Die Frucht und die Gaben des Geistes

Aaronisches Priestertum -- Leitfaden 3, 1996


Ziel

Die Jungen wissen besser, worin die Frucht und die Gaben des Geistes bestehen und wie man sie erlangen und weiterentwickeln kann.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie gebeterfüllt Galater 5:22,23; 2 Petrus 1:5–7; Alma 13:28,29; Moroni 10:8–19 und Lehre und Bündnisse 46:10-26.

  2. 2.

    Sie brauchen:

    1. a)

      Die heiligen Schriften (jeder Junge soll seine heiligen Schriften mitbringen).

    2. b)

      Papier und Bleistift für jeden Jungen.

    3. c)

      Buntstifte zum Schriftstellenmarkieren.

    4. d)

      Kreide, Tafel und Wischtuch.

Vorschlag für den unterrichtsablauf

Einleitung

Zitat/Besprechen

Erklären Sie, daß ein Mr. Sollars den Propheten Joseph Smith einmal gefragt hat, ob er sich nicht einfach nur taufen lassen könne, ohne die Gaben des Geistes zu beachten. Darauf antwortete der Prophet:

„Angenommen, ich bin auf Reisen und bin hungrig; da kommt ein Mann, und ich sage ihm, daß ich Hunger habe, und er sagt mir, ich solle da und da hingehen, dort sei eine Gaststätte: geh hin und klopf an; du mußt dich genau an die Hausordnung halten, sonst wirst du deinen Hunger nicht stillen können – und ich gehe hin, klopfe an, bitte um Essen und setze mich an den Tisch, esse aber nicht: wird das meinen Hunger stillen? Gewiß nicht. Ich muß essen. Die Gaben aber sind das Essen; das, was der Geist uns gnädig zukommen läßt, sind die Gaben des Geistes.“ (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 275 f.)

• Was wollte Joseph Smith mit dieser Antwort wohl sagen?

Um Jesus Christus nachzufolgen, muß man Bestimmtes tun: man muß zum Beispiel an ihn und an sein Sühnopfer glauben, von allen Sünden umkehren, sich taufen lassen und den Heiligen Geist empfangen. Wenn man das alles tut, empfängt man große Segnungen. Erklären Sie, was der Prophet mit seiner Äußerung sagen wollte, nämlich daß jemand, der zwar alle Bedingungen des Herrn erfüllt, aber dennoch nicht an den Segnungen teilhaben will, die daraus erwachsen, einem Hungrigen vergleichbar ist, der zwar alles Notwendige tut, um sich Nahrung zu verschaffen, der sich sogar an den Tisch setzt, aber dann doch nicht ißt. Das ist einfach nur dumm.

Wenn man die Gebote hält und die heiligen Handlungen wie die Taufe und die Konfirmie- rung vollziehen läßt, dann ist das so, als ob man sich zum Essen an den Tisch setzt. Um aber zu essen, sich also der Segnungen des Gehorsams zu erfreuen, muß man die Frucht und die Gaben des Geistes empfangen und weiterentwickeln.

Durch die Frucht des Geistes kann man Gott ähnlicher werden

Berater

Wer nach dem Plan des himmlischen Vaters und nach dem Evangelium Jesu Christi lebt, kann zum himmlischen Vater und zu Jesus Christus zurückkehren und einst selbst Gott werden. Um aber schon hier auf der Erde Gott ähnlicher zu werden, muß er die Eigenschaften entwickeln, die der himmlische Vater und Jesus besitzen. Diese Eigenschaften gehören zur Frucht des Geistes.

Man könnte statt „Frucht“ auch „Folgen“ sagen. Wir entwickeln diese Eigenschaften nämlich als Folge eines evangeliumsgemäßen Lebens.

Schriftstelle nübung

Schreiben Sie auf die linke Seite der Tafel „Frucht des Geistes“.

• Könnt ihr mir etwas von der Frucht des Geistes nennen, das in den heiligen Schriften erwähnt wird?

Schreiben Sie alle Antworten an die Tafel, und erklären Sie den Jungen dann, daß sie mehr über die Frucht des Geistes lernen können, wenn sie in den heiligen Schriften forschen.

Teilen Sie Papier und Bleistift aus, und bitten Sie die Jungen, die Aspekte der Frucht des Geistes aufzuschreiben, die in Galater 5:22,23, 2 Petrus 1:5–7 und Alma 13:28,29 genannt werden.

