Botschaft von der Ersten Präsidentschaft

Mit brennender Fackel das Ziel erreichen

Präsident Dieter F. Uchtdorf

Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft

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    Foto von Comstock/Stockbyte/Thinkstock

    Im antiken Griechenland veranstalteten Läufer eine Art von Staffellauf, die sogenannten Lampadedromia.1 Dabei hielt der Läufer eine Fackel in der Hand und reichte sie an den nächsten Läufer weiter, bis der Letzte aus der Mannschaft die Ziellinie überschritt.

    Den Siegerpreis erhielt nicht die schnellste Mannschaft, sondern die erste, die das Ziel mit einer noch brennenden Fackel erreichte.

    Daraus kann man eine bedeutsame Lehre ziehen, die auch von den Propheten in alter und neuer Zeit vertreten wird: Es ist wohl wichtig, den Lauf zu beginnen, noch wichtiger aber, mit brennender Fackel das Ziel zu erreichen.

    Salomo hatte einen guten Start

    Der große König Salomo verkörpert beispielhaft jemanden, der einen guten Start hatte. Er „liebte den Herrn und befolgte die Gebote seines Vaters David“, als er noch jung war (1 Könige 3:3). Gott hatte Gefallen an ihm und sagte: „Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll.“ (1 Könige 3:5.)

    Statt nach Reichtümern oder einem langen Leben zu verlangen, bat er um „ein hörendes Herz, damit er [des Herrn] Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden [verstand]“ (1 Könige 3:9).

    Dies gefiel dem Herrn so sehr, dass er Salomo nicht nur mit Weisheit, sondern auch mit unermesslichem Wohlstand und einem langen Leben segnete.

    Nun war Salomo zwar wirklich sehr weise und hat viel Großes vollbracht, aber das Ziel hat er nicht mit brennender Fackel erreicht. Später in seinem Leben tat Salomo leider, „was dem Herrn missfiel, und war ihm nicht … vollkommen ergeben“ (1 Könige 11:6).

    Das eigene Ziel erreichen

    Wie oft haben wir etwas angefangen und nicht zu Ende gebracht? Eine Abmagerungskur? Ein Trainingsprogramm? Den Vorsatz, jeden Tag in den heiligen Schriften zu lesen? Den Entschluss, ein besserer Jünger Jesu Christi zu sein?

    Wie oft nehmen wir uns im Januar etwas vor, was wir ein paar Tage, ein paar Wochen oder gar ein paar Monate mit großer Leidenschaft verfolgen, und stellen dann im Oktober fest, dass vom Feuer unserer Entschlossenheit kaum mehr als kalte Asche übriggeblieben ist?

    Ich habe einmal ein ulkiges Bild von einem Hund gesehen, der neben einem Stück Papier lag, das er zerfetzt hatte. Darauf stand: „Gehorsamkeitsbescheinigung der Hundeschule“.

    Wir sind manchmal genau so.

    Wir haben gute Absichten und einen guten Start und wollen das Beste aus uns herausholen. Am Ende aber liegen unsere guten Vorsätze in Fetzen, abgelegt und vergessen.

    Es liegt in der Natur des Menschen, dass er strauchelt, versagt und bisweilen den Lauf abbrechen will. Doch als Jünger Jesu Christi haben wir uns dazu verpflichtet, den Lauf nicht nur zu beginnen, sondern das Ziel zu erreichen – und dies mit einer hell strahlenden Fackel! Der Erretter hat seinen Jüngern verheißen: „Wer … bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.“ (Matthäus 24:13.)

    Lassen Sie mich mit meinen Worten beschreiben, was der Erretter in unserer Zeit verheißen hat: Wenn wir seine Gebote halten und mit brennender Fackel das Ziel erreichen, werden wir das ewige Leben haben, welches die größte aller Gaben Gottes ist (siehe LuB 14:7; siehe auch 2 Nephi 31:20).

    Das Licht, das niemals erlischt

    Manchmal verlieren wir den Mut, wenn wir gestrauchelt sind, versagt oder gar aufgegeben haben. Wir glauben, unser Licht sei ausgegangen und unser Lauf verloren. Ich aber gebe Zeugnis, dass das Licht Christi sich nicht auslöschen lässt. Es scheint in finsterster Nacht und wird unser Herz wieder erleuchten, wenn wir es nur zu Gott hin lenken (siehe 1 Könige 8:58).

    Wie oft oder wie tief wir auch gefallen sein mögen: Das Licht Christi erstrahlt jederzeit hell! Selbst in tiefster Nacht wird sein Licht, wenn wir nur auf ihn zugehen, die Schatten verzehren und unsere Seele erneut hell erleuchten.

    Der Lauf eines Jüngers ist kein Sprint, er ist ein Marathon. Dabei kommt es kaum darauf an, wie schnell wir sind. Wir können diesen Lauf eigentlich nur verlieren, wenn wir irgendwann klein beigeben oder aufgeben.

    Solange wir uns immer wieder aufrichten und uns auf unseren Heiland zubewegen, gewinnen wir den Lauf mit hell leuchtender Fackel.

    Denn bei der Fackel geht es nicht um uns oder um das, was wir tun.

    Es geht um den Erretter der Welt.

    Und dieses Licht wird niemals trüb. Es ist ein Licht, das die Dunkelheit schluckt, unsere Wunden heilt und selbst inmitten des größten Kummers und unergründlicher Finsternis hell lodert.

    Es ist ein Licht, das unser Verständnis übersteigt.

    Mögen wir alle den Lauf zu Ende bringen, den wir begonnen haben. Mit der Hilfe unseres Erretters und Erlösers, Jesus Christus, werden wir mit Freuden und mit brennender Fackel das Ziel erreichen.

    Quellenangaben anzeigen

    Anmerkung

    1. 1.

      Harpers Dictionary of Classical Antiquities, 1898, www.perseus.tufts.edu/hopper. Bei Pausanias wird noch eine andere Art Fackellauf beschrieben, bei der der Fackelläufer – möglicherweise als Vertreter seines Stammes – die Fackel nicht aus der Hand gibt. Doch genau wie bei den Lampadedromia ist derjenige, der als Erster mit brennender Fackel das Ziel erreicht, der Sieger.