Auch wenn ich erst ein paar Mal in der Kirche gewesen war, besuchte mein Heimlehrer mich gewissenhaft. Eines Abends rief er mich an und fragte, ob ich bereit wäre, in der nächsten Unterrichtsstunde in der Evangeliumsaufbauklasse ein paar Gedanken über die ewige Familie zu äußern.

„Ja, gerne“, erwiderte ich.

Ich dachte bis zum nächsten Morgen nicht groß darüber nach. Dann dämmerte mir jedoch, dass ich zugestimmt hatte, zu Leuten über die ewige Familie zu sprechen, die wahrscheinlich schon alles darüber wussten. Ich hatte keine Ahnung, was ich ihnen sagen könnte.

Im Laufe der Jahre hatte ich Entscheidungen getroffen, die mich vom Evangelium weggeführt hatten. Wie sollte ich nur meine Gedanken zu etwas äußern, von dem ich nicht sicher war, dass ich überhaupt daran glaubte? Ich war durcheinander. Da kamen mir die Worte des Lieds „Ich bin ein Kind von Gott“ (Gesangbuch, Nr. 202) in den Sinn. Diese Worte hatte ich jahrelang nicht mehr gehört, aber ich kannte sie auswendig. Plötzlich wurde mir klar: Ich musste Gott fragen, ob ich tatsächlich sein Kind war.

Damals stellte ich gerade die Möbel in meinem Schlafzimmer um. Mein Bett stand ganz schräg mitten im Zimmer, und ich kniete mich daneben und wartete, bis mir etwas einfiel. Was konnte ich überhaupt zu Gott sagen? Ich war mir nicht einmal sicher, ob er überhaupt existierte. In jenem Moment brachte mein sehnlichster Herzenswunsch diese einfachen Worte hervor: „Gott, bist du wirklich da? Und wenn du da bist, bin ich dein Kind?“

Die Antwort kam augenblicklich. Es war, als hätte er nur gewartet, bis ich fragte. Ich spürte Gott sagen: „Ja, Camille, ich bin da, und du bist mein Kind.“

Als ich die Augen öffnete, war ich immer noch in meinem chaotischen Schlafzimmer. Um mich herum herrschte völliges Durcheinander, doch mir war, als sei in meinem Leben vollkommene Ordnung geschaffen worden. Ich wusste, dass ich ein Kind Gottes war, und das war alles, was zählte.

In der Klasse am Sonntag erzählte ich einfach, wie ich herausgefunden hatte, dass ich ein Kind Gottes bin. „Wenn ich sein Kind bin“, sagte ich, „dann ist das jeder andere auch.“

Es dauerte noch weitere dreieinhalb Jahre, bis ich alle positiven Veränderungen vorgenommen hatte, die nötig waren, aber mein Leben ist seitdem nicht mehr dasselbe. Seit diesem Tag habe ich nie mehr daran gezweifelt, wer ich bin. Ich weiß, dass der Vater im Himmel immer da ist. Er liebt mich, weil ich sein Kind bin.