Wenn die Jungen fertig sind, sollen sie abwechselnd einen Aspekt der Frucht des Geistes nennen, die Sie dann an die Tafel schreiben. Im folgenden sind einige Punkte aufgeführt:

  • Frucht des Geistes

  • Liebe

  • Freude

  • Langmut

  • Freundlichkeit

  • Sanftmut

  • Geduld

  • Friedfertigkeit

Besprechen

Sie kurz, warum diese Eigenschaften wünschenswert sind.

• Wer besitzt diese Eigenschaften in vollkommenem Maße? (Der himmlische Vater und Jesus Christus.)

Weisen Sie darauf hin, daß der Heilige Geist uns hilft, diese Eigenschaften zu entwickeln und dem himmlischen Vater und Jesus Christus ähnlicher zu werden, wenn wir uns bemühen, die Gebote zu halten und nach dem Evangelium zu leben.

Schriftstelle

Lassen Sie einen Jungen 2 Petrus 1:5–7 vorlesen. Erklären Sie, daß wir diese Eigenschaften zwar nicht auf einmal in vollkommenem Maß entwickeln können, daß wir aber unser Leben lang daran arbeiten können.

Durch die Gaben des Geistes den Mitmenschen dienen

Schriftstelle nübung

Die Frucht des Geistes steht jedem Menschen, der nach dem Evangelium Jesu Christi lebt, gleichermaßen offen. Aber jeder Mensch hat auch spezielle Gaben des Geistes erhalten, nämlich bestimmte Fähigkeiten, die er dadurch weiterentwickeln kann, daß er Jesus nachfolgt.

Schreiben Sie neben „Frucht des Geistes“ „Gaben des Geistes“ an die Tafel. Bilden Sie dann zwei Gruppen: die eine Gruppe soll die Gaben des Geistes aufschreiben, die in Moroni 10:8–19 genannt sind, die andere Gruppe die Gaben des Geistes, die in Lehre und Bündnisse 46:10–26 genannt sind. Jeder Junge soll die genannten Gaben aufschreiben.

Schreiben Sie die Gaben des Geistes dann wie vorher die Frucht des Geistes an die Tafel. Die Jungen sollen ihre Liste um die Gaben ergänzen, die die andere Gruppe nennt, etwa folgendermaßen:

Frucht des Geistes

Gaben des Geistes

Liebe

Heilen

Freude

Wundertaten verrichten

Langmut

Prophezeien

Freundlichkeit

in Zungen reden

Sanftmut

Dienst von Engeln

Geduld

 

Friedfertigkeit

 

Erklären Sie, daß hier die relativ bekannten Gaben des Geistes aufgeführt sind, daß es aber noch weitere Gaben des Geistes gibt.

• Welche weiteren Gaben des Geistes kann man empfangen?

Schriftstelle/Besprechen

Lassen Sie einen Jungen Lehre und Bündnisse 46:11,12,26 vorlesen.

• Warum erhalten wir diese Gaben des Geistes?

• Warum besitzen nicht alle Menschen die gleichen Geistesgaben?

Arbeiten Sie herus, daß uns die Gaben des Geistes dazu gegeben werden, daß wir unseren Mitmenschen dienen und beim Aufbau des Gottesreichs helfen. Jeder Mensch hat andere Gaben bekommen, damit alle einander dienen können.

Beispiel

Erzählen Sie, wie Newel Knight einmal eine geistige Gabe eingesetzt hat, um einem Freund zu helfen:

Im November 1833 griffen einige Bewohner des Landkreises Jackson in Missouri die dort wohnenden Mitglieder an. Daraus entwickelte sich ein Kampf, in dessen Verlauf drei Männer getötet und viele verwundet wurden. Zu den Verwundeten gehörte auch Philo Dibble, der eine Schußwunde im Bauch erlitten hatte. Ein Chirurg, der ihn untersuchte, meinte, er habe noch nie jemanden gesehen, der eine solche Verletzung überlebt habe.

Wegen der feindseligen Haltung der Bewohner des Landkreises Jackson machten sich viele Mitglieder auf den Weg in den Landkreis Clay. Es war inzwischen sehr gefährlich geworden, im Landkreis Jackson zu bleiben. Aber trotz der großen Gefahr suchte Newel Knight Bruder Dibble, der mitten zwischen dem Pöbel wohnte, zu Hause auf, gab ihm einen Segen und ging eilig wieder fort.

Am nächsten Tag traf Newel Knight Philo Dibble etwa zehn Meilen von zu Hause entfernt wieder. Er konnte wieder laufen und hatte den Landkreis Jackson verlassen. Er erzählte Bruder Knight, daß die Schmerzen gleich nach dem Segen „wie von einer Macht getrieben nachgelassen hatten und nach wenigen Minuten ganz verschwunden waren“.

