Die großartigste Generation von jungen Erwachsenen

vom Kollegium der Zwölf Apostel

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    Was wir jetzt brauchen, ist die großartigste Generation von jungen Erwachsenen in der Geschichte der Kirche. Wir brauchen euer ganzes Herz, eure ganze Seele.

    Zu den großen Freuden bei meinen Reisen rund um die Welt gehört die Gelegenheit, mit unseren Missionaren zusammenzukommen. Diese großartigen Ältesten und Schwestern strahlen das Licht Christi aus. Ihre Liebe zum Herrn Jesus Christus und der Eifer, mit dem sie ihm dienen, inspirieren mich immer wieder. Jedes Mal, wenn ich ihnen die Hand reiche und ihren bemerkenswerten Geist und Glauben spüre, sage ich mir: Diese fabelhaften Söhne und Töchter sind wirklich ein Wunder!

    Bei der Allgemeinen Priestertumsversammlung im Oktober 2002 forderte ich Bischöfe, Eltern und zukünftige Missionare auf, die Messlatte für den Vollzeitmissionsdienst höher anzusetzen.

    Danach sagte ich: „Wir brauchen … die großartigste Generation von Missionaren in der Geschichte der Kirche. Wir brauchen würdige, fähige, geistig starke Missionare. …

    Wir brauchen euer ganzes Herz, eure ganze Seele. Wir brauchen dynamische, begeisterte Missionare, die mitdenken und zuhören können und die auf die Eingebungen des Heiligen Geistes hin handeln.“1

    Auf vielerlei Weise stellt uns die Welt heute vor größere Herausforderungen als vor 13 Jahren. Es gibt für unsere jungen Männer und Frauen viel mehr Ablenkungen, die sie bei der Vorbereitung auf eine Mission und auf eine glückliche Zukunft stören. Die technischen Möglichkeiten haben sich erweitert. Fast jeder verfügt über ein Mobilgerät, das die Aufmerksamkeit der Kinder Gottes sowohl auf wunderbar Gutes als auch auf unerträglich Böses zu lenken vemag.

    Heute Abend möchte ich zu den derzeitigen Missionaren, zukünftigen Missionaren, zurückgekehrten Missionaren und zu allen jungen erwachsenen Männern in der Kirche sprechen. Ich bete dafür, dass ihr versteht, was ich euch zu sagen habe, und auf eurem Weg durch diese spannenden, aber auch fordernden Jahre eures Lebens gründlich darüber nachdenkt.

    In der Anfangszeit der Kirche hatten Missionare ein Interview mit einer Generalautorität, bevor sie auf Mission gingen. Heutzutage werdet ihr vom Bischof und vom Pfahlpräsidenten für eine Mission interviewt. Die meisten von euch werden ihr ganzes Leben lang niemals ein Interview mit einer Generalautorität haben. Das ist in einer Weltkirche mit über 15 Millionen Mitgliedern einfach eine Tatsache. Ich weiß, dass ich auch für meine Amtsbrüder spreche, wenn ich sage, dass wir uns wünschten, jeden von euch persönlich kennenlernen und jedem sagen zu können, dass wir ihn lieb haben und ihn unterstützen.

    Der Herr ermöglicht uns glücklicherweise, euch auf andere Art und Weise kennenzulernen. Zum Beispiel legt ein Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel fest, welcher Missionar in welche Mission berufen wird. Auch wenn das nicht mehr wie früher in Form eines Interviews von Angesicht zu Angesicht geschieht, entsteht da aus einer Kombination von Technik und Offenbarung doch ein erstaunlich inniger, persönlicher Kontakt. Ich möchte schildern, wie das vor sich geht.

    Neben einigen wichtigen Informationen, die von eurem Bischof und eurem Pfahlpräsidenten stammen, wird euer Foto auf einem Computerbildschirm angezeigt. Wenn euer Bild erscheint, schauen wir euch in die Augen und gehen eure Antworten im Missionarsvorschlag durch. In diesem kurzen Moment scheint es so, als ob ihr da wärt und direkt mit uns sprechen würdet.

