Kenntnis von der Gottheit

Elder Jeffrey R. Holland

vom Kollegium der Zwölf Apostel

Nach der Ansprache „Die Gottheit“, die am 23. Juni 2013 bei einem Seminar für neue Missionspräsidenten in der Missionarsschule in Provo gehalten wurde.

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    Wir müssen die drei göttlichen Wesen, die die Gottheit bilden, so gut kennen, wie es uns nur möglich ist. Wir sollen sie lieben, uns ihnen nahen, ihnen gehorsam sein und uns bemühen, so zu sein wie sie.

    Die erste Vision, Gemälde von Walter Rane

    Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: „Der erste Grundsatz des Evangeliums besteht darin, das Wesen Gottes mit Bestimmtheit zu kennen.“1 Ferner sagte er: „Ich möchte, dass Sie alle ihn kennen und mit ihm vertraut sind.“2 Wir müssen „die richtige Vorstellung von [seiner] Vollkommenheit [und seinen] Eigenschaften“ sowie Hochachtung „vor [seinem] vortrefflichen Charakter“ haben.3

    Ich möchte diesen Aufruf des Propheten an uns noch erweitern und sagen, dass wir und unsere Missionare, unsere Mitglieder sowie die Freunde der Kirche das Wesen der Mitglieder der Gottheit mit Bestimmtheit kennen müssen. Wir müssen die richtige Vorstellung von ihrer Vollkommenheit und ihren Eigenschaften sowie Hochachtung vor ihrem vortrefflichen Charakter haben.

    Nicht zufällig lautet unser erster Glaubensartikel: „Wir glauben an Gott, den ewigen Vater, und an seinen Sohn, Jesus Christus, und an den Heiligen Geist.“ (1. Glaubensartikel.) Dies ist ein klares Signal an alle, die das Evangelium verkünden. Es ist sinnlos, sich weiteren Glaubensgrundsätzen zuzuwenden, wenn uns und denen, die wir unterweisen, nicht deutlich bewusst ist, welch herausragende Bedeutung der Gottheit in unserer Lehre und auch im Hinblick auf unsere ewige Bestimmung zukommt. Wir müssen die drei göttlichen Wesen, die die Gottheit bilden, so gut kennen, wie es uns nur möglich ist. Wir sollen sie lieben, uns ihnen nahen, ihnen gehorsam sein und uns bemühen, so zu sein wie sie.

    Wenn wir jemanden dahin führen, sich taufen zu lassen, schließt er sich nicht der Kirche eines Menschen an, mag es Joseph Smith, Brigham Young oder Thomas S. Monson sein, so sehr wir diese Propheten auch schätzen. Er schließt sich auch nicht der Kirche der glücklichen Familien oder der Kirche des Tabernakelchors an.

    Wenn wir jemanden dahin führen, sich taufen zu lassen, vollziehen wir die Taufe im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Auf diese Weise führen wir ihn zurück in die Gegenwart des Vaters, und zwar durch das Wirken, das Sühnopfer und die Gnade des Sohnes, wobei er unter dem Einfluss des Heiligen Geistes zu diesem Ziel hingeführt wird. Die herausragende Bedeutung, die der Gottheit hierbei zukommt, sowohl was das Ziel angeht als auch den Weg dorthin, muss uns jederzeit bewusst sein, wenn wir das Erlösungswerk voranbringen wollen.

    Wenn wir, wie König Benjamin es angeraten hat, die drei göttlichen Wesen, denen wir dienen, wirklich kennen und dafür sorgen, dass sie für uns keine Fremden sind und den Gedanken und Absichten unseres Herzens niemals ferne stehen (siehe Mosia 5:13), erzielen wir die gleichen Ergebnisse wie König Benjamin. Welche Ergebnisse? Sein Volk erlebte „eine mächtige Wandlung“. Die Menschen hatten „keine Neigung mehr …, Böses zu tun, sondern, ständig Gutes zu tun“ und waren willens, „den Bund einzugehen, [Gottes] Willen zu tun und seinen Geboten in allem, was er [ihnen] gebieten [sollte], zu gehorchen, alle [ihre] übrigen Tage“ (Mosia 5:2,5).

