Demütig und belehrbar sein

Aaronisches Priestertum -- Leitfaden 3, 1996


Ziel

Jeder Junge entwickelt den Wunsch, demütig und belehrbar zu sein.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie gebeterfüllt Exodus 18:13–18,21–24; Numeri 11:27-29; Matthäus 18:4; Jakobus 4:10; Mosia 11:27,28; 12:1,9; 17:5-13 und Lehre und Bündnisse 1:28; 67:10; 112:10; 136:32.

  2. 2.

    Sie brauchen:

    1. a)

      Die heiligen Schriften (jeder Junge soll seine heiligen Schriften mitbringen).

    2. b)

      Bild Nr. 16, „Jesus wäscht den Jüngern die Füße“ (62550 150; Bild 226 in „Bilder zum Evangelium“).

    3. c)

      Einen Stift für jeden Jungen.

    4. d)

      Buntstifte zum Schriftstellenmarkieren.

  3. 3.

    Fertigen Sie für jeden Jungen eine Kopie des Stichwortverzeichnisses am Ende der Lektion an.

Vorschlag für den unterrichtsablauf

Die Knechte des Herrn müssen demütig sein

Handzettel

• Was versteht man unter Demut?

Lassen Sie die Jungen sich dazu äußern, und geben sie jedem eine Kopie des Stichwortverzeichnisses und einen Stift. Sie sollen die Wörter unterstreichen, die mit Demut zu tun haben, und die Wörter durchstreichen, die nichts mit Demut zu tun haben. Diese Aktivität soll nicht länger als fünf Minuten dauern.

Erklären Sie, daß ein demütiger Mensch sanftmütig und belehrbar ist. Ihm ist bewußt, daß er auf Gott angewiesen ist, und er möchte Gottes Willen tun. Er weiß, wie wertvoll seine Mitmenschen sind. Wer ein tapferer Knecht des Herrn sein möchte, muß demütig sein.

Schriftstelle/Besprechen

Mose war sehr demütig (siehe Numeri 12:3). Er führte 600 000 Männer, dazu noch Frauen und Kinder, durch die Wildnis in das verheißene Land (siehe Exodus 12:37). Er war der Prophet, durch den der Herr zum Volk sprach. Mose hätte auf andere Männer, die die Macht des Priestertums ausübten, eifersüchtig sein können, aber statt dessen handelte er voller Demut, als eines Tages zwei Männer im Lager dem Volk prophezeiten.

Lassen Sie die Jungen Numeri 11:27–29 lesen.

• Was tat Mose, als zwei Männer in prophetische Verzückung gerieten? (Er beneidete sie nicht darum, daß auch sie vom Herrn Gaben erhalten hatten. Vielmehr wünschte er sich, alle Menschen könnten mit dem Geist des Herrn gesegnet sein.)

Lassen Sie einen Jungen Exodus 18:13–18,21–24 vorlesen.

• Wie reagierte Mose, als sein Schwiegervater Jitro ihm einen Rat dazu gab, wie er das Volk führen sollte?

Weisen Sie darauf hin, daß Mose damals bereits über achtzig Jahre alt war, daß er aber immer noch etwas dazulernen wollte. Er nahm Jitros Rat dankbar an und setzte ihn sofort in die Tat um. Er war belehrbar.

Aus diesen Beispielen geht hervor, daß Mose sanftmütig und demütig war. Es gibt aber auch Beispiele, die zeigen, daß Mose mutig und stark war.

• Wie hat Mose Mut und Stärke bewiesen?

Sie können zu diesem Punkt zwei Beispiele nennen: Kühn übermittelte er dem Pharao den Willen des Herrn (siehe Exodus 7:10,20; 8:5–10,29; 10:24–29). Als das Volk des Herrn sich dem Götzendienst zuwandte, wies er es dafür zurecht (siehe Exodus 32:15–20,30). Diese Beispiele machen deutlich, daß Sanftmut nichts mit Schwäche zu tun hat.