    Wenn wir uns euer Foto anschauen, gehen wir davon aus, dass ihr die höhergelegte Messlatte, die heutzutage nötig ist, um ein treuer und erfolgreicher Missionar zu sein, in jeder Hinsicht überwunden habt. Daraufhin teilen wir euch mit der Macht des Geistes des Herrn und im Auftrag von Präsident Thomas S. Monson einer der weltweit 406 Missionen der Kirche zu.

    Nein, es ist nicht das Gleiche wie ein persönliches Interview von Angesicht zu Angesicht. Aber es kommt dem schon recht nah.

    Auch durch Videokonferenzen stehen wir mit Führungsbeamten und Mitgliedern in Kontakt, die weit entfernt vom Hauptsitz der Kirche leben.

    Vor diesem Hintergrund möchte ich gern mit denen, die sich auf eine Mission vorbereiten, mit denen, die zurückgekehrt sind, und mit all euch jungen Erwachsenen ein wenig Zeit verbringen wie in einem persönlichen Video-Chat. Jeder von euch, wo immer er gerade sein mag, stelle sich bitte ein paar Minuten lang vor, dass er allein mit mir im Raum ist.

    Ich wiederum stelle mir vor, dass ich jedem von euch einzeln in die Augen schaue und ihm aufmerksam zuhöre, während er mir einige Fragen beantwortet, die mir viel Aufschluss geben werden, wie tiefgreifend sein Zeugnis und seine Verpflichtung gegenüber Gott sind. Ich möchte das, was ich vor 13 Jahren zu den Missionaren gesagt habe, etwas abwandeln: Was wir jetzt brauchen, ist die großartigste Generation von jungen Erwachsenen in der Geschichte der Kirche. Wir brauchen euer ganzes Herz, eure ganze Seele. Wir brauchen dynamische, begeisterte junge Erwachsene, die mitdenken, die zuhören können und die auf die Eingebungen des Heiligen Geistes hin handeln, während sie sich ihren Weg durch die alltäglichen Prüfungen und Versuchungen bahnen, denen jeder junge Heilige der Letzten Tage in der heutigen Zeit ausgesetzt ist.

    Mit anderen Worten: Die Zeit ist gekommen, die Messlatte nicht nur für Missionare höherzulegen, sondern auch für zurückgekehrte Missionare und eure gesamte Generation. Wägt dazu bitte innerlich eure Antworten auf diese Fragen ab:

    1. 1.

      Forschst du regelmäßig in den heiligen Schriften?

    2. 2.

      Kniest du dich jeden Morgen und jeden Abend zum Gebet nieder, um mit dem Vater im Himmel zu sprechen?

    3. 3.

      Fastest du jeden Monat und zahlst Fastopfer – auch wenn du ein armer Student bist, der kaum über die Runden kommt und sich keine große Spende leisten kann?

    4. 4.

      Denkst du intensiv über den Erlöser und das Sühnopfer nach, das er für dich gebracht hat, wenn man dich bittet, das Abendmahl vorzubereiten, zu segnen oder auszuteilen oder wenn du davon nimmst?

    5. 5.

      Besuchst du deine Versammlungen und bemühst dich, den Sabbat heiligzuhalten?

    6. 6.

      Bist du daheim, in der Ausbildung, in der Kirche und bei der Arbeit ehrlich?

    7. 7.

      Hältst du dich gedanklich und geistig rein? Vermeidest du es, dir Pornografie anzuschauen oder Websites, Zeitschriften, Filme oder Apps – beispielsweise auch Fotos von Tinder oder Snapchat – anzusehen, die dich in Verlegenheit bringen würden, wenn deine Eltern, deine kirchlichen Führer oder der Erlöser selbst dich sähen?

    8. 8.

      Gehst du mit deiner Zeit umsichtig um? Meidest du ungebührliche Programme und soziale Netzwerke – auch Videospiele –, die dein geistiges Empfinden abstumpfen können?

    9. 9.

