Botschaft von der Ersten Präsidentschaft

Schweig, sei still


Thomas S. Monson

Schweig, sei still

Vor ein paar Jahren hatte ich eines Tages, nachdem ich meine Arbeit im Büro erledigt hatte, das deutliche Gefühl, ich müsse eine ältere Witwe aufsuchen, die in einem Pflegeheim in Salt Lake City untergebracht war. Ich fuhr also direkt dorthin.

Als ich in ihr Zimmer kam, war es leer. Ich fragte einen Pfleger nach ihrem Verbleib und wurde in einen Aufenthaltsraum geführt. Da saß diese liebe Witwe mit ihrer Schwester und einer weiteren Freundin. Wir unterhielten uns nett miteinander.

Mitten in dieser Unterhaltung kam ein Mann zur Tür herein, um sich eine Dose Sprudel aus dem Automaten zu ziehen. Er schaute mich an und sagte: „Sie sind doch Tom Monson.“

„Ja“, erwiderte ich. „Und Sie sehen aus wie einer von den Hemingways.“

Es stellte sich heraus, dass es Stephen Hemingway war, der Sohn von Alfred Eugene Hemingway, von mir Gene genannt, der vor vielen Jahren, als ich Bischof war, mein Ratgeber gewesen war. Stephen erzählte mir, dass sein Vater in diesem Heim soeben im Sterben lag. Er hatte des Öfteren nach mir gefragt, und die Familie wollte auch Verbindung mit mir aufnehmen, konnte aber keine Telefonnummer von mir finden.

Ich verabschiedete mich von den Frauen und ging sofort mit Stephen in das Zimmer meines ehemaligen Ratgebers, wo sich auch die übrigen Kinder befanden. Seine Frau war schon vor einigen Jahren gestorben. Dass mich Stephen im Aufenthaltsraum getroffen hatte, betrachtete die ganze Familie als Antwort des himmlischen Vaters auf ihren großen Wunsch, ich möge ihren Vater gemäß dessen Verlangen vor seinem Tod noch einmal sehen. Mir schien das auch so, denn hätte Stephen nicht genau zu der Zeit den Raum betreten, als ich mich dort aufhielt, hätte ich nicht einmal gewusst, dass Gene in diesem Heim lag.

Wir gaben ihm einen Segen. Es herrschte ein friedevoller Geist. Wir unterhielten uns noch nett und ich machte mich wieder auf den Weg.

Am nächsten Morgen erhielt ich telefonisch die Nachricht, dass Gene Hemingway gestorben war – nur zwanzig Minuten nachdem er von seinem Sohn und mir einen Segen bekommen hatte.

Ich richtete ein stilles Dankgebet an den Vater im Himmel, dass er es so gefügt hatte, dass mich meine Eingebung ins Pflegeheim und zu meinem lieben Freund Alfred Eugene Hemingway geführt hatte.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Gene Hemingways Gedanken an jenem Abend, als der Geist so reichlich mit uns war und wir gemeinsam demütig beteten und er einen Priestertumssegen erhielt, um den Text des Liedes „Meister, es toben die Winde“ kreisten:

O du, mein großer Erretter,
lass mich nicht mehr allein!
Dann gelange ich glücklich zum Hafen
und werde geborgen sein.

Ich mag dieses Lied immer noch sehr gern und bezeuge, dass es zu trösten vermag:

Ob es auch wüte, das stürmsche Meer,
ob’s Menschen, ob’s Geister sind oder was mehr:
Das Schiff bleibet sicher, wo Jesus Christ,
der Herr aller Herren, der Meister ist.
Es folgt ihm alles, wie er es will:
Schweig, sei still!1

Inmitten von Tränen und Prüfungen, inmitten von Ängsten und Sorgen, inmitten des Kummers und der Einsamkeit, die dem Verlust eines geliebten Menschen folgen, gibt es die Zusicherung immerwährenden Lebens. Unser Herr und Erlöser ist dafür ein lebendiger Zeuge.2 Seine Worte aus der heiligen Schrift sagen das hinlänglich aus: „Lasst ab und erkennt, dass ich Gott bin.“ (Psalm 46:11.) Ich bezeuge, dass dies wahr ist.

Wie man Gedanken aus dieser Botschaft vermittelt

Diese Botschaft kann denen Trost bringen, die einen geliebten Menschen verloren haben oder mit einer schweren Prüfung ringen. Sie könnten zusätzlich zu Präsident Monsons Worten noch eine dieser Schriftstellen lesen, die Sie je nach Bedarf auswählen: Ijob 19:25,26; 1 Korinther 15:19-22; Mosia 24:13-15; Lehre und Bündnisse 122:7-9. Wenn Sie sich dazu inspiriert fühlen, geben Sie Zeugnis von dem Frieden, den der Heiland Ihnen in Ihren Prüfungen geschenkt hat.

Jugendliche

Bitte heile mein Herz

Kelsey LeDoux lebt in Minnesota

Als sich der Todestag meines Bruders jährte, dachte ich darüber nach, wie ich das vergangene Jahr erlebt hatte. Da war der tiefe Schmerz, aber ich sah auch die Segnungen, die Gott mir geschenkt hatte.

Ich hatte nie verstanden, warum manche Leute sagten, der Tod eines geliebten Menschen könne auch Segnungen mit sich bringen. Wie konnte ich für etwas, was mir so tiefen Kummer verursacht hatte, dankbar sein und mich daran freuen? Doch eines Abends änderte sich meine Sichtweise völlig.

Ich wachte mitten in der Nacht auf und das Herz war mir so schwer wie nie zuvor. Der Schmerz erstickte mich. Ich fiel auf die Knie und schluchzte ein Stoßgebet zum Vater im Himmel. Mein Leben lang hatte ich vom Sühnopfer und von der wundersamen, heilenden Kraft Jesu Christi gehört. Nun wurde mein Glaube auf die Probe gestellt. Glaubte ich wirklich daran? Ich flehte den Vater im Himmel an, er möge mein Herz heilen. Diesen Schmerz konnte ich einfach nicht mehr alleine tragen.

Da durchströmte meinen ganzen Körper ein Gefühl von Frieden, Trost und Liebe. Mir kam es so vor, als hätte Gott die Arme um mich geschlungen, um mich vor der Seelenqual zu schützen, die ich gelitten hatte. Ich vermisste meinen Bruder immer noch, aber ich sah nun alles mit anderen Augen. Ich konnte aus dieser Erfahrung sehr viel lernen.

Ich weiß, dass wir die Liebe und den Frieden des Herrn spüren können. Wir müssen uns nur dafür öffnen.

Kinder

Einmal still und ruhig sein

Wenn wir still und andächtig sind, können wir, wie Präsident Monson sagt, Frieden verspüren und unser Zeugnis vom Vater im Himmel stärken. Und der Heilige Geist kann uns eingeben, wie wir anderen helfen können.

Welche Kinder auf den Bildern unten sind still und ruhig?

children in various activities

Wie könntest du eine Zeit lang still und ruhig sein? Schreib eine Möglichkeit auf oder besprich sie mit deinen Eltern. Nimm dir diese Woche Zeit, das auszuprobieren, was du dir vorgenommen hast. Anschließend kannst du in dein Tagebuch schreiben, wie du dich dabei gefühlt hast und welche Gedanken dir dabei gekommen sind.

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    „Meister, es toben die Winde“, Gesangbuch, Nr. 66

  2.   2.

    Siehe Richard L. Evans, „So Let Us Live to Live Forever“, New Era, Juli 1971, Seite 18