Lektion 10: 1 Nephi 6 und 9

Das Buch Mormon – Seminarleitfaden für den Lehrer, 2012


Einleitung

Nephi sagte: „Denn meine Absicht ist einzig und allein, die Menschen zu bewegen, dass sie zum Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs kommen und errettet werden.“ (1 Nephi 6:4.) Er führte zwei Arten von Platten – die kleinen Platten Nephis und die großen Platten Nephis. Der Herr gebot ihm, auf den kleinen Platten den Bericht Lehis zusammenzufassen (siehe 2 Nephi 5:28-31). Zu einem späteren Zeitpunkt wurde Mormon inspiriert, seiner Sammlung des Buches Mormon die kleinen Platten hinzuzufügen (siehe Worte Mormons 1:6,7). Nephi und Mormon gehorchten beide der Anweisung des Herrn, obwohl sie den Grund nicht kannten.

Anregungen für den Unterricht

1 Nephi 6

Nephi schreibt seinen Bericht, weil er alle Menschen dazu bewegen möchte, zu Jesus Christus zu kommen

Zeigen Sie einige gute Bücher oder Filme, die derzeit bei den Jugendlichen angesagt sind. Fragen Sie die Schüler, welche Absicht wohl der Autor oder Regisseur mit dem Buch oder Film verfolgt. Halten Sie ein Buch Mormon hoch. Erklären Sie, dass Nephi in 1 Nephi 6 erläutert, warum er seinen Bericht verfasst hat, der ja schließlich ein Teil des Buches Mormon wurde.

Die Schüler sollen 1 Nephi 6:3-6 lesen und nach Worten und Sätzen suchen, die zum Ausdruck bringen, mit welcher Absicht Nephi seinen Bericht führte. (Sie können ihnen vorschlagen, diese Aussagen zu markieren.)

  • Warum ist es wichtig, dass Nephi das schrieb, „was Gott gefällt“ und nicht das, „was der Welt gefällt“?

  • Wie würdet ihr Nephis Absicht mit euren eigenen Worten ausdrücken? (Möglicherweise müssen Sie erklären, dass sich der Ausdruck „Gott Abrahams und Gott Israels und Gott Jakobs“ auf Jesus Christus bezieht. Fordern Sie die Schüler gegebenenfalls auf, neben 1 Nephi 6:4 Jesus Christus zu notieren. Erklären Sie außerdem, dass sich der Name Jehova ebenfalls auf Jesus Christus bezieht [siehe 1 Nephi 19:10; 2 Nephi 11:4,6,7; siehe Schriftenführer, „Jesus Christus“; siehe auch Bible Dictionary, „Christ, Names of“]).

Bitten Sie einen Schüler, diese Wahrheit an die Tafel zu schreiben: Ein Zweck des Buches Mormon besteht darin, alle Menschen dazu zu bewegen, zu Christus zu kommen.

  • Inwiefern wollt ihr dieses Jahr vielleicht anders daran herangehen, das Buch Mormon zu studieren, wenn ihr wisst, wozu Nephi seinen Bericht verfasst hat?

Berichten Sie, wie das Buch Mormon schon dazu beigetragen hat, dass Sie dem Vater im Himmel und dem Erlöser nähergekommen sind. Bitten Sie die Schüler zu erzählen, inwiefern das Buch Mormon ihr Leben beeinflusst und dazu geführt hat, dass sie dem himmlischen Vater und Jesus Christus näherkommen konnten. Fordern Sie sie auf, in den nächsten Tagen einem Freund oder Angehörigen zu erzählen, was sie für das Buch Mormon empfinden, und Zeugnis von Jesus Christus zu geben.

1 Nephi 9

Nephi führt zwei Berichte

Zeigen Sie der Klasse ein Geschichtsbuch. Nennen Sie den Zeitabschnitt, der darin behandelt wird. Zeigen Sie der Klasse anschließend persönliche Aufzeichnungen oder ein Tagebuch aus demselben Zeitabschnitt. (Lesen Sie gegebenenfalls ein geistiges Erlebnis aus dem Tagebuch vor.)

  • Inwieweit wird in den beiden Texten Geschichte unterschiedlich aufgezeichnet?

  • Ist ein Text wertvoller als der andere? Inwiefern? (Beide sind wertvoll, aber aus verschiedenen Gründen.)

  • Inwiefern lassen sich diese Texte mit dem Buch Mormon vergleichen?

Betonen Sie, dass Nephi in 1 Nephi 9:1-5 erklärt, warum er zwei unterschiedliche Berichte verfasst.

