Ich kann mich frei entscheiden

Aaronisches Priestertum -- Leitfaden 3, 1996


Ziel

Jedem Jungen wird bewußt, daß er ein Geistsohn Gottes ist und daß er sich im vorirdischen Dasein richtig entschieden hat und einverstanden war, für sein Handeln die Verantwortung zu übernehmen, und daß er dazu vorherordiniert worden ist, das Priestertum zu tragen.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie gebeterfüllt Genesis 1:26,27; Maleachi 2:10; Matthäus 11:28–30; Apostelgeschichte 17:28,29; Offenbarung 12:7–9; 2 Nephi 2:25–30; Alma 13:3; 30; 41:10; Helaman 14:30,31; Lehre und Bündnisse 29:36–38; 93:2,30,31; Mose 4:1–3 und Abraham 3:22,23.

  2. 2.

    Sie brauchen:

    1. a)

      Die heiligen Schriften (jeder Junge soll seine heiligen Schriften mitbringen).

    2. b)

      Buntstifte zum Schriftstellenmarkieren.

  3. 3.

    Zeigen Sie gegebenenfalls den Film Des Menschen Suche nach Glück.

Vorschlag für den unterrichtsablauf

Entscheidungsfreiheit – die Freiheit, das eigene Handeln selbst zu bestimmen

Tafel

/Zitat/Besprechen Schreiben Sie an die Tafel: „Entscheidungsfreiheit ist …“, und lassen Sie die Jungen den Satz ergänzen.

Erklären Sie anschließend, daß Elder Bruce R. McConkie den Begriff Entscheidungsfreiheit anhand von zwei wichtigen Begriffen erklärt hat. Ergänzen Sie den Satz an der Tafel folgendermaßen: „… die Fähigkeit und die Freiheit, sich für Gutes oder Schlechtes zu entscheiden.“ (Mormon Doctrine, Salt Lake City, 1966, Seite 26.)

• Welche beiden Aspekte der Entscheidungsfreiheit hat Elder McConkie genannt? (Die Fähigkeit und die Freiheit, sich für etwas zu entscheiden.)

Unterstreichen Sie Fähigkeit und Freiheit an der Tafel.

• Was bedeutet Fähigkeit? (Daß man etwas kann. Um fähig zu sein, braucht man genug Kraft und Erkenntnis, um etwas zu tun.)

Schriftstelle/Besprechen

Lassen Sie einen Jungen Lehre und Bündnisse 93:2 vorlesen. Die Fähigkeit, sich zu entscheiden, setzt voraus, daß man die entsprechenden Gegensätze kennt, also beispielsweise gut – schlecht, richtig – falsch. Jeder Mensch, der auf die Welt kommt, besitzt das Licht Christi, das ihn befähigt, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, nimmt in dem Maße zu, wie man sich mit Gottes Gesetzen vertraut macht.

• Was bedeutet der Begriff Freiheit im Zusammenhang mit Elder McConkies Begriffserklärung? (Niemand wird gezwungen, eine bestimmte Entscheidung zu treffen.)

Schreiben Sie Helaman 14:30,31 an die Tafel. Lassen Sie die Jungen diese Schriftstelle aufschlagen und markieren und leise mitlesen, während Sie sie vorlesen. Arbeiten Sie besonders heraus, daß die Fähigkeit, sich zu entscheiden, Wissen erfordert und daß Gott uns die Freiheit gewährt, selbst zu entscheiden.

Die Entscheidungsfreiheit ist ein Kernpunkt im Erlösungsplan

Schriftstelle/Besprechen

Lassen Sie einen Jungen Mose 4:1–3 vorlesen; die Jungen sollen diese Schriftstelle markieren, falls sie sie nicht schon vorher markiert haben. Machen Sie folgendes deutlich: (1) Der Satan hat tatsächlich vorgeschlagen, den Plan des himmlischen Vaters zu verwerfen, und (2) die Entscheidungsfreiheit ist ein Kernpunkt im Plan Gottes.

• Warum hat es wegen der Entscheidungsfreiheit wohl Meinungsverschiedenheiten und sogar Streit gegeben? (Der Satan wollte die Menschen beherrschen; dafür verlangte er Anerkennung und Herrlichkeit. Der himmlische Vater und Jesus Christus aber wollten, daß wir uns frei entscheiden können, denn ohne Entscheidungsfreiheit kann es weder wahre Rechtschaffenheit noch wirkliches Glück geben.)

