Durch Tempelarbeit und Familienforschung öffnen sich die Himmel

Aus einer Präsentation bei der RootsTech 2017, einer Konferenz rund um die Familienforschung, die am 11. Februar 2017 in Salt Lake City stattfand. Die Aufzeichnung der Präsentation kann man sich unter lds.org/go/1017Nelson auf Englisch, Portugiesisch oder Spanisch anschauen.

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    In ihrer Präsentation bei der RootsTech 2017 forderten Präsident Russell M. Nelson und seine Frau Wendy die Mitglieder der Kirche dazu auf, gebeterfüllt darüber nachzudenken, welches Opfer sie bringen können, um mehr Tempelarbeit zu machen und mehr an ihrer Familiengeschichte zu arbeiten.

    President and Sister Nelson

    Präsident Nelson: Als mein Großvater A. C. Nelson ein junger Ehemann und Vater war – er war gerade einmal 27 Jahre alt –, starb sein Vater. Ungefähr drei Monate später erschien ihm sein verstorbener Vater, mein Urgroßvater. Es war in der Nacht des 6. April 1891. Großvater Nelson war von dem Besuch seines Vaters so beeindruckt, dass er dieses Erlebnis für seine Familie und seine Freunde in sein Tagebuch schrieb.

    „Ich lag im Bett, als mein Vater den Raum betrat“, schrieb Großvater Nelson. „Er kam zu mir und setzte sich auf den Bettrand. Er sagte: ‚Mein Sohn, da ich gerade ein bisschen Zeit hatte, bekam ich die Erlaubnis, dich kurz zu besuchen. Mir geht es gut, mein Sohn. Ich habe sehr viel zu tun, seit ich gestorben bin.‘“

    Als Großvater Nelson ihn fragte, womit er so beschäftigt sei, entgegnete sein Vater, dass er in der Geisterwelt das Evangelium Jesu Christi verkündige.

    „Du kannst dir nicht vorstellen, mein Sohn, wie viele Geister in der Geisterwelt das Evangelium noch nicht empfangen haben“, sagte er. „Doch viele nehmen es an, und es wird ein großes Werk vollbracht. Viele warten ungeduldig darauf, dass ihre Freunde, die noch leben, für sie die Arbeit im Tempel verrichten.“

    Großvater Nelson sagte zu seinem Vater: „Wir wollen sobald wie möglich in den Tempel gehen und uns an dich siegeln lassen, Vater.“

    Mein Urgroßvater antwortete: „Das, mein Sohn, ist mit ein Grund, weshalb ich hergekommen bin. Ja, wir werden eine Familie sein und bis in alle Ewigkeit leben.“

    Dann fragte Großvater Nelson: „Vater, ist das Evangelium, wie diese Kirche es verkündet, wahr?“

    Sein Vater zeigte auf ein Bild der Ersten Präsidentschaft, das im Schlafzimmer an der Wand hing.

    „Mein Sohn, genauso gewiss, wie du dieses Bild siehst, ist das Evangelium wahr. Das Evangelium Jesu Christi trägt die Macht in sich, alle Menschen zu erretten, die es befolgen. Und auf keine andere Weise können sie jemals Errettung im Reich Gottes erlangen. Mein Sohn, halte stets am Evangelium fest. Sei demütig. Sei gebeterfüllt. Ordne dich dem Priestertum unter. Sei treu. Halte die Bündnisse, die du mit Gott eingegangen bist. Tue niemals etwas, was Gott missfällt. Welch ein großer Segen das Evangelium doch ist! Mein Sohn, sei ein guter Junge.“

    A.C. Nelson and father

    A. C. Nelson, Großvater von Präsident Russell M. Nelson

    Illustrationen von Bjorn Thorkelson; Hintergrund, Mobiltelefon und Tablet von Getty Images

    Schwester Nelson: Mir gefallen diese Ratschläge gut: „Sei demütig. Sei gebeterfüllt. Ordne dich dem Priestertum unter. Sei treu. Halte die Bündnisse, die du mit Gott eingegangen bist. … Sei ein guter Junge.“ Sechs Ratschläge, die von deinem verstorbenen Urgroßvater bis zu dir gelangt sind. Das erinnert mich sehr an Präsident Gordon B. Hinckley (1910–2008) und seine sechs Ratschläge.1

    Präsident Nelson: Ja, das stimmt. Es bedeutet mir sehr viel, dass mein Großvater uns einen Bericht von diesem Erlebnis hinterlassen hat. Wir wissen auch, dass die Kinder seines Vaters sich später an ihn siegeln ließen. Der Zweck seines Besuchs wurde also erfüllt.

