Der Fall Adams

Aaronisches Priestertum -- Leitfaden 3, 1996


Ziel

Jeder Junge lernt, was in den heiligen Schriften über den Fall Adams und dessen Folgen steht.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie gebeterfüllt 2 Nephi 2:5–18,22–25; 9; Lehre und Bündnisse 29:39–41; 93:38,39; Mose 2:28; 3:15–17; 4:5–12; 5:10–12 und Abraham 3:25.

  2. 2.

    Sie brauchen:

    1. a)

      Die heiligen Schriften (jeder Junge soll seine heiligen Schriften mitbringen).

    2. b)

      Buntstifte zum Schriftstellenmarkieren.

    3. c)

      Bild 2, „Adam und Eva“ (62461 150).

Vorschlag für den unterrichtsablauf

Einleitung

Fragen Sie die Jungen, was sie antworten würden, wenn jemand sagte: „Adam und Eva sind an allem schuld, was wir im Leben durchzumachen haben. Wenn sie nicht gesündigt hätten, dann ginge es uns viel besser. Es gäbe weder Dornen noch Unkraut, weder Krankheit noch Tod. Wir wären nicht aus Gottes Gegenwart verbannt worden. Es ist einfach nicht gerecht, daß wir nur ihretwegen soviel leiden müssen.“

Geben Sie den Jungen einige Minuten Zeit, sich dazu zu äußern.

Schriftstelle/Bilder/Besprechen

Zeigen Sie Bild 2, „Adam und Eva“.

• Was wäre geschehen, wenn Adam und Eva im Garten von Eden nicht von der verbotenen Frucht gegessen hätten?

Lassen Sie mehrere Jungen 2 Nephi 2:22–25 und Mose 5:10–12 vorlesen.

Arbeiten Sie heraus: Wenn Adam und Eva nicht von der verbotenen Frucht gegessen hätten, –

  1. 1.

    hätten sie keine Kinder bekommen können; wir wären also gar nicht auf die Erde gekommen, um einen irdischen Körper zu erhalten

  2. 2.

    hätten sie nicht den Unterschied zwischen Gut und Böse gekannt, und infolgedessen hätte niemand Gutes oder Böses tun können noch Freude und Schmerz gekannt, und niemand hätte lernen können, trotz Widerstands gehorsam zu sein

  3. 3.

    hätten sie sich nicht über ihre Errettung beziehungsweise Erlösung freuen können; hätte es den Fall Adams nicht gegeben, so wäre auch kein Sühnopfer notwendig gewesen, und wir hätten keinen Fortschritt machen können

Da der Fall Adams ein notwendiger Schritt im Erlösungsplan war, heißt es in den heiligen Schriften auch: „Der Tod [ist] über alle Menschen gekommen, um den barmherzigen Plan des großen Schöpfers zu erfüllen.“ (2 Nephi 9:6.)

Der Fall Adams

Schriftstelle/Besprechen

Als Adam und Eva im Garten von Eden lebten, gab der Herr ihnen zwei Gebote. Lassen Sie die Jungen die folgenden Verse lesen und in jedem Gebot die wichtigen Wörter markieren.

Lassen Sie einen Jungen Mose 2:28 vorlesen.

• Was gebot der Herr Adam und Eva? (Daß sie Kinder haben sollten.)

Lassen Sie einen Jungen Mose 3:15–17 vorlesen.

• Was bedeutete dieses Gebot für Adam und Eva? (Wenn sie von der verbotenen Frucht aßen, wurden sie sterblich beziehungsweise waren sie dem zeitlichen und dem geistigen Tod unterworfen.)

Berater

Der Satan, der sich gegen Gott aufgelehnt hatte und deswegen aus seiner Gegenwart ausgestoßen worden war, durfte auf die Erde kommen. Hier bemüht er sich, „die Menschen zu täuschen und zu verblenden und sie nach seinem Willen gefangenzuführen, ja, alle, die nicht auf [Gottes] Stimme hören wollen“ (Mose 4:4). Als Adam und Eva die beiden genannten Gebote erhalten hatten, wurden sie vom Satan dazu verleitet, von der verbotenen Frucht zu essen.

Schriftstelle/Besprechen

Lassen Sie die Jungen 2 Nephi 2:15–18 und Mose 4:5–12 lesen und markieren.

• In Mose 4:6 heißt es, der Satan habe danach getrachtet, „Eva zu verleiten“. Was bedeutet „verleiten“? (In die Irre führen, durch eine Lüge verführen.)

• Wie hat der Satan Eva verleitet? (Er erklärte ihr, daß sie Gut und Böse erkennen, aber nicht sterben werde.)

• Wie verleitet der Satan uns heute?

Die Folgen des Falls

Besprechen

• Was bewirkte der Fall Adams?

Arbeiten Sie mit den Jungen folgendes heraus:

  1. 1.

    Adam und Eva erhielten die Fähigkeit, sich fortzupflanzen.

  2. 2.

    Adam und Eva gelangten durch eigene Erfahrung zur Erkenntnis von Gut und Böse.

  3. 3.

