Unseren Mitmenschen dienen

Aaronisches Priestertum -- Leitfaden 3, 1996


Ziel

Jeder Junge weiß, daß er ein Werkzeug in der Hand Gottes sein kann, indem er seinen Mitmenschen dient.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie gebeterfüllt Matthäus 20:27; Lukas 9:24; Johannes 3:16; 21:15–17 und Mosia 18:7–10.

  2. 2.

    Sie brauchen:

    1. a)

      Die heiligen Schriften (jeder Junge soll seine heiligen Schriften mitbringen).

    2. b)

      Bild 16, „Jesus wäscht den Jüngern die Füße“ (62550 150; Bild 226 in „Bilder zum Evangelium“).

    3. c)

      Zwei, drei Werkzeuge oder Abbildungen von Werkzeugen, etwa einen Hammer, eine Säge, einen Rechen, eine Schaufel und einen Schraubenzieher.

    4. d)

      Zettel und Bleistift für jeden Jungen.

    5. e)

      Buntstifte zum Schriftstellenmarkieren.

  3. 3.

    Sprechen Sie vor dem Unterricht mit dem Bischof darüber, wie die Kollegiumsmitglieder einzeln und als Gruppe ihren Mitmenschen dienen können. Vielleicht möchten die Jungen am Ende des Unterrichts ein Dienstprojekt für jeden einzelnen oder für das ganze Kollegium auswählen.

Vorschlag für den unterrichtsablauf

Einleitung

Beispiel

Lesen Sie folgendes vor:

Gernot blickte sich während des Anfangslieds zu Beginn der Priestertumsversammlung in der Kapelle um. Ihm fiel auf, daß Gerhard Meder, der neu in der Gemeinde war, ganz allein in einer Bank saß. Immer wieder wanderte Gernots Blick zu ihm hinüber, und er nahm sich vor, Gerhard später besonders freundlich zu begrüßen. Er hätte zwar auch jetzt aufstehen und sich neben ihn setzen können, aber das hätte doch zu sehr gestört. Gernot dachte: „Gerhard muß aber auch selbst etwas tun, damit er die Mitglieder kennenlernt. Er hätte sich nicht allein hinsetzen dürfen.“

Das Lied war zu Ende, und Gernot vergaß Gerhard Meder, als er mit seinen Freunden in seine Klasse ging. Dann sollte er das Schlußgebet sprechen, und da wurde ihm bewußt, daß Gerhard die ganze Zeit ziemlich verloren ausgesehen hatte. Er nahm sich vor, sofort nach dem Gebet zu ihm zu gehen und mit ihm Freundschaft zu schließen. Aber als er Amen gesagt hatte und aufschaute, schlüpfte Gerhard gerade aus der Tür.

„Na ja,„ überlegte Gernot, „dann rede ich eben nächste Woche mit ihm.“

Werkzeug Zeigen Sie nun das Werkzeug beziehungsweise die Abbildungen.

• Wann kann dieses Werkzeug seine Funktion nur erfüllen?

Erklären Sie, daß jedes Werkzeug seine Funktion nur dann erfüllen kann, wenn jemand es in die Hand nimmt und damit arbeitet.

Zitat/Besprechen

Elder Marion D. Hanks hat über das Werkzeug gesprochen, mit dem der himmlische Vater arbeitet:

„Der Herr hat über seine Knechte gesagt: ,Ihr Arm soll mein Arm sein.‘ (Lehre und Bündnisse 35:14.) Haben Sie sich das schon einmal richtig bewußtgemacht? Für mich ist das einer der heiligsten und wichtigsten Aufträge in allen heiligen Schriften und anderswo. Der Herr sagt, mein Arm sei sein Arm. Mein Denken, meine Zunge, meine Hände, meine Füße, mein Geld – das ist, was mich betrifft, das einzige Werkzeug, mit dem er arbeiten kann. … Soweit es nun Sie betrifft, so sind Ihr Arm, Ihre Mittel, Ihre Intelligenz, Ihre Zunge, Ihre Energie das einzige Werkzeug, mit dem der Herr seine Aufgabe vollbringen kann.“ („Service“, Ansprache an der Brigham-Young-Universität, 15. Oktober 1958.)

• Was bedeutet das für euch?

Gernot hatte die Möglichkeit, Gerhard zu helfen, als er sich allein und unsicher fühlte. Aber er verpaßte die Gelegenheit, weil er der Eingebung nicht folgte.

