Lektion 118: 3 Nephi 6 und 7

Das Buch Mormon – Seminarleitfaden für den Lehrer, 2012


Einleitung

Nach der wundersamen Befreiung aus den Händen der Gadiantonräuber haben die Nephiten drei Jahre lang Frieden. Dann jedoch kommen unter dem Volk Stolz, Klassenunterschiede und Verfolgungen auf. Einige bleiben dem Herrn treu, viele andere hingegen treten geheimen Verbindungen bei. Die geheimen Verbindungen führen dazu, dass der oberste Richter ermordet und die Regierung der Nephiten gestürzt werden. Das Volk teilt sich in Stämme auf, die jeweils einen eigenen Anführer ernennen. Nephi dient dem Volk mit Macht und großer Vollmacht.

Anregungen für den Unterricht

3 Nephi 6:1-18

Nachdem es den Nephiten eine Zeit lang wohl ergeht, verfallen sie in Stolz, und die Kirche bricht auseinander

Schreiben Sie vor dem Unterricht die folgenden Fragen an die Tafel. Die Schüler sollen sie beantworten und ihre Antworten begründen.

Ist es möglich, dass jemand …

sowohl reich als auch demütig ist?

sowohl arm als auch stolz ist?

sowohl gebildet als auch demütig ist?

sowohl ungebildet als auch stolz ist?

Die Schüler sollen diese Fragen im Hinterkopf behalten, während sie sich mit 3 Nephi 6 befassen. Fassen Sie 3 Nephi 6:1-9 zusammen und erklären Sie, dass die Nephiten und Lamaniten Frieden im Land aufrichteten und es ihnen wohl erging, nachdem sie die Gadiantonräuber besiegt hatten. Nach nur kurzer Zeit wurden der Friede und der Wohlstand jedoch gefährdet.

Ein Schüler soll 3 Nephi 6:5,10-12 vorlesen. Die übrige Klasse soll darauf achten, weshalb der Frieden und der Wohlstand bedroht wurden.

  • Wodurch wurden Frieden und Wohlstand des Volkes gefährdet?

  • Wie haben das Anhäufen von Reichtum oder Gelehrtheit in eurer Schule, in eurem Umfeld oder in eurem Land schon zu ähnlichen Problemen geführt? Auf welche Weise?

Zeichnen Sie eine senkrechte Linie in die Mitte der Tafel. Schreiben Sie über die linke Spalte stolz und über die rechte demütig. Anschließend sollen die Schüler 3 Nephi 6:13,14 durchlesen und auf Wörter und Formulierungen achten, aus denen hervorgeht, wie sich das Volk verhielt, als durch Reichtum und Gelehrtheit eine Spaltung verursacht wurde. (Erläutern Sie gegebenenfalls, dass die Wörter Schimpf und schmähen bedeuten, dass man jemanden abfällig kritisiert und beleidigt.) Im Anschluss sollen die Schüler in die jeweilige Spalte schreiben, was sie herausgefunden haben.

  • Inwiefern geht aus 3 Nephi 6:13 hervor, dass einige, die von denjenigen verfolgt wurden, die stolz waren, sich selbst stolz verhielten?

  • Warum ist es wohl ein Ausdruck von Stolz, wenn man „Schimpf mit Schimpf“ (oder Kritik mit Kritik) vergilt.

  • Was beeindruckt euch daran, wie sich die bekehrten Lamaniten verhielten?

  • Welche Grundsätze können wir 3 Nephi 6:13,14 entnehmen? (Auch wenn die Schüler unterschiedliche Punkte aufzählen mögen, soll dieser Grundsatz herausgearbeitet werden: Wir können uns – ungeachet unserer Umstände – dafür entscheiden, demütig und treu zu sein.)

Weisen Sie die Schüler auf die rechte Spalte an der Tafel hin. Stellen Sie folgende Fragen:

  • Was können wir tun, damit wir unter allen Umständen demütig und treu bleiben? (Schreiben Sie die Antworten in die Spalte unter der Überschrift demütig.)

  • Kennt ihr jemanden, der sich ungeachtet der äußeren Umstände entschieden hat, demütig und treu zu bleiben? Inwiefern gibt er euch ein Beispiel an Demut?

Erläutern Sie, dass sich die Situation der Nephiten verschlimmert, da die meisten nicht von ihrem Stolz umkehren. Ein paar Schüler sollen abwechselnd 3 Nephi 6:15-18 vorlesen. Die anderen sollen mitlesen und darauf achten, wie es der Stolz des Volkes dem Satan einfacher macht, es zu beeinflussen.

  • Was erfahren wir in diesen Versen über den Zusammenhang zwischen Stolz und der Macht des Satans, uns zu versuchen? (Die Schüler sollen diesen Grundsatz erkennen: Wenn wir stolz sind, geben wir dem Satan größere Macht, uns zu versuchen und zur Sünde zu verleiten. Die Schüler sollen diesen Grundsatz gegebenenfalls in ihre Schriften oder in ihr Studientagebuch schreiben.)

