Die Antwort auf seine Gebete

Lindsey Leavitt, Nevada

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    Eigentlich war ich überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung. Es war Dezember und mein letztes Jahr an der Highschool. Ich musste mich fürs College bewerben und außerdem mein letztes Projekt als Lorbeermädchen in Angriff nehmen. Deshalb hoffte ich auf eine günstige Gelegenheit: ein Projekt, das meiner College-Bewerbung förderlich war und zugleich als Lorbeermädchen-Projekt zählte. Zum Glück fragte unsere Mentorin von der Schülervertretung meine Freundin Jessica und mich, ob wir bereit wären, an der Schule eine Sammelaktion zu starten – Spielzeug für eine örtliche soziale Einrichtung.

    Ich delegierte den Großteil der Arbeit an das Projektkomitee. Ich ließ sie eine Tafel mit einem großen Thermometer gestalten, auf dem die Anzahl der gespendeten Spielzeuge angezeigt wurde. Wir fanden, dies sei ausreichend Werbung für unsere Aktion, und sammelten immer in der Mittagspause die Spenden ein. Die Schüler brachten aber nicht viel Spielzeug, und die Anzeige am Thermometer kletterte kaum höher.

    Unsere Mentorin legte immer wieder ein paar der Spielzeuge zur Seite, was uns verwunderte. Als Jessica und ich fragten, was sie damit vorhatte, erzählte sie uns, dass ein Lehrer an der Schule vor kurzem an Krebs erkrankt war. Zuerst hatte er versucht, trotz der Behandlung weiter zu unterrichten, aber nun hatte er beschlossen, sich krankzumelden. Weihnachten stand vor der Tür, und die Arztrechnungen stapelten sich. Da blieb nicht viel für Weihnachtsgeschenke. Unsere Mentorin schlug vor, dass wir das Spielzeug, das sie beiseitegelegt hatte, für diese Familie einpackten.

    Ich war sehr betroffen. Bis dahin hatte ich das Dienstprojekt nur als etwas betrachtet, was mir selbst Vorteile brachte. Aber nun beschloss ich, unser Ziel für die Spielzeugspenden zu verdreifachen und außerdem noch Geldspenden für den Lehrer und seine Familie zu sammeln.

    Jessica und ich gingen in die einzelnen Klassen, um die ganze Sache voranzubringen. Die Resonanz war enorm. Lehrer, Mitarbeiter und Schüler spendeten Spielzeug und Geld, um der Familie beizustehen. Schon bald hatten wir unser Ziel übertroffen, und als wir das Spielzeug der sozialen Einrichtung überreichten, waren deren Vertreter von dem Ergebnis sehr beeindruckt. Außerdem hatten wir über 1000 Dollar für die Familie zusammenbekommen.

    Als wir die Geschenke, die wir gesammelt und gekauft hatten, sorgfältig einpackten, wurde mir bewusst, dass ich ein Zeugnis vom Dienen empfangen hatte, das genauso wertvoll war wie die Geschenke. Ich kann kaum sagen, wie aufgeregt ich war, als wir heimlich beobachteten, wie die Familie die Geschenke entdeckte, die wir ungesehen vor ihrer Haustür abgestellt hatten.

    Ein paar Monate später wurden Jessica und ich gebeten, einen Vortrag über Dienstprojekte zu halten. Wir erklärten, was wir getan hatten, ohne den Namen des Lehrers zu nennen. Ein Mädchen hob die Hand und stand auf. Die Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie sagte, der Lehrer sei ihr Onkel, und sie schilderte, wie viel ihm unser Dienst bedeutet habe. Es sei die Antwort auf seine Gebete gewesen.

    Wie groß war unsere Freude, als wir erfuhren, welche Wirkung unser aufrichtiger gemeinsamer Einsatz gehabt hatte.