Wie Hinterbliebene Heilung finden können

Familiendienst der Kirche Jesu Christi

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    woman kneeling at bed

    Wenn sich jemand entschließt, seinem Leiden durch Suizid ein Ende zu setzen, ist das der Beginn eines schwierigen und besonders schmerzvollen Trauerprozesses für die hinterbliebenen Angehörigen. Man ist verwirrt, verärgert oder fühlt sich verstärkt schuldig, verlassen oder zurückgewiesen. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, wie die Frage nach dem Warum. Was habe ich übersehen? Warum habe ich keine Eingebung erhalten? Welche ewigen Konsequenzen wird das haben? Die Hinterbliebenen sind meist innerlich völlig aufgewühlt und überlegen, ob sie vielleicht irgendwie für den Tod ihres Angehörigen mitverantwortlich sind.

    Sie neigen dazu, sich aus Scham zurückzuziehen, und haben Angst davor, beschuldigt, verurteilt oder stigmatisiert zu werden. Hinterbliebene können auch so etwas wie ein Trauma erleben, besonders, wenn sie den Leichnam gefunden haben. Es kann auch sein, dass durch die Trauer bei ihnen selbst Suizidgedanken aufkommen.

    Trotz all dieser tiefen Schmerzen und Qualen wissen wir, dass unser Erretter „hinabgefahren ist unter alles“ (LuB 88:6; siehe auch 122:8), „damit er gemäß dem Fleische wisse, wie er seinem Volk beistehen könne gemäß dessen Schwächen“ (Alma 7:12), „damit wir … Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit“ (Hebräer 4:16).

    An alle Trauernden:

    • Geben Sie niemandem die Schuld, schon gar nicht sich selbst.

    • Achten Sie auf Ihr geistiges Wohlbefinden: Vertrauen Sie auf das Geschenk der Entscheidungsfreiheit, lassen Sie Ungewissheit zu (siehe 1 Nephi 9:6) und vertrauen Sie auf die Macht des Erretters, Heilung und Frieden zu bringen (siehe Philipper 4:7).

    • Achten Sie auf Ihre Gesundheit: Ernähren Sie sich gesund, sorgen Sie für genügend Schlaf und treiben Sie regelmäßig Sport.

    • Wenden Sie sich an Menschen, denen Sie vertrauen (Familie, Freunde, den Bischof), und lassen Sie sich in dieser Krise von anderen helfen.

    • Lenken Sie sich mit Unternehmungen ab, die Ihnen guttun.

    • Sprechen Sie mit einem Therapeuten oder nehmen Sie an einer Selbsthilfegruppe für Hinterbliebene von Suizidopfern teil.

    • Seien Sie geduldig. Ihre Heilung braucht Zeit.

    An diejenigen, die Trauernde unterstützen:

    • Haben Sie Mitgefühl und urteilen Sie nicht. Suchen Sie keinen Schuldigen. Machen Sie sich bewusst, dass der Herr „seine große Barmherzigkeit den Umständen … anpasst“ (LuB 46:15).

    • Gehen Sie auf die Hinterbliebenen zu und fragen Sie, ob Sie auch bei Kleinigkeiten helfen können, oder begleiten Sie sie bei ihren Vorhaben.

    • Seien Sie geduldig, hören Sie zu und akzeptieren Sie die Gefühle der Hinterbliebenen, wenn sie bereit sind, darüber zu sprechen.

    • Vermeiden Sie Floskeln und falsche Zusicherungen wie: „Es wird alles wieder gut“, „Es könnte schlimmer sein“, „Ich weiß, wie du dich fühlst“, „Ich kann es verstehen“, „Es war Gottes Wille“, „Die Zeit heilt alle Wunden“ und so weiter.

    • Versuchen Sie nicht, Antworten auf Fragen zu finden, auf die es keine Antwort gibt.

    • Vergleichen Sie die Trauer anderer nicht mit Ihrer eigenen, selbst wenn auch Sie wegen eines Suizids trauern.

    • Sprechen Sie über den Verstorbenen in ähnlicher Weise, wie Sie über jemanden sprechen würden, der auf andere Art gestorben ist.

    • Versichern Sie betroffenen Kindern, dass sie nicht schuld sind.

    • Bieten Sie Hilfe bei der Suche nach weiterer Unterstützung für die Trauerbewältigung an (wie etwa Therapeuten oder Selbsthilfegruppen).