Botschafter der Hoffnung: Gemeinsam Selbstmord vorbeugen

Maryssa Dennis

Zeitschriften der Kirche

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    Du kannst deine Freunde stärken, indem du das Licht Jesu Christi VERBREITEST UND die HOFFNUNG, DIE WIR IHM VERDANKEN.

    youth holding hands in a circle

    Fotos von Mason Coberly; Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Cydney LeMone

    In der Welt der Diplomatie vertritt ein Botschafter sein Land in einem anderen Land. Aber du kannst sogar ohne einen Reisepass ein Botschafter sein. In einer Welt, in der es manchmal ziemlich finster zu sein scheint, kannst du ein Botschafter der Hoffnung und des Lichts sein. So wie Jackson L. (im Foto links mit brauner Hose) aus Utah. An seiner Schule ist er Mitglied der Schülergruppe HOPE (Hoffnung). HOPE ist ein Programm von Schülern für Schüler, das Selbstmord vorbeugen soll. Dank der Organisation Hope4Utah (Hoffnung für Utah) hat er gelernt, Warnsignale zu erkennen, ein Freund zu sein und seiner Schule Hoffnung zu bringen.

    Wir brauchen DICH

    „Bei HOPE mitzumachen, hat mir wirklich die Augen geöffnet“, erzählt Jackson. „Es gibt Klassenkameraden, Freunde und Familienmitglieder, die Probleme haben.“

    HOPE squad

    Jackson hat gelernt, dass er zwar nicht für die Entscheidungen seiner Freunde verantwortlich ist, ihnen aber helfen kann, eine Krise durchzustehen. Studien zufolge sprechen 7 von 10 depressiven oder suizidgefährdeten Jugendlichen mit einem Freund über ihren Kummer, bevor sie sich einem Erwachsenen anvertrauen.1 Das bedeutet, dass du großen Einfluss haben und deinen Freunden helfen kannst.

    Schwester Carol F. McConkie, ehemals Erste Ratgeberin in der Präsidentschaft der Jungen Damen, hat gesagt: „Durch Bündnisse, die wir geschlossen haben, haben wir die Verantwortung auf uns genommen, uns umeinander zu kümmern, zusammenzuarbeiten und diesen Weg gemeinsam zu gehen. Mit anderen Worten: Legt das Handy weg und achtet darauf, wer eure Hilfe braucht.“2

    Du musst keiner offiziellen Organisation angehören, um an deiner Schule oder bei deinen Freunden etwas bewirken zu können. Hier findest du einige Anregungen, die du jederzeit und überall umsetzen kannst.

    Was du machen kannst

    reaching out hands

    Ein Botschafter der Hoffnung zu sein bedeutet, ein Problem zu erkennen, auf andere zuzugehen und jemandem davon zu erzählen.

    1. Erkenne die Warnsignale dafür, dass jemand Hilfe braucht.3 Achte auf Menschen, die:

    • deprimiert oder verzweifelt sind

    • leichtsinnig handeln

    • sich von Freunden oder Aktivitäten zurückziehen

    • Wertsachen verschenken

    • belastende Situationen erleben, zum Beispiel einen Verlust, einschneidende Veränderungen, Mobbing und so weiter

    • ihre Schlaf-, Ess- oder Hygienegewohnheiten ändern

    • über Selbstmord sprechen oder diesen planen und Dinge sagen wie: „Ich wünschte, ich wäre nie geboren worden“ oder: „Ohne mich wären alle doch viel besser dran“

    1. Geh auf andere zu. Die Aufgabe eines Botschafters besteht vor allem darin, Beziehungen aufzubauen. Nimm dir die Zeit, offen mit deinem Freund zu sprechen. Vielleicht meinst du, dass es alles nur schlimmer macht, wenn du das Thema Selbstmord oder sich selbst Verletzungen zufügen ansprichst, aber dem ist nicht so. Im Gegenteil: Wenn du den Mut aufbringst und das direkt ansprichst, wirfst du deinem Freund vielmehr eine Rettungsleine zu und lässt ihn wissen, dass du dich um ihn sorgst.

