Gehorsam

Aaronisches Priestertum -- Leitfaden 3, 1996


Ziel

Jedem Jungen ist klar, daß der Gehorsam dem himmlischen Vater und Jesus Christus gegenüber von Liebe bestimmt sein muß, nicht von Pflichtgefühl oder Angst.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie gebeterfüllt Lukas 22:39–44; Johannes 6:38, 14:15,21,31; 15:9,10; 1 Nephi 17:1–9; Moroni 7:6–8 und Lehre und Bündnisse 59:23.

  2. 2.

    Sie brauchen:

    1. a)

      Die heiligen Schriften (jeder Junge soll seine heiligen Schriften mitbringen).

    2. b)

      Buntstifte zum Schriftstellenmarkieren.

Vorschlag für den unterrichtsablauf

Durch Gehorsam zeigt man, daß man den Herrn wirklich liebt

Beispiel

Am 26. April 1839 traf sich das Kollegium der Zwölf mit einigen Mitgliedern der Kirche auf dem Tempelplatz in Far West in Missouri. Sie waren von Joseph Smith beauftragt worden, den südöstlichen Grundstein des Tempels, der eines Tages dort erbaut werden wird, erneut zu legen. (Der südöstliche Grundstein war am 4. Juli 1838 zum ersten Mal gelegt worden.) Sie halfen bei der Besiedlung von Nauvoo mit; danach gingen sie nach England auf Mission, wie es ihrer Berufung entsprach. Die Berufung, daß die Apostel nach England auf Mission gehen sollten, erging zu einem Zeitpunkt, als einige der Zwölf mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Das war sicherlich eine Prüfung für ihren Glauben.

Lesen Sie den folgenden Bericht von der Abreise Brigham Youngs und Heber C. Kimballs vor:

„Am 14. September verließ Brigham Young sein Haus in Montrose und machte sich auf den Weg nach England. Er hatte bereits einige Zeit krank darniedergelegen, und als er sich aufmachte, um auf Mission zu gehen, war er so schwach, daß man ihm zum Wagen helfen mußte, der nur einen Steinwurf vom Haus entfernt stand. Alle seine Kinder waren krank; seine Frau hatte gerade erst zehn Tage zuvor ein Baby geboren, und der Pöbel in Missouri hatte ihm alles weggenommen, was er besessen hatte. Als sie den Fluß überquert hatten, setzte Israel Barlow Brigham Young hinter sich auf das Pferd und brachte ihn so zu Elder Heber C. Kimball. Dort brach er ganz zusammen und mußte mehrere Tage bleiben. Seine Frau kam aus Montrose, um ihn zu pflegen.

Am 18. des Monats brach er jedoch erneut auf, diesmal in Begleitung von Heber C. Kimball. … Seine Frau lag mit Schüttelfrost im Bett, und alle Kinder waren krank. Es gelang ihm nur mit Hilfe einiger Brüder, überhaupt in den Wagen zu klettern. Später sagte er darüber: ,Mir war, als schmelze mein Innerstes bei dem Gedanken, meine Familie in einem solchen Zustand zurückzulassen, ja, fast schon in den Klauen des Todes. Ich hatte das Gefühl, dies kaum ertragen zu können.‘

,Halt an‘, sagte er zum Fuhrmann, der gerade angefahren war. ,Bruder Brigham, das ist nicht so einfach. Wir wollen aufstehen und ihnen winken.‘ Brigham Young raffte sich mühsam auf, und beide schwenkten dann den Hut und riefen: ,Hurra, hurra, hurra für Israel!‘ Schwester Young und Schwester Kimball hörten die Rufe und kamen an die Tür, Schwester Kimball nur unter großen Schwierigkeiten. Sie winkten zum Abschied; und die beiden Apostel machten sich auf den Weg nach England, ohne Geld und ohne Beutel.“ (B. H. Roberts, Comprehensive History of the Church, 2:23 f.)

Besprechen

• Was bewog Brigham Young und Heber C. Kimball wohl dazu, nach England auf Mission zu gehen und ihre Familie in einer so schlimmen Lage zurückzulassen?

