Dieter F. Uchtdorf

Illustration von Andrew Banneker

Es war einmal eine Frau namens Christa, die bei einem kleinen Saatguthersteller arbeitete. Sie mochte ihre Arbeit sehr. Es erstaunte sie immer wieder über die Maßen, dass all die winzigen Samenkörner, die sie verkaufte, die Fähigkeit besaßen, sich in etwas ganz Wunderbares zu verwandeln – eine Mohrrübe, einen Kohlkopf oder gar eine mächtige Eiche.

Christa saß gern an ihrem Computer, wo sie Bestellungen entgegennahm und Fragen beantwortete. Eines Tages aber ging eine merkwürdige Beschwerde bei ihr ein.

„Das Saatgut ist nicht aufgegangen“, sagte der Kunde. „Ich habe es vor zwei Monaten gekauft, und es tut sich immer noch nichts.“

„Haben Sie es denn in guten Boden ausgesät und hat es genügend Wasser und Sonnenlicht bekommen?“

Darauf der Kunde: „Nein, aber ich habe meinen Teil getan. Ich habe es gekauft. Immerhin wird ja garantiert, dass die Saat aufgeht.“

„Aber ausgesät haben Sie sie nicht?“

„Um Himmels willen, nein! Ich mache mir doch nicht die Hände schmutzig!“

Christa dachte darüber nach und beschloss, eine Anleitung zu schreiben. Sie wusste auch schon, welcher Punkt ganz oben stehen sollte: „Diese Anleitung ist zu befolgen, wenn die Samenkörner keimen sollen. Das Saatgut geht nicht auf, wenn man es im Regal liegenlässt.“

Wenig später ging eine weitere merkwürdige Beschwerde ein.

„Die Samenkörner gehen nicht auf“, erklärte ein Kunde.

„Haben Sie sie denn in guten Boden ausgesät?“, fragte Christa nach. „Und haben sie auch die richtige Menge Wasser und Sonnenlicht bekommen?“

„Aber ja“, bestätigte der Kunde. „Ich habe alles genau so gemacht, wie es auf der Packung steht. Aber es funktioniert nicht.“

„Hat sich denn überhaupt etwas getan? Haben die Körner gekeimt?“

„Nichts dergleichen“, sagte der Kunde. „Ich habe sie wie angegeben ausgesät, weil ich zum Abendessen ein paar Tomaten haben wollte. Ich bin schon ziemlich enttäuscht.“

„Moment mal!“, warf Christa ein. „Wollen Sie damit sagen, Sie haben die Körner erst heute ausgesät?“

„Machen Sie keine Witze!“, erwiderte der Kunde. „Ich habe sie vor einer Woche ausgesät. Selbstverständlich habe ich nicht gleich am ersten Tag mit Tomaten gerechnet, sondern mich in Geduld gefasst. Aber von dem Tag an bis heute habe ich nun schon eine ganze Weile gegossen und gewartet.“

Christa war klar, dass eine weitere Anweisung nötig war: „Dieses Saatgut folgt den Gesetzen der Natur. Man kann es nicht am Morgen aussäen und im Laufe der Woche mit den ersten Tomaten rechnen. Um Enttäuschungen zu vermeiden, fassen Sie sich bitte in Geduld und lassen Sie der Natur ihren Lauf.“

Alles ging gut, bis wieder eine Beschwerde bei Christa eintraf.

„Ich bin mit Ihrem Saatgut sehr unzufrieden“, beklagte sich der Kunde. „Ich habe es genau so ausgesät, wie es auf der Packung steht. Ich habe es gegossen, für Sonnenlicht gesorgt und gewartet, bis es schließlich erntereif war.“

„Da haben Sie doch offenbar alles richtig gemacht“, bemerkte Christa.

„So weit, so gut“, meinte der Kunde. „Es sind aber Zucchini dabei herausgekommen!“

„Nach meinen Unterlagen haben Sie allerdings genau dafür Saatgut bestellt“, erklärte Christa.

