Lektion 6: 1 Nephi 1

Das Buch Mormon – Seminarleitfaden für den Lehrer, 2012


Einleitung

Das Buch Mormon beginnt mit Lehi, der treu seine Aufgabe als Prophet erfüllt. Lehi ist einer von vielen Propheten, die dem Volk prophezeien, es müsse umkehren (siehe 1 Nephi 1:4). Als er von der Zerstörung Jerusalems prophezeit und die Erlösung durch den Messias bezeugt, wird er von vielen verspottet und sie wollen ihn töten. Ungeachtet dessen frohlockt er über die Barmherzigkeit und Macht der Errettung des Herrn. Anhand von Lehis Wirken können die Schüler besser nachvollziehen, welchen Stellenwert neuzeitliche Propheten haben. Indem sie nach Beweisen für Gottes Barmherzigkeit und sein Interesse an ihrem Leben suchen, wird sich ihre Beziehung zu ihm vertiefen.

Anregungen für den Unterricht

1 Nephi 1:1-3

Nephi beginnt mit seinem Bericht

Bitten Sie die Schüler, 1 Nephi 1:1-3 still zu lesen. Sie sollen herausfinden, warum Nephi diesen Bericht geschrieben hat.

  • Welche Gründe führt Nephi an, weshalb er einen Bericht von seinen Erlebnissen anfertigt?

  • Was glaubt ihr, warum der Herr Nephi „viel Gunst erwiesen hat“, obwohl er doch „viele Bedrängnisse erlebt“ hatte?

1 Nephi 1:4-20

Lehi hat eine Vision und warnt das Volk vor der Zerstörung Jerusalems

Die Schüler sollen überlegen, wann sie von ihren Eltern vor Gefahren gewarnt wurden.

  • Warum haben euch eure Eltern vor der Gefahr gewarnt?

  • Auf welche Art und Weise warnt der Vater im Himmel seine Kinder?

Erklären Sie, dass sich der erste Bericht im Buch Mormon zu einer Zeit zugetragen hat, als viele Menschen in Jerusalem schlecht waren. Bitten Sie einen Schüler, 3 Nephi 1:4 vorzulesen. Fragen Sie die Klasse, auf welche Weise der Herr die Menschen in Jerusalem gewarnt hat.

Erklären Sie, dass Nephis Vater Lehi einer der vielen Propheten war, die in diesem Vers erwähnt werden. Er ermahnte das Volk zur Umkehr. Die Schüler sollen herausfinden, welche Warnungen und Lehren Lehi ausgesprochen hat. Lassen Sie sie sich dazu in Zweiergruppen zusammentun; jede Gruppe soll 1 Nephi 1:5-13 lesen und heraussuchen, was Lehi in der Vision sah. Sie können das entweder in den Schriften markieren oder auf einem Blatt Papier notieren. Geben Sie den Gruppen ein paar Minuten Zeit, um die folgende Frage zu erörtern. (Sie können die Frage auch an die Tafel schreiben.)

  • Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr in einer Vision sehen würdet, dass eure Stadt zerstört wird?

Anschließend bitten Sie die Schüler, 1 Nephi 1:15 still zu lesen und darauf zu achten, wie sich Lehi gefühlt hat, nachdem er diese Vision hatte.

  • Wie reagierte Lehi auf das, was er gesehen hat?

Bitten Sie einen Schüler, 1 Nephi 1:14,15 vorzulesen. Die Schüler sollen nach Gründen schauen, warum sich Lehi wohl freute. (Erklären Sie gegebenenfalls, dass Lehi zwar vom Untergang Jerusalems erfuhr, aber auch sah, dass diejenigen, die ihr Vertrauen in Gott setzten, nicht zugrunde gehen würden.)

  • Habt ihr schon einmal Gott gepriesen, obwohl ihr eine schwere Zeit durchmachen musstet?

  • An welchen Segnungen kann man die „Güte und Barmherzigkeit“ Gottes inmitten schwieriger Zeiten erkennen?

Bitten Sie jemanden, die folgende Aussage vorzulesen:

„Wie die Propheten in alter Zeit geben die heutigen Propheten Zeugnis von Jesus Christus und lehren sein Evangelium. Sie teilen uns den Willen Gottes mit und erklären uns sein wahres Wesen. Sie sprechen mit Kühnheit und Klarheit. Sie prangern die Sünde an und warnen vor ihren Folgen. Manchmal werden sie inspiriert, zu unserem Nutzen von künftigen Ereignissen zu prophezeien.“ (Treu in dem Glauben – ein Nachschlagewerk zum Evangelium, 2004, Seite 145.)

Heben Sie hervor, dass Lehi ein Beispiel dafür gibt, dass Propheten vor Sünde warnen und die Errettung durch Jesus Christus lehren. (Sie können diese Wahrheit auch an die Tafel schreiben.)

Bitten Sie die Schüler, 1 Nephi 1:19,20 zu lesen.

  • Was hat Lehi gelehrt?

  • Wie hat sich das Volk daraufhin verhalten?