Arbeiten Sie heraus, daß die Apostel dem Herrn gehorchten und auf ihn vertrauten, obwohl es viele Gründe gegeben hätte, zu Hause zu bleiben.

• Kommt es vor, daß es für euch nicht einfach ist, dem Herrn zu gehorchen?

• Welche Entscheidungen sind für Jungen in eurem Alter schwierig zu treffen?

Hier können Sie gegebenenfalls darauf hinweisen, daß die Berufung auf Mission vielleicht ungelegen kommt, daß man sie aber trotzdem bereitwillig annehmen muß, und zwar unbesehen aller Ungelegenheiten und widerstreitenden Interessen.

• Warum war es wohl so wichtig, daß Brigham Young und Heber C. Kimball der Berufung, nach England zu gehen, folgten?

Machen Sie den Jungen bewußt, daß die Apostel dem Herrn gehorchten, weil sie ihn liebten und seinen Willen tun wollten.

Schriftstelle/Besprechen

• Wie können wir dem himmlischen Vater und Jesus zeigen, daß wir sie lieben?

Erklären Sie, daß Jesus deutlich gesagt hat, wie wir ihm unsere Liebe zeigen können.

Lassen Sie einen Jungen Johannes 14:15 vorlesen.

• Warum hält jemand, der den Herrn liebt, wohl auch seine Gebote?

Machen Sie den Jungen klar: Wer die Gebote nicht hält, liebt etwas anderes mehr als den himmlischen Vater und Jesus. Jesus liebt uns und hat uns durch sein Sühnopfer die Möglichkeit gegeben, ewiges Leben zu erlangen. Er hat sein Leben für uns hingegeben. Weil er uns so sehr liebt, hat er uns Gebote gegeben, um uns zu helfen. Wir zeigen, daß wir ihn lieben, wenn wir das tun, was er möchte. Es ist unmöglich, den himmlischen Vater und Jesus wirklich zu lieben und gleichzeitig die Gebote zu übertreten.

Lesen und besprechen Sie mit den Jungen Johannes 14:21,31; 15:9,10 und 6:38.

• Was wurde durch den Gehorsam Jesu Christi letztlich bewirkt?

Halten Sie den Jungen vor Augen, daß Jesus aus freien Stücken sein Leben für uns hinge- geben hat, indem er den Willen des Vaters erfüllte. Machen Sie deutlich, daß auch wir uns genauso bereitwillig dem Willen des himmlischen Vaters unterwerfen müssen, wenn wir die Freude und das Glück finden wollen, die Christus dadurch zuteil wurden, daß er gehorsam gewesen war.

Schriftstelle/Berater

Es gibt in den heiligen Schriften mehrere Schilderungen des Leidens Jesu Christi in Getsemani. Die Jungen sollen Lukas 22:39–44 lesen.

Christus hatte sich zwar sein Leben lang auf diesen Augenblick vorbereitet, aber er war für ihn doch schwer zu ertragen. Er bat den Vater, den Kelch wenn möglich an ihm vorübergehen zu lassen. Sein Leben lang hatte er den Willen des himmlischen Vaters getan, und auch jetzt dachte er an nichts anderes. Aber vielleicht hatte er doch gehofft, es gäbe noch eine andere Möglichkeit, und in diesem Augenblick betete er darum, vor dem, was sicher kommen mußte, bewahrt zu bleiben. Er zeigt uns hier eindrucksvoll, daß er bereit war, alles zu tun, was der Vater von ihm verlangte – was immer es auch sein mochte. Er zeigt, daß er den Vater und uns liebt, denn er war bereit, etwas zu tun, was so schwierig und qualvoll war, daß wir es uns nicht im entferntesten vorstellen können. Er litt für unsere Sünden, ohne je selbst gesündigt zu haben. Er litt so sehr, daß er aus jeder Pore blutete. (Siehe Lehre und Bündnisse 19:18.)

Wer das Aaronische Priestertum trägt und gehorsam ist, wird gesegnet

Berater

Machen Sie den Jungen bewußt, daß Christus dem Vater gehorchte, weil er ihn liebte und tun wollte, was richtig war. Rechtschaffenheit bedeutet ja, daß man das Rechte deshalb tut, weil es eben richtig ist. Auch wir müssen dem himmlischen Vater einfach deshalb gehorchen, weil wir ihn lieben und weil es richtig ist.