• Wie hätte Gernot die Gelegenheit, Gott zu dienen, besser nutzen und helfen können, wo Hilfe notwendig war? (Er hätte nach dem Eröffnungsteil mit Gerhard reden oder ihn nach der Kirche anrufen können.)

Schriftstelle/Besprechen

Wir alle haben bei der Taufe mit dem Herrn einen Bund geschlossen. Immer wenn wir das Abendmahl nehmen, erneuern wir diesen Bund.

Lassen Sie einen Jungen Mosia 18:7–10 vorlesen.

• Wie können wir Gott laut diesen Versen am besten dienen?

• Warum dienen wir Gott gerade dann, wenn wir seinen Kindern dienen? (Weil Gott seine Kinder liebt und möchte, daß sie alles haben, was sie brauchen.)

Wer Gott liebt, dient seinen Mitmenschen gern. Er fragt sich immer wieder: „Wem habe ich heute geholfen? Wem habe ich heute die Last leichter gemacht?“

Berater

Dienen geht mit Liebe einher. Durch Dienen erweisen wir Gott, unseren Mitmenschen und auch uns selbst unsere Liebe. Es gibt kaum etwas Schöneres im Leben als den Frieden und die Zufriedenheit, die dem Bewußtsein entspringen, daß man jemandem geholfen hat. Dienen ist das größte Geschenk, das die Liebe geben kann.

Schriftstelle/Besprechen

Lassen Sie einen Jungen Johannes 21:15–17 vorlesen.

• Was hat Christus dem Petrus ans Herz gelegt? (Wenn Petrus ihn wahrhaftig liebte, dann sollte er seine Schafe weiden.)

• Was wollte Christus damit sagen? (Petrus sollte seine Mitmenschen unterweisen und ihnen dienen.)

Wenn wir Jesus Christus wirklich lieben, dienen wir auch unseren Mitmenschen. Wir erbauen sie, geben ihnen Kraft, unterweisen sie und tun alles, was der Herr auch täte, wenn er da wäre.

Die größte Gabe besteht darin, daß man von sich selbst gibt

Berater/Besprechen

• Was ist eine Grabinschrift? (Die Grabinschrift gibt Auskunft darüber, wer gestorben ist. Oft enthält sie auch Hinweise auf das, was der Verstorbene zu Lebzeiten getan hat und was für ein Mensch er war.)

Lesen Sie die folgenden Grabinschriften vor:

„Hier liegt ein Geizhals, war niemandem hold als Talern, Dukaten, Silber und Gold. Wohin er ist, wie‘s ihm dort geht – Schon längst kein Hahn mehr danach kräht.“

„Zum Gedenken an General Charles George Gordon. Seine Stärke schenkte er den Schwachen; seine Habe den Armen; sein Mitgefühl den Leidenden; sein Herz schenkte er Gott.“

• Was ist der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Männern?

Wenn wir einander lieben und einander dienen wollen, gibt es keine größere Gabe, als wenn wir von uns selbst geben.

• Wie kann man von sich selbst geben? (Indem man für andere Zeit hat und seine Fähigkeiten und Talente für sie einsetzt, um ihnen die Last leichter zu machen.)

Tafel/Besprechen

Die Jungen sollen überlegen, wer sie bisher am positivsten beeinflußt hat. Jeder soll zwei, drei Namen nennen.

• Was haben die Betreffenden getan, um euch zu helfen?

Schreiben Sie die Antworten der Jungen an die Tafel.

Arbeiten Sie heraus, daß jemand, der uns sehr hilft, –

  1. 1.

    sich die Zeit nimmt, uns zu helfen

  2. 2.

    sich wirklich um uns sorgt

  3. 3.

    uns etwas deutlich macht, was wir unbedingt wissen müssen

  4. 4.

    uns zuhört, ohne zu kritisieren, und sich überlegt, welche Gefühle uns bewegen.

Schreiben

Geben Sie jedem Jungen Papier und Bleistift; jeder soll aufschreiben: „Familie, Kirche, Freunde.“

Die Jungen sollen nun unter jedem Wort mehrere Möglichkeiten nennen, wie sie für Menschen aus der betreffenden Gruppe etwas tun können. Nach drei bis vier Minuten können sie ihre Gedanken mit den anderen besprechen.

Wir müssen unser Leben lang geben

Bild/Schriftstelle/Besprechen

• Warum beschenken wir einander zu Weihnachten? (Ein Geschenk ist ein Symbol für die Liebe Gottes, die sich darin zeigt, daß er uns seinen Sohn geschenkt hat.)