Auf die einen Platten, die sogenannten großen Platten Nephis, schrieb er „die Geschichte [seines] Volkes“ (1 Nephi 9:2). Sie umfasste einen „Bericht über die Regierung der Könige und die Kriege und Streitigkeiten [seines] Volkes“ (1 Nephi 9:4). Diese Aufzeichnungen verfasste Nephis zuerst; sie sind jedoch im heutigen Buch Mormon nicht enthalten.

Auf den anderen Platten, den sogenannten kleinen Platten Nephis, beschrieb er „den geistlichen Dienst [seines] Volkes“ (1 Nephi 9:3). Erläutern Sie gegebenenfalls, dass mit dem Begriff geistlicher Dienst religiöse Unterweisungen und Unternehmungen gemeint sind. 1 Nephi und 2 Nephi sind Nephis Bericht auf den kleinen Platten.

Damit den Schülern beim Lesen von 1 Nephi 9 der Unterschied zwischen den kleinen und den großen Platten bewusst wird, schreiben Sie an die Tafel: „diese Platten“ = die kleinen Platten und „die anderen Platten“ = die großen Platten. (Schlagen Sie den Schülern vor, diese Begriffe neben die jeweiligen Verse zu schreiben.) In 1 Nephi 9 bezieht sich die Formulierung „diese Platten“ immer auf die kleinen Platten. Mit der Formulierung „die anderen Platten“ sind immer die großen Platten gemeint.

Bitten Sie einen Schüler, 1 Nephi 9:3,5,6 vorzulesen.

  • Welche Gründe führt Nephi dafür an, dass er zusätzlich zu den großen Platten auch die kleinen Platten anfertigt? Inwiefern spiegelt diese Erläuterung seinen Glauben an den Herrn wider?

Erklären Sie, dass der Prophet Mormon etwa 1000 Jahre später einen Auszug oder eine Kurzversion aller Berichte anfertigte, die von seinem Volk geschrieben worden waren. Daraus entstand das heutige Buch Mormon. Als er den Auszug zusammenstellte, entdeckte er auch die kleinen Platten Nephis und fügte sie seinem Bericht hinzu.

Ein Schüler soll Worte Mormons 1:3-7 vorlesen. Erklären Sie, dass Mormon dies ungefähr im Jahr 385 n. Chr. niederschrieb, als die letzte Schlacht zwischen den Nephiten und den Lamaniten stattfand. Während die Schüler diese Verse lesen, sollen sie nach Gründen suchen, warum Mormon wohl die kleinen Platten Nephis in seinen gekürzten Bericht aufgenommen hat.

Lesen Sie diese Aussage von Elder Marvin J. Ashton vom Kollegium der Zwölf Apostel vor:

Elder Marvin J. Ashton

„Manchmal werden wir aufgefordert zu gehorchen und wissen nicht, warum, außer, dass der Herr es geboten hat. … Nephi befolgte Anweisungen, obgleich er die weise Absicht dahinter nicht gänzlich verstand. Aus seinem Gehorsam ergaben sich Segnungen für die Menschen in aller Welt.“ („Who Will Forfeit the Harvest?“ Ensign, November 1978, Seite 105.)

Betonen Sie: Das Beispiel von Nephi und von Mormon zeigt, dass wir selbst dann den Geboten Gottes gehorchen und den Eingebungen des Geistes folgen sollen, wenn wir die Gründe dafür nicht völlig verstehen.

  • Warum ist es wichtig, dass wir selbst dann den Geboten des Herrn gehorchen und den Eingebungen des Geistes folgen, wenn wir die Gründe dafür nicht gänzlich begreifen?

  • Wann wart ihr schon einmal dem Herrn gehorsam oder seid einer bestimmten Eingebung gefolgt, obwohl euch nicht völlig klar war, wozu ihr das tun solltet?

  • Wie können wir mehr Zuversicht und Mut entwickeln, Gottes Weisung getreu zu handeln?

Bezeugen Sie: Wenn wir die Gebote halten und auf die Eingebungen des Heiligen Geistes hören, verstehen wir Gottes Absichten dahinter immer besser und der Herr segnet uns für unseren Gehorsam.

Ein Schüler soll die folgende Erklärung vorlesen. (Sie können jedem Schüler eine Kopie davon geben, damit alle mitlesen und sie für später in ihre Schriften legen können.)