    Der Geist des Elija

    Präsident Nelson: Aus einem äußerst bedeutsamen Namen in den heiligen Schriften geht hervor, warum die Familie so wichtig ist. Dieser Name ist Elija. EL-I-JA bedeutet auf Hebräisch buchstäblich „Jehova ist mein Gott“2. Stellen Sie sich das einmal vor! Im Namen Elija stecken die hebräischen Begriffe für den Vater und den Sohn.

    Schwester Nelson: Elija war der letzte Prophet vor der Zeit Jesu Christi, der die Siegelungsvollmacht des Melchisedekischen Priestertums innehatte. Elijas Mission bestand darin, das Herz der Kinder den Vätern und das Herz der Väter den Kindern zuzuwenden, damit sie aneinander gesiegelt werden können, ansonsten „würde die ganze Erde bei seinem Kommen völlig verwüstet werden“ (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:39; Hervorhebung hinzugefügt). Das sind recht deutliche Worte.

    Präsident Nelson: Ich betrachte den Geist des Elija als eine „Manifestation des Heiligen Geistes, der vom göttlichen Wesen der Familie Zeugnis gibt“3. Im Schriftenführer heißt es: „Die Macht Elijas ist die Siegelungsmacht des Priestertums, mit der etwas, was auf Erden gebunden oder gelöst ist, im Himmel gebunden oder gelöst ist.“ („Elija“.)

    Schwester Nelson: Wenn wir also sagen, dass der Geist des Elija Menschen dazu bewegt, nach ihren verstorbenen Vorfahren zu suchen, meinen wir eigentlich, dass der Heilige Geist uns eingibt, das zu tun, wodurch Familien für die Ewigkeit aneinander gesiegelt werden können.

    Präsident Nelson: Es ist wunderbar, das Herz der Kinder ihren Vätern zuzuwenden, indem man auf anschauliche und unvergessliche Art und Weise wichtige Geschichten aus der Familie erzählt. Unser Zeugnis kann gestärkt werden, wenn wir ständig Dokumente, Geschichten, Fotos oder Erinnerungsstücke aus der Geschichte unserer Familie vor Augen haben (siehe Mosia 1:5). Wenn wir sie bei uns an der Wand, auf dem Tisch, auf dem Computer, dem iPad oder sogar auf dem Mobiltelefon haben, werden wir vielleicht dazu angeregt, bessere Entscheidungen zu treffen, und kommen dem Herrn und unserer Familie noch näher.

    Wenn wir es jedoch nur dabei belassen, haben wir definitiv nicht genug getan. Als Mitglieder der Kirche haben wir ein Interesse an der Familienforschung, weil der Herr erklärt hat, dass weder unsere Vorfahren ohne uns noch wir ohne sie vollkommen gemacht werden können (siehe LuB 128:15). Das bedeutet, dass wir durch die heilige Siegelung im Tempel miteinander verbunden werden müssen. Wir müssen starke Glieder in der Kette sein – von unseren Vorfahren bis zu unseren Nachkommen. Falls es uns irgendwann lediglich darum geht, Geschichten und Fotos zu sammeln, wenn wir unsere Vorfahren kennen und Wunderbares über sie wissen, sie jedoch ohne die heiligen Handlungen für sie im Jenseits sich selbst überlassen, wird ihnen unser Zeitvertreib nichts nützen; sie werden weiterhin im Gefängnis der Geister bleiben.

    Schwester Nelson: Geschichten von unseren Vorfahren zu bewahren ist wichtig, doch dies sollte niemals auf Kosten der heiligen Handlungen für unsere Vorfahren geschehen. Wir müssen uns Zeit dafür nehmen, die für die heiligen Handlungen erforderlichen Angaben über unsere Vorfahren zu erfassen.

    couple looking at computer screen

    Präsident Nelson: Wir müssen also Zeit opfern, die wir sonst anderweitig nutzen. Wir müssen mehr Zeit im Tempel und mit der Familienforschung verbringen, wozu auch das Indexieren gehört.

