Ein Versuch mit Musik

Die Verfasserin lebt in Utah.

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    Wenn ich mein Zeugnis vertiefen und geistig Fortschritt machen wollte, musste ich aufhören, Ausreden für mein Verhalten zu suchen.

    woman experimenting with music

    Ich hielt mich immer für eine der glücklichen Ausnahmen, für die einige der Maßstäbe des Evangeliums nicht galten. Ich machte also, was ich wollte, und suchte mir aus, welche Maßstäbe wichtig waren und welche nicht. Einer der Maßstäbe, den ich für optional hielt, bestand darin, dass man sich keine anstößige oder vulgäre Musik anhören soll (siehe Für eine starke Jugend, Seite 22). Ich glaubte nicht, dass die Musik, die ich mir anhörte, Einfluss auf mein Verhalten und meine Gefühle gegenüber dem Evangelium hatte. Ich hatte immer noch ein starkes Zeugnis von Jesus Christus und bemühte mich, anderen Gutes zu tun und die Versammlungen der Kirche zu besuchen. Ich redete mir ein, dass die Musiker zwar leider kein tugendhaftes Leben führten, dass es aber in Ordnung sei, mir ihre Musik anzuhören. Schließlich hielt sie mich ja nicht davon ab, nach dem Evangelium zu leben.

    Als ich mich auf meine Mission vorbereitete, kam ich überhaupt nicht auf die Idee, dass die Musik, die ich mir anhörte, meinen geistigen Fortschritt behinderte.

    Nur wenige Stunden, nachdem ich meine Missionsberufung geöffnet hatte, kam mir jedoch die Schriftstelle Alma 32:27 in den Sinn: „Aber siehe, wenn ihr eure Geisteskraft weckt und aufrüttelt, um mit meinen Worten auch nur einen Versuch zu machen, und zu einem kleinen Teil Glauben ausübt, ja, selbst wenn ihr nicht mehr könnt, als dass ihr den Wunsch habt zu glauben, dann lasst diesen Wunsch in euch wirken, ja, bis ihr auf eine Weise glaubt, sodass ihr einem Teil meiner Worte Raum geben könnt.“

    Und dann dachte ich an dieses eine Wort: Versuch. Wenn ich die Segnungen erhalten wollte, die mir entgingen, musste ich einen Versuch machen. In den darauffolgenden drei Wochen bemühte ich mich also, mir keine unanständige Musik anzuhören. Anfangs war es schwer, und es gelang mir oft nicht. Nach ein paar Tagen jedoch half mir der Friede, den ich nun jeden Tag verspürte, durchzuhalten. Außerdem wurden meine Noten am College besser. Ich konnte mich besser konzentrieren und war empfänglicher für den Geist, und zu dieser Zeit in meinem Leben war himmlische Führung besonders wichtig.

    Ich stellte fest, dass sich sogar meine Wünsche änderten. Ich wollte jede Segnung haben, die der himmlische Vater für mich bereithält. Meine Erfahrungen damit, dass ich mir keine unanständige Musik mehr anhörte, machten mir bewusst, dass es keine Maßstäbe gibt, bei denen man die Wahl hat, und dass jedes Gebot, das uns gegeben wurde, unsere Beziehung zu unserem himmlischen Vater vertiefen und uns helfen soll, mehr wie er zu werden. Wenn wir die Gebote ignorieren, die uns nicht gefallen, lassen wir uns seine verheißenen Segnungen entgehen.

    Wenn wir uns an die Maßstäbe des Evangeliums halten und die Gebote befolgen, sind wir wahre Jünger Christi. Wenn wir diesen Schritt vom Guten zum noch Besseren gehen, ist der Vater im Himmel wirklich zufrieden mit uns. Wir dürfen das Evangelium nicht halbherzig leben. Entweder machen wir Fortschritt oder Rückschritt, und der Gedanke „Ich bin momentan gut genug“ führt unweigerlich dazu, dass wir Rückschritt machen. Wenn wir uns aber auf Jesus Christus und die Macht seines Sühnopfers verlassen und uns so jeden Tag wenigstens ein bisschen bessern, können wir seinen Frieden in unserem Leben spüren und wissen, dass wir uns zu dem Menschen entwickeln, den Jesus in uns sieht.

    Unseren Willen am Willen Gottes ausrichten

    „Man kann nur dann wirklich glücklich sein, wenn man den eigenen Willen am Willen Gottes ausrichtet. Alles andere ergibt nur ein kleineres Maß (siehe Alma 12:10,11). …

    So viele von uns lassen sich letzten Endes davon abhalten, sich Gott zu weihen, weil wir irrtümlicherweise meinen, dass wir unsere Individualität verlieren, wenn wir zulassen, dass unser Willen im Willen des Vaters verschlungen ist (siehe Mosia 15:7). Worum wir uns wirklich Sorgen machen, ist selbstverständlich nicht, dass wir uns selbst aufgeben, sondern es ist Selbstsüchtiges wie Stellung, Zeit, Privilegien und Besitztümer. Kein Wunder, dass der Herr uns anweist, uns selbst zu verlieren (siehe Lukas 9:24). Er bittet uns nur, unser altes Ich aufzugeben, damit wir ein neues Ich finden können. Es geht nicht darum, unsere Identität zu verlieren, sondern unsere wahre Identität zu finden!“

    Elder Neal A. Maxwell (1926–2004) vom Kollegium der Zwölf Apostel, „Swallowed Up in the Will of the Father“, Ensign, November 1995, Seite 23