      Gibt es in deinem Leben etwas, was du ändern oder in Ordnung bringen musst? Gleich heute?

    Danke für dieses kurze persönliche Gespräch. Ich hoffe, dass ihr jede einzelne Frage ehrlich und wohlüberlegt beantwortet habt. Wenn ihr bei einem dieser einfachen Grundsätze Nachholbedarf habt, bitte ich euch dringend, mutig umzukehren und euer Leben wieder mit den Evangeliumsmaßstäben, die für rechtschaffene Jünger gelten, in Einklang zu bringen.

    Nun, Brüder, möchte ich noch ein paar zusätzliche Ratschläge anbringen, die dazu beitragen werden, euer Zeugnis vom Evangelium tief in Herz und Seele zu verwurzeln.

    Euch zurückgekehrte Missionare möchte ich daran erinnern, dass ihr die Vorbereitung auf das Leben und auf eine Familie nicht unterbrechen dürft. Von Mission zurück zu sein bedeutet nicht, seinen Glauben an den Nagel zu hängen! Als zurückgekehrter Missionar soll man sich „voll Eifer einer guten Sache widmen und vieles aus [eigenem], freien Willen tun und viel Rechtschaffenheit zustande bringen“2.

    Bitte nutzt die Fertigkeiten, die ihr euch auf Mission angeeignet habt, um euren Mitmenschen jeden Tag ein Segen zu sein. Verlagert euren Schwerpunkt nicht vom Dienst am Nächsten einzig und allein auf die Ausbildung, die Arbeit oder das gesellschaftliche Leben. Sorgt vielmehr für Ausgewogenheit im Leben, indem geistige Erlebnisse euch daran erinnern und dafür bereitmachen, jeden Tag etwas für euren Nächsten zu tun.

    Auf Mission habt ihr gelernt, wie wichtig es ist, andere bei sich daheim zu besuchen. Ich wünsche mir von all euch jungen Erwachsenen, ob ihr nun eine Vollzeitmission erfüllt habt oder nicht, dass ihr begreift, wie wichtig es ist, Menschen zu besuchen, die einsam, krank oder entmutigt sind – und zwar nicht nur, um einen Auftrag zu erfüllen, sondern weil ihr den Vater im Himmel und seine Kinder aufrichtig lieb habt.

    Wer von euch noch zur Schule geht, sich aber auf eine Mission vorbereitet, den möchte ich auffordern, am Seminar teilzunehmen und es abzuschließen. Ihr jungen Erwachsenen schreibt euch bitte im Institut ein.3 Wenn ihr eine Bildungseinrichtung der Kirche besucht, dann nehmt jedes Semester auch am Religionsunterricht teil. Während dieser wichtigen Zeit der Vorbereitung auf eine Mission oder auf eine ewige Ehe und auf das Erwachsenenleben müsst ihr weiterhin Wege finden, zu lernen und Fortschritt zu machen und Inspiration und Führung durch den Heiligen Geist zu empfangen. Wenn ihr das Evangelium im Seminar, Institut oder Religionsunterricht aufmerksam und gebeterfüllt studiert, kann euch das diesem Ziel näherbringen.

    Ob ihr nun eine Bildungseinrichtung der Kirche besucht oder nicht, ob ihr nun studiert oder nicht: Glaubt ja nicht, dass ihr zu viel zu tun habt, um noch das Evangelium zu studieren. Das Seminar, das Institut und der Religionsunterricht bringen Ausgewogenheit in euer Leben. Sie ergänzen eure weltliche Ausbildung um eine weitere Gelegenheit, euch mit den heiligen Schriften und den Worten der Propheten und Apostel zu beschäftigen. Es gibt vier herausragende neue Kurse, die ich jedem jungen Erwachsenen empfehlen möchte.4

    Und vergesst nicht, dass die Kurse und Aktivitäten, die bei euch im Institut oder in eurer JAE-Gemeinde oder eurem JAE-Pfahl angeboten werden, euch Gelegenheiten bieten, mit anderen jungen Männern und Frauen zusammenzukommen, sodass ihr euch gegenseitig erbauen und inspirieren könnt, indem ihr gemeinsam lernt, geistig wachst und gesellig beisammen seid. Brüder, wenn ihr eure Handys aus der Hand legt und euch tatsächlich mal ein wenig umseht, dann findet ihr im Institut vielleicht sogar eure zukünftige Partnerin.