Philo Dibble erholte sich wieder vollständig und zog später nach Utah. (Siehe History of the Church, 1:431; siehe auch Autobiography of Parley P. Pratt, Salt Lake City, 1938, Seite 99 f.)

• Welche geistigen Gaben kamen hier zum Einsatz? (Newel Knight wandte die Gabe des Heilens an, Philo Dibble die Gabe, geheilt zu werden.)

Die Frucht und die Gaben des Geistes empfangen und weiterentwickeln

Besprechen

Erinnern Sie die Jungen daran, daß man die Frucht des Geistes und die eigenen Gaben des Geistes dadurch entwickelt, daß man nach dem Evangelium lebt.

• Schreiben Sie die folgenden sechs Wörter untereinander auf die linke Seite der Tafel: Gehorchen, beten, fasten, in den heiligen Schriften lesen, umkehren und dienen. Machen Sie deutlich, daß man das alles tun muß, wenn man nach dem Evangelium leben will.

• Welcher der genannten Punkte ist am wichtigsten, wenn man die Frucht und die Gaben des Geistes erlangen will?

Lassen Sie die Jungen kurz über diese Frage nachdenken, und bitten Sie dann um Antworten. Die Antworten werden wahrscheinlich ganz verschieden ausfallen. Arbeiten Sie heraus, daß alle genannten Punkte gleich wichtig sind, weil man nämlich alles Genannte tun muß, um die Frucht und die Gaben des Geistes zu erlangen.

Besprechen

Sie, warum jeder Punkt wichtig ist, und machen Sie folgendes deutlich:

Gehorchen: Der Herr hat uns Gebote gegeben, damit wir glücklich sind. Wenn wir die Gebote befolgen und auf die Eingebungen des Heiligen Geistes hören, tun wir damit das, was uns Glück schenkt und es uns ermöglicht, wie der himmlische Vater und Jesus Christus zu werden. (Siehe 1 Nephi 4:6–18.)

Beten: Wenn wir Gott demütig bitten, uns dabei zu helfen, ein rechtschaffenes Leben zu führen, dann erhört er uns auch. (Siehe Alma 17:3.)

Fasten: Durch Fasten entwickeln wir geistige Kraft, die uns hilft, die Bedürfnisse und Begierden unseres physischen Körpers zu beherrschen. Wenn man mit der richtigen Einstellung fastet, entwickelt man Demut und ist empfänglicher für geistige Eingebungen. (Siehe Alma 5:46.)

In den heiligen Schriften lesen: Wenn wir in den heiligen Schriften lesen, erfahren wir mehr über die Eigenschaften des göttlichen Wesens, um die wir uns ja bemühen sollen. Außerdem lesen wir, wie glaubenstreue Kinder Gottes solche Eigenschaften entwickelt haben. (Siehe Lehre und Bündnisse 33:16.)

Umkehren: Wir müssen Umkehr üben und beständig unser Taufbündnis erneuern, indem wir das Abendmahl nehmen, damit der Geist ungehindert auf uns einwirken kann. Der Heilige Geist wohnt nicht in einem unreinen Tempel. (Siehe 3 Nephi 9:22.)

Dienen: Wenn wir unsere geistigen Gaben einsetzen, um einander zu dienen, dann fördern wir damit nicht nur unsere Fähigkeit, geistige Gaben anzuwenden, sondern ermöglichen es uns auch, die Frucht des Geistes zu erfahren. (Siehe Galater 5:13.)

Zum Abschluß

Machen Sie den Jungen bewußt, daß alle Frucht des Geistes denen offensteht, die nach dem Evangelium leben. Jeder besitzt aber auch spezielle Gaben des Geistes, die er durch eine evangeliumsgemäße Lebensführung weiterentwickeln kann und die er einsetzen soll, um seinen Mitmenschen zu dienen. So wird ihm die Frucht des Geistes in reicherem Maße zuteil.

Zeugnis

Geben Sie Zeugnis, daß der Herr uns gerne mit der Frucht und den Gaben des Geistes segnen möchte, damit wir glücklich sind und unseren Mitmenschen helfen können. Bezeugen Sie, daß der Geist uns helfen kann, dem himmlischen Vater und Jesus Christus ähnlicher zu werden und eines Tages zu ihnen zurückzukehren.

Auftrag

Fordern Sie die Jungen auf, sich zu bemühen, dem himmlischen Vater und Jesus Christus ähnlicher zu werden, indem sie nach dem Evangelium leben. Sie sollen nach den Segnungen des Geistes streben, indem sie beten, fasten, gehorchen, in den heiligen Schriften lesen, Umkehr üben und ihren Mitmenschen dienen.