    Links: Im Dienste eures Gottes, Gemälde von Walter Rane, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Historischen Museums der Kirche; rechts: Ausschnitt aus dem Gemälde Taufe von J. Kirk Richards

    Dies war die Auswirkung von König Benjamins Predigt. Es ist zugleich die perfekte Definition aus den heiligen Schriften für echtes Wachstum bei Bekehrten, worauf wir bei unserem Vorhaben, die Kirche auf der ganzen Welt aufzurichten (siehe Markus 16:15), ja so viel Wert legen.

    Der Erretter selbst hat die Missionsarbeit – das Erlösungswerk – mit einem Netz verglichen, das wir immer weiter auswerfen und das inzwischen viele Länder, Kulturen und Menschen erreicht. Daher fangen wir, wie es in dem Gleichnis heißt, „Fische aller Art“ (Matthäus 13:47). Unsere Grenzen dehnen sich weiter aus, und da gibt es viele „Fische“, die nicht wissen, wer Gott ist und was es bedeutet, dass er unser Vater ist. Sie wissen nicht, wer Jesus Christus wirklich ist und warum uns kein anderer Name unter dem Himmel gegeben ist, durch den wir gerettet werden können (siehe Apostelgeschichte 4:12). Sie wissen nicht, wer der Heilige Geist ist und warum dieses Mitglied der Gottheit „ausgesandt wurde, um die Wahrheit zu lehren“ (LuB 50:14).

    Wissen über die Gottheit

    Natürlich gibt es vieles, wovon die „Fische aller Art“ noch nichts wissen, aber wenn sie das wiederhergestellte Evangelium annehmen sollen und ihre Seele wahrhaftig Errettung finden soll, muss es damit beginnen, dass sie Grundsätzliches über die Mitglieder der Gottheit erfahren und verstehen. Letzten Endes ist „die wahre, errettende Gottesverehrung nur unter denen zu finden, die die Wahrheit über … die Gottheit wissen und die wahre Beziehung kennen, die der Mensch zu jedem Mitglied der Ewigen Präsidentschaft [wie einer der führenden Brüder sie genannt hat] haben soll“4.

    Elder Bruce R. McConkie (1915–1985) vom Kollegium der Zwölf Apostel hat darauf hingewiesen, dass Luzifer ganz genau weiß, wie bedeutsam diese Lehre ist, auch wenn es uns nicht bewusst sein mag:

    „Es liegt keine Errettung darin, an eine falsche Lehre zu glauben, insbesondere an eine falsche oder unkluge Vorstellung von der Gottheit oder einem Mitglied der Gottheit. …

    Daraus folgt, dass der Teufel eigentlich nichts lieber macht als falsche Lehren über Gott und die Gottheit zu verbreiten und falsche Gefühle gegenüber den Mitgliedern der Gottheit hervorzurufen.“5

    Ein Freund der Kirche kann sich also nur dann mit einem echten Zeugnis und echter Bekehrung der Kirche anschließen (was wir ja bei jedem Neubekehrten anstreben und als echtes Wachstum bezeichnen), wenn er erste persönliche, geistige Erfahrungen mit Gott gemacht hat. Erfahrungen dieser Art kann man aber nur machen, wenn man erkennt, dass Gott tatsächlich ein echtes Wesen ist, als Person existiert, mit Fleisch und Knochen, dass er buchstäblich unser Vater ist, der spricht und sieht und fühlt, der den Namen all seiner Kinder und ihre Bedürfnisse kennt, der all ihre Gebete hört und alle seine Kinder in seiner Kirche sammeln will. Die Freunde der Kirche müssen wissen, dass Gott einen Plan zu ihrer Errettung hat und dass er Gebote gegeben hat, die den Weg zu ihm zurück weisen.

    Ein Gott, der sich genauso liebevoll um sie sorgt wie Eltern um ihr Kind, kann kein himmlischer Nebel sein und kein vages, philosophisches Konzept vom Urgrund aller Dinge oder ein göttlicher Hausherr, der immer abwesend ist. Er muss als der erkannt werden, der er wahrhaftig ist: ein barmherziger, mitfühlender Vater, in dessen Abbild jedes seiner Kinder erschaffen wurde und vor dem jeder von uns eines Tages wieder stehen – und niederknien – wird. Nur wenige Menschen, die wir mit dem Evangelium bekanntmachen, kennen diesen Gott bereits, ob sie zum zeitgenössischen Christentum gehören oder nicht.

