Die reine Christusliebe

Aaronisches Priestertum -- Leitfaden 3, 1996


Ziel

Jeder Junge wünscht sich Nächstenliebe, die reine Christusliebe, und bemüht sich, sie jeden Tag unter Beweis zu stellen.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie gebeterfüllt Matthäus 22:35–39; Johannes 13:34,35; 1 Korinther 13; 1 Johannes 4:20,21 und Moroni 7:47,48.

  2. 2.

    Sie brauchen:

    1. a)

      Die heiligen Schriften (jeder Junge soll seine heiligen Schriften mitbringen).

    2. b)

      Bild 3, „Jesus der Christus“ (62572 150; Bild 240 in „Bilder zum Evangelium“; Bild 14, „Drei junge Männer retten die Martin-Kompanie (62606 150; Bild 415 in „Bilder zum Evangelium).

    3. c)

      Papier und Bleistift für jeden Jungen.

    4. d)

      Buntstifte zum Schriftstellenmarkieren.

  3. 3.

    Kopieren Sie für jeden Jungen die Übersicht „Nächstenliebe“ hinten im Leitfaden.

Vorschlag für den unterrichtsablauf

Einleitung

Schreiben

Bilden Sie zwei Gruppen; lassen Sie die erste Gruppe nach Zahlen abzählen, die zweite nach Buchstaben. Bilden Sie dann aus 1 und A, 2 und B, 3 und C usw. Zweiergruppen. Geben Sie jedem Jungen einen Bleistift und ein Blatt Papier, und lassen Sie ihn mindestens einen Punkt aufschreiben, den er an seinem Gegenüber bewundert und mag. Anschließend werden die Punkte dann vorgelesen.

Weisen Sie darauf hin, daß es uns leichter fällt, unsere Mitmenschen so zu lieben, wie Christus sie liebt, wenn wir uns immer bemühen, gute und bewundernswerte Eigenschaften in ihnen zu entdecken.

Nächstenliebe ist Liebe, wie sie von Christus ausgeht

Schriftstelle/Besprechen

Lassen Sie einen Jungen Matthäus 22:35–39 vorlesen; die anderen Jungen sollen in ihrer Bibel mitlesen.

• Welches sind die beiden größten Gebote?

Weisen Sie darauf hin, daß beide Gebote uns zur Liebe auffordern. Die Liebe ist das zentrale Thema im Evangelium.

• Wem sollen wir Liebe entgegenbringen?

Lassen Sie die Jungen 1 Johannes 4:20,21 lesen und markieren.

• Was bedeutet es, daß man seinen Bruder lieben soll?

• Warum ist es unmöglich, daß man Gott zwar liebt, seinen Bruder aber haßt? (Wenn man Gott liebt, liebt man auch das, was Gott am meisten liebt, und Gott liebt seine Kinder am meisten.)

Besprechen

Erklären Sie, daß Liebe für jeden Menschen etwas anderes bedeuten kann, daß sie sich aber grundsätzlich in drei Kategorien einteilen läßt.

Die erste Kategorie zeichnet sich durch den folgenden Satz aus: „Ich liebe dich, wenn…“ Man liebt, wenn der andere bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Diese Art Liebe ist an Bedingungen geknüpft.

• Nennt Beispiele für diese Art Liebe. (Ich liebe dich, wenn andere dich auch lieben, wenn du ein Motorrad hast, wenn du zur Kirche gehst, wenn du nett zu mir bist, wenn du deine Aufgaben machst, wenn du tust, was ich sage.)

Die zweite Kategorie zeichnet sich durch das Wörtchen „weil“ aus und zeugt von Selbstsucht und weltlicher Gesinnung. Auch diese Art von Liebe ist an Bedingungen geknüpft. Man liebt den anderen nur, weil er anziehende Eigenschaften besitzt.

• Nennt Beispiele für diese Art von Liebe. (Ich liebe dich, weil du schöne Augen hast, weil du zur Fußballmannschaft gehörst, weil du versuchst, mich glücklich zu machen, weil du mir bei den Hausaufgaben hilfst, weil du mir Geld leihst, wenn ich keins mehr habe, weil du etwas für mich tust, weil ich dir wichtig bin.)

• Was stimmt mit diesen beiden Arten von Liebe nicht? (Es handelt sich nicht um wirkliche Liebe, denn sie ist an selbstsüchtige Bedingungen geknüpft.)

