Die Vision vom Baum des Lebens

Das Buch Mormon: Evangeliumslehre – Leitfaden für den Lehrer, 1999


Ziel

Jeder soll die Symbole in der Vision vom Baum des Lebens verstehen und lernen, was für einen Bezug sie zum täglichen Leben haben.

Vorzubereiten

Lesen Sie die folgenden Schriftstellen, sinnen Sie darüber nach, und beten Sie: 1 Nephi 8–11; 12:16–18; 15.

Vorgeschlagener Unterrichtsablauf

Interesse wecken

Sie können den Unterricht mit der folgenden (oder mit einer eigenen) Aktivität beginnen:

Erklären Sie, daß in den Schriften viele symbolträchtige Träume und Visionen aufgezeichnet sind. Nennen Sie die folgenden Beispiele, und bitten Sie die Teilnehmer, die Bedeutung von jedem Symbol zu erklären:

  1. a.

    König Nebukadnezzar träumte von einem gewaltigen Standbild. Jeder Körperteil des Mannes war aus anderem Material. Ein Stein zerstörte das Standbild und wurde zu einem großen Berg und erfüllte die ganze Erde. (Siehe Daniel 2:31–45; siehe auch LuB 65:2. Die Teile des Standbilds stellten die Reiche dar, die auf der Erde herrschten. Der Stein war ein Symbol für das Reich Gottes, das in den Letzten Tagen alle anderen Reiche ersetzen wird.)

  2. b.

    Der Pharao träumte von sieben mageren und häßlichen Kühen, die sieben gut aussehende und wohlgenährte Kühe auffraßen, und von sieben kümmerlichen Kornähren, die sieben pralle, volle Kornähren verschlangen. (Siehe Genesis 41:17–31. Die sieben gut aussehenden Kühe und die sieben vollen Ähren stellten sieben Jahre des Überflusses in Ägypten dar; die sieben häßlichen Kühe und die sieben kümmerlichen Ähren versinnbildlichten sieben Jahre der Hungersnot, die auf die Jahre des Überflusses folgten.)

  3. c.

    Der Apostel Petrus sah in einer Vision unreine Tiere in einer Schale vom Himmel herabkommen. Ihm wurde geboten, diese Tiere zu schlachten und zu essen. (Siehe Apostelgeschichte 10:9–16, 28, 34, 35. Die unreinen Tiere stellten die Andern dar, denen nun das Evangelium gebracht werden solle.)

Erklären Sie, daß im heutigen Unterricht ein weiterer symbolträchtiger Traum aus den Schriften besprochen werden wird: die Vision vom Baum des Lebens, die Lehi und Nephi empfangen haben. Im Gegensatz zu den vielen Träumen und Visionen, die nur für bestimmte Menschen oder eine bestimmte Zeit gelten (wie etwa der Traum des Pharaos von den Kühen und dem Korn), gilt die Vision vom Baum des Lebens für jedes Kind Gottes.

Besprechen der Schriftstellen und Bezug zum täglichen Leben herstellen

Wählen Sie gebeterfüllt Schriftstellen, Fragen und weiteres Unterrichtsmaterial aus, das den Bedürfnissen der Teilnehmer am besten gerecht wird. Besprechen Sie, wie sich die ausgewählten Schriftstellen im täglichen Leben anwenden lassen. Regen Sie an, daß die Teilnehmer darüber sprechen, welche Erfahrungen sie mit den Grundsätzen aus der heiligen Schrift gemacht haben.

1. Die Symbole in der Vision vom Baum des Lebens.

Erklären Sie, daß Lehi diese Vision erhielt und davon seiner Familie erzählte. (1 Nephi 8:2.) Nachdem Nephi seinen Vater über die Vision hatte sprechen hören, wollte er ebenso „alles … sehen, vernehmen und erkennen“ (1 Nephi 10:17; siehe auch Punkt 1 unter „Zur Vertiefung“.) Weil Nephi so sehr an Jesus Christus glaubte, wurde ihm sein Wunsch gewährt. (1 Nephi 11:6.) Aus Nephis Bericht lernen wir, wie diese Vision auszulegen ist.

