Grundlegende Lehren

Grundlegende Lehren, (2012), 1–3


Die grundlegenden Lehren sollen sowohl im Seminar‑ als auch im Institutsunterricht hervorgehoben werden. Der Lehrer hat die Aufgabe, den Schülern zu helfen, dass sie diese Lehren des Evangeliums erkennen und verstehen, dass sie daran glauben, sie erklären und sie anwenden. So hilft er den Schülern, ihr Zeugnis zu festigen und für das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi in größerem Maße dankbar zu sein. Wenn sich die Schüler eingehend mit diesen Lehren befassen, sind sie besser dazu in der Lage, diese wichtigen Wahrheiten selbst zu lehren.

Die meisten der 100 Lernschriftstellen, die für das Seminar- und Institutsprogramm ausgewählt wurden, dienen dazu, den Schülern das Verständnis der grundlegenden Lehren zu erleichtern. Die meisten der Schriftstellen, die als zusätzliche Quellen angegeben werden, sind Lernschriftstellen. Sie werden hier aufgeführt, um aufzuzeigen, wie sie mit den grundlegenden Lehren zusammenhängen.

1. Die Gottheit

Die Gottheit besteht aus drei einzelnen Personen: Gott, dem ewigen Vater, seinem Sohn Jesus Christus und dem Heiligen Geist (siehe Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:15‑20). Der Vater und der Sohn haben einen fühlbaren Körper aus Fleisch und Gebein, der Heilige Geist hingegen ist eine Person aus Geist (siehe LuB 130:22,23). Sie sind eins in ihren Absichten und in der Lehre. Sie sind sich völlig einig darin, den Erlösungsplan des himmlischen Vaters auszuführen.

Gottvater

Gottvater ist der oberste Herrscher des Universums. Er ist der Vater unseres Geistes (siehe Hebräer 12:9). Er ist vollkommen, hat alle Macht und weiß alles. Er ist auch ein Gott vollkommener Barmherzigkeit, Güte und Milde.

Jesus Christus

Jesus Christus ist der Erstgeborene des Vaters im Geist und sein Einziggezeugter im Fleisch. Er ist der Jehova des Alten Testaments und der Messias des Neuen Testaments.

Jesus Christus führte ein Leben ohne Sünde und brachte ein vollkommenes Sühnopfer für die Sünden aller Menschen dar (siehe Alma 7:11‑13). Sein Leben ist das vollkommene Beispiel dafür, wie alle Menschen leben sollen (siehe Johannes 14:6; 3 Nephi 12:48). Er war der erste Mensch auf Erden, der vom Tod auferstand (siehe 1 Korinther 15:20‑22). Er wird in Macht und Herrlichkeit wiederkehren und während des Millenniums auf der Erde regieren.

Alle Gebete, Segnungen und heiligen Handlungen des Priestertums sollen im Namen Jesu Christi geschehen (siehe 3 Nephi 18:15,20,21).

Weitere Schriftstellen: Helaman 5:12;LuB 19:23; LuB 76:22‑24

Der Heilige Geist

Der Heilige Geist ist das dritte Mitglied der Gottheit. Er ist eine Gestalt aus Geist und hat keinen Körper aus Fleisch und Gebein. Er wird oft der Geist, der Geist Gottes, der Geist des Herrn oder der Tröster genannt.

Der Heilige Geist gibt Zeugnis vom Vater und vom Sohn, offenbart alle Wahrheit und heiligt diejenigen, die umkehren und sich taufen lassen (siehe Moroni 10:4,5).

Weitere Schriftstellen: Galater 5:22,23; LuB 8:2,3

2. Der Erlösungsplan

Im vorirdischen Dasein stellte der himmlische Vater einen Plan vor, der es uns ermöglicht, wie er zu werden und Unsterblichkeit und ewiges Leben zu erlangen (siehe Mose 1:39). In den heiligen Schriften wird dieser Plan als Plan der Errettung oder als großer Plan des Glücklichseins bezeichnet, als Plan der Erlösung oder Plan der Barmherzigkeit.

Er umfasst die Schöpfung, den Fall, das Sühnopfer Jesu Christi und alle Gesetze, Verordnungen und Lehren des Evangeliums. Die Entscheidungsfreiheit – die Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen und dementsprechend zu handeln – ist ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil im Plan des himmlischen Vaters (siehe 2 Nephi 2:27). Aufgrund dieses Planes können wir durch das Sühnopfer vervollkommnet werden, eine Fülle der Freude empfangen und für immer in der Gegenwart Gottes leben (siehe 3 Nephi 12:48). Unsere familiären Beziehungen können in Ewigkeit fortbestehen.