Die dritte Kategorie ist die selbstlose, bedingungslose Liebe, die man sich nicht verdienen muß, indem man ein bestimmtes Verhalten an den Tag legt oder bestimmte Eigenschaften unter Beweis stellt. Diese Art Liebe kann auch das Wort „obwohl“ verwenden.

• Nennt Beispiele für diese Art Liebe. (Ich liebe dich, obwohl ich nicht mit dem einverstanden bin, was du tust, obwohl du Schwächen und Probleme hast, obwohl du Fehler machst, obwohl du nicht immer genau das tust, was ich will.)

Erklären Sie, daß der himmlische Vater und Jesus Christus uns diese Art Liebe schenken. Sie lieben uns und akzeptieren uns – unabhängig von dem, was wir tun und wer wir sind. Man nennt diese Art Liebe auch Nächstenliebe.

Schriftstelle/Tafel/Besprechen

Lassen Sie die Jungen 1 Korinther 13 lesen, damit ihnen bewußt wird, was es heißt, Nächstenliebe auszustrahlen. Anschließend sollen sie die Eigenschaften nennen, die jemanden auszeichnen, der Nächstenliebe ausstrahlt.

Lassen Sie die Jungen sich dann dazu äußern, welche Eigenschaften sie unterstrichen haben. Besprechen Sie gemeinsam den Schriftausdruck, und lassen Sie die Jungen eine heutige Entsprechung dafür nennen. Schreiben Sie beides an die Tafel. Mögliche Ausdrücke in der Bibel und ihre heutige Entsprechung:

  1. 1.

    Die Liebe ist langmütig und gütig (geduldig).

  2. 2.

    Die Liebe ereifert sich nicht (ruhig).

  3. 3.

    Sie prahlt nicht und bläht sich nicht auf (demütig).

  4. 4.

    Sie handelt nicht ungehörig (höflich).

  5. 5.

    Sie sucht nicht ihren Vorteil (selbstlos).

  6. 6.

    Sie läßt sich nicht zum Zorn reizen (ausgeglichen).

  7. 7.

    Sie trägt das Böse nicht nach (vergebungsbereit).

  8. 8.

    Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit (ehrlich).

Wir müssen einander so lieben, wie Christus uns liebt

Bild/Schriftstelle/Besprechen

Zeigen Sie Bild 3, „Jesus der Christus“, und erklären Sie, daß Moroni die Nächstenliebe als „reine Christusliebe“ bezeichnet hat. (Siehe Moroni 7:47.) Christus hat nämlich alle Eigenschaften, die zur Nächstenliebe gehören, und er bringt uns bedingungslose Liebe entgegen. Machen Sie deutlich, daß wir so lieben lernen müssen, wie Jesus liebt, damit wir zu ihm kommen können.

Lassen Sie die Jungen Johannes 13:34,35 lesen und markieren.

Lassen Sie die Jungen Beispiele aus den heiligen Schriften nennen, die deutlich machen, wie Christus Nächstenliebe ausgestrahlt hat.

Weisen Sie, wenn die Jungen geantwortet haben, darauf hin, daß dies nur einige wenige Beispiele dafür sind, wie Christus seine Mitmenschen geliebt hat. In allem, was er tat, wurde deutlich, daß er die Menschen liebt. Um ihm ähnlich zu sein, müssen auch wir unsere Mitmenschen lieben.

Zitat

Erklären Sie, daß wahre Nächstenliebe eine Gabe des Geistes ist, die wir uns nicht nur aus eigener Kraft aneignen können. Arbeiten Sie heraus, daß Nächstenliebe eine geistige Gabe ist, um die wir uns alle bemühen sollen.

Lassen Sie einen Jungen das folgende Zitat von Elder Bruce R. McConkie vorlesen:

„Von allen Eigenschaften des göttlichen Wesens und der Vollkommenheit ist die Nächstenliebe diejenige, um die man sich vor allem bemühen muß. Nächstenliebe ist mehr als Liebe, sogar sehr viel mehr; Nächstenliebe ist die immerwährende, vollkommene Liebe, die reine Christusliebe, die für immer besteht. Sie ist so eng mit Rechtschaffenheit verbunden, daß jeder, der sie besitzt, sich nichts anderes wünscht als das, was für das ewige Wohlergehen seiner Seele und der Seele seiner Mitmenschen notwendig ist.“ (Mormon Doctrine, Salt Lake City, 1966, Seite 121.)

• Warum ist es so wichtig, daß wir die geistige Gabe der Nächstenliebe entwickeln?

Schriftstelle/Besprechen

Lassen Sie die Jungen Moroni 7:47,48 lesen.