Besprechen Sie die Vision vom Baum des Lebens. Während Sie darüber sprechen, was Lehi und Nephi gesehen haben, zeichnen Sie oder ein Teilnehmer die Hauptelemente der Vision an die Tafel. Die fertige Darstellung soll ungefähr so aussehen:

tree of life

Der Baum des Lebens und seine Frucht

Lassen Sie 1 Nephi 8:2–10 vorlesen. Zeichnen Sie (oder ein Teilnehmer) den Baum und seine Frucht an die Tafel.

• Als Nephi der Baum des Lebens gezeigt wurde, fragte er nach dessen Bedeutung. (1 Nephi 11:8–11.) Was stellt der Baum dar? (Siehe 1 Nephi 11:21–25.) Was sah Nephi, das ihm half, die Liebe Gottes besser zu verstehen? (Siehe 1 Nephi 11:13–21, 24, 26–33. Er sah die Geburt, das Wirken und das Sühnopfer Jesu Christi.)

Lassen Sie Johannes 3:16 vorlesen. Weisen Sie darauf hin, daß der himmlische Vater uns seine große Liebe bewiesen hat, indem er „seinen einzigen Sohn hingab“. Das Sühnopfer ist der Beweis für die große Liebe Jesu Christi zu uns.

Elder Jeffrey R. Holland hat gelehrt, daß der Baum des Lebens ein Sinnbild für Jesus Christus ist. Er hat gesagt: „Die Darstellungen von Christus und dem Baum des Lebens sind untrennbar miteinander verbunden… . Ganz am Anfang des Buches Mormon … wird Christus als die Quelle ewigen Lebens und der Freude dargestellt, der lebende Beweis für die göttliche Liebe und der Weg, wodurch Gott seinen Bund mit dem Haus Israel und überhaupt mit dem ganzen Menschengeschlecht erfüllen und sie zu allen ihren ewigen Verheißungen zurückbringen wird.“ (Christ and the New Covenant, Seite 160ff.)

• Welchen Einfluß hat die Liebe Gottes in unserem Leben? Wie können wir Gottes Liebe zu uns besser erkennen?

• Was stellte die Frucht des Baumes dar? (Siehe 1 Nephi 15:36; LuB 14:7.)

• Wie haben Lehi und Nephi den Baum des Lebens und seine Frucht beschrieben? (Lassen Sie die Teilnehmer die unten angeführten Beschreibungen in den entsprechenden Versen suchen. Schreiben Sie die Ausdrücke an die Tafel, sobald sie von den Teilnehmern genannt werden. Kürzen Sie bei Bedarf ab.)

  1. a.

    „Sehr süß …, süßer als alles, was ich je zuvor gekostet hatte.“ (1 Nephi 8:11.)

  2. b.

    „Weiß …, weißer als alles.“ (1 Nephi 8:11; siehe auch 1 Nephi 11:8.)

  3. c.

    „Begehrenswerter… als jede andere [Frucht].“ (1 Nephi 8:12; siehe auch 15:36.)

  4. d.

    „Er ging … über alles Schöne hinaus, … er übertraf alle Schönheit.“ (1 Nephi 11:8.)

  5. e.

    „Kostbarer… als alles“; „überaus kostbar.“ (1 Nephi 11:9; 15:36.)

  6. f.

    „Die größte Freude für die Seele.“ (1 Nephi 11:23; siehe auch 1 Nephi 8:10.)

  7. g.

    „Die größte aller Gaben Gottes.“ (1 Nephi 15:36.)

Weisen Sie darauf hin, daß ewiges Leben die „süßeste“ und „kostbarste“ Segnung ist, die wir empfangen können. Weil Gott uns liebt, steht uns diese Segnung durch das Sühnopfer Jesu Christi offen.

• Was wünschte sich Lehi in der Vision, nachdem er von der Frucht des Baumes gegessen hatte? (Siehe 1 Nephi 8:12.) Wie können wir den Menschen, die uns nahestehen, helfen, zum Erretter zu kommen und die Verheißung ewigen Lebens zu erlangen?

Die eiserne Stange

Lassen Sie 1 Nephi 8:19, 20 vorlesen. Zeichnen Sie (oder ein Teilnehmer) die eiserne Stange und den Pfad, der zum Baum führt.