      „Scheu dich nicht, einen Freund zu fragen, ob er Probleme hat“, empfiehlt Dr. Greg Hudnall, Experte für Selbstmordprävention und Gründer von Hope4Utah. „Sei direkt – aber halte keine Vorträge und verurteile niemanden.“ Er empfiehlt, in der Ich-Form zu sprechen, da dies fürsorglich und besorgt klingt statt belehrend. Zum Beispiel: „Im Unterricht ist mir heute aufgefallen, dass es dir nicht so gut geht. Ich habe mich gefragt, ob alles in Ordnung ist. Denkst du darüber nach, dir selbst wehzutun?“

      Bete um Führung durch den Geist, damit du weißt, was du sagen sollst. Falls der Betreffende Suizidgedanken oder ein anderes ernstes Leiden wie eine Depression oder Angstzustände hat, sag ihm auf keinen Fall, dass er sich einfach zusammenreißen soll! Elder Dale G. Renlund vom Kollegium der Zwölf Apostel hat gesagt: „Mit jemandem, der gesund ist und sich gerade niedergedrückt fühlt, kann man anders sprechen, als wenn man jemanden vor sich hat, der an einer psychischen Erkrankung leidet.“ Er schlägt vor, einfach etwas zu sagen wie: „Du bist nicht allein. Wir stehen dir bei. Wir helfen dir, das durchzustehen.“

      Und denk daran, wirklich zuzuhören, anstatt dir schon zu überlegen, was du als Nächstes sagen willst! Elder Renlund hat es so ausgedrückt: „Jemanden erzählen und erklären zu lassen, wie es ihm geht, und ihn zum Reden zu ermuntern, ist wahrscheinlich wichtiger als jeder Ratschlag.“4

    2. Erzähl jemandem davon. Wenn du erfährst, dass ein Freund Probleme hat, bist du vielleicht versucht, seine Sorgen für dich zu behalten. Vielleicht bittet dich derjenige sogar, niemandem davon zu erzählen. Aber ein Botschafter meldet sich zu Wort! Biete ihm an, mit ihm zu einem Erwachsenen seines Vertrauens zu gehen, zum Beispiel zu seinem Vater oder seiner Mutter, einem Vertrauenslehrer oder zu einem Führungsbeamten der Kirche. Du kannst den Betreffenden auch an die örtliche Suizid-Notfallnummer oder Ähnliches verweisen. Wenn jemand droht, sich selbst oder andere zu verletzen, bring ihn in ein Krankenhaus oder ruf den Notdienst an, und bleib bei ihm, bis professionelle Hilfe da ist. Wenn jemand nicht in akuter Gefahr ist, suche nach Möglichkeiten, wie du ihn längerfristig integrieren und unterstützen kannst. „Biete ihm an, etwas mit dir zu unternehmen“, rät Dr. Hudnall. „Versuche, ihn beispielsweise dazu zu bringen, mit dir zu joggen, Fahrrad zu fahren oder zu schwimmen.“ Sich körperlich zu betätigen ist gut, weil das die Stimmung aufhellen kann.

    consoling a friend

    Unterschätze deinen Einfluss nicht!

    Stell dir mal für einen Moment vor, wie anders es in der Welt wäre, wenn jeder Mensch einen Freund hätte, der ihn unterstützt. Wir können zwar nicht die ganze Welt retten, aber wir können demjenigen ein Freund sein, der gerade einen Freund braucht.

    Schwester McConkie ruft uns dazu auf, „unseren Freundeskreis zu erweitern“ und „andere zu akzeptieren, auch wenn sie anders sind als wir“. Sie betont, dass unsere Freundschaft mit jemandem den Ausschlag dafür geben kann, ob derjenige hoffnungsvoll vorwärtsgeht oder etwas Zerstörerisches tut, zum Beispiel indem er sich das Leben nimmt. „Seid das Zünglein an der Waage!“, legt sie uns ans Herz. „Ihr könnt sehr viel Gutes bewirken.“

    Wenn du dich um andere kümmerst, folgst du dem Beispiel des größten Quelle an Hoffnung: Jesus Christus.

    „Unser Berater in der HOPE-Gruppe hat uns gesagt, dass wir Botschafter der Hoffnung sind“, sagt Jackson. „Mir gefällt dieser Gedanke, weil wir nicht nur Botschafter der Hoffnung sind, sondern auch Botschafter Jesu Christi. Letztendlich ist er ja unsere Hoffnung.“

    Wenn wir so wie Christus anderen gegenüber Liebe an den Tag legen, können wir ihnen helfen, Hoffnung zu schöpfen und Heilung zu erfahren.

    „Ich weiß, wenn Christus hier auf der Welt wäre, würde er sich um andere kümmern, so wie wir das tun“, sagt Jackson. „Ich finde es tröstlich zu wissen, dass ich das mache, was er machen würde.“

    Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

    1. 1.

      Siehe „What Are Hope Squads?“, Hope4Utah, hope4utah.com/hope-squad

    2. 2.

      Interview mit Schwester McConkie vom 19. Januar 2018

    3. 3.

      Siehe „The Warning Signs of Suicide“, Befrienders Worldwide, befrienders.org/warning-signs, und „Suicide: What to Do When Someone Is Suicidal“, Mayo Clinic, mayoclinic.org/diseases-conditions/suicide/in-depth/suicide/art-20044707

    4. 4.

      Interview mit Elder Renlund vom 23. Januar 2018