• Was sagen dieser Verse darüber aus, wie man die geistige Gabe der Nächstenliebe entwickelt?

Wir strahlen Nächstenliebe aus, indem wir unseren Mitmenschen dienen

Beispiel/Bild

Wir können unseren Mitmenschen unsere Liebe dadurch erweisen, daß wir ihnen dienen. Zeigen Sie Bild 14, „Drei junge Männer retten die Martin-Kompanie“, und erzählen Sie dann, wie die besagten drei jungen Männer Nächstenliebe praktiziert haben:

Als die ersten Mormonenpioniere nach Westen ins Salzseetal kamen, reisten viele von ihnen in Handkarrenabteilungen. Sie hatten nicht genug Geld, um sich einen Planwagen leisten zu können, und deshalb transportierten sie ihren weltlichen Besitz auf zweirädrigen Karren, die von Hand gezogen wurden. Sie reisten in Abteilungen, und eine dieser Abteilungen hieß „Martin-Kompanie“.

Die Martin-Kompanie geriet in Wyoming in einem Schneesturm und sah sich dem sicheren Tod gegenüber, denn es war bitterkalt, und sie hatten nicht genug anzuziehen und kaum etwas zu essen. Brigham Young schickte Hilfe. Unterwegs kamen der Hilfstrupp und die Martin-Kompanie an einen Fluß, auf dem Eisschollen schwammen.

„Es schien mehr Mut und Anstrengung zu erfordern, diesen Fluß zu überqueren, als die menschliche Natur aufbringen konnte. Die Frauen schraken zurück, und die Männer weinten. Manche wagten es, aber andere waren dieser Herausforderung nicht gewachsen.

Zu dem Hilfstrupp gehörten auch drei achtzehnjährige Jungen, die sich als Retter in der Not erwiesen. Zum Erstaunen der Beteiligten trugen sie beinahe jedes Mitglied der unglückseligen Handwagenkompanie über den eisigen Fluß. Die Anstrengung war so groß, daß die Jungen Jahre später an den Spätfolgen starben. Als Präsident Brigham Young von dieser Heldentat hörte, weinte er wie ein Kind. Später erklärte er in der Öffentlichkeit: ,Allein diese Tat sichert C. Allen Huntington, George W. Grant und David P. Kimball die immerwährende Errettung im celestialen Reich, Welten ohne Ende.‘“ (LeRoy R. und Ann W. Hafen, Handcarts to Zion, Glendale, 1960, Seite 132 ff.)

Besprechen

Weisen Sie darauf hin, daß man nicht immer solche Heldentaten vollbringen muß, um wahre Nächstenliebe an den Tag zu legen.

• Wie könnt ihr euren Mitmenschen Liebe erweisen?

Zum Abschluß

Aktivität/Auftrag

Teilen Sie die Kopien der Übersicht „Nächstenliebe“ aus, und lassen Sie die Jungen überlegen, wie es mit ihnen aussieht. Jeder Junge soll sich einen Bereich aussuchen und sich im Lauf der Woche gebeterfüllt darauf konzentrieren.

Lassen Sie die Jungen noch einmal Moroni 7:48 lesen. Besprechen Sie, was diese Schriftstelle mit dem erteilten Auftrag zu tun hat.

Zeugnis

Nächstenliebe, nämlich die reine Chritusliebe, ist der erhabenste Grundsatz des Evangeliums. Wenn wir Nächstenliebe lernen, können wir so werden wie der himmlische Vater und Jesus Christus. Geben Sie Zeugnis, daß der himmlische Vater und Jesus alle Menschen lieben.

Freigestellte Aktivität en und Aufträge

Sie können die Jungen noch auffordern, sich für eine der folgenden Aktivitäten zu entscheiden:

  1. 1.

    Sucht euch einen Bruder oder eine Schwester aus, die besonders viel Liebe brauchen, und unternehmt etwas mit ihm beziehungsweise ihr. Lest etwas vor, macht gemeinsam einen Ausflug oder hört einfach nur zu.

  2. 2.

    Sucht euch in der Kirche oder in der Schule einen Jungen aus, der einen Freund braucht, und lernt ihn besser kennen.

  3. 3.

    Macht bei Sozialdiensten mit, beispielsweise beim Behindertendienst, lest Blinden vor oder helft im Krankenhaus.

  4. 4.

    Haltet nach jemand Ausschau, der anderen Menschen hilft und sie glücklich macht. Schickt ihm einen Dankesbrief.