• Was stellte die eiserne Stange dar? (Siehe 1 Nephi 11:25; 15:23, 24.) Wo ist das Wort Gottes zu finden? (In den heiligen Schriften, in den Lehren der neuzeitlichen Propheten und in den Eingebungen des Heiligen Geistes.) Inwiefern hilft uns das Wort Gottes, zu Christus zu kommen? Inwiefern hält es uns auf dem Pfad, der zum ewigen Leben führt?

Der Fluß schmutzigen Wassers, der finstere Nebel und das große und geräumige Gebäude

Lassen Sie 1 Nephi 8:13, 23, 26, 27 vorlesen. Zeichnen Sie (oder ein Teilnehmer) den Fluß, den finsteren Nebel und das große und geräumige Gebäude.

• Was stellte der Fluß schmutzigen Wassers dar? (Siehe 1 Nephi 12:16; 15:26–29.)

• Was bedeutete der finstere Nebel? (Siehe 1 Nephi 12:17.) Was bewirkt der finstere Nebel? (Siehe 1 Nephi 8:23; 12:17.) Warum ist dem Satan wohl daran gelegen, unsere Augen blind zu machen für die Liebe Gottes und für das Sühnopfer Jesu Christi? Auf welche Weise versucht der Satan, uns blind zu machen?

• Die eiserne Stange „lief dem Ufer des Flusses entlang“ (1 Nephi 8:19) und diente als Schutz zwischen dem engen und schmalen Pfad und dem schmutzigen Wasser.

An ihr konnten sich die Menschen, die sich im finsteren Nebel befanden, festhalten. (1 Nephi 8:24, 30.) Was lernen wir daraus? Wie kann uns das Wort Gottes helfen?

• Was stellte das große und geräumige Gebäude dar? (Siehe 1 Nephi 11:34–36; 12:18.) Warum ist es bedeutsam, daß das Gebäude „in der Luft“ stand? (Siehe 1 Nephi 8:26. Weisen Sie darauf hin, daß das Gebäude kein festes Fundament hatte.) Inwiefern kann der Stolz einen Menschen davon abhalten, ewiges Leben zu erlangen?

• Einige Menschen in der Vision kosteten von der Frucht, schämten sich aber, weil die Menschen in dem großen und geräumigen Gebäude sie verspotteten. (1 Nephi 8:26–28.) Wie können stark werden, um Verfolgung standzuhalten?

2. Die Menschen in der Vision vom Baum des Lebens.

In der Vision sah Lehi „unzählige Scharen von Menschen“. (1 Nephi 8:21.) Diese Menschen können – nach der Art, wie sie zum Baum und zur Frucht strebten – in vier Kategorien eingeteilt werden. Helfen Sie den Teilnehmern, anhand der unten angegebenen Liste diese vier Gruppierungen zu erkennen und zu beschreiben. (Sie können die Klasse in vier Gruppen teilen und jede davon eine Schriftstelle lesen und sie beschreiben lassen, wie sich die Leute verhielten, die darin beschrieben werden.)

  1. a.

    1 Nephi 8:21–23. (Diejenigen, die sich auf den Pfad begeben, dann aber im finsteren Nebel verlorengehen.)

  2. b.

    1 Nephi 8:24–28.(Diejenigen, die an der eisernen Stange festhalten, bis sie zum Baum gelangen, die von der Frucht essen, die sich dann aber schämen und abirren.)

  3. c.

    1 Nephi 8:30. (Diejenigen, die an der eisernen Stange festhalten, bis sie zum Baum gelangen, die von der Frucht essen und glaubenstreu bleiben.)

  4. d.

    1 Nephi 8:31–33. (Diejenigen, die nie den Pfad betreten, sondern gleich zum großen und geräumigen Gebäude gehen.)

• Wie zeigen sich diese Kategorien auch heutzutage in der Welt? (Da gibt es etwa Menschen, die zwar sagen, daß sie das ewige Leben möchten, die dann aber durch etwas anderes, etwa Reichtum oder weltliche Vergnügungen, abgelenkt werden. Sie können mit denjenigen verglichen werden, die zwar den Pfad betreten, dann aber verlorengehen.)

• Auf welche Pfade gerieten die Menschen in der Vision, als sie die eiserne Stange losließen oder vom Baum des Lebens weggingen? (Siehe 1 Nephi 8:28, 32; 12:17.) Was geschieht mit jemand, der solchen Pfaden folgt? Wie können wir auf den engen und schmalen Pfad zurückkehren, wenn wir gerade dabei sind, uns auf „verbotene“, „fremde“ oder „breite“ Pfade zu begeben?

