Lektion 21

1 Nephi 20 bis 22

Das Buch Mormon – Seminarleitfaden für den Lehrer


Einleitung

Als Nephi seine Familie unterwies, las er von den Messingplatten vor und legte dabei den Schwerpunkt auf die Prophezeiungen Jesajas über die Zerstreuung und Sammlung Israels. Dann beantwortete er Fragen seiner Brüder zu diesen Prophezeiungen. Er legte dar, dass sie sich direkt auf ihre Familie bezögen. Nephi bezeugte, indem er die Worte Jesajas wiederholte, dass der Herr sein Bundesvolk sammeln wird und dass er es sogar dann liebt und zur Umkehr auffordert, wenn die Menschen nicht nach den Geboten leben.

Anregungen für den Unterricht

1 Nephi 20

Der Herr züchtigt sein Volk und fordert es auf, zu ihm zurückzukehren

Jesaja schreibt über die Geburt Christi

Zeigen Sie das Bild „Jesaja schreibt über die Geburt Christi (06048 090, Bildband zum Evangelium, Nr. 22). Erklären Sie, dass dieses Gemälde den Propheten Jesaja zeigt, wie er eine Prophezeiung über die Geburt Jesu Christi niederschreibt. Fragen Sie die Schüler, wer von ihnen schon einmal von Jesaja gehört hat.

Erläutern Sie, dass Jesaja ein Prophet war, der in Jerusalem lebte und dem Volk zwischen 740 und 701 v. Chr. prophezeite, also nicht lange, bevor Lehi und seine Familie zum verheißenen Land aufbrachen. Nephi erfreute sich an den Worten Jesajas und unterwies seine Familie anhand seiner Prophezeiungen (siehe 1 Nephi 19:23; 2 Nephi 25:5). Weil Jesajas Ausdrucksweise poetisch ist und er viel Symbolik verwendet, fällt es manchen schwer, ihn zu verstehen. Wir können jedoch gesegnet werden, wenn wir uns in seine Worte vertiefen und uns bemühen, sie zu verstehen.

Erklären Sie, dass Nephi einige Worte Jesajas von den Messingplatten vorlas, um seine Familie zu unterweisen. Das tat er, damit er sie „noch eindringlicher bewegen könne, an den Herrn, ihren Erlöser, zu glauben“ (1 Nephi 19:23; siehe auch Vers 24).

Bitten Sie jemanden, 1 Nephi 20:1,2 vorzulesen. Legen Sie zuvor dar, dass Jesaja in diesem Abschnitt zu Menschen spricht, die sich hatten taufen lassen, aber ihren Bündnissen untreu geworden waren. Sie können auch erklären, was die Formulierung „Haus Israel“ bedeutet: Das Alte Testament enthält die Geschichte Jakobs, der der Sohn Isaaks und Enkel Abrahams war. Der Herr nannte Jakob Israel (siehe Genesis 32:28). Mit der Bezeichnung „Haus Israel“ sind Jakobs Nachkommen und das Bundesvolk des Herrn gemeint (siehe Schriftenführer, „Israel“).

Bitten Sie die Schüler, 1 Nephi 20:3,4,8 still zu lesen. Sie sollen nach Wörtern und Sätzen suchen, aus denen hervorgeht, dass das Haus Israel dem Herrn die Treue brach. Fragen Sie die Schüler, was sie herausgefunden haben.

Zeigen Sie ein Metallstück, das sich nur schwer biegen lässt. Die Schüler sollen sagen, was es ihrer Meinung nach bedeutet, wenn jemand einen Nacken wie „eine eiserne Sehne“ (1 Nephi 20:4) hat. So wie Eisen sich nur schwer biegen lässt, fällt es auch einem hochmütigen Menschen schwer, den Kopf in Demut zu senken. Der Begriff „eiserne Sehne“ zeigt an, dass viele Leute im Haus Israel von Stolz erfüllt waren.

Bitten Sie einen Schüler, 1 Nephi 20:22 vorzulesen.

  • Warum finden die Schlechten wohl keinen Frieden?

Erinnern Sie die Schüler daran, dass Nephi seinen Brüdern die Prophezeiungen Jesajas vorlas, weil er sie dazu aufrufen wollte, dessen Worte auf sich zu beziehen (siehe 1 Nephi 19:24).

  • Inwiefern ähnelten manche aus Nephis Familie denen, die Jesaja zur Umkehr aufrief?

Fordern Sie jemanden auf, 1 Nephi 20:14,16,20 vorzulesen.

