Sich für das Melchisedekische Priestertum vorbereiten

Aaronisches Priestertum -- Leitfaden 3, 1996


Ziel

Jeder Junge lernt mehr über den Eid und Bund des Priestertums und entwickelt dadurch den Wunsch, sich für das Melchisedekische Priestertum vorzubereiten.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie gebeterfüllt Matthäus 25:1–13 und Lehre und Bündnisse 62:6; 76:1–10; 82:10; 84:33–42; 107:1–8,18-20,99,100; 121:34–46; 137:1–4.

  2. 2.

    Sie brauchen:

    1. a)

      Die heiligen Schriften (jeder Junge soll seine heiligen Schriften mitbringen).

    2. b)

      Buntstifte zum Schriftstellenmarkieren.

  3. 3.

    Bitten Sie den Bischof beziehungsweise Zweigpräsidenten, fünf bis zehn Minuten lang Ihren Unterricht zu besuchen und mit den Jungen darüber zu sprechen, wie sie ihre Berufungen im Priestertum groß machen können. Alle AP-Klassen sollen diese Lektion gemeinsam durchnehmen.

Vorschlag für den unterrichtsablauf

Einleitung

Schriftstelle/Besprechen

Lesen und besprechen Sie mit den Jungen Lehre und Bündnisse 107:1–8,18–20, und fordern Sie sie auf, Fragen zu stellen. Erklären Sie kurz, woher die Begriffe „Melchisedekisches Priestertum“ und „Aaronisches Priestertum“ stammen, inwiefern sie miteinander verknüpft sind, welche wichtigen Ämter es darin gibt und worin sie sich unterscheiden, was Vollmacht und Aufgaben betrifft. Wenn die Jungen in Ihrer Klasse bereits mit dem Stoff vertraut sind, können Sie sie Fragen beantworten und dadurch den Stoff darstellen lassen. Wenn die meisten Jungen in Ihrer Klasse jedoch nicht mit dem Stoff vertraut sind, können Sie das Unterrichtsgespräch durch Auszüge aus dem Buch „Grundbegriffe des Evangeliums“ ergänzen.

• Was bedeutet es euch, das Aaronische Priestertum zu tragen?

• Wie bereitet ihr euch für das Melchisedekische Priestertum vor?

Das Priestertum wird durch einen Eid und Bund empfangen

Situation/Besprechen

Stellen Sie den Jungen die folgende Situation dar:

Thomas bereitete sich auf eine Mission vor. Seit er denken konnte, hatte er sich darauf gefreut, dem himmlischen Vater als Missionar dienen zu können. Der Bischof hatte auch bereits mit ihm gesprochen. Jetzt saß Thomas im Büro des Pfahlpräsidenten.

Der Pfahlpräsident fragte ihn nach seiner Familie. Dann lehnte er sich nach vorne, sah Thomas in die Augen und sagte: „Thomas, du wirst jetzt bald das Melchisedekische Priestertum empfangen und zum Ältesten ordiniert werden. Das ist ein sehr wichtiger Schritt für dich, an den du mit voller Herzenabsicht und Hingabe herangehen mußt.

Thomas, das Melchisedekische Priestertum emfängt man mit einem Eid und Bund vom himmlischen Vater. Sag mir doch bitte, was du schon über den Eid und Bund des Priestertums weißt.“

Thomas konnte vor Überraschung kein Wort herausbringen. Er hatte zwar schon vom Eid und Bund des Priestertums gehört, wußte aber nicht genau, was das eigentlich war und inwieweit es ihn betraf.

• Was versteht ihr unter dem Eid und Bund des Priestertums?

Machen Sie den Jungen bewußt, daß sie sich in wenigen Jahren in derselben Situation befinden werden, weil sie dann nämlich das Melchisedekische Priestertum empfangen dürfen.

Erklären Sie, daß die Jungen jetzt damit anfangen müssen, sich auf das Melchisedekische Priestertum vorzubereiten. Und als erstes müssen sie den Eid und Bund des Priestertums kennen, von dem in den heiligen Schriften die Rede ist.