Machen Sie deutlich, daß der Satan sich noch immer bemüht, so viele Kinder Gottes wie möglich zu beherrschen; deshalb tobt der Kampf, der im vorirdischen Dasein entbrannt ist, noch heute. Nur spielt sich dieser Kampf jetzt auf der Erde ab.

Schriftstelle

Lassen Sie die Jungen Lehre und Bündnisse 93:30,31 lesen und markieren. Erklären Sie, daß uns die Entscheidungsfreiheit im vorirdischen Leben geschenkt worden ist und daß sie einen Kernpunkt des Erlösungsplans bildet. Ohne Entscheidungsfreiheit gäbe es kein Leben.

Wir sind für die Folgen unseres Verhaltens verantwortlich

Schriftstelle/Tafel/Besprechen

Schreiben Sie 2 Nephi 2:25–30 an die Tafel; die Jungen sollen diese Verse lesen und die wichtigen Wörter markieren.

• Was sagt Nephi über die Folgen unserer Entscheidungen? (Wir ernten entweder Freude, Freiheit und Leben oder Elend, Gefangenschaft und Tod. Das hängt von unseren Entscheidungen ab.)

Schreiben Sie „Freiheit und ewiges Leben“ sowie „Gefangenschaft und Tod“ an die Tafel. Fragen Sie die Jungen, was ihnen lieber ist. Lassen Sie sie nachdenken, und zeichnen Sie unterdessen ein Fragezeichen an die Tafel, von dem aus Pfeile in verschiedene Richtungen gehen, und zwar folgendermaßen:

liberty or captivity

Heute glauben viele Menschen, Schlechtigkeit ziehe keine Folgen nach sich, weil es eben keine Schlechtigkeit gebe. Wenn die Menschen sich vom Satan einreden lassen, daß es so etwas wie Schlechtigkeit nicht gibt und daß es keinen Gott gibt, sehen sie auch keinen Grund, sich rechtschaffen und sittlich einwandfrei zu verhalten.

Schriftstelle/Besprechen

Fragen Sie die Jungen, ob sie wissen, wer Korihor war. Lassen Sie sie erzählen, was sie noch im Gedächtnis behalten haben, und helfen Sie ihnen bei Bedarf. (Siehe Alma 30.) Wenn die Jungen sich nicht mehr daran erinnern, wie Korihors Auftritt als Christusgegner geendet hat, können Sie sie Alma 30:59,60 lesen lassen.

Arbeiten Sie unbedingt heraus, daß Korihor behauptete, es gebe keine Schlechtigkeit und daher ziehe es auch keine Folgen nach sich, wenn man etwas Falsches tue.

• Was geschieht mit jemand, der sich selbst betrügt und Gut und Böse leugnet? (Der Satan läßt ihn schließlich doch im Stich, und es geht ihm schlecht.)

Auch die Ansicht, daß der Mensch das Opfer von Umständen ist, die er nicht beeinflussen kann, und daher nicht für das verantwortlich ist, was er tut, ist heutzutage weit verbreitet. Machen Sie deutlich, daß es zwar viele Umstände gibt, die man nicht beeinflussen kann, daß man aber trotzdem frei entscheiden kann, wie man sich verhalten will. Manchmal ist es allerdings viel einfacher, wenn man seine Freunde, die Gesellschaft oder sogar den Satan für seine Fehler verantwortlich macht.

Beispiel

Erzählen Sie das folgende Beispiel:

Robert wartete nervös auf das Urteil des Jugendrichters. Er war schon mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten und hatte auch schon häufiger vor demselben Richter gestanden, war aber immer glimpflich davongekommen. Diesmal allerdings ließ sich der Richter mit dem Urteilsspruch Zeit, und sein Gesicht verhieß nichts Gutes.

Robert wurde klar, daß er sich auf eine strengere Strafe als bisher einstellen mußte.

Nach einer Weile wies der Richter auf die törichten Entscheidungen hin, die Robert getroffen hatte und die ihn mit dem Gesetz in Konflikt gebracht hatten. Dann verkündete er das Urteil, das Robert sehr hart erschien.