  • Welche Worte und Taten erwartete der Herr von seinem Volk? (Möglicherweise müssen Sie erklären, was es symbolisiert, Babylon und die Chaldäer hinter sich zu lassen, nämlich Weltlichkeit abzulegen und zum Herrn zu kommen.)

Lassen Sie Schüler von Beispielen berichten, bei denen jemand Weltlichkeit hinter sich gelassen hat und zum Herrn gekommen ist. Die Schüler sollen 1 Nephi 20:18 lesen und darauf achten, womit der Herr diejenigen segnet, die zu ihm kommen und seine Gebote befolgen.

  • Inwiefern ist Frieden wie ein Fluss? Was macht Rechtschaffenheit mit den Meereswellen vergleichbar?

Bitten Sie ein paar Schüler zusammenzufassen, welche Wahrheiten sie aus 1 Nephi 20 erfahren haben. Auch wenn sie es anders ausdrücken, sollen sie verstanden haben, dass der Herr die Ungehorsamen auffordert, umzukehren und zu ihm zurückzukehren.

Ein Schüler soll die folgende Aussage von Präsident Dieter F. Uchtdorf von der Ersten Präsidentschaft vorlesen. Die Schüler sollen überlegen, was seine Worte mit 1 Nephi 20 zu tun haben:

„Der Satan [möchte] uns das Gefühl geben …, Vergebung sei für uns außer Reichweite [siehe Offenbarung 12:10]. Der Satan möchte uns glauben machen, dass wir den Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, überschreiten, wenn wir eine Sünde begehen. …

Gott hat seinen Kindern das Sühnopfer Jesu Christi geschenkt, um die Folgen der Sünde zu überwinden. Gott liebt alle seine Kinder; er wird nie aufhören, uns zu lieben, und niemals die Hoffnung für uns aufgeben. …

Christus kam, um uns zu erretten. Wenn wir einen falschen Kurs eingeschlagen haben, kann uns das Sühnopfer Jesu Christi die Gewissheit geben, dass Sünde kein Punkt ist, an dem es kein Zurück mehr gibt. Eine sichere Rückkehr ist möglich, wenn wir dem Plan Gottes folgen. …

Es gibt immer einen Punkt, an dem eine sichere Rückkehr möglich ist, es gibt immer Hoffnung.“ („Der ,Point of Safe Return‘“, Liahona, Mai 2007, Seite 99, 101.)

  • Inwiefern ähnelt Präsident Uchtdorfs Botschaft der von Jesaja?

Bezeugen Sie, dass der Herr diejenigen, die ungehorsam waren, einlädt, umzukehren und zu ihm zurückzukehren. Versichern Sie den Schülern, dass der Herr jeden von uns liebt und uns immer bittet, zu ihm zu kommen. Halten sie die Schüler dazu an, darüber nachzudenken, wovon der Herr wohl möchte, dass sie es hinter sich lassen, damit sie sich ihm vermehrt zuwenden können.

1 Nephi 21:1-17

Jesaja prophezeit, dass Jesus Christus sein Bundesvolk nicht vergessen wird

Fassen Sie 1 Nephi 21:1-13 anhand der ersten beiden Aussagen in der Kapitelüberschrift kurz zusammen: „Der Messias wird den Andern ein Licht sein und wird die Gefangenen befreien“ und „Israel wird in den Letzten Tagen mit Macht gesammelt werden“. Erklären Sie, dass aus Vers 1 bis 13 hervorgeht, wie sehr der Herrn sein Volk liebt – sogar die, die irregegangen sind und ihn vergessen haben.

Schreiben Sie an die Tafel: Der Herr liebt uns und vergisst uns niemals. Bitten Sie einen Schüler, 1 Nephi 21:14 vorzulesen.

  • Warum haben die Menschen wohl manchmal das Gefühl, der Herr habe sie vergessen?

Bitten Sie einen Schüler, 1 Nephi 21:15,16 vorzulesen. Stellen Sie anschließend einige oder alle der nachstehenden Fragen:

  • Was vermittelt Jesaja, wenn er den Erretter mit der Mutter eines Säuglings vergleicht?

  • Was bedeutet es euch, auf die Handflächen des Erlösers gezeichnet zu sein?

  • Was habt ihr schon erlebt, was euch zeigt, dass der Herr euch nie vergisst?

Dadurch, dass die Schüler über diese Fragen nachdenken und den Antworten der anderen zuhören, öffnen sie sich für den Heiligen Geist, der vom Heiland Zeugnis gibt. Geben Sie Zeugnis von der Liebe des Erlösers. Führen Sie den Schülern vor Augen, dass Nephi Jesajas Prophezeiungen aufgeschrieben hat, weil er uns dazu bewegen wollte, an den Erretter zu glauben, und um uns Hoffnung zu verleihen.

