Grundsätze für jede Lebenslage


Fünf junge Erwachsene erzählen, wie sie sich bei Entscheidungen, ob etwas richtig oder falsch ist, von Beispielen für Gehorsam aus dem Buch Mormon leiten lassen.

Wir lernen schon früh im Evangelium, wie man richtig von falsch unterscheidet. Wir lernen, dass Entscheidungen Konsequenzen haben, dass Gehorsam Segen bringt und gute Entscheidungen uns Gott näher bringen. Als Jugendliche erhalten wir die Broschüre Für eine starke Jugend, in der die Maßstäbe für ein Leben nach dem Evangelium klar dargelegt werden.

Doch für junge Erwachsene, die damit zu ringen haben, in der Welt, aber nicht von der Welt zu sein (siehe Johannes 17:14), scheinen Entscheidungen und Maßstäbe zuweilen nicht so eindeutig zu sein. Vielleicht kommt es ihnen vor, als gebe es einen breiten Mittelweg mit vielen Entscheidungsmöglichkeiten – eine ausgedehnte Grauzone zwischen richtig und falsch.

Aber auch wenn Entscheidungen komplizierter scheinen, je älter man wird, so gelten doch die gleichen Grundsätze wie für die Jugendlichen. Am Grundsatz Gehorsam ändert sich nichts. Die Entscheidung zum Gehorsam ist nun wichtiger denn je. Wenn wir vor Entscheidungen stehen, können Grundsätze aus dem Buch Mormon – das ja für unsere Zeit geschrieben wurde – uns anleiten, die besten Entscheidungen zu treffen, und uns erneut bewusst machen, dass treuer Gehorsam die größten Segnungen bringt. In diesem Artikel äußern sich fünf junge Erwachsene dazu, wie sie diese Grundsätze in die Tat umsetzen.

Gehorsam bringt uns Gott näher

„Was soll ich tun, dass ich aus Gott geboren werde …, damit ich mit Freude erfüllt werde, damit ich nicht am letzten Tag verstoßen werde? … Ich werde alle meine Sünden aufgeben, um [Gott] zu erkennen.“ (Alma 22:15,18.)

Als König Lamonis Vater das Wort Gottes hörte, beschloss er, alle seine Sünden aufzugeben, um Gott zu erkennen. Als er von den Maßstäben Gottes erfuhr, war er entschlossen, sich daran zu halten, um Gott nahezubleiben. Gemeinsam mit den anderen Anti-Nephi-Lehiern schloss er einen Bund mit dem Vater im Himmel und hielt sich daran und fiel niemals ab (siehe Alma 23:6).

Der Grundsatz Gehorsam gilt ebenso für junge Erwachsene heute. Vijay Patha aus Indien sagt dazu: „Gehorsam bringt uns Gott näher. Er bringt inneren Frieden, Glauben, Freude, Liebe und Zuversicht. Das alles erlangen wir nur durch das Evangelium.

Wenn schwierige Entscheidungen anstehen, kann uns der Heilige Geist hindurchführen“, sagt er weiter. „Wenn es keine Grenzen gibt, laufen wir Gefahr abzustürzen. Wenn ich meine Bündnisse halte, habe ich Grenzen. Diese Grenzen schützen mich davor, auf unbekannte Wege abzuirren. Sie haben mir schon oft geholfen, Jesus Christus zu vertreten und mich nicht auf Sachen wie Fluchen einzulassen. Wer Grenzen setzt, schafft Klarheit.“

Gott hilft uns, gehorsam zu sein

„Ich will hingehen und das tun, was der Herr geboten hat; denn ich weiß, der Herr gibt den Menschenkindern keine Gebote, ohne ihnen einen Weg zu bereiten, damit sie das vollbringen können, was er ihnen gebietet.“ (1 Nephi 3:7)

Manche Gebote scheinen schwierig zu sein, aber der Vater im Himmel hat verheißen, dass er immer einen Weg bereiten wird, sodass wir sie befolgen können. Wie Nephi können sich junge Erwachsene, die unter allen Umständen treu sein wollen, an den Vater im Himmel wenden, damit sie Kraft erhalten und imstande sind, gehorsam zu sein. Duncan Purser aus England beschreibt, wie er dies erlebt hat:

„Der Zehnte ist ein Gebot mit festgesetzten Grenzen: Wir zahlen ein Zehntel dessen, was wir verdienen. Beim Fastopfer sind die Grenzen flexibler.