„Das ist nicht gerecht“, dachte er. „Ich habe schon viel durchgemacht im Leben. Ich habe kein schönes Zuhause. Meine Lehrer verstehen mich nicht. Meine Freunde sind auch nicht mehr so nett wie früher. Das Leben hat mir übel mitgespielt, und ich habe schwere Zeiten hinter mir. Warum versteht der Richter das denn nicht?“

Besprechen

Es ist zwar immer schwierig, über jemanden zu urteilen, überlegen Sie aber trotzdem, ob Sie den Jungen nicht die folgenden Fragen stellen wollen, um eine Diskussion in Gang zu bringen:

  • Kann Robert für seine Schwierigkeiten die Umstände verantwortlich machen?

  • Hat Robert je seine Entscheidungsfreiheit verloren?

  • Wie müssen wir uns in einer schwierigen Lage verhalten?

  • Wie können wir unsere Entscheidungsfreiheit ausüben und glücklich sein, auch wenn wir uns in einer schwierigen Lage befinden?

Zitat/Besprechen

Wir können immer tun, was wir tun sollten, und zwar ungeachtet der Lage, in der wir uns befinden. Manchmal glauben wir vielleicht, daß die Umstände eine schlechte Entscheidung entschuldigen, und dann wieder möchten wir möglicherweise Gott, den Satan oder andere Menschen für unsere Fehler verantwortlich machen.

Joseph Smith hat gesagt, wenn Gott oder der Satan uns zwingen würden, Gutes oder Schlechtes zu tun, könnten wir keine eigenen Entscheidungen treffen. Lesen Sie vor, was Joseph Smith am 16. Mai 1841 in einer Rede gesagt hat:

„Er begann seine Ausführungen mit dem Hinweis, daß das Wohlwollen unseres himmlischen Vaters unsere innigste Dankbarkeit verdiene. Dann sagte er, im allgemeinen werde dem Satan zur Last gelegt, was wir Böses tun, aber wenn er wirklich die Ursache all unserer Schlechtigkeit sei, dann könne der Mensch nicht verurteilt werden. Der Teufel könne den Menschen nicht zwingen, Böses zu tun; alles geschehe aus freiem Willen. Wer sich dem Geist Gottes entgegenstelle, der sei der Gefahr ausgesetzt, in Versuchung geführt zu werden, und dann ziehe sich die Gemeinschaft des Himmels von denen zurück, die sich weigern, solch großer Herrlichkeit teilhaftig zu werden. Gott übe keine Nötigung aus, und der Teufel könne das nicht.“ (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 191.)

• Warum kann der Satan uns nicht zwingen, etwas zu tun, was wir nicht tun wollen?

• Warum zwingt der himmlische Vater uns nicht zu etwas, was wir nicht tun wollen?

Machen Sie deutlich: Gott zwingt uns nicht zu etwas, und der Satan kann uns nicht zu etwas zwingen. Halten Sie den Jungen vor Augen, daß wir niemals vergessen dürfen, worin unsere Lebensprüfung besteht, nämlich darin, daß wir uns entweder für das Gute oder das Schlechte entscheiden, und zwar unabhängig von der Situation. Uns muß es immer darum gehen, das Gute zu tun.

Die Glaubenstreuen wurden dazu vorherordiniert, das Priestertum zu empfangen

Schriftstelle/Besprechen

In einer Vision sah Abraham viele Seelen, die sich noch im ersten Stand befanden. Lassen Sie einen Jungen Abraham 3:22,23 vorlesen.

• Was bedeutet es, daß Abraham erwählt wurde, ehe er geboren wurde? (Er war vorherordiniert beziehungsweise ausersehen worden, hier auf der Erde eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Der Herr wußte, daß er die Fähigkeit dazu besaß.)

• Was erfahren wir sonst noch in diesen Versen? (Viele weitere Geistwesen wurden zu Propheten und geistigen Führern vorherordiniert.)

• Was haben Entscheidungsfreiheit und Vorherordinierung miteinander zu tun?

