Lektion 124: 3 Nephi 14

Das Buch Mormon – Seminarleitfaden für den Lehrer, 2012


Einleitung

Als Jesus Christus seine Predigt am Tempel im Land Überfluss fortsetzt, warnt er das Volk davor, andere zu richten und weist es an, sich um die Segnungen des himmlischen Vaters zu bemühen, indem es betet und seinen Willen tut. Der Erlöser warnt die Menschen außerdem vor falschen Propheten und betont, wie wichtig es ist, den Willen Gottes zu tun.

Anregungen für den Unterricht

3 Nephi 14:1-6

Der Erretter lehrt, wie man rechtschaffen urteilt

Lesen Sie diese Geschichte von Thomas S. Monson vor, um die Schüler darauf einzustimmen, sich damit zu befassen, was der Heiland über rechtschaffenes Urteilen gesagt hat:

Präsident Thomas S. Monson

„Zwei Jungverheiratete, Lisa und John, waren in ein anderes Stadtviertel gezogen. Eines Morgens blickte Lisa beim gemeinsamen Frühstück aus dem Fenster und beobachtete, wie die Frau von nebenan Wäsche aufhängte.

,Diese Wäsche ist nicht sauber!‘, entfuhr es Lisa. ,Unsere Nachbarin weiß nicht, wie man die Kleidung sauber bekommt.‘

John schaute hinaus, sagte aber nichts.

Jedes Mal, wenn die Nachbarin Wäsche zum Trocknen aufhängte, machte Lisa ähnliche Bemerkungen.

Einige Wochen später warf Lisa einmal mehr einen Blick aus dem Fenster und erblickte zu ihrer Überraschung im Garten ihrer Nachbarin saubere Wäsche an der Leine. Sie wandte sich ihrem Mann zu und sagte: ,Sieh mal, John, sie hat endlich begriffen, wie man richtig wäscht! Ich frage mich, wie sie das hinbekommen hat?‘

Darauf John: ,Weißt du, Liebes, das kann ich dir sagen. Sicher ist dir entgangen, dass ich heute morgen zeitig aufgestanden bin und unsere Fenster geputzt habe.‘“ („Die Liebe hört niemals auf“, Liahona, November 2010, Seite 122.)

  • Was können wir aus dieser Geschichte lernen?

Erklären Sie, dass der Heiland in 3 Nephi 14 damit fortfährt, die Nephiten am Tempel zu belehren. Bitten Sie einen Schüler, 3 Nephi 14:1,2 vorzulesen. Die Klasse soll mitlesen und herausfinden, wovor Jesus Christus in Bezug auf das Urteilen über andere gewarnt hat. Weisen Sie gegebenenfalls darauf hin, dass das Wort messt in 3 Nephi 14:2 etwa gleichbedeutend ist mit urteilen. Die Formulierung „mit welchem Maß ihr messt“ bezieht sich auf den Maßstab, anhand dessen jemand andere beurteilt.

  • Wie würdet ihr den Grundsatz in 3 Nephi 14:2 in eigenen Worten wiedergeben? (Die Schüler sollen diesen Grundsatz erkennen: Wir werden auf die gleiche Art und Weise gerichtet werden, wie wir andere richten.)

Damit die Schüler besser verstehen, was mit dem Gebot des Heilands in 3 Nephi 14:1, andere nicht zu verurteilen, gemeint ist, soll jemand das nachstehende Zitat von Elder Dallin H. Oaks vorlesen. Die anderen sollen darauf achten, auf welche Art und Weise wir nicht übereinander urteilen sollen.

Elder Dallin H. Oaks

„Das endgültige Urteil … bezieht sich auf jenen künftigen Zeitpunkt, wenn wir alle vor dem Richterstuhl Christi stehen werden, um nach unseren Werken gerichtet zu werden. … Ich meine, dass sich das Gebot, nicht zu richten, in den heiligen Schriften eindeutig auf dieses letzte, endgültige Urteil bezieht.

… Weshalb hat der Erlöser geboten, dass wir uns kein endgültiges Urteil anmaßen sollen? Ich glaube, dieses Gebot ergeht an uns deswegen, weil wir uns jedes Mal ein endgültiges Urteil anmaßen, wenn wir behaupten, jemand gehöre wegen einer bestimmten Tat oder zu einem bestimmten Zeitpunkt in den Himmel oder die Hölle. Wann immer wir das tun – und die Versuchung ist groß –, schaden wir uns selbst und auch dem Menschen, über den wir vorgeben, ein Urteil zu fällen. …

Das Evangelium ist ein Evangelium der Hoffnung, und keiner von uns ist befugt, die Macht des Sühnopfers zu leugnen, die zu einer Reinigung von der Sünde führen kann, zur Vergebung und zu einem geläuterten Leben – gemäß den entsprechenden Bedingungen.“ (Auszug aus „‚Judge Not‘ and Judging“, einer CES-Fireside für Junge Erwachsene, 1. März 1998, in: Das Buch Mormon – Leitfaden für den Lehrer (Seminar), 2001, Seite 31.)