  • Welche Wörter und Formulierungen in 3 Nephi 6:15-18 beschreiben den bösen Wandel, der im Herzen dieser Menschen wegen ihres Stolzes vor sich ging? (Sie waren „den Versuchungen des Teufels überlassen, um von ihm umhergeführt zu werden, wo immer [der Satan] sie hinzuführen wünschte, und jederlei Übeltat zu begehen, wovon er wünschte, dass sie sie begehen würden“. Sie befanden sich „in einem Zustand furchtbarer Schlechtigkeit“ und „lehnten … sich vorsätzlich gegen Gott auf“.)

  • Weshalb wirkt sich Stolz wohl direkt darauf aus, wie sehr der Satan uns beeinflussen kann?

Präsident Henry B. Eyring

Lassen Sie die Schüler antworten und bitten Sie außerdem einen Schüler, das nachstehende Zitat von Präsident Henry B. Eyring von der Ersten Präsidentschaft vorzulesen. Die Schüler sollen darauf achten, vor welcher Gefahr, die durch Stolz verursacht wird, Präsident Eyring warnt.

„Der Stolz tobt in unserem Innern so laut, dass die leise Stimme des Geistes nur schwer zu vernehmen ist. Und bald hören wir aus Eitelkeit gar nicht mehr hin. Wir gelangen rasch zu der Überzeugung, dass diese Stimme entbehrlich sei.“ („Das Gebet“, Liahona, Januar 2002, Seite 17.)

  • Warum ist es gefährlich, nicht mehr auf die Stimme des Geistes zu hören? (Verdeutlichen Sie den Schülern, dass wir für die Versuchungen des Teufels empfänglicher sind, wenn wir nicht auf die Einflüsterungen des Heiligen Geistes hören.)

Machen Sie die Schüler auf das aufmerksam, was an der Tafel in der rechten Spalte steht. Sie sollen sich eine Antwort aussuchen, die unter dem Begriff „demütig“ steht und die ihnen auf persönlicher Ebene helfen würde. Geben Sie ihnen dann etwas Zeit, aufzuschreiben, wie sie das sogleich umsetzen können, ob nun in der Schule oder in der Familie.

3 Nephi 6:19 bis 7:14

Geheime Verbindungen stürzen die Regierung der Nephiten und das Volk teilt sich in Stämme auf

Zeichnen Sie den folgenden Zeitstrahl an die Tafel:

time line

Teilen Sie die Klasse in vier Gruppen und weisen Sie jeder einen dieser Schriftblöcke zu. Die Schüler sollen die Schriftstellen für sich lesen und herausarbeiten, was sich unter den Nephiten alles zutrug. Geben Sie ihnen genügend Zeit zum Lesen. Anschließend soll einer aus jeder Gruppe die wichtigen Ereignisse des jeweiligen Schriftblocks unter die entsprechende Spalte des Zeitstrahls schreiben (die anderen aus seiner Gruppe können dabei helfen). Erklären Sie dann, dass diese Ereignisse aufzeigen, wie geheime Verbindungen zum Niedergang der nephitischen Regierung und zum Zerfall des Volkes in Stämme führte.

Ein paar Schüler sollen abwechselnd 3 Nephi 6:27-30 vorlesen. Die anderen sollen mitlesen und darauf achten, wer der Urheber solcher Verbindungen ist und welchen Zweck diese verfolgen. Fragen Sie, wenn die Schüler den Urheber (nämlich den Teufel) genannt haben:

  • Wie werden die Absichten der geheimen Verbindungen beschrieben? (Mögliche Antworten lauten: „um sich gegen alle Rechtschaffenheit zu verbinden“, um das Volk des Herrn „zu vernichten“, „sie boten dem Gesetz und den Rechten ihres Landes Trotz“, und sie wollten, dass „das Land nicht mehr frei sei“.)

  • Wie entgingen diejenigen, die die Propheten ermordeten, einer Bestrafung? (Ihre Freunde und Angehörigen, die ebenfalls den geheimen Verbindungen angehörten, sorgten dafür, dass niemand von den Taten erfuhr und sie daher keine Konsequenzen dafür tragen mussten.)

  • Stellt euch vor, ein paar Freunde von euch wollen die Folgen einer bestimmten Tat umgehen. Wie könnt ihr ihnen helfen, stattdessen nach dem Evangelium und dessen Maßstäben zu leben?

Ein paar Schüler sollen abwechselnd 3 Nephi 7:1-8 vorlesen. Die anderen sollen mitlesen und darauf achten, wie sich diese geheimen Verbindungen unter den Nephiten auswirkten. Erläutern Sie, dass der Teufel die Menschen dazu verleitet, sich geheimen Verbindungen anzuschließen, weil es ihm darum geht, dass Schlechtigkeit zunimmt und Rechtschaffenheit nachlässt. Erklären Sie, dass die Methoden und Motive geheimer Verbindungen oft sehr raffiniert und nicht immer leicht zu durchschauen sind. Fordern Sie sie auf, den Umgang mit jeder Gruppe oder einzelnen Leuten zu meiden, die in irgendeiner Weise einer geheimen Verbindung gleichen.