Schriftstelle/Besprechen

• Welche Segnungen werden uns zuteil, wenn wir gehorsam sind?

Lassen Sie die Jungen Lehre und Bündnisse 59:23 lesen.

• Warum erfährt jemand, der gehorsam ist, größeren Frieden?

Zeugnis/Besprechen

Bezeugen Sie, daß Frieden und Glücklichsein mit Gehorsam einhergehen. Wir haben mehr inneren Frieden, wenn wir das tun, was Gott von uns erwartet. Dieses Gefühl haben wir in geringerem Maße auch dann, wenn wir unseren Eltern gehorchen. Wenn wir das Rechte tun, geht es uns besser und wir haben das Gefühl, daß wir Versuchungen überwinden können. Machen Sie den Jungen bewußt: Wenn man auf die Eingebungen des Heiligen Geistes hört und das tut, von dem man weiß und spürt, daß es richtig ist, dann findet man zu Frieden und Glück.

• Was bedeutet „ewiges Leben in der zukünftigen Welt“?

Die Segnungen im Zusammenhang mit dem ewigen Leben können uns nur dann zuteil werden, wenn wir gehorsam waren und das Sühnopfer Jesu Christi deshalb für uns wirksam werden konnte.

Zitat/Besprechen

Wir sind in dem Bemühen, den Willen des himmlischen Vaters zu tun, nicht allein. Lesen Sie das folgende Zitat von Präsident Heber J. Grant vor:

„Es gibt die sanfte, leise Stimme, die uns sagt, was richtig ist. Wenn wir auf diese Stimme hören, machen wir geistig Fortschritt und nehmen an Stärke und Kraft zu. Unser Zeugnis wird fester, und wir entwickeln die Fähigkeit, nicht nur selbst nach dem Evangelium zu leben, sondern auch andere Menschen dazu anzuspornen, es ebenfalls zu tun.

Ich bete besonders aufrichtig darum, daß jedermann einsieht, daß er sein Leben selbst bestimmt.“ („The Path of Safety“, Improvement Era, Dezember 1937, Seite 735.)

• Warum gibt der Herr uns die sanfte, leise Stimme, um uns zu helfen, das Richtige zu tun?

• Inwiefern hilft der Heilige Geist uns?

Der Satan tut alles, was er kann, um uns im Ungehorsam gefangenzuhalten. Das führt schließlich dazu, daß wir so elend werden wie er. Der himmlische Vater will uns durch den Heiligen Geist helfen, das Rechte zu tun und die Gebote zu halten, damit wir so werden können wie er. Wenn wir auf die sanfte, leise Stimme hören, unterwerfen wir uns dem Einfluß des himmlischen Vaters. Und je mehr wir uns dem Einfluß des himmlischen Vaters unterwerfen, desto ähnlicher werden wir ihm.

Schriftstelle/Besprechen

Schildern Sie mit eigenen Worten, was in 1 Nephi 17:1–6 steht. Lassen Sie die Jungen dann selbst Vers 7 bis 9 lesen.

• Wie reagierte Nephi, als der Herr ihm gebot, ein Schiff zu bauen?

Nephi fragte den Herrn nicht, wie man ein Schiff baut, obwohl er so etwas sicher noch nie gemacht hatte. Er fragte nur, wo er hingehen solle, um Erz für die Werkzeuge zu finden. Mit dieser Reaktion hat er gezeigt, daß er den Herrn liebte und ihm völlig vertraute. Gleichermaßen dürfen auch wir nicht fragen: „Warum muß ich das denn tun?“, sondern sollen nur sagen: „Wie fange ich an?“

• Wie hat der Herr den Nephi dafür gesegnet, daß er bereit war, das zu tun, was ihm aufgetragen worden war?

Lassen Sie einen Jungen Moroni 7:6–8 vorlesen.

• Was steht in diesem Vers über den Gehorsam?

Beispiel/Berater

Erzählen Sie das folgende Beispiel:

Ben mußte sich entscheiden. Er war jetzt fünfundzwanzig Jahre alt und arbeitete als Bergbauingenieur in einem Kohlebergwerk in Utah. Seit einem Jahr gehörte er der Kirche an, nachdem Freunde sie ihm vorgestellt hatten.