Schriftstelle/Tafel/Besprechen

Lesen und besprechen Sie mit den Jungen Lehre und Bündnisse 84:33–40. Fassen Sie das Gesagte dann an der Tafel zusammen:

Der Eid und Bund des Priestertums

Wenn wir –

dann verheißt der himmlische Vater uns mit einem Bund, daß er –

1. treu sind

1. uns das Priestertum gibt

2. würdig sind, das Priestertum zu empfangen

2. uns durch den Heiligen Geist heiligt

3. unsere Berufung groß machen

3. unseren Körper erneuert

4. die Knechte des himmlischen Vaters, die Propheten, empfangen

4. uns zu seinen Auserwählten macht

 

5. uns an allem, was er hat, teilhaben läßt.

Arbeiten Sie heraus, daß die Segnungen, die mit diesem Bund verknüpft sind, nur dann eintreten können, wenn derjenige, der das Priestertum empfängt, dem Glauben treu ist. Der himmlische Vater erfüllt seine Verheißungen immer.

Berater

Lassen Sie einen Jungen Lehre und Bündnisse 84:43,44 vorlesen, und betonen Sie, daß die Übertragung des Priestertums ein sehr heiliger und auch sehr wichtiger Schritt ist.

Sagen Sie den Jungen noch einmal, daß der himmlische Vater seinen Eid und Bund nicht brechen kann. Sie können die Jungen auch Lehre und Bündnisse 82:10 und 62:6 lesen lassen.

Wir müssen unsere Berufungen im Priestertum groß machen

Unterrichtsgespräch mit dem Bischof beziehungsweise Zweigpräsidenten

Der Bischof beziehungsweise Zweigpräsident hat für seinen Beitrag etwa fünf bis zehn Minuten Zeit. Er soll erklären, welche Aufgaben ein Priestertumsträger hat. Dabei kann er auf folgendes hinweisen:

Ein Priestertumsträger –

  1. 1.

    darf nichts tun, was dem himmlischen Vater mißfällt beziehungsweise den Heiligen Geist kränkt; er muß die Sünde in jeder Erscheinungsform verabscheuen

  2. 2.

    muß die Gebote lernen und sich verpflichten, entsprechend zu leben

  3. 3.

    muß alle Priestertumsaufgaben erfüllen

  4. 4.

    muß tatkräftig und bereitwillig mithelfen, das Gottesreich aufzubauen

Der Bischof kann gegebenenfalls von jemand erzählen, der den Eid und Bund des Priestertums einhält. Er kann auch von den Segnungen des Priestertums Zeugnis geben und sagen, wie wichtig es ist, daß man sich auf den Priestertumsdienst vorbereitet.

Sich für das Melchisedekische Priestertum vorbereiten

Besprechen

Erklären Sie, daß die Jungen schon jetzt damit beginnen können, sich auf ihre zukünftigen Berufungen im Melchisedekischen Priestertum und darauf vorzubereiten, diese Berufungen groß zu machen.

• Was könnt ihr tun, um euch für das Melchisedekische Priestertum vorzubereiten?

Beispiel

Erzählen Sie das folgende Beispiel, an dem deutlich wird, wie der himmlische Vater Elder George A. Smith auf Führungsaufgaben im Priestertum vorbereitet hat. Erklären Sie, daß die demütigsten Menschen oft die größten Führer werden, vorausgesetzt natürlich, sie verstehen die Macht des Priestertums richtig.

1834 führte Joseph Smith 200 Männer auf einem mehr als 1000 Meilen langen Marsch von Kirtland in Ohio nach Westmissouri. Mit der Hilfe von Gouverneur Dunklin wollten sie es den vertriebenen Mitgliedern ermöglichen, in ihre Häuser im Landkreis Jackson zurückzukehren.

George A. Smith, Joseph Smiths Cousin, war der jüngste Teilnehmer des Marschs, der später als Zionslager bekannt wurde. Er war damals sechzehn Jahre alt, ein großer, linkischer Junge mit wenig Selbstvertrauen. Er verglich sich häufig mit Joseph Smith und fand, daß er nicht an ihn heranreichen konnte.

