Botschaft von der Ersten Präsidentschaft

Die Verheißung, dass Herzen sich einander zuwenden

Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft

Präsident Henry B. Eyring
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    Meine Mutter, Mildred Bennion Eyring, wuchs in der ländlichen Region Granger in Utah auf. Einer ihrer Brüder, Roy, führte das Familienunternehmen – die Schafzucht – fort. Als junger Mann war er oft viele Wochen unterwegs. Im Laufe der Zeit verlor er das Interesse an der Kirche. Später zog er nach Idaho, heiratete und hatte drei Kinder. Er starb im Alter von 34 Jahren. Seine Frau war 28 und die Kinder waren noch klein.

    Roys junge Familie wohnte also in Idaho, während meine Mutter nach New Jersey gezogen war, über 4000 Kilometer entfernt, aber sie schrieb ihnen oft herzliche, aufmunternde Briefe. Die Familie meines Onkels nannte meine Mutter liebevoll „Tante Mid“.

    Jahre vergingen, und eines Tages rief mich einer meiner Cousins an. Er teilte mir mit, dass seine Mutter, Roys Witwe, gestorben war. Mein Cousin sagte: „Tante Mid hätte gewollt, dass du es erfährst.“ Tante Mid war schon lange verstorben, aber Roys Familie hatte ihre Liebe im Herzen bewahrt und nahm deshalb Kontakt mit mir auf.

    Mir kam in den Sinn, dass meine Mutter in ihrer Familie eine ähnliche Rolle eingenommen hatte wie die nephitischen Propheten in deren Familien, indem sie mit den Verwandten in Kontakt blieben, denen sie das Evangelium Jesu Christi näherbringen wollten. Nephi schrieb einen Bericht, der, wie er hoffte, die Kinder seiner Brüder dazu bewegen würde, sich wieder dem Glauben ihres Stammvaters Lehi zuzuwenden. Und die Söhne Mosias waren von der gleichen Liebe beseelt, als sie den Nachkommen Lehis das Evangelium verkündeten.

    Der Herr hat uns Wege bereitet, innerhalb der Familie eine Liebe zu entwickeln, die für immer andauert. Junge Menschen in der Kirche heute spüren, dass sich ihr Herz ihrer Familie zuwendet. Sie machen die Namen ihrer verstorbenen Angehörigen ausfindig, die nicht die Möglichkeit hatten, in diesem Leben die errettenden heiligen Handlungen zu empfangen. Sie nehmen diese Namen mit zum Tempel. Wenn sie ins Wasser der Taufe steigen, können sie die Liebe des Herrn und ihrer Angehörigen, für die sie stellvertretend die heiligen Handlungen vollziehen lassen, spüren.

    Ich erinnere mich daran, wie viel Liebe in den Worten meines Cousins mitschwang, als er anrief und mir mitteilte: „Unsere Mutter ist gestorben, und Tante Mid hätte gewollt, dass du es erfährst.“

    Wer stellvertretend heilige Handlungen für seine Angehörigen vollziehen lässt, streckt ihnen so liebevoll die Hand entgegen, wie das auch die Söhne Mosias und der Prophet Nephi bei ihren Angehörigen getan haben. Wie sie freut man sich über alle, die dieses Angebot annehmen. Man empfindet womöglich die gleiche Begeisterung wie Ammon, der über seinen Missionsdienst unter entfernten Angehörigen gesagt hat:

    „Darum lasst uns frohlocken, ja, wir wollen im Herrn frohlocken; ja, wir wollen uns freuen, denn unsere Freude ist voll; ja, wir wollen unseren Gott preisen immerdar. Siehe, wer könnte zu viel im Herrn frohlocken? Ja, wer könnte zu viel von seiner großen Macht sprechen und von seiner Barmherzigkeit und von seiner Langmut gegenüber den Menschenkindern? Siehe, ich sage euch, dass ich auch nicht den kleinsten Teil dessen sagen kann, was ich empfinde.“ (Alma 26:16.)

    Ich gebe Zeugnis, dass die Liebe, die wir für unsere Angehörigen empfinden – wo sie auch sein mögen – die Erfüllung der Verheißung ist, dass Elija kommen werde. Er ist wahrhaftig gekommen. Das Herz der Kinder wendet sich ihren Vätern zu, und das Herz der Väter wendet sich ihren Kindern zu (siehe Maleachi 3:23,24; Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:38,39). Wenn wir den Drang spüren, die Namen unserer Vorfahren ausfindig zu machen und diese Namen in den Tempel zu bringen, erleben wir die Erfüllung dieser Prophezeiung.

    Es ist ein Segen, in einer Zeit zu leben, da sich die Verheißung, dass Herzen sich einander zuwenden, erfüllt. Mildred Bennion Eyring spürte dieses Drängen im Herzen. Sie hatte die Familie ihres Bruders ins Herz geschlossen und streckte ihren Verwandten die Hand entgegen. Diese wiederum wandten ihr Herz Tante Mid zu, weil sie spürten, dass sie sie lieb hatte.