„Ich wollte aber keine Zucchini, sondern Kürbisse.“

„Ich kann nicht ganz folgen.“

„Ich habe die Samenkörner auf meinem Kürbisfeld ausgesät – genau da, wo letztes Jahr Kürbisse gewachsen sind. Jeden Tag habe ich den Pflänzchen gut zugeredet und ihnen erzählt, was für schöne Kürbisse einmal aus ihnen werden würden. Doch statt großer, runder, orangefarbener Kürbisse sind lange, grüne Zucchini herausgekommen. Und zwar tonnenweise!“

Nunmehr stand für Christa fest, dass es mit einer Anleitung allein nicht getan war. Ein Grundsatz musste festgehalten werden: „Was Sie ernten, hängt davon ab, welches Saatgut Sie aussäen und zu welchem Zeitpunkt.“

Das Gesetz der Ernte

Der Apostel Paulus sagte über die Ernte Gottes:

„Täuscht euch nicht: Gott lässt keinen Spott mit sich treiben; was der Mensch sät, wird er ernten.

Wer im Vertrauen auf das Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber im Vertrauen auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten.

Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun; denn wenn wir darin nicht nachlassen, werden wir ernten, sobald die Zeit dafür gekommen ist.“ (Galater 6:7-9.)

In jüngerer Zeit hat uns der Herr zu weiteren Einsichten und Erkenntnissen verholfen, was dieses unwandelbare Gesetz betrifft:

„Es gibt ein Gesetz, das im Himmel vor den Grundlegungen dieser Welt unwiderruflich angeordnet wurde und auf dem alle Segnungen beruhen ‒ und wenn wir irgendeine Segnung von Gott erlangen, dann nur, indem wir das Gesetz befolgen, auf dem sie beruht.“ (LuB 130:20,21.)

Was wir säen, das ernten wir.

Die Ernte Gottes ist von unbeschreiblicher Herrlichkeit. Wer ihn ehrt, wird großen Segen von ihm empfangen – „in reichem, vollem, überfließendem Maß; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden“ (Lukas 6:38).

So, wie man sich mit dem Saatgut auf der Erde Mühe geben muss und Geduld braucht, verhält es sich auch mit vielen Segnungen des Himmels. Man kann seine Religion nicht im Regal liegenlassen und dann damit rechnen, dass man geistig Segnungen erntet. Wenn man aber im täglichen Leben seiner Familie die Grundsätze des Evangeliums aussät und diese hegt und pflegt, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass die Kinder, wenn sie erwachsen sind, geistig Früchte hervorbringen, die für sie selbst und kommende Generationen sehr wertvoll sind.

Gott beantwortet unsere Gebete nicht immer unmittelbar – manchmal scheint er sie gar nicht zu beantworten –, aber er weiß, was für seine Kinder am besten ist. Zweifellos werden wir eines Tages klarer sehen und dann auch erkennen, wie gütig und großzügig der Herrscher des Himmels ist.

Bis dahin ist es unser Ziel und unsere allergrößte Freude, den Spuren unseres Meisters und Heilands zu folgen und ein gutes und geläutertes Leben zu führen, damit sich die verheißene, kostbare Ernte einstellt: die unschätzbaren Segnungen Gottes.

Was wir säen, das ernten wir.

So lautet das Gesetz des Himmels.

So lautet das Gesetz der Ernte Gottes.

Wie man Gedanken aus dieser Botschaft vermittelt

Besprechen Sie mit denjenigen, die Sie besuchen, wie sich das Gesetz der Ernte Gottes auf Beziehungen, auf die Bekehrung und das Zeugnis sowie auf schulische und berufliche Ziele anwenden lässt. Sie könnten auch weitere Schriftstellen im Zusammenhang mit diesem Gesetz lesen und besprechen, wie etwa Sprichwörter 11:18; 2 Korinther 9:6 und Alma 32. Regen Sie an, dass sie ihre bisherigen Ziele überprüfen und sich neue Ziele setzen, um rechtschaffene Vorhaben zu verwirklichen. Helfen Sie ihnen, einen Plan dafür aufzustellen, wie man konsequent auf ein langfristiges Ziel hinarbeitet.

Kinder

Pläne für die Ernte

Gottes Gesetz der Ernte besagt: Wenn wir später etwas haben wollen, müssen wir jetzt etwas dafür tun. Wenn wir einen schönen Garten haben wollen, müssen wir Samen säen, die Pflänzchen dann gießen und das Unkraut jäten. Wenn wir das nicht tun, ernten wir später auch nichts.

In diesem Garten siehst du ein paar gute „Früchte“, nämlich Segnungen, die du vielleicht bekommen möchtest. Was kannst du tun, was dir hilft, diese Segnungen zu genießen? Schreibe unten in die Zeilen, was du diesen Monat dafür tun willst.