Mein Geburtstagsgeschenk vom Bischof

Marina Cruz, Rio de Janeiro, Brasilien

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    An meinem Geburtstag, es war ein Sonntagmorgen, machten mein Mann und ich uns gerade bereit, zur Kirche zu gehen, als das Telefon klingelte. Ich nahm ab. Es war der Bischof. Er sagte: „Ich weiß, heute ist Ihr Geburtstag, aber könnten Sie in einer halben Stunde bei mir im Büro sein? Ich würde gerne mit Ihnen sprechen.“

    Neugierig eilte ich in die Kirche.

    Im Bischofsbüro sagte der Bischof zu mir: „Schwester Cruz, ich habe ein Geburtstagsgeschenk für Sie. Der Herr beruft Sie als Leiterin der Jungen Damen. Werden Sie diese Berufung annehmen?“ Ich fühlte mich völlig unzulänglich, aber ich nahm die Berufung an. Noch am selben Tag wurde ich bestätigt und eingesetzt.

    Als ich nach der Kirche nach Hause kam, setzte ich mich auf mein Bett. Ich spürte die Last der schweren Verantwortung. Ich weinte, weil ich mich dieser Aufgabe nicht gewachsen fühlte. Was für eine Verantwortung, die Mädchen anzuleiten! Ich hatte mich mit 22 Jahren taufen lassen und hatte selbst nie an einer Aktivität der Jungen Damen teilgenommen. Wie sollte ich die Leiterin der Jungen Damen sein?

    Ich tat das Einzige, was ich in dem Moment tun konnte: Ich kniete nieder und bat den Vater im Himmel um Führung bei dieser neuen Berufung. Da erlebte ich etwas, was ich nie vergessen werde. Als ich in Gedanken jede der Jungen Damen vor mir sah, wurde mir klar, dass jede von ihnen eine Tochter des Vaters im Himmel war. Jede von ihnen brauchte eine Leiterin, die sie lieb hatte und ihr nahebringen konnte, dass Gott sie liebte. Mir gingen auch die Namen der weniger aktiven Jungen Damen durch den Sinn (denen ich nie begegnet war), und mir wurde klar, dass auch sie Töchter des himmlischen Vaters waren und meine Aufmerksamkeit brauchten. Ich spürte, was für ein Potenzial in jedem Mädchen steckte.

    Die darauffolgenden Monate waren nicht einfach. Ich tat mein Bestes, um jede Junge Dame kennenzulernen und zu erfassen, was sie brauchte. Gemeinsam mit den aktiven Jungen Damen halfen wir als Leitung den weniger aktiven Jungen Damen, wieder aktiv zu werden. Ich sah die Hand des Herrn auf vielerlei Weise wirken.

    Als ich aus meiner Berufung entlassen wurde, machte ich mir Sorgen, ob ich vielleicht mehr hätte tun können. Als ich zu Hause ankam, kniete ich nieder und fragte den Vater im Himmel, ob ich meine Aufgabe gut erfüllt hätte. Ich empfing die tröstliche Gewissheit, dass er zufrieden war.

    Ich dachte zurück an meinen Geburtstag, als ich die Berufung wegen meiner vielen anderen Aufgaben hätte ablehnen können. Allerdings wäre ich diejenige gewesen, die am meisten verloren hätte, wenn ich die Berufung nicht angenommen hätte. Ich hätte die Gelegenheit versäumt, Demut und Verständnis zu erlangen, Geduld aufzubringen und ein Werkzeug in den Händen des Herrn zu werden. Aber vor allem hätte ich das Vertrauen, das der Herr in mich setzte, enttäuscht und hätte nicht gelernt, dass die Gelegenheit zu dienen ein Geschenk ist.