    Vor diesem Hintergrund ist es von großer Bedeutung, dass Lektion 1 in der Anleitung Verkündet mein Evangelium! mit der einfachen Feststellung beginnt: „Gott ist unser himmlischer Vater.“6 Bei dieser ersten Lektion sollen die Missionare zunächst einmal feststellen, was derjenige, dem sie das Evangelium verkünden, über das wahre Wesen Gottes weiß.

    Wenn die Missionare einem Interessierten von Anfang an ein korrektes Verständnis von Gott vermitteln und ins Herz pflanzen können, wird sich alles Weitere, was noch besprochen wird, viel einfacher in das große Ganze fügen.

    Die Mission und die Botschaft Jesu Christi

    Links: Im Dienste eures Gottes, Gemälde von Walter Rane, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Historischen Museums der Kirche; rechts: Ausschnitt aus dem Gemälde Taufe von J. Kirk Richards

    Ebenso müssen die Missionare, die Missionarinnen wie auch die Freunde der Kirche die herrliche Mission und Botschaft Jesu Christi, der vom Vater herabkam und das lehrte, was der Vater ihn gelehrt hatte, noch viel mehr zu würdigen wissen. Sie alle müssen zu der Erkenntnis gelangen, dass Jesus auf die Erde kam, um uns den Weg, die Wahrheit und das Leben zu zeigen. Ja, er ist der einzige Weg, die ganze Wahrheit und das vollkommene Leben. Daher ist er auch von allen Menschen das einzige Kind, von dem der Vater ohne jede Einschränkung sagen kann: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ (Matthäus 17:5.)

    Wir müssen an Christus glauben, darauf vertrauen, dass er uns körperlich vom Tod und geistig von der Hölle erlöst hat, sein Sühnopfer als das einzige Mittel annehmen, wodurch wir uns mit Gott versöhnen können, und anerkennen, dass es keinen anderen Weg zur Errettung gibt. Die Welt muss, so sie erlöst werden will, die Knie beugen und mit der Zunge bekennen, dass Jesus der Messias ist, der lebendige Sohn des lebendigen Gottes. Wir müssen „die Lehre von Christus“ (Hebräer 6:1; 2 Johannes 1:9; 2 Nephi 31:2,21; 32:6; Jakob 7:2,6), wie sie in den Schriften dargelegt und in Lektion 3 der Anleitung Verkündet mein Evangelium! zusammengefasst wird, voller Glauben und Begeisterung verkünden.

    Die Fische in unseren weit ausgeworfenen Netzen müssen wissen, dass der Heilige Geist das Mitglied der Gottheit ist, mit dem sie am häufigsten und am innigsten Kontakt haben, wenn sie die Botschaft der Missionare anhören und Gott wegen dieser Botschaft befragen. Der Heilige Geist ist derjenige, der den Freund der Kirche zur Wahrheit führt und ihm dann, wenn er ihr begegnet, von dieser Wahrheit Zeugnis gibt. Man muss den Freunden der Kirche erklären, wie man den Heiligen Geist erkennt, wenn er sich im Verlauf der Gespräche mit den Missionaren kundtut. Natürlich müssen die Missionare mit der Rolle des Heiligen Geistes bei der Bekehrung vertraut sein und stets bestrebt sein, den Heiligen Geist immer bei sich zu haben.

    „Wozu seid ihr ordiniert worden?“, fragt der Herr. „Dass ihr mein Evangelium durch den Geist predigt, nämlich den Tröster, der ausgesandt wurde, um die Wahrheit zu lehren. …

    Darum verstehen der, der [durch den Geist] predigt, und der, der [durch den Geist] empfängt, einander, und beide werden erbaut und freuen sich miteinander.“ (LuB 50:13,14,22.)