  • Wie hilft euch die Aussage von Elder Oaks, das Gebot des Heilands, nicht über andere zu richten, besser zu verstehen?

Zeigen Sie den Schülern einen kleinen Gegenstand, beispielsweise einen Holzsplitter. Zeigen Sie dann einen Holzbalken oder ein langes Stück Holz (oder ein Bild davon). Sagen Sie den Schülern, dass der Erlöser von einem Splitter und einem Balken sprach, damit wir erkennen, zu welchen Problemen es führt, wenn wir unrechtmäßig über andere urteilen. Bitten Sie einen Schüler, 3 Nephi 14:3-5 vorzulesen. Die anderen sollen sich überlegen, wofür wohl der Splitter und der Balken stehen könnten.

  • Wofür steht der Splitter? (Für einen Fehler, den wir bei jemand anderem sehen.) Wofür steht der Balken? (Für die eigenen Fehler.)

Weisen Sie darauf hin, dass der Erretter in seinem Vergleich von einem Fremdkörper spricht, der im Auge feststeckt. Ein solcher Fremdkörper beeinträchtigt das Sehvermögen des Betroffenen.

  • Inwiefern wirken sich die eigenen Fehler darauf aus, wie wir andere sehen?

Fragen Sie die Schüler, ob es überhaupt jemals angebracht ist, über jemanden zu urteilen. Geben Sie ihnen einen Moment Zeit, über diese Frage nachzudenken. Erklären Sie dann, dass der Prophet Joseph Smith in der inspirierten Übersetzung von Matthäus 7:1 verdeutlicht hat, was der Heiland in Bezug auf das Urteilen gelehrt hat. Laut Joseph Smith sagte der Erretter: „Richtet nicht unrecht, damit ihr nicht gerichtet werdet; sondern richtet rechtschaffenes Gericht.“ (Joseph-Smith-Übersetzung, Matthäus 7:1.) Bitten Sie einen Schüler, die folgende Erläuterung aus dem Nachschlagewerk Treu im Glauben vorzulesen:

„Manchmal hört man die Meinung, dass es grundsätzlich falsch sei, über andere Menschen zu urteilen. Es ist zwar richtig, dass Sie niemanden verurteilen oder ungerecht über ihn urteilen sollen, aber Sie werden sich Ihr Leben lang ein Urteil über Ansichten, Situationen und Menschen bilden müssen. Der Herr hat viele Gebote gegeben, die Sie nicht halten können, ohne Menschen zu beurteilen.“ (Treu in dem Glauben, Seite 189.)

Damit die Schüler erkennen, dass der Heiland die Bedeutung rechtschaffenen Urteilens gelehrt hat, soll jeder 3 Nephi 14:6 leise für sich zu lesen. Sie sollen heraussuchen, worüber wir laut Christus urteilen sollen. Fragen Sie sie, was sie herausgefunden haben.

  • Was bedeutet es, das, was heilig ist, nicht den Hunden zu geben oder Perlen vor die Schweine zu werfen? (Es bedeutet, dass man nicht mit jemandem über Heiliges spricht, der dies nicht zu würdigen weiß.)

  • Inwiefern verlangt der Heiland mit seinem Rat in 3 Nephi 14:6 von uns, dass wir über andere urteilen?

Lassen Sie die Schüler auf die Fragen antworten und lesen Sie anschließend die nachstehende Aussage von Elder Dallin H. Oaks vor. Darin spricht er über Situationen, in denen wir rechtschaffen über andere urteilen müssen:

„Jeder von uns trifft schließlich bei der Freundeswahl ein Urteil, ebenso bei der Entscheidung, wie man sein Geld oder seine Zeit verwenden will, und natürlich bei der Wahl des Ehepartners für die Ewigkeit. …

Bei einem gerechten Urteil lässt man sich vom Geist des Herrn und nicht von Zorn, Rachegelüsten, Eifersucht oder Eigennutz leiten.“ („‚Judge Not‘ and Judging“, Seite 9.)

  • Weshalb ist es wichtig, rechtschaffen zu urteilen, wenn es etwa darum geht, Freunde zu wählen, wie man sein Geld und seine Zeit verwenden will oder einen ewigen Partner zu wählen?

  • In welchen weiteren Situationen müssen wir andere beurteilen? (Mögliche Antworten sind die Wahl eines potenziellen Arbeitsplatzes oder ob man mit jemandem ausgehen möchte.)

3 Nephi 14:7-11

Der Heiland spricht darüber, dass wir uns um Segnungen vom himmlischen Vater bemühen sollen

Die Schüler sollen 3 Nephi 14:7-11 für sich lesen und darauf achten, was der Erretter in Bezug darauf sagt, wie bereitwillig der Vater im Himmel unsere Gebete erhört. Erklären Sie: Wenn ein irdischer Vater, der gütig und liebevoll, aber natürlich unvollkommen ist, seinen Kindern eher Brot und Fisch als Steine und Schlangen geben würde, würde doch der Vater im Himmel, der ja vollkommen gütig und liebevoll ist, gewiss das Beten seiner Kinder um Hilfe erhören.