Lassen Sie einen Jungen Johannes 3:16 vorlesen, und erläutern Sie, daß Christus sein Leben lang in vorbildlicher Weise für andere da war. Zeigen Sie das Bild davon, wie Christus den Jüngern die Füße wäscht.

Lassen Sie einen Jungen Matthäus 20:27 vorlesen, und arbeiten Sie heraus, wie Christus seinen Jüngern durch sein Verhalten gezeigt hat, was Dienen bedeutet. Die Fußwaschung wurde zur damaligen Zeit nämlich nur von Hausdienern durchgeführt, aber Christus hat seinen Jüngern bereitwillig auf diese Weise gedient.

Lassen Sie einen Jungen Lukas 9:24 vorlesen.

• Wie verliert man sein Leben um Christi willen? (Indem man seine Mitmenschen mit der Hilfe und Führung des Heiligen Geistes so liebt und ihnen so dient, wie Jesus es getan hat.)

• Wie soll man reagieren, wenn jemand sich für eine freundliche Tat nicht bedankt und sie offenbar noch nicht einmal zu schätzen weiß?

Machen Sie den Jungen klar: Wenn man für andere etwas tut, so darf nicht die Absicht dahinterstehen, dafür Dank und Lob zu ernten.

Zitat/Besprechen

Lesen Sie das folgende Zitat von Präsident Spencer W. Kimball vor:

„Oft ist es nur eine kleine Hilfe oder eine bloße Aufmunterung, wenn wir für jemanden etwas tun, doch was kann eine kleine, aber bewußte Tat nicht Herrliches bewirken!“ („There is Purpose in Life“, New Era, September 1974, Seite 5.)

• Inwiefern kann man ein Werkzeug für den himmlischen Vater sein, indem man seinen Mitmenschen dient?

Besprechen

Sie die Antworten der Jungen. Sie können ihnen gegebenenfalls noch einige Anregungen geben: Dem kleinen Bruder oder der kleinen Schwester etwas vorlesen, einen Nachbarn freundlich anlächeln oder ein paar Worte mit ihm wechseln, jemandem in der Familie eine Arbeit abnehmen.

Berater

Weihnachtsgeschenke gibt es nur einmal im Jahr, von sich selbst kann man dagegen immer schenken, so lange man lebt. So wie das Evangelium nicht auf den Sonntagsgottesdienst beschränkt ist, so beschränkt sich auch der Dienst am Nächsten nicht auf eine einzige Tat, indem man beispielsweise einmal für eine ältere Schwester Unkraut jätet. Wir müssen unsere Mitmenschen vielmehr jeden Tag lieben und ihnen helfen. Als Priestertumsträger sind wir verpflichtet, jeden Tag von uns zu geben, indem wir unseren Mitmenschen dienen.

Vielleicht meinen wir manchmal, daß es immer etwas Großes und Eindrucksvolles sein muß, wenn man jemandem hilft. Aber schon kleine Taten können viel bewirken.

Zum Abschluß

Zitat

Lesen Sie das folgende Zitat vor:

„Dienen lernt man, indem man dient. Wenn wir unseren Mitmenschen dienen, helfen wir durch das, was wir tun, nicht nur ihnen; wir sehen auch unsere Probleme in einem neuen Licht. Wenn man sich nämlich mehr mit seinen Mitmenschen befaßt, hat man weniger Zeit, an sich selbst zu denken! Im Mittelpunkt des Dienens steht die Verheißung Jesu: Wer sich selbst verliert, der wird sich finden!“ (Spencer W. Kimball, „There Is Purpose in Life“, New Era, September 1974, Seite 4.)

Zeugnis und Auftrag

Bezeugen Sie, daß die Jungen ihre Mitmenschen glücklich machen können, indem sie ihnen dienen. Außerdem werden sie dadurch selbst glücklicher und zufriedener und vergessen darüber ihre eigenen Probleme.

Fordern Sie die Jungen auf, täglich etwas für jemanden zu tun und das im Tagebuch festzuhalten. Bei der nächsten Kollegiumsversammlung sollen sie berichten, was sie erlebt haben.

Kollegiumspräsidentschaft (freigestellt)

Die Kollegiumspräsidentschaften beziehungsweise die Assistenten des Bischofs können nun Pläne für ein Dienstprojekt vortragen. Sie können die Jungen aber auch selbst Vorschläge machen lassen.