Weitere Schriftstellen: Johannes 17:3; LuB 58:27

Vorirdisches Leben

Bevor wir zur Welt gekommen sind, haben wir in der Gegenwart des himmlischen Vaters als seine Geistkinder gelebt (siehe Abraham 3:22,23). In diesem Dasein vor unserer Geburt nahmen wir an einer Ratsversammlung mit seinen anderen Geistkindern teil. Bei dieser Ratsversammlung stellte der Vater im Himmel seinen Plan vor, und der vorirdische Jesus Christus gelobte, er werde der Erretter sein.

Wir nahmen von der Entscheidungsfreiheit Gebrauch und entschlossen uns, dem Plan des himmlischen Vaters zu folgen. Wir bereiteten uns vor, auf die Erde zu kommen, wo wir weiter Fortschritt machen konnten.

Wer dem himmlischen Vater und Jesus Christus folgte, durfte zur Erde kommen, um als sterblicher Mensch Erfahrungen zu sammeln und Fortschritt hin zum ewigen Leben zu machen. Luzifer, ein weiterer Geistsohn Gottes, lehnte sich gegen den Plan auf. Er wurde der Satan. Er und seine Anhänger wurden aus dem Himmel ausgestoßen und bekamen weder einen physischen Körper noch die Gelegenheit, auf der Erde zu leben.

Weitere Schriftstelle:Jeremia 1:4,5

Die Schöpfung

Jesus Christus schuf Himmel und Erde auf Weisung des Vaters im Himmel. Die Erde wurde nicht aus dem Nichts erschaffen, sondern aus vorhandener Materie geformt. Jesus Christus hat Welten ohne Zahl erschaffen (siehe LuB 76:22‑24).

Die Erschaffung der Erde war wesentlich für Gottes Plan. Damit wurde ein Ort bereitet, wo wir einen physischen Körper erhalten, geprüft werden und göttliche Eigenschaften entwickeln können.

Wir müssen das, was die Erde hervorbringt, mit Weisheit, Urteilsvermögen und voller Dankbarkeit gebrauchen (siehe LuB 78:19).

Adam war der erste Mensch, der auf Erden erschaffen wurde. Gott erschuf Adam und Eva als sein Abbild. Alle Menschen – Mann und Frau – sind als Abbild Gottes erschaffen. (Siehe Genesis 1:26,27.)

Der Fall

Gott gebot Adam und Eva im Garten von Eden, nicht von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen; wenn sie davon äßen, hätte das den geistigen und den körperlichen Tod zur Folge. Der geistige Tod ist die Trennung von Gott. Der körperliche Tod ist die Trennung des Geistes vom irdischen Körper. Weil Adam und Eva das Gebot Gottes übertraten, wurden sie aus seiner Gegenwart verstoßen und wurden sterblich. Adams und Evas Übertretung und die sich daraus ergebenden Veränderungen (wie der geistige und körperliche Tod) werden der Fall genannt.

Infolge des Falls konnten Adam und Eva und ihre Nachkommen Freude und Leid sowie Gut und Böse erfahren und Kinder bekommen (siehe 2 Nephi 2:25). Weil wir Nachkommen Adams und Evas sind, haben wir den gefallenen Zustand in diesem irdischen Leben geerbt. Wir sind von der Gegenwart des Herrn abgeschnitten und dem körperlichen Tod unterworfen. Wir werden außerdem durch die Schwierigkeiten des Lebens und die Versuchungen des Widersachers geprüft. (Siehe Mosia 3:19.)

Der Fall ist im Erlösungsplan des himmlischen Vaters von entscheidender Bedeutung. Er bewirkt zweierlei: Er erniedrigt den Menschen, bringt ihn aber auch voran. Er hat nicht nur den körperlichen und den geistigen Tod über uns gebracht, sondern ermöglicht uns auch, auf der Erde geboren zu werden, zu lernen und Fortschritt zu machen.