• Was müssen wir tun, um auf dem engen und schmalen Weg zu bleiben? Wie können wir anderen helfen, nicht vom Weg abzuweichen?

Zum Abschluß

Empfehlen Sie den Teilnehmern, die folgenden Begriffe in ihren Schriften zu unterstreichen: betraten (1 Nephi 8:22), ergriffen (1 Nephi 8:24), hielten sich … fest (1 Nephi 8:24) und beständig (1 Nephi 8:30). Betonen Sie, daß diese Wörter uns verstehen helfen, was wir tun müssen, um den Baum des Lebens zu erreichen: Wir müssen den engen und schmalen Pfad betreten, die eiserne Stange ergreifen, uns daran festhalten und beständig zum Baum streben.

Geben Sie Zeugnis von den Wahrheiten, die in dieser Lektion besprochen worden sind, und lassen Sie sich dabei vom Geist führen.

Zur Vertiefung

Das folgende Material ergänzt den Unterricht. Sie können einen oder mehrere Vorschläge im Unterricht verwenden.

1. „Wer eifrig sucht, der wird finden“ (1 Nephi 10:19)

• Was hat sich Nephi gewünscht, nachdem er von der Vision seines Vaters gehört hatte? (Siehe 1 Nephi 10:17.) Was unternahm er, damit dieser Wunsch erfüllt werde? (Siehe 1 Nephi 10:17–19; 11:1–6.) Wie kann uns Nephis Beispiel helfen, wenn wir danach trachten, Evangeliumswahrheiten zu verstehen? (Bitten Sie die Teilnehmer, von Erlebnissen zu berichten, bei denen ihnen der Heilige Geist geholfen hat, Evangeliumswahrheiten zu verstehen.)

• Inwiefern unterschied sich die Reaktion Lamans und Lemuels auf die Vision ihres Vaters von der Reaktion Nephis? (Siehe 1 Nephi 15:1, 2.) Warum konnten Laman und Lemuel die Wahrheiten, die Lehi sie lehrte, nicht verstehen? (Siehe 1 Nephi 15:3, 8–11.)

2. „Kennst Du die Herablassung Gottes?“ (1 Nephi 11:16)

Um den Ausdruck „Herablassung Gottes“ (1 Nephi 11:16, 26) verständlich zu machen, erklären Sie, daß das Wort Herablassung bedeute, sich freiwillig auf eine niedrigere Stufe zu begeben. Dann lesen Sie das folgende Zitat von Elder Bruce R. McConkie vor:

„Die Herablassung Gottes (nämlich des Vaters) besteht darin, daß … er der tatsächliche und buchstäbliche Vater eines sterblichen Sohnes wurde, der von einer sterblichen Frau geboren wurde. Und die Herablassung Gottes (nämlich des Sohnes) besteht darin, daß … er [Jesus Christus] sich all den Prüfungen des Erdenlebens unterwarf, ,Versuchung [erlitt], körperliche Pein, Hunger, Durst und Erschöpfung – ja, mehr, als ein Mensch ertragen kann, ohne daran zu sterben‘ (Mosia 3:5–8), und schließlich auf die schimpflichste Weise getötet wurde.“ (Mormon Doctrine, Seite 155.)

3. „Sie standen da und spotteten“ (1 Nephi 8:27)

Weisen Sie beim Besprechen des großen und geräumigen Gebäudes darauf hin, daß die Menschen im Gebäude dastanden und spotteten. Diese Verhöhnung brachte einige derer, die von der Frucht des Baumes gegessen hatten, dazu, sich zu schämen und abzuirren. (1 Nephi 8:27, 28.)

• Wie kann unser Verhalten anderen gegenüber dazu führen, daß sie abirren?

Heben Sie hervor, daß zurechnungsfähige Menschen für ihre eigenen Taten verantwortlich sind. Trotzdem kann unser Verhalten andere in ihrem rechtschaffenen Bemühen stärken oder hemmen. Fordern Sie die Teilnehmer auf, einander zu stärken und niemals andere herabzusetzen oder zu verspotten.

4. Lied

Singen oder lesen Sie mit den Teilnehmern das Lied „Die eiserne Stange“. (Gesangbuch, Nr. 181.)