Als ich sparte, um mir das Studium zu finanzieren, fiel es mir schwer, das Fastopfer zu zahlen. Jeden Fastsonntag rang ich mit mir. Sollte ich das Fastopfer zahlen? Und was wäre denn ein ‚großzügiges‘ Fastopfer? Also betete ich. Und jedes Mal hatte ich daraufhin das Gefühl, ich solle das Fastopfer zahlen, und nicht nur das: Auch der Wunsch, es zu zahlen, wurde stärker.

Ich weiß, dass der Herr diejenigen segnet, die seine Gebote halten, und wenn ich gehorsam bin, fehlt es mir nie am Lebensnotwendigen. Wenn wir nach dem Evangelium leben, die Gebote halten und begreifen, dass wir für die Menschen um uns ein Vorbild sind, haben wir vermehrt den Wunsch, ein besserer Mensch zu werden, und der Herr zeigt uns, was wir tun sollen.

Der Herr gibt uns Grundsätze zu unserem Nutzen. Wir können selbst entscheiden, in welchem Maß wir nach diesen Grundsätzen leben und ob wir durch unseren Gehorsam ein anderer Mensch werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Segnungen folgen, wenn ich auf die Eingebungen des Heiligen Geistes höre.“

Der Herr möchte, dass wir es mit dem Gehorsam genau nehmen

„Sie gehorchten jedem Befehlswort und waren darauf bedacht, es mit Genauigkeit auszuführen; ja, und selbst gemäß ihrem Glauben geschah es ihnen.“ (Alma 57:21.)

Es mit dem Gehorsam so genau zu nehmen, wie die jungen Krieger es taten, hilft den Jüngern Jesu Christi, ihm ähnlicher zu werden. Der Erlöser und der Vater im Himmel wissen aber auch, dass niemand vollkommen ist. Sie haben einen Weg bereitet, wie wir umkehren und uns bessern können, wenn wir einmal fehlgegangen sind.

„Ich habe das Mädchen meiner Träume verloren, weil wir das Gesetz der Keuschheit gebrochen haben – nur ein bisschen“, berichtet Tyler (Name geändert). „Auch wenn man das Gesetz der Keuschheit ‚nur ein bisschen‘ bricht, hat man es doch gebrochen. Die kostbaren Segnungen, die der Gehorsam mit sich bringt, gingen mir mehr und mehr verloren. Aber ich wollte den Heiligen Geist bei mir haben.

Ich wollte auch nicht die kleinen Übertretungen begehen, die viele in Ordnung finden, ‚solange es nichts ist, was man mit dem Bischof besprechen müsste‘. Ich wollte mich hundertprozentig an das Gesetz der Keuschheit halten. Mein Entschluss, gehorsam zu sein, kam aber zu spät, um unsere Beziehung noch zu retten. Dass wir das Gesetz der Keuschheit gebrochen hatten, hatte unsere Beziehung verdorben.

Das Gesetz der Keuschheit dient unserem Schutz. Es geht nicht darum, Liebe einzuschränken. Vielmehr kann man gerade dadurch seine Liebe am besten zum Ausdruck bringen. Indem wir uns daran halten, sagen wir: ‚Ich liebe dich so sehr, dass ich dich achte und Gottes Gebote halte. Ich liebe dich so sehr, dass ich Jesus Christus in den Mittelpunkt unseres Lebens stelle.‘

Auch für uns junge Erwachsene gelten die Grundsätze aus der Broschüre Für eine starke Jugend. Das Gesetz der Keuschheit gilt gleichermaßen für alle, unabhängig von Alter und Lebensumständen. Ich bin dankbar für das Zeugnis, das ich jetzt habe, weil es mir helfen wird, dem Erlöser näher zu kommen und auch meiner zukünftigen Partnerin für die Ewigkeit näher zu sein.“

Treuer Gehorsam bewahrt uns vor Gefahr

„Und es begab sich: Als Lehonti die Botschaft erhielt, wagte er es nicht, zum Fuß des Berges hinabzugehen. … Und es begab sich: Als Amalikkja merkte, dass er Lehonti nicht veranlassen konnte, vom Berg herabzukommen, ging er selbst auf den Berg.“ (Alma 47:11,12.)

Lehonti war fest entschlossen, standzuhalten. Doch dann fand er, es sei wohl in Ordnung, ein kurzes Stück hinabzugehen, um seinen Feind auf halbem Wege zu treffen. Lehonti war überzeugt, alles unter Kontrolle zu haben, doch Amalikkja ließ „Lehonti nach und nach Gift … verabreichen“ (Alma 47:18), bis Lehonti starb – der die Gefahr wohl erst erkannt hatte, als es bereits zu spät war.