Das Erdenleben

Das irdische Leben ist eine Zeit des Lernens, in der wir uns auf das ewige Leben vorbereiten und zeigen können, dass wir unsere Entscheidungsfreiheit dazu nutzen, alles zu tun, was der Herr uns geboten hat. Während wir auf der Erde sind, sollen wir einander lieben und dienen (siehe Mosia 2:17; Moroni 7:45,47,48).

Im irdischen Leben sind unser Geist und unser Körper eins, und wir können dadurch wachsen und uns in einer Weise entwickeln, wie es im vorirdischen Leben nicht möglich war. Unser Körper ist ein wichtiger Bestandteil des Erlösungsplans. Wir sollen ihn als ein Geschenk unseres himmlischen Vaters ansehen und daher achten (siehe 1 Korinther 6:19,20).

Weitere Schriftstellen: Josua 24:15; Matthäus 22:36‑39; 2 Nephi 28:7‑9; Alma 41:10; LuB 58:27

Das Leben nach dem Tod

Wenn wir sterben, tritt unser Geist in die Geisterwelt ein, wo er auf die Auferstehung wartet. Der Geist der Rechtschaffenen wird in einen Zustand des Glücklichseins aufgenommen, den man das Paradies nennt. Viele der Getreuen werden das Evangelium verkündigen, und zwar denjenigen, die im Gefängnis der Geister sind.

Das Gefängnis der Geister ist der Ort, wo sich diejenigen vorübergehend aufhalten, die gestorben sind, ohne die Wahrheit zu kennen, oder die auf Erden ungehorsam waren. Dort werden die Geister im Evangelium unterwiesen und erhalten Gelegenheit, umzukehren und errettende heilige Handlungen anzunehmen, die für sie im Tempel vollzogen werden (siehe 1 Petrus 4:6). Diejenigen, die das Evangelium annehmen, werden dann bis zur Auferstehung im Paradies bleiben.

Die Auferstehung ist die Wiedervereinigung unseres Geistkörpers mit unserem Körper aus Fleisch und Knochen, der vollkommen gemacht werden wird (siehe Lukas 24:36-39). Nach der Auferstehung werden Geist und Körper nie mehr getrennt werden. Wir sind dann unsterblich. Jeder auf der Erde geborene Mensch wird auferstehen, weil Jesus Christus den Tod überwunden hat (siehe 1 Korinther 15:20-22). Die Rechtschaffenen werden vor den Schlechten auferstehen und in der Ersten Auferstehung hervorkommen.

Das Jüngste Gericht findet nach der Auferstehung statt. Jesus Christus wird jeden Menschen richten. Er legt fest, welche Herrlichkeit jeder Mensch in der Ewigkeit empfängt. Sein Urteil gründet sich darauf, wie gehorsam man gegenüber Gottes Geboten war (siehe Offenbarung 20:12; Mosia 4:30).

Es gibt drei Reiche der Herrlichkeit (siehe 1 Korinther 15:40-42). Der höchste davon ist das celestiale Reich. Diejenigen, die im Zeugnis von Jesus tapfer sind und die Grundsätze des Evangeliums befolgen, werden im celestialen Reich in der Gegenwart Gottvaters und seines Sohnes Jesus Christus wohnen (siehe LuB 131:1‑4).

Das zweite der drei Reiche der Herrlichkeit ist das terrestriale Reich. In diesem Reich werden sich diejenigen befinden, die auf der Erde zwar ehrenhafte Menschen waren, jedoch im Zeugnis von Jesus nicht tapfer waren.

Das telestiale Reich ist das niedrigste der drei Reiche der Herrlichkeit. In dieses Reich werden diejenigen eingehen, deren Entscheidungen im irdischen Leben nicht rechtschaffen, sondern schlecht waren. Sie werden ihre Herrlichkeit erhalten, nachdem sie aus dem Gefängnis der Geister erlöst worden sind.

Weitere Schriftstelle: Johannes 17:3

3. Das Sühnopfer Jesu Christi

Sühnen bedeutet, die Strafe für Sünde zu erleiden. Dadurch wird der Sünder, der umgekehrt ist, von den Folgen der Sünde befreit und kann mit Gott versöhnt werden. Jesus Christus ist der einzige Mensch, der ein vollkommenes Sühnopfer für die gesamte Menschheit vollbringen konnte. Zu seinem Sühnopfer gehörte, dass er im Garten Getsemani für die Sünden aller Menschen litt, dass er sein Blut vergoss, dass er am Kreuz litt und starb und dass er aus dem Grab auferstand (siehe Lukas 24:36-39; LuB 19:16-19). Der Erlöser konnte das Sühnopfer vollbringen, weil er frei von Sünde war und Macht über den Tod besaß. Von seiner sterblichen Mutter erbte er die Fähigkeit zu sterben. Von seinem unsterblichen Vater hingegen erbte er die Macht, sein Leben wieder aufzunehmen.

