Lektion 136: 4 Nephi 1

Das Buch Mormon – Seminarleitfaden für den Lehrer, 2012


Einleitung

Nach dem Wirken Jesu Christi unter den Nachfahren Lehis lebt das Volk nach den Lehren Christi und genießt über 100 Jahre der Einigkeit, des Wohlstandes und der Freude. Es lebt vereint als „Kinder Christi“ und bezeichnet sich untereinander nicht mehr als Nephiten oder Lamaniten (4 Nephi 1:17). Schließlich wird es jedoch stolz, nimmt an Schlechtigkeit zu und spaltet sich wieder in Nephiten und Lamaniten. Etwa 300 Jahre nach dem Erscheinen des Erretters ist fast das ganze Volk in Schlechtigkeit verfallen.

Anregungen für den Unterricht

4 Nephi 1:1-18

Das gesamte Volk bekehrt sich und lebt in Frieden und Freude

Bereiten Sie vor dem Unterricht für jeden Schüler jeweils zwei leere Blätter vor. Wenn möglich nehmen Sie ein weißes Blatt und eines in einer anderen Farbe (jeweils ein halbes Blatt ist ausreichend). Legen Sie die weißen Blätter auf den Tisch oder Stuhl der Schüler, bevor diese zum Unterricht kommen. Heben Sie die farbigen Blätter für später auf. Schreiben Sie folgende Frage an die Tafel: Was macht dich wirklich glücklich? Bitten Sie die Schüler schon bei ihrem Eintreffen, ihre Antwort auf die Frage an die Tafel zu schreiben.

Besprechen Sie gleich zu Beginn die Antworten an der Tafel mit ihnen. Stellen Sie ihnen diese Frage:

  • Worin unterscheidet sich etwas, was nur kurzfristig glücklich macht, von dem, was dauerhaft Freude bringt? (Wenn die Schüler antworten, können Sie hervorheben, dass man wahres Glück nicht in etwas Vergänglichem wie Beliebtheit, Reichtum und materiellen Besitztümern finden kann.)

Erklären Sie, dass das vierte Buch Nephi ein Bericht über mehrere Generationen der Nachfahren Lehis ist, die nach dem Kommen Jesu Christi lebten. Bitten Sie die Schüler, 4 Nephi 1:16 für sich zu lesen und darauf zu achten, wie Mormon das Volk beschreibt, das 100 Jahre nach dem Erscheinen des Erretters lebte. Sie können vorschlagen, dass sie den Satzteil, „gewiss konnte es kein glücklicheres Volk … geben“ markieren. Die Schüler sollen oben auf das weiße Blatt, das Sie ihnen gegeben haben, Folgendes schreiben: Es konnte kein glücklicheres Volk geben. Dann sollen sie einen großen Kreis in die Mitte ihres Blattes zeichnen.

Kreis

Bitten Sie die Schüler, 4 Nephi 1:1,2 zu lesen und darauf zu achten, welches Verhalten der Menschen dazu führt, dass sie so glücklich werden. Sie sollen ihre Ergebnisse in den Kreis schreiben. (Folgende Antworten sollten im Kreis stehen: Das Volk kehrte um, wurde getauft, empfing den Heiligen Geist und wurde zum Herrn bekehrt.)

  • Was bedeutet es, bekehrt zu sein?

Damit den Schülern klarer wird, dass Bekehrung viel mehr bedeutet, als ein Zeugnis zu haben oder Mitglied der Kirche zu sein, soll einer von ihnen die folgende Aussage von Elder Richard G. Scott vom Kollegium der Zwölf Apostel vorlesen. Wenn möglich, geben Sie ihnen eine Kopie dieses Zitats und regen Sie sie an, auf Wörter und Formulierungen zu achten, mit denen die Bekehrung definiert wird.

„Ob Sie jetzt und für immer glücklich sind, hängt davon ab, wie sehr Sie sich bekehren und wie sehr Sie sich dadurch ändern. Wie also können Sie sich wirklich bekehren? Präsident [Marion G.] Romney beschreibt die Schritte, die Sie gehen müssen:

Elder Richard G. Scott

,Mitgliedschaft in der Kirche und Bekehrung sind nicht automatisch synonym. Bekehrt zu sein und ein Zeugnis zu haben sind auch nicht automatisch das Gleiche. Ein Zeugnis kommt, wenn der Heilige Geist einem ernsthaft Suchenden ein Zeugnis von der Wahrheit gibt. Ein lebendiges Zeugnis belebt den Glauben. Das bedeutet, dass es zur Umkehr und zum Gehorsam gegenüber den Geboten anregt. Bekehrung ist die Frucht oder die Belohnung für Umkehr und Gehorsam.‘ [Bericht von der Gebietskonferenz in Guatemala 1977, Seite 8f.]

Einfach ausgedrückt ist wahre Bekehrung die Frucht des Glaubens, der Umkehr und des beständigen Gehorsams. …

Wahre Bekehrung macht auf Dauer glücklich, sogar dann, wenn die Welt in Aufruhr ist und die meisten Menschen alles andere als glücklich sind.“ („Vollständige Bekehrung macht uns glücklich“, Liahona, Juli 2002, Seite 27f.)

  • Welche Wörter und Formulierungen sind euch aufgefallen, die die Bekehrung beschreiben?

  • Wie wäre es wohl, wenn jeder in unserem Umfeld zum Herrn bekehrt wäre?

