Die Aufgaben des Priesters

Aaronisches Priestertum -- Leitfaden 3, 1996


Ziel

Jeder Junge weiß besser, wodurch sich das Amt des Priesters auszeichnet und welche Aufgaben und Möglichkeiten damit verbunden sind.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie gebeterfüllt Lehre und Bündnisse 20:46–60, 107:6,14,15,20.

  2. 2.

    Sie brauchen:

    1. a)

      Die heiligen Schriften (jeder Junge soll seine heiligen Schriften mitbringen).

    2. b)

      Buntstifte zum Schriftstellenmarkieren.

Vorschlag für den unterrichtsablauf

Das Amt des Priesters ist wichtig

Besprechen

• Wie wichtig ist der Priester in der Kirche?

• Was wäre wohl anders, wenn es in der Kirche keine Priester gäbe?

Dem himmlischen Vater ist das Amt des Priesters im Aaronischen Priestertum sehr wichtig.

• Wer ist Präsident des Priesterkollegiums? (Der Bischof.)

• Welche Aufgaben hat der Bischof?

Schreiben Sie die Antworten der Jungen an die Tafel. Neben den übrigen Aufgaben des Bischofs soll auch zur Sprache kommen, daß er Präsident des Priesterkollegiums und des Aaronischen Priestertums ist. Der Bischof hilft mit, die Priester darauf vorzubereiten, eine Mission zu erfüllen und später in der Kirche Führungsaufgaben zu übernehmen.

Schriftstelle/Besprechen

Lassen Sie einen Jungen Lehre und Bündnisse 107:6,14,15,20 vorlesen. Schlagen Sie vor, daß die Jungen Vers 20 markieren.

• Was bedeutet es, die Macht zu haben, „äußerliche Verordnungen zu vollziehen“?

In diesem Zusammenhang ist unter Macht das Recht beziehungsweise die Vollmacht zu handeln zu verstehen. Dazu gehört auch, daß Gott dieses Recht und diese Vollmacht mit seiner Macht unterstützt. Wenn ein Priestertumsträger sein Priestertum ausübt, dann tut er es stellvertretend für den Herrn. Wenn ein Priester eine Taufe vollzieht oder den Abendmahlsdienst versieht, dann trägt er dazu bei, daß die Mitglieder an äußerlichen Anzeichen zeigen können, daß sie sich verpflichtet haben, nach dem Evangelium zu leben.

• Was bedeutet es, „die Schlüssel des Dienstes von Engeln innezuhaben“?

Lassen Sie die Jungen kurz darüber sprechen, und arbeiten Sie heraus, daß diese Verhei- ßung wörtlich zu nehmen ist und daß es durchaus vorkommen kann, daß Engel ihnen oder anderen Menschen dienen, ohne daß sie es merken. Sie brauchen die Engel auch nicht unbedingt zu sehen.

Beispiel

Präsident Wilford Woodruff hat den Dienst von Engeln erlebt, als er als Priester Missions- arbeit leistete. Er fühlte sich gedrängt, ein ehemals aktives Mitglied namens Vater Hakeman aufzufordern, Umkehr zu üben und wieder in der Kirche aktiv zu werden.

„Ich wurde einmal vom Geist bewegt, Vater Hakeman zu ermahnen. … Als die Heiligen verfolgt wurden, hatte er im Landkreis Jackson gewohnt. … Wir mußten einen weiten Weg zurücklegen, um Vater Hakeman zu besuchen. In der Nacht davor hatte ich eine Vision, in der mir kundgetan wurde, daß wir mit Schwierigkeiten zu rechnen hatten, daß der Herr uns aber helfen werde. Am Sonntagmorgen kamen wir bei Vater Hakeman an. Er saß gerade beim Frühstück. Wir hatten bereits dort gefrühstückt, wo wir übernachtet hatten. Ich sah in einem Regal das Buch Mormon stehen. Er schien uns nicht zu beachten und auch kein großes Interesse an uns zu haben. Ich nahm das Buch Mormon in die Hand und sagte: ,Da haben Sie aber ein gutes Buch.‘

,Ja‘, sagte er. ,Aber das Buch kommt vom Teufel.‘

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Er war Ältester, er war in Zion gewesen, er war dort verfolgt und vertrieben worden, und jetzt wurde mir bewußt, daß er vom Glauben abge- fallen und zum Feind geworden war. Mir wurde klar, daß er uns nach besten Kräften Schwierigkeiten machen würde.