  • Warum lehnen wohl die Menschen in der heutigen Zeit das ab, was die Propheten des Herrn verkünden?

  • Inwiefern wurdet ihr gesegnet oder vor etwas bewahrt, weil ihr dem Propheten nachgefolgt seid?

1 Nephi 1:20

Nephi gibt Zeugnis von der liebevollen, großen Barmherzigkeit des Herrn

Weisen Sie darauf hin, dass Nephi im zweiten Satz von 1 Nephi 1:20 seinen Bericht unterbricht, um eine Botschaft an diejenigen zu richten, die seine Worte lesen. Bitten Sie die Schüler, 1 Nephi 1:20 still zu lesen und auf die Botschaft zu achten, die Nephi uns verständlich machen möchte. Machen Sie, falls erforderlich, auf den Satz aufmerksam, mit dem Nephi die Botschaft einleitet („Ich, Nephi, werde euch zeigen …“).

  • Wie kann es euch bei eurem persönlichen Studium des Buches Mormon helfen, wenn ihr dieser Art von Formulierungen besondere Aufmerksamkeit schenkt?

  • Was wollte uns Nephi damit zeigen?

Lassen Sie einen Schüler 1 Nephi 1:20 vorlesen. Ein anderer Schüler soll Moroni 10:3 vorlesen. Fordern Sie die Klasse auf, in beiden Versen nach Gemeinsamkeiten zu suchen.

  • Welchen ähnlichen Gedanken wollten Nephi und Moroni den Lesern des Buches Mormon nahebringen?

Helfen Sie den Schülern, diesen Grundsatz herauszuarbeiten: Die liebevolle, große Barmherzigkeit des Herrn erstreckt sich auf diejenigen, die Glauben an ihn ausüben. (Sie können diesen Grundsatz auch an die Tafel schreiben.)

Machen Sie den Schülern anhand der nachstehenden Aussage von Elder David A. Bednar vom Kollegium der Zwölf Apostel deutlich, was die liebevolle, große Barmherzigkeit des Herrn bedeutet und wie sie diese in ihrem Leben erkennen können:

Elder David A. Bednar

„Die liebevolle, große Barmherzigkeit des Herrn [besteht] aus ganz persönlichen, individuellen Segnungen, Stärke, Schutz, Bestätigungen, Führung, liebevoller Güte, Trost, Unterstützung und geistigen Gaben …, die wir von, aufgrund und durch den Herrn Jesus Christus erhalten. …

Die liebevolle, große Barmherzigkeit des Herrn [tritt] nicht wahllos oder zufällig [zutage]. Glaubenstreue und Gehorsam ermöglichen es uns, diese wichtige Gabe zu erhalten, und oft hilft uns der Zeitplan des Herrn, sie zu erkennen.

Wir dürfen die Macht der liebevollen Barmherzigkeit des Herrn weder unterschätzen noch ignorieren.“ (Liahona, Mai 2005, Seite 99f.)

  • Wie hat Elder Bednar die Formulierung „liebevolle, große Barmherzigkeit des Herrn“ erklärt?

  • Kennt ihr jemanden, der die liebevolle, große Barmherzigkeit des Herrn erfahren hat, oder habt ihr das selbst erlebt?

Nachdem Sie den Schülern genügend Zeit gegeben haben, diese Fragen zu beantworten, sollen sie überlegen, wie sie die liebevolle, große Barmherzigkeit des Herrn in ihrem Leben besser erkennen können. Fordern Sie sie auf, mehr auf die liebevolle, große Barmherzigkeit des Herrn zu achten. Legen Sie den Schülern nahe, ihre Erfahrungen mit der liebevollen, großen Barmherzigkeit des Herrn in ihrem Tagebuch festzuhalten. Geben Sie ihnen eventuell Zeit, um in ihr Studientagebuch ein oder zwei Beispiele aufzuschreiben, wie sich in letzter Zeit die liebevolle, große Barmherzigkeit des Herrn auf sie erstreckt hat.

Lesen Sie abschließend noch einmal Nephis Zeugnis in 1 Nephi 1:20 über die liebevolle, große Barmherzigkeit des Herrn. Geben Sie Zeugnis, dass der Herr jeden Einzelnen segnet und auf ihn achtet. Bitten Sie die Klasse, in ihrem Leben und beim Lesen des Buches Mormon nach der liebevollen, großen Barmherzigkeit des Herrn Ausschau zu halten.

Kommentar und Hintergrundinformationen

1 Nephi 1:2. „Die Sprache der Ägypter“

Nephi sagte, er verfasse den Bericht in „der Sprache der Ägypter“ (1 Nephi 1:2). Etwa 470 Jahre später brachte König Benjamin seinen Söhnen die „Sprache der Ägypter“ bei (Mosia 1:1-4). Der Begriff „reformierte[s] Ägyptisch“ kommt in Mormon 9:32 vor. Moroni weist darauf hin, dass bis zu seiner Zeit, also ungefähr 1000 Jahre nachdem Lehi und Nephi gelebt hatten, das Ägyptisch und Hebräisch, das Lehi und Nephi gebraucht hatten, von den Völkern verändert worden war.

