Wenn etwas guten Klang hat


Larry M. Gibson
Unsere Ausdrucksweise spiegelt wider, was sich in unserem Herzen regt, und zeigt, wer wir wirklich sind.

Wenn etwas guten Klang hat

Als ich Bischof war, kam einmal ein netter junger Mann zu einer Unterredung zu mir ins Büro. Im Verlauf unseres Gesprächs sagte er, sein einziges größeres Problem sei das Fluchen. Er höre in seinem Umfeld ständig derbe Ausdrücke und habe auch angefangen zu fluchen. Er erklärte, er habe schon versucht, damit aufzuhören, habe es aber nicht geschafft. Nun wolle er einen Rat, wie er damit aufhören könne.

Mir fielen sogleich einige Anregungen ein, die in etwa dem entsprachen, was man heute in der Broschüre Für eine starke Jugend nachlesen kann: „Wenn ihr euch eine Ausdrucksweise angewöhnt habt, die nicht diesen Grundsätzen entspricht – etwa Fluchen, Spott, Tratsch oder Wutbekundungen – könnt ihr euch das auch wieder abgewöhnen. Betet um Hilfe. Bittet eure Familie und eure Freunde, dass sie euch … unterstützen.“1 Ich wünschte, es hätte damals schon die Broschüre Für eine starke Jugend samt diesem Rat gegeben.

Eine Erfahrung aus meiner Jugend

Ich erzählte dem jungen Mann von einer Erfahrung, die ich als Jugendlicher gemacht hatte. Auch in meiner Umgebung wurden oft schlechte Wörter verwendet. Jeder Fluch, den ich hörte, schien in meinen Gedanken viel leichter haften zu bleiben als die guten Gedanken, die ich eigentlich haben wollte. Ein wunderbarer Priestertumsführer erklärte mir, mein Verstand sei wie ein hervorragendes Speichergerät. Man könne schlechte Gedanken entfernen, indem man sie rasch mit etwas Lobenswertem überschreibt.

Ein Freund und ich beschlossen, es zu versuchen. Wir lernten zwei Kirchenlieder auswendig, nämlich „Ich brauch dich allezeit“ (Gesangbuch, Nr. 60) und „Mehr Heiligkeit gib mir“ (Gesangbuch, Nr. 79) sowie den 13. Glaubensartikel. Wir nahmen uns vor, sofort eines dieser Lieder zu singen oder den Glaubensartikel zu zitieren, wenn einem von uns ein schlechtes Wort herausrutschte.

Allerdings stellten wir rasch fest, dass wir an manchen Orten kein Kirchenlied anstimmen wollten. Es war einfach zu peinlich! Also zitierten wir den 13. Glaubensartikel, insbesondere den Teil: „Wenn es etwas Tugendhaftes oder Liebenswertes gibt, wenn etwas guten Klang hat oder lobenswert ist, so trachten wir danach.“ Es funktionierte! Wir stellten fest, dass die schlechten Gedanken verschwanden, wenn wir ihn aufsagten. Aus dem Glaubensartikel schufen wir ein einfaches Motto: „Hat es guten Klang?“ Wenn einer von uns diese Frage stellte, überlegten wir: „Sind meine Worte ehrlich, keusch, gütig, tugendhaft, liebenswert, haben sie einen guten Klang, sind sie lobenswert?“ (Siehe 13. Glaubensartikel.) Falls sie es nicht waren, wussten wir, dass wir etwas ändern mussten.

Was wir tun können

Wir leben in einer Zeit, in der es viel Vulgäres und Derbes gibt. Es lässt sich wohl unmöglich verhindern – wir hören oder sehen Dinge, die wir eigentlich meiden wollen. Entscheidend ist aber, dass wir dafür sorgen, dass wir nichts Vulgäres oder Derbes weitertragen. Paulus hatte dies wohl im Sinn, als er sagte: „Über eure Lippen komme kein böses Wort.“ (Epheser 4:29.)

Ich habe beobachtet, dass manche Jugendliche schlechte Wörter gebrauchen, weil sie meinen, sie würden dann eher dazugehören. Andere gebrauchen sie, weil sie beachtet werden wollen. Meiner Ansicht nach scheinen dies die Hauptgründe zu sein, warum Jugendliche dieser schlechten Gewohnheit verfallen.

Ich bin sehr beeindruckt von den Jugendlichen, die es „wagen …, anders zu sein“2, etwa ein junger Mann, der einen Freund hatte, der nicht der Kirche angehörte und recht häufig fluchte. Immer wenn sein Freund fluchte, bat der junge Mann ihn ganz freundlich und gelassen, das doch bleiben zu lassen. Nach einiger Zeit hörte sein Freund wirklich auf zu fluchen. Der Freund war so beeindruckt von dem jungen Mann und dessen Lebensweise, dass er mehr über die Kirche erfahren wollte. Bald darauf ließ er sich taufen.

Wir beschäftigen uns in Gedanken mit dem, was wir im Herzen empfinden, und wir reden über das, womit wir uns in Gedanken beschäftigen. Deshalb stimmt die Aussage, dass unsere Ausdrucksweise die Regungen unseres Herzens widerspiegelt und zeigt, wer wir wirklich sind.

In der Broschüre Für eine starke Jugend heißt es so treffend: „Eine saubere und intelligente Ausdrucksweise zeugt von einem gesunden, wachen Verstand. Wenn ihr gute Wörter verwendet, erbaut, erhebt und erfreut das andere, und der Geist kann bei euch sein.“3

Jeder von uns kann den Segen genießen, den Heiligen Geist immer bei sich zu haben, wie es uns jeden Sonntag, wenn wir vom Abendmahl nehmen, verheißen wird. Es hängt von uns ab – davon, wie wir handeln, was wir tun, und, ja, sogar davon, was wir sagen. Hoffentlich gebrauchen wir keine Schimpfwörter oder setzen andere durch unsere Worte herab, sondern zeigen durch unsere Ausdrucksweise, dass wir unserem Erlöser Jesus Christus nachfolgen.

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    Anmerkungen

  1.   1.

    Für eine starke Jugend, Broschüre, 2011, Seite 21

  2.   2.

    L. Tom Perry, „Ein traditionsgemäß ausgewogenes und rechtschaffenes Leben“, Liahona, August 2011, Seite 33

  3.   3.

    Für eine starke Jugend, Seite 20