    Es besteht kein Zweifel daran, dass es nicht gut ausgeht – weder für die Missionare noch für die Freunde der Kirche –, wenn man über die Lehre von der Gottheit einfach hinweggeht. Man kann nicht auf irdische Führer der Kirche verweisen, ehe man auf die himmlische Führung eingegangen ist und davon Zeugnis gegeben hat. Man braucht gar nicht erst zu versuchen, weiterführende Grundsätze zu besprechen, solange man die elementare Lehre nicht dargelegt hat. Man kann nicht auf die Taufe und das Ziel, einen Neubekehrten zu gewinnen, zueilen, ehe man den wahren Glauben an Gott und die Notwendigkeit aufrichtiger Umkehr in Christus erklärt hat, ehe man sichergestellt hat, dass die entscheidenden ersten Triebe des Zeugnisses eines Bekehrten stark und lebensfähig bleiben, und zwar durch den aufbauenden Einfluss des Heiligen Geistes.

    Verwirrung in der Christenheit

    Neuzeitliche Offenbarung stellt klar, dass drei voneinander getrennte göttliche Wesen die Gottheit bilden: „Der Vater hat einen Körper aus Fleisch und Gebein, so fühlbar wie der eines Menschen, ebenso der Sohn; aber der Heilige Geist hat keinen Körper aus Fleisch und Gebein, sondern ist eine Person aus Geist.“ (LuB 130:22.)

    Ausschnitt aus dem Gemälde Christus heilt einen Blinden von Carl Heinrich Bloch

    Einfacher und deutlicher kann man es nicht ausdrücken. Aber leider sind in den fast zwei Jahrtausenden christlicher Geschichte in dieser Hinsicht schreckliche Verwirrung und verhängnisvolle Irrtümer aufgekommen. Im Laufe vieler Weiterentwicklungen und Abwandlungen religiöser Glaubensbekenntnisse wurde die einfache Klarheit der wahren Lehre stark verzerrt. Stattdessen wurde verkündet, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist seien abstrakt, absolut, transzendent, allgegenwärtig, eines Wesens, gleich ewig und unverständlich, ohne Leib, Glieder und Regungen, jenseits von Raum und Zeit weilend.

    In solchen Glaubensbekenntnissen sind alle drei Mitglieder der Gottheit getrennte Personen, aber sie sind ein einziges Wesen, das oft zitierte „Mysterium der Dreieinigkeit“. Sie sind drei eigenständige Personen, aber keine drei Götter, sondern ein Gott. Alle drei Personen sind unbegreiflich, und doch ist es ein Gott, der unbegreiflich ist.

    Wir stimmen unseren Kritikern zumindest in diesem Punkt zu: Ein solcher Begriff der Gottheit ist wirklich unbegreiflich. Nachdem der Kirche eine so verwirrende Definition von Gott auferlegt wurde, überrascht es nicht, dass ein Mönch aus dem vierten Jahrhundert ausrief: „Wehe mir! Sie haben mir meinen Gott genommen … und ich weiß nicht, wen ich verehren oder ansprechen soll.“7 Wie sollen wir einem Gott vertrauen, ihn lieben und verehren, gar danach streben, ihm ähnlich zu sein, wenn er unbegreiflich und unerkennbar ist? Warum hat dann Jesus im Gebet gesagt: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast“? (Johannes 17:3; Hervorhebung hinzugefügt.)

    Es ist nicht unsere Absicht, jemandes Glauben oder irgendeine Religionslehre herabzuwürdigen. Wir respektieren die Lehre anderer Religionen, wie wir möchten, dass unsere Lehre respektiert wird (auch das ist einer unserer Glaubensartikel). Tatsächlich heißt es in keiner geringeren Quelle als dem zuverlässigen und maßgeblichen Bibelwörterbuch Harper’s Bible Dictionary, dass „die formelle Lehre von der Dreieinigkeit, wie sie von den großen kirchlichen Konzilen im vierten und fünften Jahrhundert definiert wurde, im [Neuen Testament] nicht zu finden“8 ist.

    Daher verkünden wir, offen gesagt, ganz unverzagt, dass wir die im vierten oder fünften Jahrhundert unter heidnischem Einfluss entstandene Vorstellung von der Gottheit nicht teilen, ebenso wenig wie die ersten Christen, die Augenzeugen des lebendigen Christus waren.9 Wir sind Christen nach dem Neuen Testament und nicht nach Nizäa.