Claudia R. aus Colorado berichtet, wie sie standgehalten hat:

„Mir kommt es vor, als ob sich die Gesellschaft auf eine Grauzone zubewege. Was Alkohol angeht, hört man oft: ‚Ein Schluck schadet doch nichts.‘ Damit macht man sich aber doch selbst etwas vor. Gerade in solchen Situationen, die harmlos erscheinen, wird unsere Entscheidungsfreiheit auf die Probe gestellt.

Man muss also lernen, Grenzen zu ziehen und seinen Standpunkt zu behaupten. Manche begeben sich in eine Grauzone und enden schließlich dort, wo es wirklich finster ist. Und dann sitzen sie fest.

Ich war schon einige Male mit einem Jungen aus, und es war jedes Mal sehr nett gewesen. Aber einmal waren wir am Abend allein im Auto, und er machte einen Annäherungsversuch. Ich wusste, dass das, was er vorhatte, zu Weiterem führen konnte. Das wollte ich nicht zulassen, also stieg ich aus dem Auto.

Wenn etwas unseren Grundsätzen widerspricht, müssen wir als junge Erwachsene Stellung beziehen. Natürlich möchte man, wenn man mit jemandem ausgeht, auch mal Händchenhalten, den Partner umarmen und küssen. Aber der Satan möchte uns täuschen und dazu verleiten, dass wir das Gesetz der Keuschheit als Grauzone betrachten und es in Ordnung finden, uns nur teilweise daran zu halten.

Wir müssen in unseren Grundsätzen fester bleiben denn je. Wir müssen uns entschieden haben, ehe schwierige Entscheidungen auftauchen. Wir müssen klare Grenzen ziehen, wenn etwas falsch läuft. Es ist sicher nicht leicht, in dieser Welt zu leben. So vieles geht hier vor. Wir haben aber von den Propheten und Aposteln Maßstäbe und Richtlinien erhalten. Ich trage immer die Kurzfassung der Broschüre Für eine starke Jugend bei mir, das hilft mir in schwierigen Situationen.“

Wir können gehorsam sein, selbst wenn andere es nicht sind

„Wenn sie keine Nächstenliebe haben, so macht es für dich nichts aus; du bist treu gewesen; darum werden deine Kleider rein gemacht werden.“ (Ether 12:37.)

Als Moroni dafür betete, dass in der Zukunft die Andern gesegnet werden mögen, sprach Gott zu ihm, am wichtigsten sei, dass er treu geblieben war. Die Welt macht es einem glaubenstreuen jungen Erwachsenen nicht gerade leicht, nach seinen Grundsätzen zu leben. Aber auch wenn andere einen anderen Weg wählen, kann man sich doch für einen höheren Weg entscheiden.

Wie viele andere junge Erwachsene fand sich auch Victor Kim aus Südkorea in Situationen wieder, in denen er mit seinen Grundsätzen alleine dastand.

„Manchmal ging ich mit meinen Arbeitskollegen zum Essen, und sie tranken immer Alkohol. Sie übten viel Druck auf mich aus, mit ihnen zu trinken, und es war nicht leicht, sie alle vor den Kopf stoßen zu müssen. Ich teilte ihnen immer schon frühzeitig mit, dass ich keinen Alkohol trank. Trotzdem musste ich stark bleiben und von meinem Grenzen sehr überzeugt sein.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diejenigen, die keine klaren Grenzen ziehen, Gefahr laufen, nachlässig zu werden, und mit der Zeit reden sie sich ein, dass eine kleine Sünde doch nicht schade. Sie sind dann nicht mehr für den Heiligen Geist empfänglich und erkennen nicht mehr, was falsch ist und warum es falsch ist.

Der Gruppenzwang kann sehr stark sein. Wer nicht stark ist, gibt mit der Zeit nach, weil das, was die Freunde sagen, einleuchtet, obwohl es unseren Grundsätzen widerspricht. Es gibt aber keinen neutralen Standpunkt. Irgendwann muss man sich entscheiden.

Ein guter Freund kann da hilfreich sein. Man kann miteinander reden und sich aufeinander stützen. So kann man gemeinsam stark bleiben. Wenn ich mich an meine Grundsätze halte, fühle ich mich sicher. Ich bin würdig, Gott um seinen Schutz zu bitten. Ich glaube daran, dass er mir helfen wird, wenn ich gehorsam bin.“