Beispiel

Auch Joseph Smith war freundlich und demütig. Das wird in der folgenden Geschichte von William F. Cahoon, seinem damals siebzehnjährigen Heimlehrer, deutlich. Die Jungen sollen aufmerksam zuhören und sagen, inwiefern sowohl der Prophet als auch der junge Heimlehrer gezeigt haben, daß sie demütig und belehrbar waren.

„Ich wurde als Lehrer berufen und eingesetzt, um Familien in der Kirche zu besuchen. Das ging auch sehr gut, bis ich merkte, daß es auch zu meinen Pflichten gehörte, den Propheten zu besuchen. Da ich gerade erst siebzehn Jahre alt war, dachte ich, daß ich doch nicht den Propheten und seine Familie als Lehrer besuchen könne. Ich wollte fast vor dieser Aufgabe zurückschrecken. Schließlich ging ich aber doch hin und klopfte an die Tür. Der Prophet öffnete. Am ganzen Leib zitternd sagte ich:

,Bruder Joseph, ich bin gekommen, um dich in meiner Eigenschaft als Lehrer zu besuchen, wenn es dir recht ist.‘

Er sagte: ,Bruder William, komm nur herein; ich freue mich, dich zu sehen; setz dich doch bitte, ich rufe inzwischen meine Familie.‘

Sie kamen bald und setzten sich. Dann sagte er: ,Nun, Bruder William, frag uns, was immer du willst.‘

Ich fürchtete mich jetzt nicht mehr und zitterte auch nicht mehr. Also fragte ich: ,Bruder Joseph, bemühst du dich, nach deiner Religion zu leben?‘

Er antwortete: ,Ja.‘

Dann fragte ich: ,Betest du gemeinsam mit deiner Familie?‘

Er bejahte.

,Unterweist du deine Familie in den Grundsätzen des Evangeliums?‘

Er antwortete: ,Ja, ich bemühe mich.‘

,Betest du vor dem Essen?‘

Er antwortete: ,Ja.‘

,Bemühst du dich, mit deiner Familie in Frieden und Eintracht zu leben?‘

Er bejahte es.

Dann wandte ich mich an seine Frau und fragte: ,Schwester Emma, bemühst auch du dich, nach deiner Religion zu leben? Lehrst du deine Kinder, den Eltern zu gehorchen? Bemühst du dich, sie das Beten zu lehren?‘ Sie antwortete auf alle Fragen: ,Ja, ich bemühe mich.‘

Da wandte ich mich wieder Joseph Smith zu und sagte: ,Das sind alle Fragen, die ich als Lehrer hatte; wenn du mir nun etwas zu sagen hast, so werde ich es dankbar annehmen.‘

Er sagte: ,Gott segne dich, Bruder William; und wenn du demütig und glaubenstreu bist, wirst du die Kraft haben, alle Schwierigkeiten zu bewältigen, denen du als Lehrer begegnen magst.‘

Als ich ging, segnete ich ihn und seine Familie in meiner Eigenschaft als Lehrer und verließ das Haus.“ („Recollections of the Prophet Joseph Smith“, Juvenile Instructor, 15. August 1892, Seite 492 f.)

Besprechen

• Inwiefern zeigte Joseph Smith durch sein Verhalten, daß er demütig und belehrbar war?

• Woran wird deutlich, daß William Cahoon demütig war?

• Wie muß ein rechtschaffener Knecht des Herrn sein? Was wird an dieser Geschichte deutlich?

Erzählen Sie, wie Sie an Mitglieder der Gemeinde oder an anderen Menschen in Ihrem Bekanntenkreis Demut beobachtet haben.

Wir dürfen nicht stolz sein

Zitat

Lesen Sie das folgende Zitat von Präsident Ezra Taft Benson vor:

„Nirgends in den heiligen Schriften ist von rechtschaffenem Stolz die Rede. Stolz wird immer als Sünde betrachtet. Wir meinen nicht das gesunde Selbstwertgefühl, das man am besten dadurch erlangt, daß man Gott nahe ist, sondern wir reden von der ,weltweit verbreiteten Sünde‘ des Stolzes, wie jemand es formuliert hat. …

Im Grunde genommen ist Stolz nichts anderes als ,mein Wille, nicht deiner‘. Das Gegenteil von Stolz ist Demut, Sanftmut und Unterwerfung (siehe Alma 13:28) oder Belehrbarkeit. …

Typisch für Stolz ist: ,Was kann mir das Leben geben?‘ statt: ,Was erwartet Gott von meinem Leben?‘ Da wird der eigene Wille dem Willen Gottes entgegengesetzt, und Menschenfurcht kommt vor Gottesfurcht.“ (Generalkonferenz, April 1986.)

