als Präsident Snow einmal Gäste geladen hatte, fertigte er aus Rüben Kerzenhalter an undbeleuchtete so sein Blockhaus.

    Lorenzo Snow hatte ein heiliges Erlebnis: Im Salt-Lake-Tempel sah er den auferstandenen Herrn.

    Links: Hintergrund © Artbeats; Porträt von John Willard Clawson © IRI; rechts: Foto von Robert Casey

    Von links: Illustration von Brian Call; Foto von Robert Casey; Abdruck des Fotos mit freundlicher Genehmigung des Historischen Archivs der Kirche

    Abdruck des Fotos mit freundlicher Genehmigung des Historischen Archives der Kirche; Ausschnitt aus dem Gemälde Das Zweite Kommen von Grant Romney Clawson © IRI

    Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

    1. 1.

      Reverend Prentis, zitiert in Lehren der Präsidenten der Kirche: Lorenzo Snow, 2012, Seite 33

    2. 2.

      David A. Bednar, „Ihr müsst von neuem geboren werden“, Liahona, Mai 2007, Seite 19-22

    3. 3.

      Lehren: Lorenzo Snow, Seite 73

    4. 4.

      Lehren: Lorenzo Snow, Seite 238

    5. 5.

      Lehren: Lorenzo Snow, Seite 199

    6. 6.

      Lehren: Lorenzo Snow, Seite 166

    7. 7.

      Lehren: Lorenzo Snow, Seite 169f.

    8. 8.

      Lehren: Lorenzo Snow, Seite 305

    9. 9.

      Lehren: Lorenzo Snow, Seite 70

    10. 10.

      Lehren: Lorenzo Snow, Seite 112