Wir gingen zu Bruder Hubbard und blieben drei Wochen bei ihm. Wir halfen mit, Land zu roden. Ich spürte dreimal sehr stark, daß ich zu Vater Hakeman gehen und ihn warnen sollte. Das tat ich schließlich auch, gemäß dem Gebot Gottes, das an mich ergangen war. Als ich ihn dann nach dem dritten Mal besuchte, schien das ganze Haus voller böser Geister zu sein, und ich war während meines Besuchs im Geiste beunruhigt. Als ich meine Warnung beendet hatte, ging ich fort. Er folgte mir, weil er mich umbringen wollte. Daran habe ich keinen Zweifel, denn es wurde mir in einer Vision kundgetan. Als er mich eingeholt hatte, fiel er tot zu meinen Füßen nieder, als ob ein Blitz vom Himmel ihn niedergestreckt hätte. Ich war damals Priester, aber Gott beschützte mich und rettete mir das Leben. Ich erzähle das, weil dies ein Grundsatz ist, der sowohl in dieser Generation als auch in anderen Generationen in der Kirche Gottes offenbar geworden ist. Als ich das Amt des Priesters innehatte, wurde mir der Dienst von Engeln zuteil. Ich hatte Visionen und Offenbarungen. Ich reiste Tausende von Kilometern. Ich vollzog Taufen, aber keine Konfirmierungen, denn dazu hatte ich ja nicht die Vollmacht.

Ich erzähle das, weil ich deutlich machen will, daß niemand sich eines Amts im Priestertum schämen darf. Unsere Diakone müssen sich alle Mühe geben, dieses Amt richtig auszuüben. Dann können sie in das Amt des Lehrers berufen werden, der die Aufgabe hat, die Menschen zu unterweisen, die Mitglieder zu besuchen und darauf zu achten, daß kein Übeltun geschieht. Gott erkennt den Priestertumsträger nur dann an, wenn er seine Berufung groß macht und seine Pflicht tut.“ (Discourses of Wilford Woodruff, Salt Lake City, 1946, Seite 297 f.)

Besprechen

Manchmal wird das Aaronische Priestertum auch als das geringere Priestertum bezeichnet.

• Warum wird es als das geringere Priestertum bezeichnet? (Es besitzt weniger Vollmacht und weniger Schlüssel als das Melchisedekische Priestertum.)

Machen Sie den Jungen bewußt, daß der Bischof als Präsident des Aaronischen Priestertums in der Gemeinde für die zeitlichen Angelegenheiten der Gemeinde zuständig ist. Die Priester, Lehrer und Diakone helfen ihm dabei, auf die zeitlichen Belange der Gemeindemitglieder einzugehen.

Ein Junge, der das Aaronische Priestertum trägt, ist nicht nur „der Junge am Abendmahlstisch“, sondern er ist ordiniert worden und hat die Priestertumsvollmacht erhalten, den Abendmahlsdienst zu versehen und auch Taufen zu vollziehen, sofern er Priester ist. Die Priester sollen den Lehrern und Diakonen außerdem zeigen, wie ein Priestertumsträger zu leben hat.

Zeugnis

Bezeugen Sie den Jungen, daß ihnen große Macht zuteil geworden ist. Mit dem Amt des Priesters im Aaronischen Priestertum ist mehr Macht verbunden als mit jedem anderen welt- lichen Amt, denn die Priestertumsmacht ist die Macht Gottes.

Schriftstelle/Besprechen

Lassen Sie einen Jungen Lehre und Bündnisse 20:46–52 vorlesen; er selbst und die übrigen Jungen sollen diese Verse markieren.

• Welche Aufgabe des Priesters ist am wichtigsten? Warum?

Machen Sie den Jungen klar, daß jede Aufgabe gleich wichtig ist.

Lassen Sie einen Jungen Lehre und Bündnisse 20:53–60 vorlesen; dort sind die Aufgaben des Lehrers und des Diakons aufgeführt.

• Welche Aufgaben des Lehrers und des Priesters sind gleich?

• Wie viele Aufgaben des Lehrers fallen auch dem Priester zu? Wie viele Aufgaben des Diakons?

Besprechen/Berater

• Wie lange ist eure Ordinierung gültig?

Machen Sie den Jungen bewußt, daß sie das Priestertum so lange tragen, wie sie dessen würdig sind. Es wird ihnen nur dann genommen, wenn sie aus der Kirche ausgeschlossen werden. Solange sie würdig sind, können sie auf Weisung der führenden Brüder als Priestertumsträger fungieren. Machen Sie deutlich, daß das Aaronische Priestertum in vielerlei Hinsicht ein Priestertum zum Lernen ist. Wenn die Jungen in einem bestimmten Amt Erfahrungen gesammelt haben und älter geworden sind, werden sie zu einem höheren Amt ordiniert und sammeln weitere Erfahrungen. Sie verlieren aber niemals die Vollmacht, in den Berufungen des Aaronischen Priestertums zu amtieren. Auch ein Lehrer, ein Priester oder sogar ein Ältester kann gebeten werden, das Abendmahl auszuteilen oder das Fastopfer einzusammeln. Das ist auch richtig so, denn er ist ja noch immer Diakon, auch wenn er zwischenzeitlich zu einem höheren Amt im Priestertum ordiniert worden ist.

Beispiel

Wilford Woodruff ist in einem weiteren Erlebnis vor Augen geführt worden, wie groß die Vollmacht und die Möglichkeiten des Priesters wirklich sind.