  • Welche Grundsätze können wir 3 Nephi 14:7-11 entnehmen? (Die Schüler können eine Reihe von Grundsätzen nennen. Heben Sie jedoch den Grundsatz hervor, dass der himmlische Vater uns segnet, wenn wir um seine Hilfe bitten.)

  • Warum ist euch die Kenntnis wichtig, dass der Vater im Himmel eure Gebete erhört?

  • Wann habt ihr schon die Liebe des himmlischen Vaters in der Art und Weise verspürt, wie er eure Gebete erhört hat? (Geben Sie den Schülern einen Augenblick Zeit, über die Frage nachzudenken, ehe sie darauf antworten. Berichten Sie gegebenenfalls von einem eigenen Erlebnis.)

3 Nephi 14:12-27

Der Erretter lehrt, wie wichtig es ist, den Willen des himmlischen Vaters zu tun

Bitten Sie die Schüler, 3 Nephi 14:12 für sich zu lesen und darüber nachzudenken, wie das, was der Heiland hier lehrt, ihnen dabei helfen könnte, dem himmlischen Vater ähnlicher zu werden.

  • Wie werden wir dem Vater im Himmel ähnlicher, wenn wir den Rat in 3 Nephi 14:12 befolgen?

Sagen Sie den Schülern, dass der Heiland im weiteren Verlauf seiner Predigt anhand von eindrucksvollen Vergleichen vermittelt, wie wichtig es ist, den Willen des himmlischen Vaters zu tun.

Führen Sie als Vorbereitung auf diese Vergleiche in 3 Nephi 14 die nachstehende Aktivität durch:

Teilen Sie die Klasse in Gruppen von jeweils 2 bis 4 Schülern auf. Geben Sie jedem Schüler ein Blatt Papier. Schreiben Sie die folgenden Schriftstellen an die Tafel und weisen Sie jeder Gruppe eine Schriftstelle zu. 3 Nephi 14:13,14; 3 Nephi 14:15-20; 3 Nephi 14:24-27. (Falls die Klasse groß ist, können Sie manche Schriftstellen mehrfach verteilen.) Bitten Sie die Schüler, die ihnen zugewiesenen Schriftstellen zu lesen und Bilder zu den Vergleichen zu zeichnen, die der Erretter verwendet hat. Sie sollen außerdem aufschreiben, was sie aus den Vergleichen erfahren haben.

Wenn die Schüler genügend Zeit hatten, sollen sie der Klasse ihre Bilder zeigen und erläutern, was sie gelernt haben. Stellen Sie den Schülern, während diese ihre Antworten vortragen, die folgenden Fragen:

  • Inwiefern ist es so, als ginge man einen schmalen Weg entlang, wenn man die Lehren Jesu Christi befolgt? Inwiefern ist es so, als ginge man einen breiten Weg entlang, wenn man die Lehren Jesu Christi nicht befolgt? (Siehe 3 Nephi 14:13,14.) Wodurch unterscheiden sich die Lehren des Erretters von den Lehren der Welt?

  • Weshalb würde sich ein Wolf in einem Schafspelz kleiden? (Siehe 3 Nephi 14:15.) Was erfahren wir in diesem Vergleich über die Wünsche und Taten falscher Propheten?

  • Wenn die Bäume in 3 Nephi 14:16-20 Menschen darstellen sollen, wofür könnten dann die Früchte stehen? (Die Antwort könnte unter anderem lauten: das, was man denkt, sagt und tut, und der Einfluss auf andere.)

  • Inwiefern sind wir, wenn wir die Worte des Erretters hören und uns danach richten, wie ein Mann, der sein Haus auf einen Felsen baut? (Siehe 3 Nephi 14:24,25.) Inwiefern sind wir, wenn wir nicht die Worte des Heilands befolgen, wie ein Mann, der sein Haus auf Sand baut? (Siehe 3 Nephi 14:26,27.)

    Nach den Präsentationen und der anschließenden Gesprächsrunde soll ein Schüler 3 Nephi 14:21-23 vorlesen.

  • Was können wir aus 3 Nephi 14:21 lernen? (Die Schüler drücken sich womöglich anders aus, sollen aber diesen Grundsatz erkennen [schreiben Sie diesen an die Tafel]: Wir müssen den Willen des himmlischen Vaters tun, um ins Himmelreich gelangen zu können.)

  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen diesem Grundsatz und den Vergleichen mit breiten und engen Wegen, guten und schlechten Früchten und weisen und törichten Menschen?

Geben Sie den Schülern einen Moment Zeit, nachzudenken und das, was sie in 3 Nephi 14 erfahren haben, anzuwenden. Sie sollen in ihr Studientagebuch schreiben, wie sie sich noch besser darum bemühen können, die Lehren des Heilands in 3 Nephi 14 zu befolgen. Falls noch genügend Zeit bleibt, bitten Sie einige Schüler, kurz zusammenzufassen, was sie dazugelernt haben, und zu berichten, was sie nun tun möchten. Geben Sie zum Schluss Zeugnis davon, wie Sie gesegnet wurden, weil Sie den Willen des himmlischen Vaters befolgt haben.