Botschaft von der Ersten Präsidentschaft

Zeugnis und Bekehrung

Präsident Henry B. Eyring

Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft

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    Ein Zeugnis von der Wahrheit zu erlangen ist etwas anderes als sich wahrhaft zu bekehren. Der große Apostel Petrus beispielsweise hat Jesus Christus bezeugt, er wisse, dass Jesus Gottes Sohn sei.

    „[Jesus] sagte zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

    Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!

    Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ (Matthäus 16:15-17.)

    Und doch erhielt Petrus später eine Anweisung, die auch uns als Richtschnur dient. Der Herr forderte ihn auf, sich wahrhaft zu bekehren und diese Bekehrung ein Leben lang fortzusetzen. Jesus formulierte es so: „Wenn du dich … bekehrt hast, dann stärke deine Brüder.“ (Lukas 22:32.)

    Damit gab Jesus dem Petrus zu verstehen, dass eine große Veränderung noch ausstand, die über das Zeugnis hinausgeht und darin besteht, dass man wie ein wahrhaft bekehrter Jünger Jesu Christi denkt, empfindet und handelt. Dies ist die mächtige Wandlung, die wir alle anstreben. Wenn wir sie erfahren haben, muss diese Wandlung bis ans Ende unserer irdischen Bewährungszeit fortgesetzt werden (siehe Alma 5:13,14).

    Wir wissen aus eigener Erfahrung und Beobachtung, dass einige wenige großartige Erlebnisse mit der Macht des Heiligen Geistes nicht ausreichen. Petrus hat den Heiland verleugnet, obwohl der Heilige Geist ihm zuvor bezeugt hatte, dass Jesus der Messias ist. Den drei Zeugen des Buches Mormon wurde unmittelbar bezeugt, dass das Buch Mormon das Wort Gottes ist, und doch schwankten sie später und hörten auf, Joseph Smith als den Propheten der Kirche des Herrn zu unterstützen.

    O seliger Jesus, Gemälde von Walter Rane

    Wir müssen eine Wandlung im Herzen erfahren, wie sie im Buch Alma beschrieben wird: „Und sie alle verkündeten dem Volk genau dasselbe – dass ihr Herz umgewandelt worden war, dass sie nicht mehr den Wunsch hatten, Böses zu tun.“ (Alma 19:33; siehe auch Mosia 5:2.)

    Der Herr hat erklärt, dass wir, wenn wir uns wahrhaft zu seinem Evangelium bekehren, unser Herz von selbstsüchtigen Belangen abwenden und uns anderen zuwenden, um sie aufzurichten, während sie auf ihrem Weg zum ewigen Leben aufwärtsgehen. Um diese Bekehrung herbeizuführen, beten und handeln wir voll Glauben, um durch das Sühnopfer Jesu Christi eine neue Schöpfung zu werden.

    Wir können damit beginnen, dass wir im Gebet um den Glauben bitten, von Selbstsucht umzukehren, und um die Gabe, uns mehr um andere als um uns selbst zu sorgen. Wir können die Kraft erbitten, Stolz und Neid abzulegen.

    Das Gebet ist außerdem der Schlüssel dazu, die Gaben zu empfangen, Liebe zum Wort Gottes sowie die Liebe Christi zu entwickeln (siehe Moroni 7:47,48). Beides geht Hand in Hand. Wir entwickeln Liebe zum Wort Gottes, wenn wir es lesen und darüber nachsinnen und beten. Der Herr pflanzt uns diese Liebe ins Herz. Wenn wir sie verspüren, wächst auch unsere Liebe zum Herrn. Mit dieser Liebe geht die Nächstenliebe einher, die wir brauchen, um diejenigen zu stärken, die Gott uns auf unserem Weg begegnen lässt.

    Beispielsweise können wir beten, um zu erfahren, wem der Herr seine Missionare senden möchte. Vollzeitmissionare können voll Glauben beten, Gott möge ihnen durch den Heiligen Geist kundtun, was sie lehren und wovon sie Zeugnis geben sollen. Sie können voll Glauben darum beten, der Herr möge ihnen seine Liebe für jeden, dem Sie begegnen, ins Herz geben. Die Missionare werden nicht jeden, den sie kennenlernen, zur Taufe und zur Gabe des Heiligen Geistes führen können. Aber sie können den Heiligen Geist ständig bei sich haben. Durch ihren Dienst und mit der Hilfe des Heiligen Geistes werden die Missionare schließlich eine Herzenswandlung erfahren.

    Diese Wandlung wird immer wieder erneuert, wenn man ein Leben lang voll Glauben handelt, um andere mit dem Evangelium Jesu Christi zu stärken. Die Bekehrung ist nicht ein einzelnes Ereignis und vollzieht sich auch nicht in einer bestimmten Lebensphase. Vielmehr ist sie ein fortdauernder Prozess. Das Leben kann immer heller werden bis zum vollkommenen Tag, an dem wir den Erlöser sehen und feststellen werden, dass wir ihm ähnlich geworden sind. Der Herr hat diese Reise so beschrieben: „Was von Gott ist, das ist Licht, und wer Licht empfängt und in Gott verbleibt, empfängt mehr Licht; und jenes Licht wird heller und heller bis zum vollkommenen Tag.“ (LuB 50:24.)

    Ich verheiße Ihnen, dass dies einem jeden von uns möglich ist.

    Wie man Gedanken aus dieser Botschaft vermittelt

    Elder David A. Bednar vom Kollegium der Zwölf Apostel hat anhand des „Gleichnisses von der eingelegten Gurke“ erklärt, dass die Bekehrung kein einmaliges Ereignis ist, sondern ein fortlaufender Prozess: „Zeile um Zeile und Weisung um Weisung, allmählich und fast unmerklich werden unsere Beweggründe, unsere Gedanken, unsere Worte und unsere Taten in Einklang mit dem Willen Gottes gebracht.“ („Ihr müsst von neuem geboren werden“, Liahona, Mai 2007, Seite 21.) Vielleicht wollen Sie mit Ihren Zuhörern das „Gleichnis von der eingelegten Gurke“ lesen. Wie kann jeder Einzelne die allmähliche Bekehrung, die Präsident Eyring und Elder Bednar beschreiben, beständig voranbringen?