„Als ich dort (im Landkreis Clay in Missouri) war, spürte ich den dringenden Wunsch, hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden. Eines Abends, es war ein Sonntag, ging ich allein in einen Hickorywald, einige hundert Meter von der Siedlung entfernt, und bat den Herrn, die Möglichkeit zu schaffen, daß ich hinausgehen und das Evangelium verkünden könne. Der Herr gab mir Antwort auf mein Gebet und sagte mir, daß mein Wunsch in Erfüllung gehen werde. Ich stand freudig auf. Ich ging etwa zweihundert Meter zur Straße hin, und dort stand Richter Higbee. Er sagte zu mir: ,Bruder Woodruff, der Herr hat mir offenbart, daß es deine Pflicht ist, ordiniert zu werden und hinauszugehen, um das Evangelium zu verkünden.‘

Ich fragte: ,Hat er das?‘

,Ja.‘

,Nun‘, sagte ich, ,wenn der Herr möchte, daß ich das Evangelium verkünde, dann bin ich auch gerne dazu bereit.‘ Ich sagte ihm nicht, daß ich gerade darum gebetet hatte.

Ich ging also zu einer Versammlung bei Lyman Wight und wurde dort zum Amt des Priesters im Aaronischen Priestertum berufen und ordiniert. Andere Brüder wurden zu Ältesten ordiniert. Bischof Partridge berief mich, im südlichen Landesteil eine Mission zu erfüllen. … Damals war es für alle Brüder gefährlich, den Landkreis Jackson zu durchqueren. Bischof Partridge wollte mich nach Arkansas schicken, und der Weg dorthin führte mitten durch den Landkreis Jackson. Ich fragte ihn, ob wir diesen Weg einschlagen sollten.

Er fragte: ,Ja, wenn ihr genug Glauben dazu habt.‘ …

,Nun, der Herr sagt, daß wir ohne Beutel und Tasche ziehen sollen. Sollen wir das tun?‘

Er antwortete: ,Das ist das Gesetz Gottes; wenn ihr genug Glauben dazu habt, könnt ihr es tun.‘

Aber ich will mich damit nicht aufhalten. Ich will nur sagen, daß wir hingingen – ich als Priester und mein Mitarbeiter als Ältester. Wir haben viele tausend Kilometer zurückgelegt und viele Kundgebungen gehabt. Ich möchte Ihnen ganz deutlich machen, daß es nicht darauf ankommt, ob man Priester oder Apostel ist, solange man seine Berufung groß macht. Ein Priester besitzt die Schlüssel des Diensts von Engeln. Ich habe niemals im Leben, nicht als Apostel, nicht als Siebziger und auch nicht als Ältester, den Schutz des Herrn stärker gespürt als in der Zeit, als ich das Amt des Priesters innehatte. Der Herr hat mir durch Visionen, Offenbarungen und den Heiligen Geist vieles von dem offenbart, was vor mir lag.“ (The Discourses of Wilford Woodruff, Seite 299, 300.)

Zum Abschluß

Zeugnis/Auftrag

Geben Sie Zeugnis, daß der Herr jedem würdigen Jungen die Möglichkeit gibt, das Amt des Priesters im Aaronischen Priestertum auszuüben. Das tut er, damit die Jungen eine wichtige Kraft in der Kirche sein können. Er hat den Priestern den Bischof als Kollegiumspräsidenten gegeben, damit dieser mit ihnen ist und ihren Eltern hilft, sie auf die Aufgaben in der Kirche vorzubereiten, die noch vor ihnen liegen.

Der Herr gibt den Jungen die Möglichkeit, heilige Handlungen zu vollziehen und größere Aufgaben zu übernehmen. Sie leisten in der Kirche wichtige Arbeit. Jeder Junge, der das Aaronische Priestertum trägt, muß sich bewußt machen, daß er viele andere Menschen und auch ihre Zielsetzung beeinflussen kann, wenn er seine Aufgaben richtig erfüllt.

Fordern Sie die Jungen auf, ihre Ordinierung im Priestertum ernst zu nehmen, indem sie jeden Auftrag ausführen, der ihnen erteilt wird, und indem sie immer ein gutes Beispiel geben.

Kollegiumsaktivität

Legen Sie ein Programm fest, das den Jungen so weit wie möglich Gelegenheit gibt, all das zu tun, was sie tun dürfen. Arbeiten Sie in diesem Punkt mit dem Bischof zusammen. Stellen Sie sicher, daß jeder Junge heimlehren gehen (vorausgesetzt, er ist Lehrer oder Priester), Ansprachen halten und alle anderen Aufgaben im Aaronischen Priestertum erfüllen kann. Sie können den Jungen beispielsweise die Möglichkeit geben, „zu predigen, zu lehren, zu erläutern, zu ermahnen“, indem Sie sie beim Unterricht mithelfen lassen. Dadurch entwickeln sie Selbstvertrauen und werden gleichzeitig auf den Missionsdienst und andere Aufgaben in der Kirche vorbereitet.