Durch die Gnade, die durch das Sühnopfer des Erretters bewirkt worden ist, werden alle Menschen auferstehen und unsterblich gemacht werden. Durch das Sühnopfer Jesu Christi können wir auch das ewige Leben erlangen (siehe Moroni 7:41). Um diese Gabe zu erhalten, müssen wir nach dem Evangelium Jesu Christi leben. Dazu gehört, dass man Glauben an Christus hat, von seinen Sünden umkehrt, sich taufen lässt, die Gabe des Heiligen Geistes erhält und bis ans Ende ausharrt (siehe Johannes 3:5).

Mit dem Sühnopfer litt Jesus Christus nicht nur für unsere Sünden, sondern er nahm auch die Qualen, Krankheiten und Schwächen aller Menschen auf sich (siehe Alma 7:11‑13). Er versteht unser Leid, weil er es am eigenen Leib erfahren hat. Seine Gnade – seine befähigende Macht – gibt uns Kraft, damit wir unsere Lasten tragen und Aufgaben erfüllen können, die wir aus eigener Kraft nicht bewältigen könnten (siehe Matthäus 22:28‑30; Philipper 4:13; Ether 12:27).

Weitere Schriftstellen: Johannes 3:5; Apostelgeschichte 3:19‑21

Glaube an Jesus Christus

Glaube ist die Hoffnung „auf etwas, was man nicht sieht, was aber wahr ist“ (Alma 32:21; siehe auch Ether 12:6). Es ist eine Gabe von Gott.

Unser Glaube muss sich auf Jesus Christus gründen, damit wir durch ihn errettet werden können. Glauben an Jesus Christus zu haben bedeutet, dass man vorbehaltlos auf ihn und sein Sühnopfer, seine Macht und seine Liebe vertraut. Dazu gehört auch, dass man an seine Lehren glaubt und darauf vertraut, dass er alles weiß, auch wenn wir selbst nicht alles verstehen können (siehe Sprichwörter 3:5,6; LuB 6:36).

Glaube ist mehr, als etwas lediglich für wahr zu halten – er zeigt sich darin, wie wir leben (siehe Jakobus 2:17,18). Der Glaube wächst, wenn man betet, die heiligen Schriften studiert und die Gebote Gottes befolgt.

Die Heiligen der Letzten Tage glauben außerdem an Gottvater, an den Heiligen Geist, an die Macht des Priestertums und an weitere wichtige Aspekte des wiederhergestellten Evangeliums. Der Glaube hilft uns, geistig und körperlich Heilung zu erlangen. Er verleiht uns auch die Kraft, vorwärtszustreben, uns Schwierigkeiten zu stellen und Versuchungen zu überwinden (siehe 2 Nephi 31:19,20. Der Herr wird gemäß unserem Glauben große Wunder in unserem Leben wirken.

Durch Glauben an Jesus Christus können wir Vergebung für unsere Sünden erlangen und dereinst in der Gegenwart Gottes wohnen.

Weitere Schriftstelle: Matthäus 11:28‑30

Umkehr

Die Umkehr ist eine Wandlung von Herz und Sinn, die eine neue Einstellung zu Gott, zu sich selbst und zur Welt mit sich bringt. Dazu gehört, dass wir uns von Sünde abwenden und Gott um Vergebung bitten. Die Liebe zu Gott und der aufrichtige Wunsch, seine Gebote zu halten, bewegen uns zur Umkehr.

Unsere Sünden machen uns unrein und daher unwürdig, in die Gegenwart des himmlischen Vaters zurückzukehren und dort zu leben. Mit dem Sühnopfer Jesu Christi hat der himmlische Vater den einzigen Weg bereitet, dass uns unsere Sünden vergeben werden können (siehe Jesaja 1:18).

Zur Umkehr gehört, dass man die begangenen Sünden bereut, dass man diese dem himmlischen Vater und – falls erforderlich – auch anderen bekennt, von ihnen ablässt, sich bemüht, so weit wie möglich Schaden, den man durch die Sünde angerichtet hat, wiedergutzumachen, und dass man ein Leben lang die Gebote Gottes hält (siehe LuB 58:42,43).