    Ihr Körper war dem Verfall ausgesetzt, was schließlich zum physischen Tod führte.

  4. 4.

    Sie wurden aus der Gegenwart Gottes verbannt, erlitten also den geistigen Tod.

Tafel/Besprechen/Berater

Schreiben Sie die folgenden Punkte an geeigneter Stelle des Unterrichtsgesprächs an die Tafel; nutzen Sie zu jedem Punkt die nachstehenden Erläuterungen.

Vor dem Fall

Nach dem Fall

1. Keine Fortpflanzung

1. Fortpflanzung

2. Keine Erkenntnis von Gut und Böse

2. Erkenntnis von Gut und Böse in einer Welt voller Gegensätze

3. Kein physischer Tod (Unsterblichkeit)

3. Physischer Tod

4. Kein geistiger Tod (Leben in der Gegenwart Gottes)

4. Geistiger Tod

Die Zeugungsfähigkeit

Vor dem Fall konnten Adam und Eva keine Kinder bekommen. Deshalb aß Adam von der verbotenen Frucht: „Adam fiel, damit Menschen sein können.“ (2 Nephi 2:25.) Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: „Adam wurde geschaffen, um der Welt den Weg aufzutun.“ (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 14.) Indem Adam von der verbotenen Frucht aß, öffnete er uns den Weg in die Sterblichkeit.

Nach dem Fall erfüllten Adam und Eva das Gebot Gottes, sich zu vermehren und die Erde zu füllen, und „sie haben Kinder zur Welt gebracht, ja, die menschliche Familie der ganzen Erde“ (2 Nephi 2:20).

Erkenntnis von Gut und Böse

Ein wichtiger Zweck des Erdenlebens besteht darin, daß Gottes Kinder beweisen sollen, „ob sie alles tun werden, was immer auch der Herr, ihr Gott, ihnen gebietet“ (Abraham 3:25). Damit die Menschen unter Beweis stellen können, daß sie alles tun, was Gott ihnen gebietet, muß der Satan die Menschen in Versuchung führen und für Gegensätze sorgen können, denn sonst wäre eine freie Entscheidung ja überhaupt nicht möglich. Erkenntnis von Gut und Böse erlangt man nur durch Gegensätze, nämlich dort, wo Schlechtigkeit und Rechtschaffenheit, Gut und Böse, Verweslichkeit und Unverweslichkeit, Glücklichsein und Elend, Bitteres und Süßes einander gegenüberstehen. (Siehe 2 Nephi 2:11,12.)

Weil Adam und Eva von der verbotenen Frucht aßen, gingen ihnen die Augen auf, und die Gegensätze wurden ihnen bewußt. Der Herr selbst hat gesagt: „Der Mensch ist geworden wie unsereiner im Erkennen von Gut und Böse.“ (Mose 4:28.)

Der Baum, von dem die verbotene Frucht stammte, war der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse; wer davon aß, dem eröffnete sich nämlich der Weg in eine Welt voller Gegensätze, wo er dann aus eigener Erfahrung Gut und Böse unterscheiden lernen konnte.

Der physische Tod

Der physische beziehungsweise zeitliche Tod kam infolge des Falls in die Welt. Wegen des Falls müssen alle Menschen und alle Lebensformen auf der Erde den physischen Tod, also die Trennung von Körper und Geist, erleiden.

Der geistige Tod

Schriftstelle/Besprechen

Im Garten von Eden lebten Adam und Eva in der Gegenwart Gottes. Sie wandelten und sprachen mit Gott.

Lassen Sie die Jungen Lehre und Bündnisse 29:39–41 lesen und markieren.

• Wem unterwarfen sich Adam und Eva, als sie der Versuchung des Satans nachgaben? (Sie unterwarfen sich dem Satan und wurden aus der Gegenwart Gottes ausgestoßen.)

Erläutern Sie: Wir sprechen vom „geistigen Tod“, weil niemand im Zustand der Übertretung in Gottes Gegenwart leben kann. Präsident Joseph F. Smith hat den geistigen Tod folgendermaßen erklärt:

„Als unser Stammvater Adam von der verbotenen Frucht aß, das Gesetz Gottes damit übertrat und sich dadurch dem Satan unterordnete, wurde er aus der Gegenwart Gottes ausgestoßen und in die geistige Finsternis geworfen. Das war der erste Tod. Adam lebte und war doch tot – tot in dem Sinne, daß er für Gott und für Licht und Wahrheit tot war, nämlich geistig tot, aus der Gegenwart Gottes verbannt. Die unmittelbare Verbindung mit dem Vater und dem Sohn war abgeschnitten, Adam war völlig aus der Gegenwart Gottes ausgestoßen, so wie es mit dem Satan und dessen Anhängern geschehen war. Das war der geistige Tod.“ (Gospel Doctrine, Salt Lake City, 1939, Seite 432.)

Der Fall Adams und die Umkehr

Schriftstelle/Besprechen

Lassen Sie die Jungen Lehre und Bündnisse 93:38–39 lesen und markieren.

• Was bedeutet „schuldlos“? (Frei von Sünde und von Bösem, unter keinerlei Verdammnis.)