    Das führt mich zu einem weiteren Ratschlag, auf den ihr sicher schon gewartet habt: Ihr jungen Alleinstehenden müsst miteinander ausgehen und heiraten. Bitte schiebt das nicht länger auf! Ich weiß, dass einige von euch vor der Familiengründung zurückschrecken. Wenn ihr jedoch die Richtige zur rechten Zeit und am rechten Ort heiratet, gibt es nichts zu fürchten. Tatsächlich geht man vielen Problemen aus dem Weg, wenn man sich voll Eifer bemüht, in der rechten Weise miteinander auszugehen, eine Beziehung anzubahnen und zu heiraten. Macht das nicht über SMS! Benutzt eure eigene Stimme, um euch den rechtschaffenen Töchtern Gottes, die euch überall umgeben, vorzustellen. Wenn eine junge Frau tatsächlich eine menschliche Stimme vernimmt, wird sie das so verblüffen, dass sie möglicherweise Ja sagt.

    Brüder, ich bezeuge euch, dass der Herr Jesus Christus uns helfen kann, alles in Ordnung zu bringen, was in Ordnung gebracht werden muss, und zwar durch sein Sühnopfer.

    Da wir uns heute Abend auf den morgigen Ostersonntag vorbereiten, haltet bitte kurz mit mir inne, um des Sühnopfers zu gedenken, das Jesus uns geschenkt hat. Denkt daran, dass der Vater im Himmel und unser Erretter, Jesus Christus, euch am besten kennen und am meisten lieben.

    Mit dem Sühnopfer hat der Erlöser all unsere Sorgen, Schmerzen und Sünden auf sich genommen. Der Erretter der Welt hat sich in einen jeden Einzelnen von uns hineinversetzt, als er unsere zerschlagenen Hoffnungen, unsere Herausforderungen und unsere Schicksalsschläge durch sein Leiden in Getsemani und am Kreuz auf sich nahm.5 Als eine letzte Liebestat starb er für uns und wurde in jener verhängnisvollen Nacht in ein neues Grab gelegt.

    Am Sonntagmorgen stand Jesus von den Toten auf und verhieß dadurch einem jeden von uns ein neues Leben. Dann beauftragte der auferstandene Herr seine Jünger, alle zu lehren, Glauben an ihn zu haben, von Sünde umzukehren, sich taufen zu lassen, die Gabe des Heiligen Geistes zu empfangen und bis ans Ende auszuharren. Brüder, wir wissen, dass Gott, unser Vater, und sein geliebter Sohn Jesus Christus dem Propheten Joseph Smith erschienen sind und durch ihn die Fülle des Evangeliums Jesu Christi wiederhergestellt haben.

    Brüder, seid stark. Haltet die Gebote Gottes! Der Herr Jesus Christus verheißt, dass alles, was wir in Rechtschaffenheit zustande bringen wollen, geschehen wird. Die Führer der Kirche zählen auf euch. Jeder Einzelne von euch jungen Erwachsenen muss sich bereitmachen, zu heiraten, zu dienen und in der Zukunft Führungsaufgaben wahrzunehmen. Dafür bete ich im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Amen.

    Quellenangaben anzeigen

      Anmerkungen

    1.   1.

      M. Russell Ballard, „Die großartigste Generation von Missionaren“, Liahona, November 2002, Seite 47

    2.   2.

      Lehre und Bündnisse 58:27

    3.   3.

      Siehe Schreiben der Ersten Präsidentschaft vom 21. April 2011

    4.   4.

      Siehe „New Religion Classes to Be Offered at Church Universities and Institutes of Religion“, lds.org/topics/education/new-religion-classes

    5.   5.

      Siehe Mosia 3:5-13