Ehrlichkeit

Aaronisches Priestertum -- Leitfaden 3, 1996


Ziel

Die Jungen denken über sich nach und nehmen sich vor, in jeder Hinsicht ehrlich zu sein.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie gebeterfüllt Exodus 20:13–17 und Alma 7:20.

  2. 2.

    Sie brauchen:

    1. a)

      Die heiligen Schriften (jeder Junge soll seine heiligen Schriften mitbringen).

    2. b)

      Buntstifte zum Schriftstellenmarkieren.

Vorschlag für den unterrichtsablauf

Unehrlichkeit macht unglücklich; Ehrlichkeit schenkt inneren Frieden

Zitat/Besprechen

Geben Sie mit eigenen Worten wieder, was Elder Gordon B. Hinckley hier erzählt:

„Unter den vielen Briefen ohne Unterschrift, die ich immer wieder erhalte, war auch ein besonders interessanter. Er enthielt einen Zwanzigdollarschein und eine kurze Mitteilung, in der stand, daß der Schreiber vor vielen Jahren einmal an meine Tür gekommen sei. Als auf sein Klingeln niemand geöffnet habe, habe er die Klinke hinuntergedrückt und festgestellt, daß die Tür unverschlossen war. Daraufhin sei er eingetreten und habe sich umgeschaut. Auf einer Kommode habe er einen Zwanzigdollarschein gesehen und mitgenommen. Doch all die Jahre über habe sein Gewissen ihn belastet, und er gebe das Geld jetzt zurück.

Er zahlte keine Zinsen für die Zeit, in der er mein Geld genutzt hatte. Aber als ich seinen Brief las, mußte ich daran denken, wie hoch die ,Zinsen‘ waren, die er seit fast einem Vierteljahrhundert mit ständigen Gewissensbissen gezahlt hatte. Er hatte nicht eher Frieden gefunden, als bis er mir das Geld zurückgegeben hatte.“ (Generalkonferenz, April 1976.)

• Warum ist man unglücklich, wenn man unehrlich ist?

Zitat

Lesen Sie das folgende Zitat vor; hier wird deutlich, wie wichtig der Friede und die Freude sind, die einer rechtschaffenen Lebensführung entspringen:

„Manchmal gelingt einem unter bestimmten Voraussetzungen die Flucht – aus dem Gefängnis, vor falschen Freunden, aus schlechter oder langweiliger Gesellschaft, aus der alten Umgebung. Aber man kann niemals vor sich selbst fliehen. Wenn man sich abends niederlegt, ist man seinen Gedanken überlassen, ob es einem gefällt oder nicht. Und wenn man am Morgen aufwacht, sind sie da, ob es einem gefällt oder nicht. Das Beständigste im Leben (und gewiß auch im Tod) ist das Gewissen. Deshalb gibt es nichts Schlimmeres, als wenn man sich in der eigenen Gesellschaft nicht wohl fühlt, denn man kann sich selbst nicht entkommen, wie schnell und wie weit man auch laufen mag.“ (Richard L. Evans, Richard Evans‘ Quote Book, Salt Lake City, 1971, Seite 214.)

Berater

Machen Sie den Jungen bewußt, daß wir nicht unglücklich zu sein brauchen, wenn wir uns vom Heiligen Geist im Handeln und Denken so leiten lassen, daß wir Freude empfinden können. Wenn wir aber gegen den Geist des Herrn handeln, verlieren wir jedesmal ein Stück inneren Frieden und Glücklichsein.

Ehrlichkeit ist die Grundlage jeder zwischenmenschlichen Beziehung

Schriftstelle/Besprechen

Erklären Sie, daß Ehrlichkeit die Grundlage jeder zwischenmenschlichen Beziehung ist. Der größte Teil der Zehn Gebote handelt davon, wie wir in Frieden mit unseren Mitmenschen zusammenleben können.

Lassen Sie die Jungen Exodus 20:13–17 lesen und markieren.

• Inwiefern werden wir hier zu Ehrlichkeit aufgefordert? Welchen Wert mißt der Herr der Ehrlichkeit bei?

Berater

Erklären Sie, daß jede gute Beziehung auf gegenseitigem Vertrauen beruht. Länder schließen auf Vertrauensbasis Verträge miteinander. Wo kein Vertrauen herrscht, da verschlechtern sich die diplomatischen Beziehungen, der Handel und andere friedliche Unternehmungen. Das kann zu Krieg führen. Handel und diplomatische Beziehungen können nur dann wieder aufgenommen werden, wenn die Staaten einander erneut vertrauen.

Das gilt auch für die zwischenmenschlichen Beziehungen. Wir sind gern mit Menschen zusammen, denen wir vertrauen können, und bringen denen Achtung entgegen, die bewiesen haben, daß sie zu uns und zu anderen Menschen ehrlich sind. Wenn wir an die Menschen denken, die wir am meisten achten, wird uns sicher bewußt, daß es sich dabei gerade um diejenigen handelt, bei denen wir darauf vertrauen können, daß sie auch tun, was sie sagen, und ehrlich zu uns sind.

Besprechen

• Woher wißt ihr, ob ihr jemandem vertrauen könnt? (Durch Erfahrung im Umgang mit ihm.)

• Was für Erfahrungen habt ihr gemacht, die euch zeigen, daß ihr euren Eltern, dem Bischof und euren Freunden vertrauen könnt?