Weitere Schriftstellen: Jesaja 53:3‑5; Johannes 14:6; 2 Nephi 25:23,26; LuB 18:10,11; LuB 19:23; LuB 76:40,41

4. Evangeliumszeiten, Abfall vom Glauben und Wiederherstellung

Die Evangeliumszeiten

Eine Evangeliumszeit ist eine Zeit, in der der Herr die Lehren und Verordnungen seines Evangeliums sowie sein Priestertum offenbart. Es ist eine Zeit, in der der Herr mindestens einen bevollmächtigten Diener auf der Erde hat, der das heilige Priestertum trägt und der von Gott den Auftrag hat, das Evangelium zu verkünden und die heiligen Handlungen zu vollziehen. Wir befinden uns in der letzten Evangeliumszeit – in der Evangeliumszeit der Fülle der Zeiten – die begann, als das Evangelium Joseph Smith offenbart wurde.

Frühere Evangeliumszeiten sind nach Adam, Henoch, Noach, Abraham, Mose und Jesus Christus benannt. Darüber hinaus gab es noch weitere Evangeliumszeiten, beispielsweise bei den Nephiten und den Jarediten. Der Erlösungsplan und das Evangelium Jesu Christi wurden in jeder Evangeliumszeit offenbart und verkündet.

Der Abfall vom Glauben

Wenn sich die Menschen von den Grundsätzen des Evangeliums abwenden und die Schlüssel des Priestertums nicht innehaben, sind sie vom Glauben abgefallen.

Im Lauf der Weltgeschichte hat es immer wieder Zeiten gegeben, in denen ein allgemeiner Abfall vom Glauben stattgefunden hat. Ein Beispiel dafür ist der große Abfall vom Glauben, der eintrat, nachdem der Erretter seine Kirche aufgerichtet hatte (siehe 2 Thessalonicher 2:1-3). Nach dem Tod der Erretters und der Apostel wurden die Grundsätze des Evangeliums verfälscht und die Organisation der Kirche und die heiligen Handlungen des Priestertums unbefugt geändert. Wegen dieses Übels, das weit um sich griff, nahm der Herr die Vollmacht und die Schlüssel des Priestertums von der Erde fort.

Während des großen Abfalls vom Glauben waren die Menschen ohne die göttliche Führung lebender Propheten. Viele Kirchen wurden gegründet, aber sie besaßen nicht die Vollmacht, die Gabe des Heiligen Geistes zu spenden oder andere heilige Handlungen des Priestertums zu vollziehen. Teile der heiligen Schriften wurden verfälscht oder gingen verloren, und die Menschen hatten keine wahre Gotteserkenntnis mehr.

Dieser Abfall vom Glauben hielt an, bis der himmlische Vater und sein geliebter Sohn dem jungen Joseph Smith erschienen und die Wiederherstellung der Fülle des Evangeliums einleiteten.

Wiederherstellung

Die Wiederherstellung ist die Wiedereinführung der Wahrheiten und heiligen Handlungen des Evangeliums bei Gottes Kindern auf der Erde durch ihn (siehe Apostelgeschichte 3:19‑21).

In Vorbereitung auf die Wiederherstellung erweckte der Herr ehrenhafte Männer im Zeitalter der Reformation. Jene Männer versuchten, die religiösen Lehren und Bräuche und die religiöse Ordnung auf die Form zurückzuführen, wie sie vom Erretter eingerichtet worden war. Diese Männer besaßen jedoch weder das Priestertum noch die Fülle des Evangeliums.

Die Wiederherstellung begann 1820, als Gottvater und sein Sohn, Jesus Christus, Joseph Smith als Antwort auf sein Gebet erschienen (siehe Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:15-20). Zu den wesentlichen Ereignissen der Wiederherstellung gehören unter anderem die Übersetzung des Buches Mormon, die Wiederherstellung des Aaronischen und des Melchisedekischen Priestertums und die Gründung der Kirche am 6. April 1830.

Das Aaronische Priestertum wurde Joseph Smith und Oliver Cowdery am 15. Mai 1829 durch Johannes den Täufer wiedergebracht. Das Melchisedekische Priestertum und die Schlüssel des Reiches wurden 1829 ebenfalls wiederhergestellt, als die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes dieses Priestertum und diese Schlüssel auf Joseph Smith und Oliver Cowdery übertrugen.

