Warten auf Jesus


„Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen.“ (Matthäus 16:27)

Kati durchstöbert den Karton und durchsucht sorgfältig das zerknüllte Papier. Sie kann aber nicht finden, wonach sie sucht.

Sie legt alles zurück in den Karton und macht sich auf die Suche nach Mutti.

Kati hat auch schon hinter dem Klavier nachgeschaut, unter dem Sofa und sogar in Toms Kinderbettchen. Es ist einfach nicht mehr da. Sie muss es Mutti sagen.

„Mutti, das Jesuskind fehlt.“

Kati führt Mutti zur Krippe im Wohnzimmer. Josef und Maria und die Hirten stehen da. Die Sterndeuter sind da – und sogar ein Kamel und ein Esel. Aber die Figuren stehen um eine leere Krippe.

„Ja, das Jesuskind fehlt“, stellt Mutti fest.

„Ich kann es nirgends finden. Ich habe überall gesucht.“ Ohne das Jesuskind ist es doch keine richtige Krippe.

Mutti geht zum Bücherregal. „Wir haben es nicht verloren“, sagt sie und holt etwas ganz oben vom Regal.

Kati seufzt erleichtert. „Da ist es ja!“, ruft sie aus. „Ich lege es gleich in die Krippe.“

Sie streckt die Hand aus, aber Mutti stellt die Figur zurück aufs Regal. „Dieses Jahr legen wir das Jesuskind erst an Weihnachten in die Krippe“, erklärt Mutti. „Das ist eine Tradition, die Vati in Frankreich kennengelernt hat.“

„Warum? Alle sehen so traurig aus.“

„Ich weiß nicht, ob sie traurig sind“, meint Mutti. „Ich finde, es sieht so aus, als ob sie warteten.“

Kati schaut sich die Figuren aufmerksam an. Sie sieht den leeren Platz in der Krippe, wo das Jesuskind hingehört. Manche der Figuren strecken die Hand Richtung Krippe aus.

„Ja, könnte sein“, sagt Kati.

„Weißt du noch, wie du es kaum erwarten konntest, dass Tom endlich auf die Welt kam?“, fragt Mutti.

Kati lächelt zu ihrem kleinen Bruder hinüber, der auf einer Decke spielt. „Ja, es hat furchtbar lange gedauert.“

„Weißt du, dass Propheten tausende Jahre darauf gewartet haben, dass Jesus auf die Welt kommt, um uns zu helfen, wieder zum Vater im Himmel zurückzukehren?“

Kati erinnert sich an ein Bild, das in der PV gezeigt wurde. Darauf war ein Prophet zu sehen, der etwas über die Geburt Jesu aufschrieb. „Ja, ich glaube schon“, antwortet Kati.

„Propheten wie Jesaja haben über das nachgedacht, was der Erlöser auf der Erde tun würde, und sie haben es aufgeschrieben“, erklärt Mutti. „Sie haben ihr ganzes Leben lang auf seine Geburt gewartet. Deshalb stellen wir die Krippe so auf. Damit wir uns daran erinnern, dass viele Menschen sehr lange auf die Geburt des Erlösers gewartet haben.“

„Ich könnte es sicher nicht aushalten, mein Leben lang zu warten“, meint Kati und schaut die Hirten an, die auf Jesus warten.

„Es gibt noch einen Grund, warum wir die Krippe zuerst ohne das Jesuskind aufstellen“, sagt Mutti.

„Warum denn?“

„Weißt du noch, was wir beim Familienabend über das Zweite Kommen gesagt haben?“

Kati denkt kurz nach. „Die Zeit, wenn Jesus wiederkommt?“

„Ja, genau“, sagt Mutti.

„Wann wird das sein?“

„Das wissen wir nicht. Aber wir warten darauf, dass Jesus kommt, so wie die Hirtenfiguren hier und wie die Propheten aus alter Zeit. Wir legen also das Jesuskind auch deshalb erst an Weihnachten in die Krippe, damit wir daran erinnert werden, dass auch wir auf Jesus warten.“

„Wird er wieder in einer Krippe liegen?“, fragt Kati.

„Nein, er kommt nicht noch einmal als Baby. Dieses Mal kommt er als der Auferstandene. Aber die leere Krippe hier erinnert uns daran, dass wir – so wie du auf Weihnachten wartest und so, wie die Menschen auf die Geburt des Jesuskindes gewartet haben – jetzt darauf warten, dass er zurückkehrt. Wir haben das Jesuskind nicht verloren. Die leere Krippe hilft uns, an ihn zu denken.“

„Wir müssen einfach nur warten“, sagt Kati lächelnd.

„Ja, genau“, sagt Mutti.

„Und können wir, während wir warten, ein paar Weihnachtskekse backen?“

Elder Jeffrey R. Holland

„Wir verkünden, dass er zur Erde zurückkehren wird – dieses Mal mit Macht, Erhabenheit und Herrlichkeit, um als König der Könige und Herr der Herren zu regieren.“

Elder Jeffrey R. Holland vom Kollegium der Zwölf Apostel, „Gemeinsam für die Sache Christi“, Liahona, August 2012, Seite 28