3 Nephi 7:15-26

In einer Zeit, wo nur wenige treu sind, führt Nephi sein Wirken fort und bekehrt ein paar Menschen

  • Wie hättet ihr euch wohl gefühlt, wenn ihr unter den Nephiten gelebt hättet, nachdem ihre Regierung gestürzt worden war? Weshalb hättet ihr euch so gefühlt?

  • An wen hättet ihr euch gewandt, Führung und Weisung zu empfangen?

Ein paar Schüler sollen abwechselnd 3 Nephi 7:15-20 vorlesen. Die anderen sollen mitlesen und darauf achten, wieso sie unter solchen Umständen wohl den Wunsch gehabt hätten, Nephi nachzufolgen. Sie können die Schüler auch nach jedem Vers (oder jedem zweiten) unterbrechen und fragen, warum sie wohl motiviert gewesen wären, Nephi nachzufolgen.

  • Welche Botschaft verkündete Nephi den Menschen? (Siehe 3 Nephi 7:16.)

  • Inwiefern sind die heutigen Führer der Kirche wie Nephi?

  • Habt ihr schon erlebt, dass ein Führer der Kirche „mit Macht und mit großer Vollmacht“ gedient hat (siehe 3 Nephi 7:17)?

Die Schüler sollen 3 Nephi 7:21-26 für sich lesen und heraussuchen, auf welche Weise diejenigen, die sich bekehrten, dafür gesegnet wurden, dass sie Nephi nachfolgten und von ihren Sünden umkehrten. Fragen Sie die Schüler, was sie herausgefunden haben.

  • Welche Grundsätze erfahren wir aus dem Beispiel derjenigen, die umkehrten und Nephi nachfolgten?

Die Schüler nennen möglicherweise verschiedene Aspekte, sollen aber auf jeden Fall diesen Grundsatz erkennen: Wenn wir umkehren und den Knechten des Herrn nachfolgen, empfangen wir den Einfluss des Heiligen Geistes.

  • Warum ist Umkehr notwendig, damit wir den Heiligen Geist bei uns haben können?

  • Warum ist man wohl empfänglicher für die Führung des Heiligen Geistes, wenn man den Knechten des Herrn nachfolgt?

Lesen Sie gemeinsam die folgende Aussage von Präsident James E. Faust von der Ersten Präsidentschaft:

Präsident James E. Faust

„Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass geistige Führung in hohem Maße davon abhängt, dass man mit dem Präsidenten der Kirche, der Ersten Präsidentschaft und dem Kollegium der Zwölf Apostel im Einklang ist – also mit allen, die als Propheten, Seher und Offenbarer bestätigt werden. Mir ist unklar, wie man erwarten kann, mit dem Geist des Herrn voll und ganz im Einklang zu sein, wenn man nicht mit dem Präsidenten der Kirche und den übrigen Propheten, Sehern und Offenbarern im Einklang steht.“ („Berufen und erwählt“, Liahona, November 2005, Seite 53f.)

  • Habt ihr schon den Einfluss des Heiligen Geistes verspürt, weil ihr euch dafür entschieden habt, auf die Knechte des Herrn zu hören?

Fordern Sie die Schüler auf, Eingebungen aufzuschreiben, die sie dazu erhalten haben, wie sie die heute dazugelernten Grundsätze anwenden können. Betonen Sie: Selbst wenn sich andere entschließen, nicht im Einklang mit Gottes Geboten zu leben, wie das unter den Nephiten der Fall war, können wir beschließen, Gott und seinen erwählten Knechten voller Demut zu folgen.

Kommentar und Hintergrundinformationen

3 Nephi 6:10-18. Die Auswirkungen von Stolz

In 3 Nephi 6:10-18 erfahren wir, wie Stolz unter einem Volk Spaltungen hervorrufen kann. Präsident Ezra Taft Benson hat gesagt, dass es auch ein Ausdruck von Stolz sein kann, wenn man sich oft mit anderen vergleicht. Außerdem hat er davor gewarnt, dass Stolz unsere Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen beeinträchtigt:

„Der Stolze macht sich jeden zum Feind, indem er seinen Intellekt, seine Ansichten, seine Leistungen, seinen Wohlstand, seine Talente und andere weltliche Maßstäbe gegen die anderen aufbietet. Wie C. S. Lewis sagt: ‚Der Stolze freut sich nicht, wenn er etwas hat, sondern nur, wenn er mehr hat als der Nächste. … Der Vergleich macht ihn stolz: das Vergnügen, über den anderen zu stehen. Sobald der Wetteifer verschwunden ist, ist der Stolz verschwunden.‘ (Mere Christianity, New York: Macmillan, 1952, Seite 109f.) …

Der Stolz wirkt sich negativ auf unsere Beziehungen aus – auf unsere Beziehung zu Gott und seinen Knechten, auf die Beziehung zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Lehrern und Schülern und zu allen Menschen. Unser Maß an Stolz bestimmt, wie wir unseren Gott und unsere Brüder und Schwestern behandeln.“ („Beware of Pride“, Ensign, Mai 1989, Seite 4ff.)