    Das Einssein der Gottheit

    Nun will ich aber eines rasch betonen: Nachdem wir klargestellt haben, dass es sich um drei getrennte Personen handelt, ist es ebenso wichtig, zu betonen, dass sie völlig einig sind und die Gottheit wahrhaftig eins ist. Ich darf wohl anmerken, dass wir unter anderem deshalb von anderen Christen missverstanden werden, weil wir hervorheben, dass die Gottheit aus eigenständigen Wesen besteht, es aber oft versäumen, zugleich anzuerkennen und zu bekräftigen, dass sie in praktisch jeder sonstigen Hinsicht eins sind. Dafür haben wir unnötig Kritik geerntet, und unser Standpunkt ist dadurch schwerer verständlich geworden als nötig.

    Tatsächlich endet der Abschnitt über „die Lehre von Christus“ in 2 Nephi 31 mit der Aussage: „Dies ist die Lehre von Christus und die einzige und wahre Lehre vom Vater und vom Sohn und vom Heiligen Geist, die ein Gott sind ohne Ende.“ (2 Nephi 31:21.)

    Wir alle kennen das Abschiedsgebet des Herrn, seine Fürbitte in Johannes 17. Wie wir wissen, wird darin erklärt, dass der Vater und der Sohn eins sind, und dass sie und wir, ihre irdischen Jünger, eins sind. Lesen Sie es oft. Nicht umsonst hat Präsident David O. McKay (1873–1970) es einmal als „das bedeutendste Gebet“ bezeichnet, „das jemals auf dieser Welt gesprochen wurde“10. Wir sollen danach streben, mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist eins zu sein, wie Jesus es in seiner Fürbitte erbeten hat.

    Das Zeugnis eines Apostels

    Zum Schluss möchte ich von allen dreien, die die vorher erwähnte „Ewige Präsidentschaft“ bilden, Zeugnis geben. Ich lege durch die Macht des Heiligen Geistes Zeugnis ab für den Heiligen Geist, dessen zwei wichtigsten Aufgaben es sind, Zeuge zu sein und Zeugnis zu geben. Ich lege Zeugnis ab, dass der Heilige Geist ein Lehrer ist, ein Beistand, der Übermittler persönlicher Offenbarung. Ich lege Zeugnis ab, dass der Heilige Geist uns an alles erinnern wird – ein ganz besonderer Segen. Schließlich ist es eines der wichtigsten Gebote, dass wir uns erinnern und an Christus denken, wozu wir auch in den Abendmahlsgebeten aufgefordert werden (siehe LuB 20:77,79).

    Ich bezeuge, dass wir durch die Macht des Heiligen Geistes die Finsternis aus unserer Mitte vertreiben können und vor Gefahr und Unwahrheit gewarnt werden. Ich lege Zeugnis ab, dass der Heilige Geist auch der Heilige Geist der Verheißung ist, der Bündnisse und heilige Handlungen bestätigt und beglaubigt und letzten Endes alle errettenden Segnungen für das ewige Leben siegelt. Es erfüllt mich mit ehrfürchtigem Staunen, dass ein Mitglied der Gottheit für uns bereitsteht und wir seine Hilfe ständig und wiederholt in Anspruch nehmen können, wenn wir dessen würdig sind. Meine unsagbare Dankbarkeit für die Gabe des Heiligen Geistes lässt sich tatsächlich kaum mit Worten ausdrücken.

    Ich lege Zeugnis ab für Jesus Christus, dem lebendigen Sohn des lebendigen Gottes, der für Ihre Seele, für meine Seele und für die Seele eines jeden Menschen von Adam an bis zum Ende der Welt das befreiende Lösegeld gezahlt hat. Ich bezeuge, dass der Glaube an den Herrn Jesus Christus der erste Grundsatz des Evangeliums sowie die Grundlage und die wichtigste Botschaft der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist.

    Links: Nicht mein Wille, sondern deiner geschehe, Gemälde von Harry Anderson; rechts: Ausschnitt aus dem Gemälde Christus der Tröster von Carl Heinrich Bloch

    Ich bezeuge, dass jeder Mensch, der in diese Welt geboren wird, das Licht Christi in sich trägt. Ich lege Zeugnis ab, dass Christus der Erste und der Letzte ist, der Anfang und das Ende, das Alpha und das Omega unserer Errettung. Ich verkünde, dass er der große Jehova ist, der erlösende ICH BIN, das Lamm Gottes, das vor der Grundlegung der Welt geschlachtet wurde. Ich bezeuge, dass in ihm die Fülle wohnte und dass er als vollkommener, sündenfreier Mensch, ohne Fehl und Makel, geboren wurde, gelebt hat und gestorben ist.

