Die Handbücher der Kirche die schriftliche Ordnung von allem

Elder Per G. Malm

von den Siebzigern

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    Wenn wir uns an die Handbücher und die darin gesammelte Weisheit halten, hilft der Herr uns und den Menschen, denen wir dienen, in ihm vollkommen zu werden.

    Illustration von Suat Gürsözlü/iStock/Thinkstock

    Als zurückgekehrter Missionar, der mit seiner jungen Familie und seiner eigenen Firma sehr beschäftigt war, wurde ich als Präsident eines ziemlich großen Zweigs mit vielen treuen, erfahrenen Mitgliedern berufen. Fühlte ich mich ausreichend vorbereitet, geschult und gebildet, um meinen Dienst anzutreten? Nein! Ich hatte gute Ratgeber, mit denen ich Probleme besprechen konnte. Doch reichte ihre Hilfe aus? Nein!

    Der Herr erwartet, dass jeder seine Pflicht lernt (siehe LuB 107:99), und er erwartet von uns, dass wir in unserem Sinn die Worte Gottes aufhäufen (siehe LuB 84:85). Dann erwartet er, dass wir auf Inspiration vom Heiligen Geist vertrauen – auf jene besondere Gabe, die allen Mitgliedern gegeben ist, mit der Verheißung einer beständigen Führung und Offenbarung.

    Wenn ich an diese und andere Berufungen zurückdenke, wird mir klar, dass die Handbücher – abgesehen vom Heiligen Geist und von den heiligen Schriften – mir wirklich geholfen haben. Sie waren eine unschätzbare Quelle an Informationen und dienten damit als Anleitung, wenn ich etwas neu lernen musste, und später als wertvolles Nachschlagewerk.

    Warum brauchen wir die Handbücher der Kirche?

    Elder Dallin H. Oaks vom Kollegium der Zwölf Apostel hat gesagt: „Handbücher nehmen nicht den gleichen Stellenwert ein wie die heiligen Schriften, sie stellen jedoch die aktuellen Auslegungen und Verfahrensanweisungen der obersten Autoritäten der Kirche dar.“1 Elder Russell M. Nelson vom Kollegium der Zwölf Apostel hat dazu angemerkt, dass es sich bei diesen Autoritäten – der Ersten Präsidentschaft und dem Kollegium der Zwölf Apostel – um Männer mit „Reife und Erfahrung, Sachkenntnis und ausgiebige[r] Vorbereitung“2 handelt.

    Somit kommt in den Handbüchern der Kirche die gesammelte Weisheit von Propheten und Aposteln zum Ausdruck, abgeleitet aus erprobten und bewährten Erfahrungen. Diese Weisheit zeigt uns auf, wie wir bei der Umsetzung der Mission der Kirche am besten Erfolg haben können. Der Herr hat uns geraten: „Sucht eifrig und lehrt einander Worte der Weisheit; ja, sucht Worte der Weisheit aus den besten Büchern.“ (LuB 88:118; 109:7.) Sicherlich macht die Weisheit in den Handbüchern sie zu den „besten Büchern“.

    Die Handbücher helfen uns, Richtlinien, Bestimmungen und Programme auszuführen

    Präsident Thomas S. Monson hat erklärt, dass es ohne die Handbücher „nahezu unmöglich [wäre], die Richtlinien, Bestimmungen und Programme der Kirche immer richtig auszuführen“. Er fügte hinzu: „Im Laufe der Jahre haben wir etliche Bestrebungen wohlmeinender Führungsbeamter, einige Programme der Kirche zu ändern, korrigieren müssen.“

    Präsident Monson sagte, wenn die Führungsbeamten die Bestimmungen nicht korrekt einhalten, „müssen wir als Erste Präsidentschaft das betreffende Verfahren anerkennen oder ein neues veranlassen“. Mit anderen Worten: Wenn wir die Handbücher nicht beachten, bürden wir der Ersten Präsidentschaft womöglich noch mehr Arbeit auf!

    „Der springende Punkt“, so Präsident Monson, „ist jedoch in fast allen Fällen: Würden die Führungsbeamten das Handbuch nur lesen, verstehen und sich daran halten, kämen derartige Probleme gar nicht erst auf. … Das Handbuch gibt uns Sicherheit.“3

    Ganz gleich, welche führende Berufung wir Präsident Monson zufolge innehaben, die Handbücher enthalten eine Fülle von Informationen und Anleitungen, die uns helfen, unseren Dienst erfolgreich zu versehen, die richtige Arbeitsweise der Kirche zu verstehen, unsere Pflicht zu lernen und zu erfüllen (siehe LuB 107:99) und uns auf künftige Führungspositionen vorzubereiten.