Wenigstens zum Teil wurde die weise Absicht des Herrn (siehe 1 Nephi 9:5; Worte Mormons 1:7), warum Nephi zwei Berichte führen sollte, offenbar, als Joseph Smith das Buch Mormon übersetzte. Ursprünglich übersetzte er nämlich den gekürzten Bericht Mormons von den großen Platten Nephis. Martin Harris, der Joseph Smith geholfen hatte, wollte seiner Frau und seinen Kindern die Übersetzung zeigen. Zögerlich erlaubte der Prophet schließlich Martin, die 116 Seiten des Manuskripts auszuleihen, die zu diesem Zeitpunkt bereits fertig waren. Die 116 Seiten wurden Martin jedoch gestohlen. Als Folge davon wurden Joseph Smith zeitweise die Platten, der Urim und Tummim und die Gabe des Übersetzens genommen (siehe LuB 3:14).

Nachdem Joseph Smith umgekehrt war (siehe LuB 3:10), wies der Herr ihn an, den verlorenen Teil nicht neu zu übersetzen (siehe LuB 10:30). Stattdessen gebot er ihm, die kleinen Platten Nephis zu übersetzen (siehe LuB 10:41), die den gleichen Zeitraum umfassten. Er ließ Joseph wissen, dass diejenigen, die die 116 Seiten entwendet hatten, diese abgeändert hatten und damit nun das Werk in Verruf bringen wollten (siehe LuB 10:10-19). Der Herr hatte diese Ereignisse bereits Jahrhunderte früher vorhergesehen und den zweiten Bericht erstellen lassen, um den Plan des Satans zu vereiteln (siehe History of the Church, 1:20-23; LuB 10:38-46).

Bitten Sie die Schüler, 1 Nephi 9:6 für sich zu lesen. Fragen Sie, welche Lehre Nephi in diesem Vers verkündet. Ein Schüler soll diesen Grundsatz an die Tafel schreiben: Gott weiß alles und bereitet einen Weg, alle seine Werke zu vollbringen.

  • Warum ist es hilfreich zu wissen, dass „der Herr … alles von Anfang an“ weiß? (1 Nephi 9:6; siehe auch 2 Nephi 9:20; Worte Mormons 1:7.)

  • Wie beeinflusst diese Lehre eure Lebensweise? (Wenn die Schüler darauf antworten, können auch Sie davon erzählen, wie diese Lehre Ihren Glauben, Ihre Hoffnung und Ihr Vertrauen in Gott gestärkt hat.)

  • Wie kann euch diese Lehre helfen, wenn ihr Prüfungen durchstehen müsst? (Eine mögliche Antwort wäre, dass wir Trost in der Gewissheit finden können, dass Gott im Gegensatz zu uns weiß, wie unsere Prüfungen und Schwierigkeiten ausgehen. Durch den Heiligen Geist kann er uns stärken, trösten und führen, damit wir unsere Probleme überwinden und ertragen können.)

Bezeugen Sie, dass Gott alles weiß – auch, was für jedes seiner Kinder am besten ist. Erklären Sie den Schülern, dass sie im Laufe des Lebens mit Geboten in Berührung kommen und Inspiration von Gott empfangen, die sie anfangs nicht völlig verstehen. Wenn sie jedoch die Gebote des Herrn halten und auf die Eingebungen des Heiligen Geistes hören, werden sie und auch andere dafür gesegnet.

Kommentar und Hintergrundinformationen

1 Nephi 6:4. „Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs“

Präsident Ezra Taft Benson erklärte einmal, dass sich der Begriff „Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs“ in den Schriften auf Jesus Christus bezieht: „Wir dürfen nicht vergessen, wer Jesus war, bevor er geboren wurde. Er war der Schöpfer von allem, der große Jehova, das Lamm, das schon vor der Erschaffung der Welt dazu ausersehen war, geschlachtet zu werden, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Er war und ist der Heilige Israels.“ („Five Marks of the Divinity of Jesus Christ“,Ensign, Dezember 2001, Seite 10.)

1 Nephi 9:6. Gott kennt das Ende von Anfang an

Wir können darauf vertrauen, dass Gott alles weiß. „Wäre Gott nicht allwissend, so wäre er nicht fähig, auch nur den kleinsten Teil seiner Geschöpfe zu erretten, denn es ist ja gerade sein allumfassendes Wissen – das vom Anfang bis zum Ende reicht –, das ihn befähigt, seinen Geschöpfen jene Erkenntnis zu verleihen, durch die sie am ewigen Leben Anteil erlangen. Ohne die Vorstellung, dass Gott allwissend ist, wäre es dem Menschen nicht möglich, an ihn zu glauben.“ (Lectures on Faith, 1985, Seite 51f.)