Ehe Adam und Eva im Garten von Eden das Gebot des Herrn übertraten, waren sie schuldlos. Doch wegen ihres Ungehorsams verloren sie ihre Schuldlosigkeit und wurden sündig. Nun mußten sie durch das Sühnopfer aus ihrem gefallenen Zustand erlöst werden; Voraussetzung dafür war allerdings, daß sie Umkehr übten. Auch wir sündigen, und auch wir können nur durch Umkehr und das Sühnopfer Jesu Christi erlöst werden.

• Wie werden auch wir laut Lehre und Bündnisse 93:38–39 dem Satan unterworfen und fallen von unserem reinen und schuldlosen Zustand? (Durch Ungehorsam und wegen der falschen Überlieferungen und Lehren derjenigen, die uns unterweisen.)

• Wie können wir die Auswirkungen unseres Falls überwinden? (Wir können Umkehr üben, und zwar dank dem Sühnopfer Jesu Christi.)

Der Fall war ein großer Segen

Besprechen

• Sollen wir uns über den Fall Adams freuen oder ihn bedauern? Warum?

Machen Sie den Jungen bewußt, daß der Fall Adams im Erlösungsplan genauso notwendig war wie das Sühnopfer Jesu Christi. Ohne den Fall würden wir heute nicht auf der Erde leben, und wir hätten auch keinen Erlöser gebraucht. Ohne den Fall wären wir nicht sterblich geworden und hätten nie die Fülle der Freude gekannt, die man mit einem sterblichen Körper und durch die Wahlmöglichkeit zwischen Gut und Böse empfangen kann.

Zitat/Besprechen

Präsident Brigham Young hat erklärt, wie wir den Fall Adams verstehen müssen:

„Manche mögen bedauern, daß unsere ersten Eltern gesündigt haben. Das ist Unsinn. Wenn sie nicht gesündigt hätten, und wir wären dort gewesen, dann hätten wir gesündigt. Ich werfe Adam und Eva nichts vor. Warum nicht? Weil die Sünde notwendigerweise in die Welt kommen mußte, denn niemand hätte jemals das Prinzip der Erhöhung verstanden, wenn es keinen Gegensatz dazu gegeben hätte; niemand kann Erhöhung empfangen, wenn er nicht das Gegenteil kennenlernt. Inwiefern haben Adam und Eva gesündigt? Haben sie sich direkt gegen Gott und seine Herrschaft aufgelehnt? Nein. Sie übertraten ein Gebot des Herrn, und durch diese Übertretung kam die Sünde in die Welt. Der Herr wußte, daß sie übertreten würden; er hatte es auch so vorgesehen.“ (Discourses of Brigham Young, Hg. John A. Widtsoe, Salt Lake City, 1941, Seite 103.)

• Adam und Eva haben ein Gesetz Gottes übertreten, der Satan hingegen hat sich offen gegen Gott aufgelehnt. Worin unterscheiden sich das Übertreten eines Gesetzes Gottes und die offene Auflehnung gegen Gott? (Sie unterscheiden sich in der Einstellung beziehungsweise dem Beweggrund. Der Satan hat sich gegen Gott aufgelehnt, um dessen Absichten zu durchkreuzen, während Adam und Eva ein Gebot Gottes übertreten haben, um ein anderes halten zu können.)

• In vielen Religionen werden Adam und Eva als sündige, schlechte Menschen dargestellt. Aber wir wissen um die Bedeutung ihrer Übertretung. Was für eine Einstellung müsser wir daher haben? (Wir müssen ihnen dafür dankbar sein, daß sie uns das Leben in der Sterblichkeit ermöglicht haben. Für uns gehören Adam und Eva zu den wichtigsten und rechtschaffensten Menschen, die je auf der Erde gelebt haben.)

Zum Abschluß

Schriftstelle/Zitat

Betonen Sie, daß Adam und Eva ihren Fall als großen Segen betrachtet haben. Lassen Sie einen Jungen noch einmal Mose 5:10–12 vorlesen.

Präsident Joseph Fielding Smith hat ebenfalls vom Fall Adams Zeugnis gegeben:

„Als Adam aus dem Garten von Eden vertrieben wurde, sprach der Herr das Urteil über ihn. Manche sehen etwas Furchtbares in diesem Urteil, allerdings ganz zu Unrecht, denn es war eigentlich ein Segen. Meiner Meinung nach darf man noch nicht einmal annehmen, daß es sich überhaupt um eine Strafe gehandelt hat. …

Der Fall des Menschen war viel eher ein Segen; er hat nämlich die Absichten Gottes in bezug auf den Fortschritt des Menschen eher gefördert als behindert.“ (Doctrines of Salvation, Hg. Bruce R. McConkie, Salt Lake City, 1954–1956, 1:113,114.)

Auftrag

Fordern Sie die Jungen auf, 2 Nephi 2 und 9, wo vom Fall Adams berichtet wird, noch einmal zu lesen und sich bewußt zu machen, wie barmherzig und gerecht der Erlösungsplan des Herrn ist.