    Die Handbücher vermitteln das Wesentliche

    Die Handbücher vermitteln, dass zwar die „Eltern … die wesentliche Aufgabe [haben], ihre Kinder darauf vorzubereiten, zum Vater im Himmel zurückzukehren“, dass aber die „Kirche [des Erretters] den organisatorischen Rahmen und die Mittel [bietet], allen Kindern Gottes das Evangelium Jesu Christi nahezubringen“. Die Handbücher vermitteln auch, dass die Kirche „die Priestertumsvollmacht [bietet], durch die die errettenden heiligen Handlungen und die Erhöhung allen zuteilwerden können, die ihrer würdig sind und die willens sind, sie anzunehmen“4.

    Die Lehren, die den Rahmen zur Führung und Verwaltung der Kirche bilden, sind in den ersten drei Kapiteln von Handbuch 2: Die Kirche führen und verwalten zu finden:

    1. Die Familie und die Kirche im Plan Gottes

    2. Grundsätze des Priestertums

    3. Führung in der Kirche Jesu Christi

    Wir sollten uns eingehend mit diesen drei Kapiteln befassen. Sie erinnern uns daran, dass die Kirche „von Gott gegründet [wurde], um sein Werk zu unterstützen, nämlich die Errettung und Erhöhung seiner Kinder zustande zu bringen“5. Dies geschieht durch Aktivitäten, durch Programme und Gelegenheiten, anderen zu dienen, Segnungen zu empfangen und sich weiterzuentwickeln. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den von Gott vorgegebenen Aufgabenbereichen, was wiederum den Einzelnen und die Familie unterstützt und stärkt.

    Zu diesen Aufgaben oder Pflichten gehört es, „nach dem Evangelium Jesu Christi zu leben, Israel durch Missionsarbeit zu sammeln, für die Armen und Bedürftigen zu sorgen und den Verstorbenen die Erlösung zu ermöglichen, indem Tempel gebaut und stellvertretend heilige Handlungen vollzogen werden“6.

    Wenn wir die Lehren verstehen, die diesen Rahmen bilden, werden der Zweck und die Aufgabe aller Berufungen in der Kirche klar: „Die Führungs- und Lehrkräfte des Priestertums und der Hilfsorganisationen möchten anderen helfen, ein wahrer Nachfolger Jesu Christi zu werden.“ Und weiter heißt es: „Die Organisationen und Programme der Kirche sollen für den Einzelnen und die Familie ein Segen sein und dienen keinem Selbstzweck.“7

    Die den Handbüchern zugrunde liegende Lehre beruht auf den heiligen Schriften, in denen auch die an Petrus gerichtete Ermahnung des Heilands zu lesen ist: „Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder.“ (Lukas 22:32.)

    Die Handbücher fördern Offenbarung

    Als der Bischof einer Gemeinde einem weniger aktiven Mitglied half, zur Kirche zurückzukehren, sah er sich noch einmal das Kapitel zur Disziplinarordnung der Kirche in Handbuch 1: Pfahlpräsident und Bischof an. Nachdem er mit der Pfahlpräsidentschaft gesprochen hatte, beschloss der Bischof, einen Disziplinarrat einzuberufen.

    „Wir kamen vorher als Bischofschaft zusammen und gingen das Handbuch noch einmal durch, um uns die richtige Vorgehensweise in Erinnerung zu rufen und die für den betreffenden Fall relevanten Punkte herauszusuchen“, berichtete der Bischof. „Wir haben die Hilfe des Geistes Gottes stark verspürt, als wir mit dem Mitglied sprachen.“

    Später, nachdem die Bischofschaft um die Hilfe des Herrn gebetet hatte, fühlte sich einer der Ratgeber gedrängt, noch einmal die entsprechenden Passagen aus Handbuch 1 vorzulesen. Anschließend bat der Bischof jeden seiner Ratgeber um dessen Empfehlung.

    „Bischof, Sie werden vielleicht überrascht sein, doch das ist mein Eindruck“, sagte der Erste Ratgeber bezüglich seiner Empfehlung. Der Zweite Ratgeber verspürte das Gleiche, ebenso der Bischof.

    „Weil wir einander das Handbuch vorlasen, konnte der Geist unseren Verstand erleuchten“, erzählte der Bischof. „Uns wurde klarer, inwiefern sich die Grundsätze auf diese Situation übertragen ließen, und jeder von uns wurde zur gleichen Antwort geführt. Wir waren gut darauf vorbereitet, den richtigen Rat zu erteilen und unserem lieben Bruder zu helfen, zu Christus zurückzukommen.“

    Wie diese Bischofschaft feststellte, können die Anweisungen in den Handbüchern der Kirche „Offenbarung fördern, wenn man sie dazu nutzt, sich Klarheit über die Grundsätze, Richtlinien und Bestimmungen zu verschaffen, und dabei nach der Führung des Geistes trachtet“8.