    Schwester Nelson: Opferbereitschaft bringt ganz gewiss Segen vom Himmel mit sich.4 Beispielsweise wurde ich damit gesegnet, dass ich viele Vorfahren gefunden habe, bei denen ich das sichere Gefühl hatte, dass sie bereit waren, Bündnisse mit Gott einzugehen und die notwendigen heiligen Handlungen zu empfangen. Im Laufe der Zeit stellte ich auch etwas Interessantes fest: Wenn ich an einem schwierigen Projekt arbeitete und mir die Zeit, die Kraft und die Ideen ausgingen und ich dann Zeit dafür opferte, die für die heiligen Handlungen erforderlichen Angaben für einige Vorfahren zu suchen oder als Stellvertreterin für sie in den Tempel zu gehen, öffneten sich die Himmel und ich erhielt neue Kraft und neue Ideen. Irgendwie hatte ich dann immer genügend Zeit, die Frist einzuhalten. Es war zwar völlig unmöglich, aber so war es jedes Mal. Die Tempelarbeit und die Familienforschung erfüllen mich mit einer Freude, die wahrhaftig nicht von dieser Welt ist.

    Familienforschung und Missionsarbeit

    Präsident Nelson: Wenn ich heute Missionar wäre, wären meine besten Begleiter in der mir zugewiesenen Gemeinde der Gemeinde-Missionsleiter und der Berater für Tempel und Familiengeschichte.

    Die Menschen haben den angeborenen Wunsch, etwas über ihre Vorfahren zu erfahren. Das kommt unseren Missionaren zugute. Wenn die Missionare die Menschen, die sie unterweisen, kennen und lieben lernen, interessieren sie sich auch für deren Familie und fragen beispielsweise: „Leben Ihre Eltern noch? Leben Ihre Großeltern noch? Haben Sie alle vier Großeltern noch kennengelernt?“ Wenn die Missionare dann diese Menschen, die ihnen interessiert zuhören, von ihren lieben Angehörigen erzählen lassen, ergibt sich daraus ein ganz ungezwungenes Gespräch.

    Daraus wiederum ergibt sich ganz natürlich eine weitere Frage, die die Missionare (oder auch die an der Missionsarbeit beteiligten Mitglieder) stellen können: „Kennen Sie Ihre Urgroßeltern? Kennen Sie deren Namen?“ Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Freunde der Kirche nicht die Namen aller acht Urgroßeltern kennen.

    Die Missionare können dann vorschlagen: „Wir kennen jemanden in unserer Gemeinde, der Ihnen helfen könnte, die Namen einiger oder sogar all Ihrer Urgroßeltern herauszufinden. Würden Sie ein paar Stunden investieren wollen, um herauszufinden, wer Ihre Urgroßeltern sind?“ Dieser Bekannte aus der Kirche ist natürlich der Gemeindeberater für Tempel und Familiengeschichte.

    Schwester Nelson: Es ist doch sicher ein tröstlicher Gedanke für die Missionare, dass sie nie allein sind, wenn sie Menschen finden und unterweisen, die für die Wahrheiten des wiederhergestellten Evangeliums Jesu Christi empfänglich sind. Präsident George Q. Cannon (1827–1901), Ratgeber von vier Präsidenten der Kirche, hat gesagt, dass diejenigen, die sich in diesen Letzten Tagen der Kirche anschließen, dies gerade deshalb tun, weil ihre Vorfahren dafür beten, dass einer ihrer Nachkommen sich der Kirche anschließt, damit sie, die Vorfahren, durch einen Stellvertreter die für sie notwendigen heiligen Handlungen empfangen können.5

    Die Erhöhung: eine Familienangelegenheit

    Family outside the Accra Ghana Temple

    Präsident Nelson: Die Erhöhung ist eine Familienangelegenheit. Nur durch die errettenden heiligen Handlungen des Evangeliums Jesu Christi kann man mit der Familie erhöht werden. Das höchste Ziel, das wir anstreben, besteht darin, dass wir als Familie glücklich werden – dass wir das Endowment empfangen haben, aneinander gesiegelt sind und auf das ewige Leben in der Gegenwart Gottes vorbereitet sind.