    Ich bin dankbar, dass die Vollmacht Jesu Christi, die alles, was in diesem Universum von ewiger Bedeutung ist, regelt, seinen Namen trägt: das Heilige Priestertum nach der Ordnung des Sohnes Gottes. Auch wenn ich tausend Jahre alt würde, könnte ich doch nicht ansatzweise ausdrücken, wie erstaunt ich war und wie unzulänglich ich mich fühlte, als ich berufen wurde, einer seiner Apostel zu sein, ein Zeuge seines Namens in aller Welt.

    Erstaunt und bewundernd erkenne ich Jesu Lieb;

    die Huld meines Heilands, die Gnade verwirret mich.11

    Ich lege Zeugnis ab für Gott, den ewigen Vater, den großen Elohim, meinen Vater und Ihren Vater, der uns geistig das Leben gegeben hat. Ich bezeuge, dass er der Mensch der Heiligkeit ist und dass Begriffe wie Barmherzigkeit und Güte, Liebe und Mitgefühl seine hervorstechendsten und ewig bleibenden Wesenszüge nur ansatzweise beschreiben können. Ich bezeuge, dass Christus gekommen ist, um uns den Vater zu zeigen, und deshalb zu Recht der Sohn des Menschen (der Heiligkeit) genannt wird.

    Ich lege Zeugnis ab, dass Gottvater der Urheber des großen Erlösungsplans ist und dass das Evangelium Jesu Christi, wie es heute genannt wird, auch „das Evangelium Gottes“ genannt wird (Römer 1:1; siehe auch Vers 2,3). Ich lege Zeugnis ab, dass der Vater der Schöpfer von allem war und ist, der durch Jehova und andere Ausführende die Schöpfung vollbracht hat und den Titel Schöpfer mit seinem geliebten Sohn teilt. Ich bezeuge, dass wir dem Vater im Namen des Sohnes dienen und zum Vater im Namen des Sohnes beten sollen.

    Ich bezeuge, dass Jesus Christus kam, um den Willen des Vaters zu tun. Er verkündete die Lehre des Vaters und erarbeitete seine eigene Errettung durch den Vater. Ich lege feierlich Zeugnis ab, dass der Vater die Welt, seine Kinder, so sehr geliebt hat, dass er sein bestes Kind, sein vollkommenes Kind, sein einziggezeugtes Kind hingab, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben (siehe Johannes 3:36; 6:47; Helaman 14:8).

    Ich bin dankbar für den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, in deren Namen die errettenden heiligen Handlungen in dieser Kirche, von der Taufe bis zur Siegelung im Tempel, vollzogen werden. Ich lade jeden von Ihnen ein, sich diesen göttlichen Wesen zu nahen und mit ihnen vertraut zu werden.

    Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

    1. 1.

      Joseph Smith, zitiert in History of the Church, 6:305

    2. 2.

      Joseph Smith, zitiert in History of the Church, 6:305

    3. 3.

      Lectures on Faith, 1985, Seite 38, 42

    4. 4.

      Bruce R. McConkie, „Our Relationship with the Lord“ (Andacht an der Brigham-Young-Universität, 2. März 1982), Seite 1; speeches.byu.edu

    5. 5.

      Bruce R. McConkie, „Our Relationship with the Lord“, Seite 1f.

    6. 6.

      Verkündet mein Evangelium! – eine Anleitung für den Missionsdienst, Seite 36

    7. 7.

      Zitiert von Owen Chadwick, Hg., Western Asceticism, 1958, Seite 235

    8. 8.

      Paul J. Achtemeier, Hg., Harper’s Bible Dictionary, 1985, Seite 1099

    9. 9.

      Eine eingehende Erörterung dieses Themas finden Sie in Are Mormons Christian? von Stephen E. Robinson, 1991, Seite 71–89; siehe auch Robert L. Millet, Getting at the Truth: Responding to Difficult Questions about LDS Beliefs, 2004, Seite 106–122

    10. 10.

      David O. McKay, Herbst-Generalkonferenz 1967

    11. 11.

      „Erstaunt und bewundernd“, Gesangbuch, Nr. 118