Die Fülle des Evangeliums ist wiederhergestellt worden. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist „die einzige wahre und lebendige Kirche auf dem Antlitz der ganzen Erde“ (LuB 1:30). Die Kirche wird schließlich die ganze Erde erfüllen und für immer bestehen.

Weitere Schriftstellen: Jesaja 29:13,14; Ezechiel 37:15‑17; Epheser 4:11‑14; Jakobus 1:5,6

5. Propheten und Offenbarung

Ein Prophet ist ein Mensch, den Gott berufen hat, für ihn zu sprechen (siehe Amos 3:7). Propheten geben Zeugnis von Jesus Christus und lehren sein Evangelium. Sie teilen uns den Willen Gottes mit und erklären uns sein wahres Wesen. Sie prangern Sünde an und warnen vor ihren Folgen. Bisweilen prophezeien sie künftige Ereignisse (siehe LuB 1:37,38). Viele Lehren der Propheten sind in den heiligen Schriften enthalten. Wenn wir die Worte der Propheten studieren, können wir Wahrheit finden und Führung erhalten (siehe 2 Nephi 32:3).

Wir erkennen den Präsidenten der Kirche als Propheten, Seher und Offenbarer und als den einzigen Menschen auf der Erde an, der Offenbarung empfängt, um die ganze Kirche zu leiten. Außerdem erkennen wir die Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft und die Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel als Propheten, Seher und Offenbarer an.

Durch Offenbarung tut Gott sich seinen Kindern kund. Wenn der Herr der Kirche seinen Willen offenbart, spricht er durch seinen Propheten. Die heiligen Schriften – die Bibel, das Buch Mormon, das Buch Lehre und Bündnisse und die Köstliche Perle – enthalten Offenbarungen, die an alte und neuzeitliche Propheten ergangen sind. Der Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist heute der Prophet Gottes auf der Erde.

Jeder kann für sich allein Offenbarungen zu eigenen Bedürfnissen, Aufgaben und Fragen sowie zur Stärkung seines Zeugnisses empfangen. Die meisten Offenbarungen an Führer und Mitglieder der Kirche ergehen durch Eindrücke und Gedanken, die vom Heiligen Geist ausgehen. Der Heilige Geist spricht zu unserem Sinn und unserem Herzen mit einer leisen, sanften Stimme (siehe LuB 8:2,3). Man kann Offenbarungen auch durch Visionen, Träume und den Besuch von Engeln empfangen.

Weitere Schriftstellen: Psalm 119:105; Epheser 4:11‑14; 2 Timotheus 3:15‑17; Jakobus 1:5,6; Moroni 10:4,5

6. Das Priestertum und Priestertumsschlüssel

Das Priestertum ist die ewige Macht und Vollmacht Gottes. Durch das Priestertum erschuf Gott Himmel und Erde und herrscht er darüber. Durch diese Macht erlöst und erhöht er seine Kinder und bringt so „die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen“ zustande (Mose 1:39).

Gott verleiht den würdigen männlichen Mitgliedern der Kirche Priestertumsvollmacht, damit sie in seinem Namen an der Errettung seiner Kinder mitwirken können. Die Schlüssel des Priestertums enthalten das Recht zur Präsidentschaft oder die Vollmacht zur Führung und Verwaltung des Gottesreiches auf der Erde, die Gott dem Menschen verliehen hat (siehe Matthäus 16:15‑19). Diese Schlüssel befugen einen Priestertumsträger, das Evangelium zu verkünden und die heiligen Handlungen der Errettung zu vollziehen. Jeder, der in der Kirche eine Aufgabe trägt, wird unter der Leitung dessen berufen, der die entsprechenden Priestertumsschlüssel innehat. Somit haben sie die Vollmacht, die sie benötigen, um die Aufgaben, die mit ihrer Berufung einhergehen, zu erfüllen.

Weitere Schriftstelle: LuB 121:36,41,42

Das Aaronische Priestertum

Das Aaronische Priestertum wird oft auch als das vorbereitende Priestertum bezeichnet. Die Ämter im Aaronischen Priestertum sind Diakon, Lehrer, Priester und Bischof. Heute können in der Kirche würdige männliche Mitglieder ab zwölf Jahren das Aaronische Priestertum empfangen. 