1 Nephi 1:4. „Viele Propheten“

Nephi erklärte, dass dem Volk in Jerusalem „viele Propheten“ geschickt wurden. Wir wissen, dass Jeremia, Obadja, Nahum, Habakuk und Zefanja zu jener Zeit als Propheten im Königreich Juda Zeugnis gaben. Auch in Jeremia 35:15 werden zahlreiche Propheten erwähnt, die vom Herrn gesandt wurden, um das Volk zu warnen (siehe auch 2 Chronik 36:15,16).

Jeremia war ein machtvoller Prophet in den Tagen Lehis und Nephis, der im 1 Nephi 5:13 und 7:14 erwähnt wird. Er wirkte unter den Juden von 626 bis 586 v. Chr. Im Gegensatz zu Lehi blieb Jeremia in Jerusalem und forderte das Volk weiterhin zur Umkehr auf (siehe Schriftenführer, „Jeremia“). Nachdem Lehi Jerusalem verlassen hatte, kam Jeremia ins Gefängnis. Dort schrieb er die Klagelieder, in denen er die Zerstörung Jerusalems beklagte und dass das Volk nicht umkehre.

Zusätzliche Anregungen für den Unterricht

1 Nephi 1:2,3,20. Die liebevolle, große Barmherzigkeit in unserem Leben schriftlich festhalten

  • Welchen Nutzen hat es, wenn ihr eure Erfahrungen im Tagebuch festhaltet?

Nephi legte Zeugnis ab von der liebevollen, großen Barmherzigkeit Gottes, die sich auf ihn erstreckt hat. Er sagte, dass all diejenigen, die Glauben an Jesus Christus haben, diesen Segen erfahren können. Präsident Henry B. Eyring von der Ersten Präsidentschaft hat einmal erzählt, wie er die Eingebung empfing, aufzuschreiben, wie Gott seiner Familie Güte entgegenbringt:

„Ich kam von einem Auftrag in der Kirche spät nach Hause. Es war bereits dunkel. Als ich auf die Haustür zuging, war ich überrascht, meinen Schwiegervater zu sehen, der in unserer Nähe wohnte. Er trug eine ganze Ladung Rohre auf der Schulter, ging sehr schnell und trug Arbeitskleidung. Ich wusste, dass er dabei war, ein Leitungssystem zu bauen, um Wasser von einem tiefer liegenden Bach zu unserem Grundstück hinaufzupumpen.

Er lächelte, sprach leise mit mir und eilte dann an mir vorbei und verschwand in der Dunkelheit, um seine Arbeit fortzusetzen. Gerade als ich die Tür erreicht hatte, vernahm ich in Gedanken – und es war nicht meine Stimme, die da sprach – folgende Worte: ,Diese Erlebnisse gebe ich dir nicht, damit du sie für dich behältst. Schreib sie auf.‘

Ich betrat das Haus. Ich ging nicht zu Bett. Ich war zwar müde, doch ich nahm etwas Papier zur Hand und begann zu schreiben. Und als ich das tat, verstand ich die Botschaft, die ich in Gedanken vernommen hatte. Ich sollte aufschreiben, wie ich erlebt hatte, dass unsere Familie durch Gottes Hand gesegnet wurde, damit meine Kinder es irgendwann einmal in der Zukunft lesen könnten. …

Jahrelang schrieb ich täglich ein paar Zeilen. Ich ließ nie einen Tag aus, wie müde ich auch war oder wie früh ich am nächsten Tag aufstehen musste. Vor dem Schreiben dachte ich über diese Frage nach: Habe ich heute bemerkt, dass Gott seine Hand ausgestreckt hat, um auf uns oder unsere Kinder oder unsere Familie einzuwirken? Ich blieb ausdauernd, und mit der Zeit geschah etwas. Wenn ich auf den Tag zurückblickte, konnte ich erkennen, was Gott für einen von uns getan hatte – etwas, was ich während des geschäftigen Tages gar nicht bemerkt hatte.“ („O denkt daran, denkt daran“, Liahona, November 2007, Seite 66f.)

1 Nephi 1:4-20. Parallelen zwischen Lehi und Joseph Smith

Bitten Sie jemanden, 1 Nephi 1:4-20 zu lesen und auf wesentliche Ereignisse zu achten, die in Lehis Leben zu dieser Zeit stattgefunden haben. Besprechen Sie dann mit den Schülern Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:1-35 und bitten Sie die Schüler, nach bedeutenden Ereignissen im Leben des Propheten Joseph Smith Ausschau zu halten. Sie sollen nach Parallelen zwischen dem Leben von Lehi und dem von Joseph Smith suchen. (Mögliche Antworten könnten dabei sein, dass beide im aufrichtigen Gebet Gott suchten, den Vater und den Sohn sahen, anderen von ihren Visionen erzählten, von vielen Menschen verworfen wurden, dass ihr Leben in Gefahr war, dass sie umziehen mussten und dass sie Gott über weltlichen Besitz und die Ehre der Welt setzten.)