An dem Glück, das die Kirche ihm gebracht hatte, wollte er auch seine Familie teilhaben lassen, aber seine Eltern waren tief enttäuscht, daß er sich der Kirche angeschlossen hatte. Ben überlegte, ob er eine Stelle in einem Kohlebergwerk seiner Heimatstadt annehmen solle, um seinen Eltern dort durch seine Lebensführung zu zeigen, wie das Evangelium einen Menschen verändert. Das Problem war nur, daß der Prophet gesagt hatte, jeder junge Mann solle auf Mission gehen.

Ben betete und fastete viel und entschloß sich schließlich, dem Rat des Propheten zu folgen. Er reichte seine Papiere ein. Als er sich bei seinem Missionspräsidenten meldete, sagte er ihm, daß seine Eltern strikt dagegen seien, daß er seine Arbeit aufgegeben habe und nun seine Zeit damit zubringen wolle, Menschen, die doch schon Christen waren, in seine Kirche zu führen. Aber Ben sagte, er wolle unbedingt das tun, was der Prophet gesagt habe.

Im Laufe seiner Mission konnte Ben seinem Missionspräsidenten erzählen, daß seine Eltern sich bei Mitgliedern der Kirche erkundigt hatten, was ihr Sohn mache. So erfuhren sie etwas über das Missionssystem. Dann fragten sie, was ihr Sohn den Menschen denn erzähle, und die Missionare kamen zu ihnen nach Hause, um es ihnen zu erklären.

Als Ben anderthalb Jahre auf Mission war, rief er eines Abends spät seinen Missionspräsidenten an. Er war so aufgeregt und glücklich, daß er die Neuigkeit kaum hervorbrachte: Seine Eltern hatten sich taufen lassen.

Ähnliche Situationen mögen zwar nicht immer so glücklich ausgehen, denn jeder Mensch hat seine Entscheidungsfreiheit. Machen Sie aber deutlich, daß der Herr sich sehr über Bens Glauben und seine Bereitschaft zum Gehorsam gefreut hatte. Und durch seinen Glauben wurde auch seine Familie gesegnet, nämlich mit dem Evangelium.

Zum Abschluß

Tafel/Besprechen

Lassen Sie die Jungen die wichtigsten Punkte in bezug auf den Gehorsam zusammenfassen. Arbeiten Sie folgendes heraus, und schreiben Sie es an die Tafel:

  1. 1.

    Der Gehorsam ist ein Grundprinzip des Evangeliums.

  2. 2.

    Wir zeigen dem himmlischen Vater und Jesus, daß wir sie lieben, indem wir bereitwillig tun, was sie gebieten.

  3. 3.

    Es ist nicht immer leicht, Liebe zu zeigen und zu gehorchen, aber wenn man sowohl im Kleinen als auch im Großen gehorsam ist und sich durch den Geist des Herrn um Hilfe bemüht, kann man noch vollständiger gehorsam sein.

  4. 4.

    Wenn man im Kleinen gehorsam ist, kann man auch besser gehorsam sein, wenn Schwierigkeiten auftreten.

  5. 5.

    Christus war während seines Erdenlebens genauso gehorsam wie schon im vorirdischen Dasein.

  6. 6.

    Christus weiß, daß es nicht leicht ist, in allem gehorsam zu sein; deshalb will er uns dabei helfen, und zwar durch die sanfte, leise Stimme.

  7. 7.

    Wenn wir dem Herrn gehorchen, werden wir mit Frieden und ewigem Leben gesegnet.

  8. 8.

    Wir werden dem Herrn ähnlicher, wenn wir uns seinem Einfluß unterwerfen. Wenn wir dem Herrn aus Liebe gehorchen, dann können wir wie Nephi noch besser seinen Willen tun und für andere Menschen Gutes bewirken.

Auftrag

Fordern Sie die Jungen auf, ihre Liebe zum himmlischen Vater unter Beweis zu stellen, indem sie sich erneut und noch entschlossener bemühen, nach seinen Geboten zu leben.