    Schwester Nelson: Jeder Unterricht in der Kirche, an dem wir teilnehmen, jeder Dienst, den wir leisten, jeder Bund, den wir mit Gott schließen, jede heilige Handlung des Priestertums, die wir empfangen, alles, was wir in der Kirche tun, führt uns zum heiligen Tempel, dem Haus des Herrn. Ein Ehepaar und seine Kinder können aus der Siegelung sehr viel Kraft ziehen, wenn sie ihren Bündnissen treu sind.

    Präsident Nelson: Tag für Tag entscheiden wir durch unser Denken, Fühlen, Reden und Handeln, wo wir in der Ewigkeit leben wollen. Unser Vater im Himmel hat erklärt, dass es sein Werk und seine Herrlichkeit ist, die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen (siehe Mose 1:39). Doch er möchte, dass wir uns dafür entscheiden, zu ihm zurückzukehren. Er wird uns auf keinerlei Weise dazu zwingen. Wie genau wir unsere Bündnisse einhalten, zeigt ihm, wie sehr wir uns wünschen, zu ihm zurückzukehren. Jeder Tag bringt uns der herrlichen Möglichkeit, ewiges Leben zu erlangen, entweder näher oder weiter davon weg. Jeder von uns muss seine Bündnisse halten, täglich umkehren und sich darum bemühen, mehr wie unser Erretter zu sein. Dann, und nur dann, kann die Familie für immer zusammen sein.

    Schwester Nelson: Ich bezeuge Ihnen: Wie fantastisch Ihr Leben gerade auch sein mag – oder wie entmutigend und herzzerreißend es sein mag: Es wird besser, wenn Sie sich der Tempelarbeit und der Familienforschung widmen. Was brauchen Sie gerade jetzt in Ihrem Leben? Mehr Liebe? Mehr Freude? Mehr Selbstbeherrschung? Mehr Frieden? Mehr bedeutsame Momente? Noch öfter das Gefühl, dass Sie etwas bewirken? Mehr Spaß? Mehr Antworten auf Fragen, die Ihr Herz bewegen? Mehr innige Beziehungen zu anderen? Ein besseres Verständnis dessen, was Sie in den heiligen Schriften lesen? Besser in der Lage zu sein, zu lieben und zu vergeben? Besser in der Lage zu sein, machtvoll zu beten? Mehr Inspiration und kreative Ideen für Ihre Arbeit und andere Projekte? Mehr Zeit für das wirklich Wichtige?

    Ich bitte Sie inständig, Ihre Zeit dem Herrn zu opfern und mehr Zeit mit Tempelarbeit und Familienforschung zu verbringen und dann zu beobachten, was geschieht. Wenn wir dem Herrn zeigen, dass wir unseren Vorfahren ernsthaft helfen wollen, werden sich die Himmel öffnen und wir werden alles erhalten, was wir brauchen, das bezeuge ich.

    Präsident Nelson: Wir können uns den ganzen Tag über von Erlebnissen inspirieren lassen, die andere bei der Tempelarbeit und der Familienforschung hatten. Aber wir müssen selbst aktiv werden, um diese Freude auch selbst zu erleben. Ich möchte uns alle um etwas bitten, damit das wunderbare Gefühl, das dieses Werk begleitet, anhält und sogar noch stärker wird: Bitte denken Sie gebeterfüllt darüber nach, welches Opfer – vorzugsweise ein Opfer an Zeit – Sie bringen können, um in diesem Jahr mehr Tempelarbeit zu machen und mehr an Ihrer Familiengeschichte zu arbeiten.

    Wir sind im Werk des allmächtigen Gottes tätig. Er lebt. Jesus ist der Messias. Dies ist seine Kirche. Wir sind seine Kinder, die Bündnisse mit ihm geschlossen haben. Er kann sich auf uns verlassen.

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      Anmerkungen

    1.   1.

      Siehe Gordon B. Hinckley, „Rat und Gebet eines Propheten für die Jugend“, Liahona, April 2001, Seite 30–41

    2.   2.

      Bible Dictionary, „Elijah“

    3.   3.

      Russell M. Nelson, „Eine neue Erntezeit“, Der Stern, Juli 1998, Seite 37

    4.   4.

      Siehe „Praise to the Man“, Hymns, Nr. 27

    5.   5.

      Siehe Gospel Truth: Discourses and Writings of President George Q. Cannon, Hg. Jerreld L. Newquist, 2 Bände, 1974, 2:88f.