Schriftstelle/Besprechen

In den heiligen Schriften wird von Menschen berichtet, die voller Stolz waren. König Noa beispielsweise war von unbeherrschtem Stolz und Selbstsucht besessen (siehe Mosia 11:12,17.) Er war ein sehr schlechter Mensch, aber er bildete sich ein, er sei so mächtig und weise, daß er weder die Hilfe des Herrn noch des Propheten Abinadi brauche.

Lassen Sie die Jungen Mosia 11:1–5,27,28; 12:1,9 und 17:5–13 lesen.

• Woran wird deutlich, wie stolz König Noa war? (Er hielt die Gebote nicht und verlangte seinem Volk viel ab, um seinen sündigen Lebenswandel führen zu können. Außerdem wollte er nicht an den Propheten des Herrn glauben und ließ ihn schließlich sogar umbringen.)

• Inwiefern paßt König Noas Verhalten auf das, was Präsident Benson gesagt hat?

Weil König Noa und sein Volk sich nicht demütigen wollten, wurden sie von den Lamaniten gefangengenommen, und König Noa erlitt den Feuertod. (Siehe Mosia 19.)

• Wie zeigen wir manchmal, daß wir von falschem Stolz erfüllt sind?

Machen Sie den Jungen Mut, über diese Frage zu sprechen. Mögliche Antworten sind: Gottes Gebote übertreten; meinen, man wüßte selbst am besten, was man mit seinem Leben anfangen soll; sich weigern, Umkehr zu üben; sich für besser als andere halten und sie deshalb schlecht behandeln.

Demut bringt große Segnungen und Glück

Schriftstelle/Besprechen

Zeigen Sie Bild 16, „Christus wäscht den Jüngern die Füße“ (siehe Johannes 13:3–9).

• Inwiefern zeigt dieses Bild, daß Christus demütig ist?

Schriftstelle/Besprechen

Den Demütigen gelten einige der größten Verheißungen und Segnungen des Herrn. Geben Sie jedem Jungen eine der folgenden Schriftstellenangaben; er soll die betreffende Schriftstelle aufschlagen und lesen. Lesen Sie dann die folgenden Verheißungen vor, und lassen Sie die Jungen sagen, welche Schriftstelle zu welcher Verheißung paßt. Lassen Sie die entsprechende Schriftstelle dann im Wortlaut vorlesen. Wenn mehr als sechs Jungen in der Klasse sind, teilen Sie jede Schriftstelle zwei, drei Jungen zu.

Schriftstellen

  1. 1.

    Lehre und Bündnisse 136:32

  2. 2.

    Jakobus 4:10

  3. 3.

    Lehre und Bündnisse 112:10

  4. 4.

    Matthäus 18:4

  5. 5.

    Lehre und Bündnisse 1:28

  6. 6.

    Lehre und Bündnisse 67:10

Verheißungen

  1. 1.

    Wenn wir demütig sind, führt der Herr uns und erhört unser Beten.

  2. 2.

    Wenn wir demütig sind, können wir stark gemacht werden und Erkenntnis empfangen.

  3. 3.

    Wenn wir demütig sind, hebt der Herr uns empor.

  4. 4.

    Wenn wir demütig sind, lernen wir Weisheit, und uns gehen die Augen auf.

  5. 5.

    Wenn wir demütig sind, sehen und erkennen wir den Herrn.

  6. 6.

    Wenn wir demütig sind, können wir im Himmelreich groß sein.

Zum Abschluß

Aufträge Fordern Sie die Jungen zu folgendem auf:

  1. 1.

    Achtet bei euren Mitmenschen auf Demut, vor allem bei eurer Familie.

  2. 2.

    Prüft euer Verhalten und überlegt, wo ihr von ganzem Herzen demütig und belehrbar sein könnt.