Jeder, der George A. Smith kannte, konnte diese Einstellung wahrscheinlich verstehen. Seine Mutter hatte ihm aus gestreiftem Matratzenbezug eine Hose und aus kariertem Schürzenstoff einen Rucksack genäht. Sein Vater hatte ihm neue Stiefel und eine alte Flinte geschenkt. Nach einigen Tagesmärschen hatte George A. Smith blutende Blasen an den Füßen, und seine Hose hatte sich in ihre Bestandteile aufgelöst. Zu allem Überfluß hatte er sich noch versehentlich auf seinen Stohhut gesetzt, so daß dieser jetzt mehr wie ein Vogel- nest denn wie ein Hut aussah. Er schaute wirklich nicht besonders kriegerisch aus.

Die Männer marschierten am Tag fünfunddreißig bis fünfundfünfzig Kilometer. Nachts war es so heiß und schwül, daß sie kaum schlafen konnten. Außerdem setzten ihnen Mücken und Fliegen stark zu, und es gab nicht viel zu essen. George A. Smith sagte später, das Präriewasser sei voller „Kleinlebewesen“ gewesen, die er beim Trinken durch die Zähne ausgesiebt habe.

Als die Männer Missouri erreicht hatten, erfuhr Joseph Smith, daß Gouverneur Dunklin ihnen doch nicht helfen wollte. Auch ihr Versuch, das vorher besiedelte Land im Landkreis Jackson zu kaufen, schlug fehl. Es gab zwar keine bewaffnete Auseinandersetzung, aber die Männer hatten ihr Ziel nicht erreicht. Natürlich waren sie tief enttäuscht, und manche lehnten sich sogar gegen den Propheten auf. Nicht so George A. Smith.

Joseph Smith, der selbst bitter enttäuscht war, warnte die Männer, daß etwas Schreckliches geschehen werde, wenn sie sich weiterhin auflehnten. Einige Tage später erkrankten die Männer nach und nach an Cholera, 68 insgesamt. 14 starben. Auch Jesse Smith, ein gemeinsamer Cousin von Joseph Smith und George A. Smith, starb.

Joseph Smith war sehr niedergeschlagen, und George A. Smith konnte überhaupt nicht verstehen, warum sein Cousin gestorben war. Er meinte, er selbst könne nie ein solcher Mann werden und der Kirche auch nicht halb so gut dienen. Und zu allem Überfluß sah es noch so aus, als ob das Zionslager auf der ganzen Linie versagt hatte.

Aber nach und nach wurde dann doch deutlich, wie wichtig dieser Marsch gewesen war. Die Männer, die treu zum Propheten gestanden hatten, lernten während des Marschs Führungseigenschaften und entwickelten große Kraft. Sie wurden später Führer der Kirche. Und was wurde aus dem linkischen Jungen, der gemeint hatte, es wäre besser gewesen, wenn er anstelle seines Cousins gestorben wäre? Nicht einmal fünf Jahre später, mit einundzwanzig Jahren, wurde er zum Apostel ordiniert. Später diente er mit Brigham Young in der Ersten Präsidentschaft der Kirche. Die Erfahrungen, die er im Zionslager gesammelt hatte, hatten ihn darauf vorbereitet, sein Leben lang in der Kirche Führungsaufgaben zu übernehmen.

Betonen Sie folgendes: Wenn die Jungen dem Glauben treu bleiben, können ihre derzeitigen Erfahrungen sie auf ihren zukünftigen Dienst in der Kirche vorbereiten. Indem sie das Aaronische Priestertum in Ehren halten, das tun, was ihre Führer sagen, und alle Aufgaben im Aaronischen Priestertum unerschrocken ausführen, bereiten sie sich darauf vor, das Melchisedekische Priestertum zu empfangen und ihre Aufgaben darin groß zu machen.

Lassen Sie einen Jungen Lehre und Bündnisse 107:99,100 vorlesen.

• Worin bestehen eure Aufgaben im Priestertum?

Die Jungen sollen die folgende Frage still für sich beantworten.

• Wie gut habt ihr bisher eure Aufgaben im Priestertum erfüllt? Was könnt ihr besser machen?

