Jesus Christus – der Quell des Friedens

vom Kollegium der Zwölf Apostel

Nach einer Ansprache bei der Frühjahrs-Generalkonferenz 2002

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    Unser beunruhigtes Herz findet nur Frieden, wenn wir dem Licht Christi folgen.

    Jesus sleeping on the boat

    Illustration von Review and Herald Publishing/Lizenz erworben von GoodSalt.com

    Am Ende eines langen Tages der Unterweisung schlug der Herr seinen Jüngern vor, ans andere Ufer des Sees Gennesaret zu fahren.

    Während sie an jenem Abend über den See fuhren, „erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann.

    Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?

    Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.“ (Markus 4:37-39.)

    Könnt ihr euch vorstellen, was die Apostel wohl dachten, als sie sahen, dass die Urgewalten – der Sturm, der Regen und der See – dem Gebot des Meisters gehorchten und sich beruhigten? Zwar waren sie erst vor kurzem zum heiligen Apostelamt berufen worden, aber dennoch kannten und liebten sie ihn und glaubten an ihn. Sie hatten ihre Arbeit und ihre Familie verlassen, um ihm nachzufolgen. In relativ kurzer Zeit hatten sie unglaubliche Lehren von ihm gehört und gesehen, wie er mächtige Wunder vollbrachte. Aber dies überstieg ihr Verständnis, und man konnte dies wohl auch ihren Blicken entnehmen.

    „Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?

    Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?“ (Markus 4:40,41.)

    In turbulenten und manchmal erschreckenden Zeiten bewegt uns die Verheißung des Erretters, dass wir unbegrenzten, ewigen Frieden haben können, besonders tief. So muss auch seine Fähigkeit, die tobenden Wellen zu beruhigen, diejenigen besonders berührt haben, die an jenem stürmischen Abend vor langer Zeit bei ihm waren.

    Jesus calming the storm

    Inneren Frieden finden

    So wie die Menschen, die zur Zeit seines irdischen Wirkens gelebt haben, gibt es auch unter uns solche, die nach äußerem Frieden und Wohlstand als Zeichen der wundersamen Macht des Erretters Ausschau halten. Manchmal verstehen wir nicht, dass der immerwährende Friede, den Jesus uns verheißt, ein innerer Friede ist, der aus dem Glauben geboren und im Zeugnis verankert ist und durch die Liebe genährt wird. Er zeigt sich durch beständigen Gehorsam und Umkehrbereitschaft. Es ist ein Friede des Geistes, der Herz und Seele beeinflusst. Erkennt und erfährt man tatsächlich diesen inneren Frieden, so fürchtet man sich nicht vor weltlichem Missklang oder Streit. Dann weiß man tief im Herzen, dass alles in Ordnung ist, was das wirklich Wichtige angeht.

    Doch gibt es keinen Frieden in Sünde. Es mag Bequemlichkeit, Beliebtheit, Ruhm, ja sogar Wohlstand geben, aber keinen Frieden. „Schlecht zu sein hat noch nie glücklich gemacht.“ (Alma 41:10.) Man kann keinen inneren Frieden haben, wenn man nicht in Harmonie mit der offenbarten Wahrheit lebt. Es gibt keinen Frieden, wenn man Böses im Sinn hat oder streitsüchtig ist. Es gibt keinen Frieden in Anstößigkeit, sexueller Freizügigkeit oder übermäßiger Toleranz. Es gibt keinen Frieden in der Sucht nach Drogen, Alkohol oder Pornografie. Es gibt keinen Frieden, wenn man andere in irgendeiner Weise misshandelt, sei es seelisch, körperlich oder sexuell, denn wer andere misshandelt, verbleibt in mentalem und geistigem Aufruhr, bis er in aller Demut zu Christus kommt und durch vollständige Umkehr Vergebung sucht.

    Irgendwann sehnt sich wohl jeder nach dem „Frieden Gottes, der alles Verstehen übersteigt“ (Philipper 4:7). Wir bekommen diesen Frieden für unser beunruhigtes Herz nur, wenn wir dem Licht Christi folgen, das „jedem Menschen … gegeben [ist], damit er Gut von Böse unterscheiden könne“ (Moroni 7:16).

    „Frieden hinterlasse ich euch“

    Nur wenige Stunden, bevor der Herr Jesus Christus den herrlichen, doch qualvollen Weg des Sühnopfers auf sich nahm, gab er seinen Aposteln diese bedeutsame Verheißung: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ (Johannes 14:27.)

    Verhieß er seinen geliebten Weggefährten die Art von Frieden, die die Welt anerkennt – Sicherheit, Sorglosigkeit ohne Streit oder Leid? Der Geschichtsbericht zeigt gewiss etwas anderes auf. Die damaligen Apostel mussten bis an ihr Lebensende viel leiden und wurden heftig verfolgt. Wahrscheinlich hat der Herr deshalb seiner Verheißung diese Erklärung hinzugefügt: „Nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ (Johannes 14:27.)

    „Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt“, fuhr er fort. „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ (Johannes 16:33; Hervorhebung hinzugefügt.)

    Friede – wahrer Friede, der euer innerstes Wesen erfüllt – kommt nur im und durch den Glauben an den Herrn Jesus Christus. Tiefer Friede kann das Herz und die Seele der Kinder des himmlischen Vaters erfüllen, wenn man diese kostbare Wahrheit entdeckt und die Grundsätze des Evangeliums versteht und anwendet. Der Erretter hat durch den Propheten Joseph Smith gesagt: „Lerne von mir und höre auf meine Worte; wandle in der Sanftmut meines Geistes, dann wirst du Frieden haben in mir.“ (LuB 59:23.)

    Ich bin dankbar, euch bezeugen zu können, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes. Wenn wir ihm voller Glauben und Vertrauen nachfolgen, können wir alle den süßen inneren Frieden finden, den das Evangelium uns schenkt.