1 Nephi 21:18-26; 22:1-22

Nephi erläutert Jesajas Prophezeiung über die Zerstreuung und Sammlung Israels

Stellen Sie mehrere Gegenstände (beispielsweise Tassen) auf einen Tisch oder Stuhl. Sagen Sie den Schülern, dass diese Gegenstände verschiedene Menschengruppen darstellen. Erklären Sie: Nephi schrieb, dass die Israeliten unter alle Völker zerstreut werden würden, weil sie ihr Herz dem Erlöser gegenüber verhärtet hatten (siehe 1 Nephi 22:1-5). Platzieren Sie die Gegenstände im Raum um, während Sie sprechen. Machen Sie deutlich, dass Nephi dieses Thema wichtig war. Seine Familie war ja selbst von der Zerstreuung betroffen: Sie waren wegen der Schlechtigkeit der Menschen in ihrer Heimat Jerusalem von dort weggeführt worden.

Lassen Sie die Schüler 1 Nephi 21:22,23 und 22:6-8 für sich lesen. Führen Sie zuvor aus, dass 1 Nephi 21 eine Prophezeiung Jesajas über die Sammlung Israels wiedergibt und 1 Nephi 22 Nephis Worte über Jesajas Prophezeiung enthält.

  • Was ist das „wunderbare Werk“, das in 1 Nephi 22:7,8 erwähnt wird? (Die Wiederherstellung des Evangeliums.)

  • Inwiefern tragen wir andere auf den Armen oder auf den Schultern, wenn wir ihnen das Evangelium bringen?

Um den Schülern die Zerstreuung und die Sammlung Israels begreiflicher zu machen, können Sie diese Aussage von Elder Bruce R. McConkie vom Kollegium der Zwölf Apostel vorlesen:

„Warum wurde Israel zerstreut? Die Antwort ist klar und deutlich, sie lässt keine Zweifel zu. Unsere israelitischen Vorfahren wurden zerstreut, weil sie das Evangelium verwarfen, das Priestertum befleckten, die Kirche verließen und vom Reich abwichen. …

Was gehört also zur Sammlung Israels? Die Sammlung Israels besteht darin, alles zu glauben und anzunehmen und gemäß dem zu leben, was der Herr seinem erwählten Volk vor alters angeboten hat. … Sie besteht darin, an das Evangelium zu glauben, sich der Kirche anzuschließen und ins Reich Gottes zu kommen. … Und sie kann auch darin bestehen, dass man sich in einem bestimmten Ort oder Land der Anbetung sammelt.“ (A New Witness for the Articles of Faith, 1985, Seite 515.)

Lesen Sie 1 Nephi 22:9-12. Erklären Sie, dass mit der Formulierung in den Schriften über den Herrn, der „seinen Arm … entblößt“, umschrieben wird, wie der Herr seine Macht zeigt.

  • Was sagt 1 Nephi 22:11 darüber aus, was der Herr in den Letzten Tagen tun wird, um seine Macht zu zeigen?

  • Inwiefern werden Menschen aus der Gefangenschaft und Finsternis geführt, wenn sie in der Kirche gesammelt werden?

Bitten Sie die Schüler, die Gegenstände im Raum einzusammeln und zurück an eine Stelle zu bringen. Erklären Sie, dass die Sammlung sowohl in geistiger als auch in körperlicher Hinsicht geschehen kann. Wenn wir anderen vom Evangelium erzählen und diese sich taufen lassen und die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, werden sie in geistiger Hinsicht in der Kirche des Herrn gesammelt. In der Anfangszeit der Kirche sollten sich die Neubekehrten an einem Ort sammeln (zum Beispiel Kirtland in Ohio, Nauvoo in Illinois oder Salt Lake City in Utah). Heutzutage werden die Bekehrten dazu angehalten, die Kirche dort aufzubauen, wo sie wohnen, und sich in ihren jeweiligen Zweigen, Gemeinden und Pfählen zu sammeln.

  • Welche Segnungen werden laut 1 Nephi 22:25 denen zuteil, die der Herr sammelt? Was bedeutet es wohl, „eine Herde“ zu sein? Was bedeutet es wohl, Weidegrund zu finden?

Heutzutage möchte der Herr, dass alle Mitglieder der Kirche dabei helfen, „seine Kinder von den vier Enden der Erde [zu sammeln]“ (1 Nephi 22:25). Bezeugen Sie, dass der Herr versprochen hat, das Evangelium wiederherzustellen und Israel in den Letzten Tagen zu sammeln.