    Die Handbücher helfen uns, den Menschen, denen wir dienen, ein Segen zu sein

    Wenn wir die Handbücher lesen, verstehen und uns daran halten, wird dies ein Segen für uns und für alle sein, denen wir dienen.9 Beispielsweise konnte ein Bischof dank einer Änderung in den Richtlinien, die in Handbuch 2 dargelegt wird, einen Vater stärken und ermutigen. Dieser dachte, er könne seinen zwölfjährigen Sohn nicht zum Aaronischen Priestertum ordinieren.

    In Kapitel 20 heißt es: „Der Bischof oder der Pfahlpräsident kann nach seinem Ermessen … einem Priestertumsträger, der nicht gänzlich würdig für den Tempel ist, gestatten, an manchen heiligen Handlungen und Segen mitzuwirken oder sie zu vollziehen“10, wozu auch die Taufe und Ordinierungen im Aaronischen Priestertum gehören. Der Vater dachte, ohne Tempelschein könne er seinen Sohn nicht ordinieren. Doch sein Bischof erteilte ihm, „vom Heiligen Geist geleitet“11, nach einem Interview die Erlaubnis.

    „Dieses Erlebnis wurde zum Wendepunkt in seinem Leben“, erklärt der derzeitige Bischof des Mannes. „Es trug dazu bei, dass er sich für den Tempel würdig machte. Er wurde mit seiner Frau im Tempel gesiegelt und auch ihre Kinder wurden an sie gesiegelt.“

    Flexibilität und Anpassung innerhalb angemessener Grenzen

    Einheitlichkeit in den Grundsätzen, Richtlinien und Bestimmungen der Kirche „wird dazu beitragen, dass der Heilige Geist die Führungsbeamten und Mitglieder beeinflussen kann“, hat Elder Quentin L. Cook vom Kollegium der Zwölf Apostel erklärt.12 Doch in einer weltweiten Kirche, wo die Mitglieder unter den unterschiedlichsten politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen leben, gibt es womöglich in einigen Zweigen und Gemeinden nicht genügend Mitglieder, Führungsbeamte und Mittel, um das vollständige Programm der Kirche durchzuführen. In anderen Einheiten gibt es vielleicht Probleme mit der Sicherheit, der Anfahrt zur Kirche, der Kommunikation oder aufgrund der wirtschaftlichen Situation von Familien.

    In Kapitel 17 in Handbuch 2 wird dargelegt, „wo Einheitlichkeit erforderlich ist“ und welche „Umstände … eine Anpassung an örtliche Gegebenheiten rechtfertigen können“, was Berufungen und Programme innerhalb der Hilfsorganisationen oder die Form und Häufigkeit von Führerschaftsversammlungen und Aktivitäten anbelangt. Eine Anpassung soll selbstverständlich erst dann erfolgen, wenn sich die Führungsbeamten um Führung durch den Heiligen Geist bemüht haben.13

    Dann können sich „sämtliche Zweige und Gemeinden … ungeachtet ihrer Größe oder Situation der gleichen Fülle des Geistes des Herrn erfreuen“14.

    Die schriftliche Ordnung von allem

    Die Handbücher versorgen uns sozusagen mit einer schriftlichen Ordnung von allem.

    In Handbuch 1, erhältlich für Bischöfe und Pfahlpräsidenten, werden die Aufgaben des Pfahlpräsidenten und des Bischofs umrissen. Es enthält ausführliche Erläuterungen zu den Richtlinien und Bestimmungen in Hinblick auf Themen wie Tempel, Eheschließung, Missionsdienst, Wohlfahrt, Disziplinarordnung der Kirche bis hin zu Finanzen.15

    In Handbuch 2, das alle Führungsbeamten der Kirche bekommen können (auch verfügbar auf LDS.org), wird die Komplexität von Programmen der Kirche abgebaut, während darin zugleich, wie oben erwähnt, Flexibilität und einige örtliche Anpassungen zugelassen werden. Es „ist eine Anleitung für die Mitglieder des Gemeinde- und Pfahlrats“16 und ihre Hilfsorganisationen zur Führung und Verwaltung der Kirche und des Erlösungswerks.