Machen Sie den Jungen klar: Wenn jemand zu einer bestimmten Aufgabe vorherordiniert wird, erhält er damit die Möglichkeit, Gott zu dienen, indem er nach den Maßstäben des Herrn lebt. Der Herr weiß nämlich, nach welchen Maßstäben jemand leben kann. Der Betreffende aber besitzt immer noch seine Entscheidungsfreiheit und kann selbst bestimmen, ob er glaubenstreu sein und gemäß seiner Vorherordinierung leben will oder nicht.

Schriftstelle/Besprechen

Lassen Sie einen Jungen Alma 13:3 vorlesen.

• Wem wird hier auf der Erde das Priestertum übertragen?

Erklären Sie den Jungen, daß denjenigen das Priestertum übertragen wird, die im vorirdischen Dasein dazu berufen und bereitgemacht worden sind; sie sind gemäß dem Vorherwissen Gottes vorherordiniert worden. Nur wer glaubenstreu und würdig ist, empfängt hier auf der Erde das Priestertum.

Zeugnis

Geben Sie Zeugnis, daß der himmlische Vater jeden Jungen, der das Aaronische Priestertum trägt, seit langer Zeit kennt. Jeder ist vom himmlischen Vater dazu ausersehen worden, ihm bei seinem Werk zu helfen. Dazu gehört auch, daß er auf eine Vollzeitmission geht und andere Berufungen im Priestertum erfüllt, von denen die Aufgabe als Vater und Patriarch einer Familie wohl am wichtigsten ist.

Zitat

Lesen und besprechen Sie die folgende Aussage des Propheten Joseph Smith:

„Jeder, der die Berufung hat, den Bewohnern der Erde geistlich zu dienen, wurde schon vor Grundlegung der Welt im großen Rat im Himmel zu diesem Zweck ordiniert. Ich nehme an, daß ich im großen Rat zu eben diesem meinem Amt ordiniert wurde.“ (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 371f.)

Zum Abschluß

Auftrag

und Zeugnis Fordern Sie die Jungen auf, gemäß ihrer Vorherordinierung zu leben, indem sie ihre Berufungen im Priestertum getreu erfüllen und sich auf das Melchisedekische Priestertum sowie auf weitere Aufgaben vorbereiten.

Geben Sie Zeugnis, daß die Jungen keine gewöhnlichen Jungen sind, sondern Söhne Gottes, die dazu vorherordiniert wurden, auf der Erde das Priestertum zu tragen. Das bedeutet aber nicht, daß der himmlische Vater sie für besser hält als seine übrigen Kinder, sondern vielmehr, daß er sich darauf verläßt, daß sie Führer werden und ihm dabei helfen, seine übrigen Kinder zu erretten. Sie sind dazu auserwählt worden, in Rechtschaffenheit zu führen und das Evangelium zu verbreiten. Es wäre sehr schade, wenn sie sich durch irgend etwas davon abbringen ließen, die Aufgaben zu erfüllen, zu denen sie vorherordiniert worden sind.

Zitat

Elder Vaughn J. Featherstone hat das Leben einmal mit einem Wettrennen verglichen. Lesen Sie den Jungen das folgende Zitat vor:

„Der durchschnittliche Läufer läuft, bis ihm der Atem ausgeht, doch der wahrhaft große Läufer besitzt einen eisernen Willen, der ihn weiterlaufen läßt. Der durchschnittliche Läufer bettelt um eine Pause, wenn ihn die Muskeln schmerzen, doch der wahrhaft große Läufer läuft auch mit bleischweren Beinen noch weiter; sein Kampfgeist treibt ihn an. Der durchschnittliche Mensch ist zufrieden, wenn er sein Bestes gegeben hat, aber ein wahrhaft großer Mensch gibt sein Bestes – und dann noch ein wenig mehr.“ („The Champion“, A Generation of Excellence, Salt Lake City, 1975, Seite 52.)

Auftrag

Sagen Sie den Jungen, daß Sie Vertrauen zu ihnen haben, und halten Sie ihnen vor Augen, daß sie tapfer gewesen sind und schon die richtige Entscheidung getroffen haben, ehe sie auf die Erde gekommen sind. Fordern Sie sie auf, auch hier tapfer zu sein und sich fest vorzunehmen, immer nach dem Geist zu streben und nicht zuzulassen, daß etwas sie daran hindert, ihr von Gott vorgegebenes Ziel zu erreichen.