  • Was denken eurer Meinung nach diejenigen, die gesammelt werden (Bekehrte), über diejenigen, die sie gesammelt haben (ihnen das Evangelium gebracht haben)?

  • Was könnt ihr tun, um andere an Evangelium Jesu Christi teilhaben zu lassen?

Machen Sie den Schülern nochmals deutlich, dass Nephi Jesaja zitierte, um seiner Familie zu vermehrtem Glauben an Jesus Christus verhelfen. Jesajas Prophezeiungen und Nephis Zeugnis können auch uns dazu verhelfen. Bezeugen Sie, dass Jesus Christus uns niemals vergisst und dass er sehr bemüht ist, uns zu sammeln.

Ein Rückblick auf das erste Buch Nephi

Nehmen Sie sich etwas Zeit, 1 Nephi noch einmal durchzusprechen. Fragen Sie die Schüler, woran sie sich noch erinnern, was sie dieses Jahr bisher gelernt haben – im Seminar und ihrem persönlichen Studium. Sie können sie dazu anhalten, die Kapitelüberschriften in 1 Nephi nochmal zu lesen. Bitten Sie sie, den anderen über etwas aus 1 Nephi zu berichten, was sie begeistert oder ihren Glauben an Jesus Christus gestärkt hat. Geben Sie ihnen ausreichend Zeit und bitten Sie dann ein paar Schüler, ihre Gedanken und Gefühle zu äußern. Sie können auch erzählen, wie Sie selbst Nutzen aus den Worten in 1 Nephi gezogen haben.

Kommentar und Hintergrundinformationen

1 Nephi 21:15,16. Jesus Christus vergisst nicht

Elder Jeffrey R. Holland vom Kollegium der Zwölf Apostel hat bezeugt, dass die Worte in 1 Nephi 21:15,16 wahr sind:

„Auch dieser poetische Abschnitt erinnert uns daran, dass Christus der Erretter ist, ein schützender, erlösender Vater der Kinder Zions. Wie jeder liebevolle Vater oder jede Mutter ihr Kind tröstet, tröstet er sein Volk und ist barmherzig, wenn es bedrängt wird. Doch wie Nephi uns hier durch Jesaja erinnert, geht er weit über das hinaus, was ein sterblicher Vater oder eine sterbliche Mutter tun könnte. Wenn auch eine Mutter ihren Säugling vergessen könnte (so unwahrscheinlich das allen Eltern vorkommen mag), wird Christus die Kinder, die er erlöst, und den Bund, den er mit ihnen zur Errettung in Zion geschlossen hat, nicht vergessen.“ (Christ and the New Covenant: The Messianic Message of the Book of Mormon, 1997, Seite 84.)

1 Nephi 22:6-9. „Eine mächtige Nation“ und „ein wunderbares Werk“

Elder Mark E. Petersen vom Kollegium der Zwölf Apostel hat gesagt, dass sich die Formulierung „eine mächtige Nation … unter den Andern“ in 1 Nephi 22:7 auf die Vereinigten Staaten von Amerika bezieht (siehe „The Great Prologue“, Ansprache an der Brigham-Young-Universität am 29. September 1974, Seite 4, speeches.byu.edu).

In 1 Nephi 22:8 erwähnt Nephi, dass in den Letzten Tagen „unter den Andern ein wunderbares Werk“ vollbracht wird. Zu diesem großartigen Werk gehören die Wiederherstellung des Evangeliums Jesu Christi und der Priestertumsschlüssel, die erforderlich sind, um allen Geschlechtern der Erde die Bündnisse des Vaters zu bringen (siehe Vers 9).

Die Ereignisse in 1 Nephi 22:7 mussten denen vorangehen, die in 1 Nephi 22:8,9 beschrieben werden. Jahrhundert wurde den Menschen in den meisten Ländern der Welt eine Staatsreligion aufgezwungen. Das Evangelium konnte aber nur in einem Land wieder hergestellt werden, in dem Religionsfreiheit im Gesetz verankert war und frei ausgeübt wurde. Der erste Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verkündete unter anderem die freie Ausübung der Religion. Dieser Verfassungszusatz wurde mit weiteren am 15. Dezember 1791 unterzeichnet und bahnte den Weg dafür, dass die Religionsfreiheit in der Neuzeit Fuß fassen konnte. Joseph Smith wurde im Dezember 1805 geboren – gerade einmal 14 Jahre nachdem der Zusatz zur Verfassung ratifiziert worden war.