    Das gesamte Wissen in den Handbüchern ist so gegliedert, dass man leicht darauf zugreifen und damit eine wahre Kultur des Dienens schaffen kann, die in allen Gemeinden und Pfählen in der Kirche des Heilands vorhanden sein sollte. Um uns allerdings diese Weisheit zu erschließen, müssen wir die Handbücher studieren, daraus lernen, die darin enthaltenen Grundsätze verinnerlichen und sie in die Tat umsetzen. Dann werden wir Licht und Verständnis erlangen und auf lange Sicht erkennen, wie wir unseren Brüdern und Schwestern am besten dienen können.

    Über unseren Dienst in der Kirche hat Präsident Dieter F. Uchtdorf, Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, gesagt: „Wenn wir anderen mit Herz und Hand christliche Liebe erweisen, geschieht etwas Wundervolles mit uns. Unser eigener Geist wird geheilt, geläutert und gestärkt. Wir spüren mehr Frieden, werden glücklicher und empfänglicher für die Einflüsterungen des Heiligen Geistes.“17

    Die Handbücher helfen uns, das große Ganze zu erkennen

    Bei der Frühjahrs-Generalkonferenz 2015 erzählte Elder Rafael E. Pino von den Siebzigern von einem seiner Kinder. Dieses war frustriert, weil es ihm nicht gelang, ein Puzzle zusammenzusetzen. „Am Ende hat dieses Kind jedoch eingesehen, dass jedes Teilchen seinen passenden Platz im Gesamtbild hat“, erinnerte sich Elder Pino.18

    Ganz gleich, welches Amt wir in der Kirche bekleiden, die Handbücher geben uns – wie das Bild auf der Puzzleschachtel – eine Vorstellung davon, wie das Gesamtbild letztendlich aussehen soll. Dieses Gesamtbild dient uns als Anleitung und gibt uns eine bessere Vorstellung davon, was wir nach dem Willen des Herrn in seinem Dienst erreichen sollen. Wenn wir uns an die Handbücher halten und die gesammelte Weisheit, die sie bieten, nutzen, hilft der Herr uns und denjenigen, denen wir dienen, „in ihm vollkommen“ zu werden (Moroni 10:32).

    Die Handbücher werden für die Führung und Verwaltung der Kirche ein wesentlicher Bestandteil bleiben und den Mitgliedern und Führungsbeamten ein Segen sein, ungeachtet künftiger Änderungen in Format oder Inhalt. Wie Präsident Henry B. Eyring, Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, erklärte, werden die Handbücher „für Sie zu einem Schatz, wenn Sie sie nutzen, um anderen zu helfen, sich für den Weg zum ewigen Leben zu entscheiden. Dafür sind sie da.“19

    Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

    1. 1.

      Dallin H. Oaks, „Überblick über die neuen Handbücher“, Weltweite Führerschaftsschulung 2010, www.lds.org/broadcasts/archive/worldwide-leadership-training/2010/11?lang=deu

    2. 2.

      Russell M. Nelson, „Bestätigen und unterstützen wir die Propheten“, Liahona, November 2014, Seite 75

    3. 3.

      Thomas S. Monson, „Zum Auftakt“, Weltweite Führerschaftsschulung 2010

    4. 4.

      Handbuch 2: Die Kirche führen und verwalten, Abschnitt 1.1.5

    5. 5.

      Handbuch 2, Abschnitt 2.2

    6. 6.

      Handbuch 2, Abschnitt 2.2

    7. 7.

      Handbuch 2, Abschnitt 1.2.2, 1.4

    8. 8.

      Handbuch 1: Pfahlpräsident und Bischof, Seite V; Handbuch 2, Seite V; Hervorhebung hinzugefügt

    9. 9.

      Siehe Thomas S. Monson, „Zum Auftakt“, Weltweite Führerschaftsschulung 2010

    10. 10.

      Handbuch 2, Abschnitt 20.1.2

    11. 11.

      Handbuch 2, Abschnitt 20.1.2

    12. 12.

      Quentin L. Cook, „Ausgewählte Grundsätze aus den neuen Handbüchern“, Weltweite Führerschaftsschulung 2010

    13. 13.

      Siehe Handbuch 2, Abschnitt 17.1, 17.2

    14. 14.

      Handbuch 2, Abschnitt 17

    15. 15.

      Handbuch 1, Seite V

    16. 16.

      Handbuch 2, Seite V

    17. 17.

      Dieter F. Uchtdorf, „Ihr seid meine Hände“, Liahona, Mai 2010, Seite 75

    18. 18.

      Siehe Rafael E. Pino, „Der ewige Blickwinkel des Evangeliums“, Liahona, Mai 2015, Seite 117f.

    19. 19.

      Henry B. Eyring, „Botschaft von der Ersten Präsidentschaft: Handbücher, Offenbarungen und Schätze“, Weltweite Führerschaftsschulung, 2011, www.lds.org/broadcasts/archive/worldwide-leadership-training/2011/02?lang=deu