Das Aaronische Priestertum hat „die Schlüssel des Dienstes von Engeln und die des Evangeliums der Umkehr und die der Taufe“ inne (LuB 13:1).

Das Melchisedekische Priestertum

Das Melchisedekische Priestertum ist das höhere oder größere Priestertum und wird in geistigen Belangen wirksam (siehe LuB 107:8). Dieses größere Priestertum wurde Adam übertragen und war immer auf der Erde, wenn der Herr sein Evangelium offenbart hatte.

Man nannte es anfänglich „das heilige Priestertum nach der Ordnung des Sohnes Gottes“ (LuB 107:3). Später wurde es als das Melchisedekische Priestertum bezeichnet, benannt nach einem großen Hohen Priester, der zur Zeit des Propheten Abraham lebte.

Im Melchisedekischen Priestertum gibt es die Ämter Ältester, Hoher Priester, Patriarch, Siebziger und Apostel. Präsident des Melchisedekischen Priestertums ist der Präsident der Kirche.

Weitere Schriftstelle: Epheser 4:11‑14

7. Heilige Handlungen und Bündnisse

Heilige Handlungen

In der Kirche der Heiligen der Letzten Tage versteht man unter einer heiligen Handlung einen offiziellen Akt, der eine geistige Bedeutung hat. Jede heilige Handlung wurde von Gott so gestaltet, dass sie geistige Wahrheiten vermittelt. Die errettenden heiligen Handlungen werden Kraft der Vollmacht des Priestertums und auf Weisung derjenigen, die die Priestertumsschlüssel innehaben, vollzogen. Einige heilige Handlungen sind für unsere Erhöhung notwendig. Sie werden Verordnungen genannt.

Die erste errettende Verordnung des Evangeliums ist die Taufe durch Untertauchen in Wasser durch jemanden, der Vollmacht dazu hat. Die Taufe ist eine Voraussetzung dafür, um ein Mitglied der Kirche zu werden und ins celestiale Reich einzugehen (siehe Johannes 3:5).

Das in der Originalsprache des Neuen Testaments, Griechisch, gebrauchte Wort für taufen („baptizein“) bedeutet so viel wie „eintauchen“ oder „untertauchen“. Das Untertauchen symbolisiert das Ende des sündhaften Lebens und eine Neugeburt zu einem geistigen Leben, das in den Dienst Gottes und seiner Kinder gestellt wird. Es symbolisiert auch den Tod und die Auferstehung

Nachdem jemand getauft worden ist, legen ein oder mehrere Träger des Melchisedekischen Priestertums ihm die Hände auf und bestätigen ihn als Mitglied der Kirche. Im Verlauf dieser heiligen Handlung, die als Konfirmierung bezeichnet wird, wird die Gabe des Heiligen Geistes übertragen.

Die Gabe des Heiligen Geistes ist etwas anderes als der Einfluss des Heiligen Geistes. Vor der Taufe kann ein jeder hin und wieder den Einfluss des Heiligen Geistes spüren. Dadurch kann man ein Zeugnis von der Wahrheit empfangen (siehe Moroni 10:4,5). Nachdem man die Gabe des Heiligen Geistes empfangen hat, hat man das Anrecht, ihn ständig bei sich zu haben, sofern man die Gebote hält.

Weitere errettende heilige Handlungen sind unter anderem die Ordinierung (eines Mannes) zum Melchisedekischen Priestertum, das Endowment im Tempel und die Siegelung (Eheschließung im Tempel; siehe LuB 131:1‑4). Mit allen errettenden heiligen Handlungen des Priestertums gehen auch Bündnisse einher. Im Tempel können diese errettenden heiligen Handlungen auch stellvertretend für die Verstorbenen durchgeführt werden. Stellvertretende Verordnungen werden nur dann gültig, wenn der Verstorbene sie in der Geisterwelt annimmt und die dazugehörigen Bündnisse einhält.

Andere heilige Handlungen, wie der Krankensegen, die Namensgebung und die Kindersegnung, sind ebenfalls bedeutend für unsere geistige Entwicklung.

Weitere Schriftstellen: Apostelgeschichte 2:36‑38

Bündnisse

Ein Bündnis oder Bund ist eine heilige Übereinkunft zwischen Gott und einem Menschen. Gott legt die Bedingungen des Bundes fest. Der Mensch willigt ein, das zu tun, was Gott von ihm erwartet. Im Gegenzug dazu verheißt Gott dem Menschen bestimmte Segnungen, sofern er gehorsam ist (siehe LuB 82:10).