Lassen Sie die Jungen Erlebnisse erzählen, die ihnen geholfen haben, anderen Menschen zu vertrauen. Machen Sie deutlich, daß wir einem anderen Menschen auf jeden Fall wegen seiner Integrität vertrauen.

Schriftstelle/Besprechen

Zu den wichtigsten Eigenschaften des Herrn gehört, daß er sein Wort immer einhält.

Lassen Sie die Jungen Alma 7:20 lesen und markieren.

• Inwiefern macht dieser Vers deutlich, daß ihr auf den Herrn vertrauen könnt?

• Was bedeutet es für uns, daß der Herr nicht von dem abweicht, was er gesprochen hat?

• Was erfahrt ihr in diesem Vers darüber, wie ihr mit euren Mitmenschen umgehen sollt?

Die Jungen müssen wissen, daß wir deshalb auf den Herrn vertrauen, weil wir wissen, daß er ehrlich zu uns ist. Auch wir müssen zu unseren Mitmenschen ehrlich sein, damit sie uns vertrauen können.

Durch Ehrlichkeit machen wir uns bereit, dem Herrn zu dienen

Zitat

Durch Ehrlichkeit machen wir uns bereit, dem Herrn zu dienen. Niemand kann auf Mission Erfolg haben, wenn er nicht vorher Ehrlichkeit gelernt hat. Lesen Sie das folgende Zitat von N. Eldon Tanner vor:

„Es gibt keine wichtigere Charaktereigenschaft als Ehrlichkeit in allem, was man tut. … Leider muß ich sagen, daß wir erleben, daß sowohl Männer als auch Frauen lügen, um in den Tempel oder auf Mission gehen zu können. Der Herr hat aber gesagt, daß nichts Unreines den Tempel Gottes betreten darf (siehe LuB 97:15). Bei der Unterredung, die vor der Ausstellung des Tempelscheins oder der Missionsberufung steht, müssen wir uns vor Augen halten, daß der Bischof und der Pfahlpräsident den Herrn vertreten und wir unsere Antworten daher an den Herrn richten und uns auch ihm verpflichten. Der Herr weiß, ob wir die Wahrheit sagen, und er läßt keinen Spott mit sich treiben. …

Ein angehender Missionars muß sich bewußt machen, daß der Herr jemanden braucht, dem er voll und ganz vertrauen kann und der in jeder Hinsicht rein und würdig ist, ihn zu vertreten. Wenn Sie nicht würdig sind, dann nehmen Sie die Berufung nicht an; lügen Sie nicht, um auf Mission zu gehen, sondern machen Sie sich vielmehr durch Umkehr für diese Aufgabe bereit.“ (Generalkonferenz, April 1976.)

Besprechen

• Warum ist es so wichtig, daß man seine Priestertumsführer nicht anlügt?

Betonen Sie, wie wichtig es ist, daß die Jungen würdig bleiben, damit sie auf Mission gehen können.

Beispiel/Besprechen

Erklären Sie, daß einer der Führer des Herrn in Südamerika schon als Kind Ehrlichkeit gelernt hat. Erzählen Sie dazu folgendes:

„Als Ben Pantoja aus Santiago in Chile sechs Jahre alt war, fuhren seine Eltern einmal in die nahegelegene Stadt, um Lebensmittel einzukaufen. Während sie fort waren, sagte Bens achtjähriger Bruder: ,Komm, wir holen uns ein Eis.‘

Ein Eis war für Ben und seine kleine Schwester Mercedes etwas ganz Besonderes. Sie fragten ihren Bruder, woher sie denn das Geld für das Eis nehmen sollten. Da antwortete er, der Vater habe gesagt, sie könnten dafür Geld aus dem Kästchen nehmen, in dem das Haushaltsgeld aufbewahrt wurde. Ben wußte zwar tief im Innern, daß das nicht stimmte, aber die Vorfreude auf das Eis siegte über sein Gewissen.

Also kauften sie das Eis. Als die Eltern wieder nach Hause kamen, öffnete Bens Mutter das Kästchen, um das Wechselgeld hineinzulegen. Sie merkte natürlich sofort, daß Geld fehlte. Da befragte sie die Kinder, und so kam die Wahrheit ans Licht.

Damals nahm Ben Pantoja sich fest vor, nie wieder unehrlich zu sein und niemals gegen sein Gewissen zu handeln. Heute gehört er zu den erwählten Führern des Herrn in Südamerika, denn er ist diesem Entschluß immer treu geblieben.“ (Lynn Mickelsen, „Stretching the Truth“, New Era, April 1992, Seite 4.)

• Wie hat diese Entscheidung in der Kindheit Ben Pantoja wohl auf seine Führungsaufgaben in der Kirche vorbereitet?

Zum Abschluß

Berater

Erklären Sie, daß der himmlische Vater uns die Möglichkeit gibt, so wie er zu werden und schließlich selbst Gott zu sein. Niemand darf meinen, er könne wie der himmlische Vater werden, ohne zu seinen Mitmenschen und zu sich selbst ehrlich zu sein.

Zeugnis/Auftrag

Geben Sie Zeugnis davon, wie wichtig Ehrlichkeit für Sie ist. Fordern Sie die Jungen auf, darüber nachzudenken, wie ehrlich sie selbst sind, und sich zu bemühen, noch ehrlicher zu werden, indem sie auf die Eingebungen des Heiligen Geistes hören.