Erinnern Sie daran, daß die wichtigste Aufgabe des Mannes die Aufgabe als Ehemann und Vater ist. Jeder Bruder, der das Melchisedekische Priestertum trägt, hat die Aufgabe, seine Familie zu unterweisen und zu segnen. Machen Sie den Jungen bewußt, daß sie sich auf diese wichtige Aufgabe vorbereiten, indem sie ihre Eltern ehren und ihren Angehörigen dienen.

Das Priestertum richtig anwenden

Schriftstelle/Besprechen

In Lehre und Bündnisse 84:35–38 sagt Jesus, daß derjenige, der den Eid und Bund des Priestertums einhält, alles empfangen wird, was der Vater hat. Lassen Sie die Jungen kurz darüber nachdenken, was das bedeutet; anschließend sollen sie abwechselnd Lehre und Bündnisse 76:1–10 und 137:1–4 vorlesen.

Regen Sie die Jungen durch die folgenden und ähnliche Fragen zum Nachdenken und dazu an, ihre Gedanken zu äußern:

  • Was müssen wir unter Umständen opfern, um die genannten Segnungen zu empfangen?

  • Wie lassen sich die verheißenen Segnungen mit weltlichen Vorteilen vergleichen?

  • Wann setzen diese Segnungen ein?

  • Wann enden sie?

Um diese Segnungen zu erlangen, müssen wir bereit sein, dem himmlischen Vater unseren ganzen Glauben, unsere ganze Liebe, unsere gesamte Zeit sowie unsere Talente, unsere Treue, unsere Ehre und unseren Besitz zu weihen. Wenn wir dem himmlischen Vater alles geben, was wir besitzen, läßt er uns dafür an allem teilhaben, was er besitzt. Dann können wir ewige Vermehrung haben. Wir können uns gar nicht vorstellen, was der himmlische Vater uns bereitet hat, wenn wir dem Glauben treu sind. (Sie können die Jungen an dieser Stelle 1 Korinther 2:9 lesen lassen.) Kein weltlicher Reichtum und keine weltliche Machtstel- lung läßt sich mit diesen Segnungen vergleichen. Sie setzen jetzt ein und werden uns durch alle Ewigkeiten hindurch begleiten, wenn wir unsere Bündnisse getreu einhalten.

Kein irdischer Schatz ist mit dem Priestertum zu vergleichen

Berater

Kommen Sie noch einmal auf Thomas und sein Gespräch mit dem Pfahlpräsidenten zurück. Fordern Sie die Jungen auf, sich auf das Melchisedekische Priestertum vorzubereiten, indem sie in den heiligen Schriften studieren und beten, um den Eid und Bund des Priestertums zu verstehen. Wenn der Bischof dann vor ihrer Ordinierung zum Ältesten ein Gespräch mit ihnen führt, können sie ihm bestätigen, daß sie bereit sind, diesen Eid und Bund zu empfangen.

Zum Abschluß

Erklären Sie den Jungen, was das Priestertum Ihnen bedeutet. Sie können ihnen auch von einem Jungen aus Ihrem Bekanntenkreis erzählen, der sich wahrhaft bereitgemacht hat, das Melchisedekische Priestertum zu empfangen.

Zeugnis

Geben Sie Zeugnis, daß kein iridischer Schatz und keine weltliche Ehre auch nur annähernd soviel wert sind wie das Melchisedekische Priestertum und die Segnungen, die uns zuteil werden können, wenn wir unsere Bündnisse mit dem himmlischen Vater einhalten. Erklären Sie den Jungen, inwiefern sich das Priestertum für Sie segensreich auswirkt. Sie können ihnen auch sagen, wie Sie dafür gesegnet worden sind, daß Sie Ihre Priestertumsbündnisse in Ehren halten. Oder Sie erzählen von den Segnungen, die Ihnen durch Brüder zuteil geworden sind, die das Melchisedekische Priestertum groß gemacht haben.

Auftrag

Fordern Sie die Jungen auf, sich auf das Melchisedekische Priestertum vorzubereiten, indem sie sich mit den Schriftstellen zum Priestertum befassen. Machen Sie ihnen Mut, ihre Aufgaben im Aaronischen Priestertum unerschrocken zu erfüllen und die Eigenschaften zu entwickeln, die einen rechtschaffenen Mann auszeichnen, der das Melchisedekische Priestertum trägt.