Alle errettenden heiligen Handlungen des Priestertums gehen mit Bündnissen einher. Wir schließen bei der Taufe einen Bund mit dem Herrn und erneuern diesen Bund, indem wir vom Abendmahl nehmen. Ein Bruder, der das Melchisedekische Priestertum empfängt, nimmt den Eid und Bund des Priestertums auf sich. Weitere Bündnisse werden im Tempel geschlossen.

Weitere Schriftstellen: Exodus 19:5,6; Psalm 24:3,4; 2 Nephi 31:19,20; LuB 25:13

8. Ehe und Familie

„Die Ehe zwischen Mann und Frau [ist] von Gott verordnet“ und „die Familie“ steht in seinem Plan der Erlösung „im Mittelpunkt“. Sie ist ein Schlüssel zu unserem Glücklichsein. „Ein glückliches Familienleben kann am ehesten erreicht werden, wenn die Lehren des Herrn Jesus Christus seine Grundlage sind.

Die heilige Fortpflanzungskraft [darf] nur zwischen einem Mann und einer Frau angewandt werden …, die rechtmäßig miteinander verheiratet sind. Eltern haben die Aufgabe, „sich zu mehren und die Erde zu bevölkern“, „ihre Kinder in Liebe und Rechtschaffenheit zu erziehen“ und „sich ihrer physischen und geistigen Bedürfnisse anzunehmen“.

„Mann und Frau tragen die feierliche Verantwortung, einander … zu lieben und zu umsorgen.“ „Der Vater [soll] in Liebe und Rechtschaffenheit über die Familie präsidieren und … dafür … sorgen, dass die Familie alles hat, was sie zum Leben … braucht.“ Die Mutter ist in erster Linie für das Umsorgen und die Erziehung der Kinder zuständig. Vater und Mutter müssen einander in diesen heiligen Aufgaben als gleichwertige Partner zur Seite stehen.

Gottes Plan des Glücklichseins macht es möglich, dass die Familienbeziehungen über das Grab hinaus Bestand haben. Die Erde wurde geschaffen und das Evangelium wurde offenbart, damit Familien gegründet, gesiegelt und auf ewig erhöht werden können. (Aus der Veröffentlichung „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“, Liahona, November 2010, Umschlagrückseite.)

Weitere Schriftstellen: Genesis 2:24; Psalm 127:3; Maleachi 3:23,24; LuB 131:1‑4

9. Die Gebote

Gebote sind Gesetze und Bedingungen, die Gott den Menschenkindern gibt. Wir erweisen ihm unsere Liebe, indem wir seine Gebote halten (siehe Johannes 14:15). Wenn wir die Gebote halten, segnet uns der Herr dafür (siehe LuB 82:10).

Die beiden grundlegendsten Gebote lauten: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.“ Und: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Matthäus 22:36-39.)

Die Zehn Gebote sind ein grundlegender Bestandteil des Evangeliums. Sie sind auch ewige Grundsätze, die für unsere Erhöhung erforderlich sind (siehe Exodus 20:3‑17). Sie wurden dem Mose einst vom Herrn offenbart und auch durch neuzeitliche Offenbarungen nochmals bekräftigt.

Des weiteren ist es unter anderem ein Gebot, jeden Tag zu beten (siehe 2 Nephi 32:8,9), andere im Evangelium zu unterweisen (siehe Matthäus 28:19,20), das Gesetz der Keuschheit zu befolgen (siehe LuB 46:33), den Zehnten vollständig zu zahlen (siehe Maleachi 3:8‑10), zu fasten (siehe Jesaja 58:6,7), zu vergeben (siehe LuB 64:9‑11), stets dankbar zu sein (siehe LuB 78:19) und das Wort der Weisheit zu befolgen (siehe LuB 89:18‑21).

Weitere Schriftstellen: Genesis 39:9; Jesaja 58:13,14; 1 Nephi 3:7; Mosia 4:30; Alma 37:35; Alma 39:9; LuB 18:15,16; LuB 88:124

Weiteres zu diesen Themen finden Sie unter lds.org, Teachings, Gospel Topics, oder auch im Nachschlagewerk Treu in dem Glauben.

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