Schreiben Sie diese Schriftstellen an die Tafel: 4 Nephi 1:2,3,5,7,10-13,15-18. Lassen Sie einige Schüler diese Verse vorlesen und sich dabei abwechseln. Bitten Sie die übrigen, mitzulesen und darauf zu achten, mit welchen Wörtern und Formulierungen beschrieben wird, was die Menschen erlebten, weil sich alle zum Herrn bekehrten. Die Schüler sollen diese Begriffe und Formulierungen auf ihrem Blatt um den Kreis herum notieren. (Die Schüler könnten beispielsweise antworten: Es gab keine Streitigkeiten und Auseinandersetzungen, jedermann handelte gerecht mit dem anderen, sie hatten alles unter sich gemeinsam, im Namen Jesu wurden viele Wundertaten vollbracht, der Herr ließ es ihnen überaus wohlergehen, zerstörte Städte wurden wieder aufgebaut, sie heirateten und gründeten Familien, sie mehrten sich und wurden stark, die Gottesliebe wohnte in ihrem Herzen, sie waren glücklich und eins.)

Die Jugendlichen sollen einen Grundsatz, auf dem Freude beruht, nennen, den sie aus der ersten Hälfte von 4 Nephi 1 gelernt haben. Auch wenn die Schüler vielleicht mehrere Punkte nennen, vergewissern Sie sich, dass sie zum Ausdruck bringen, dass ein Volk, das gemeinsam daran arbeitet, sich zum Herrn zu bekehren, eins wird und mehr Freude erfährt. (Sie können diesen Grundsatz auch an die Tafel schreiben.)

  • Welche positiven Auswirkungen hätte es wohl auf unsere Klasse, wenn wir alle so lebten wie dieses Volk? Wie würde unsere Familie dadurch gesegnet werden? Was würde sich in unserer Gemeinde oder unserem Zweig verbessern?

Bitten Sie die Schüler, von einem Erlebnis zu erzählen, bei dem sie Teil einer Gruppe waren, die in Rechtschaffenheit vereint war (beispielsweise als Familie, als Kollegium oder Klasse oder als Gruppe von Freunden). Sie können ebenfalls von einem solchen Erlebnis berichten.

  • Inwiefern kann es dazu führen, dass die Menschen um uns herum glücklicher sind und es ihnen besser geht, wenn wir uns bemühen, rechtschaffen zu sein? (Vergewissern Sie sich, dass den Jugendlichen dies klar ist: Wenn wir uns bekehren und rechtschaffen handeln, werden nicht nur wir selbst glücklicher, sondern auch die Menschen in unserem Umfeld sind froher und es geht ihnen besser. Wenn wir als Familie, Kollegium, Klasse oder sonstige Gruppe in Rechtschaffenheit vereint sind, können wir glücklicher sein, als wenn wir auf uns allein gestellt sind.)

  • Wie können die Sünden eines einzelnen Menschen die übrigen in einer Gruppe beeinflussen, die danach strebt, rechtschaffen zu sein?

Spornen Sie die Schüler an, sich noch intensiver zum Herrn zu bekehren und die Menschen in ihrem Umfeld zu unterstützen, die sich um dasselbe bemühen. Damit ihnen dies leichter fällt, bitten Sie sie, die Notizen auf ihrem Blatt noch einmal durchzusehen. Sie sollen eine oder zwei Formulierungen auswählen, die beschreiben, wie sie ihr Leben gern gestalten würden. Geben Sie ihnen einige Minuten Zeit, in ihrem Studientagebuch aufzuschreiben, was sie konkret unternehmen werden, um so zu leben. Bezeugen Sie, wie glücklich es uns macht, wenn wir uns wahrhaftig bekehren und in Rechtschaffenheit vereint sind.

4 Nephi 1:19-49

Die Nephiten werden immer schlechter, bis schließlich nur einige wenige rechtschaffene Menschen übrig bleiben

  • Was könnte eine Gesellschaft wie die, die in 4 Nephi 1:1-18 beschrieben wird, wohl zugrunde richten?

Die Schüler sollen 4 Nephi 1:20,23,24 jeder für sich lesen und darauf achten, wodurch die Einheit und das Glück des Volkes bedroht waren. Sie können vorschlagen, dass die Schüler markieren, was ihnen dazu auffällt. Lassen Sie sie berichten, was sie herausgefunden haben, und schreiben Sie anschließend die folgende Aussage von Präsident Henry B. Eyring von der Ersten Präsidentschaft an die Tafel. (Sie stammt aus der Ansprache „Im Herzen vereint“, Liahona, November 2008, Seite 70.) Sie können den Schülern auch vorschlagen, diese Aussage in ihren heiligen Schriften neben den Vers 4 Nephi 1:24 zu schreiben.

„Stolz ist der ärgste Feind der Einigkeit.“ (Präsident Henry B. Eyring.)

  • Inwiefern ist Stolz wohl ein Feind der Einigkeit?

Bitten Sie jemanden, die folgende Aussage von Präsident Dieter F. Uchtdorf von der Ersten Präsidentschaft vorzulesen. Die Klasse soll dabei darauf achten, wie Stolz Einigkeit zunichtemachen kann.

Präsident Dieter F. Uchtdorf

„Im Wesentlichen geht es bei der Sünde Stolz um das Vergleichen, denn obwohl am Anfang meist ein Gedanke steht wie: ‚Schau mal, wie toll ich bin und was ich Großes geleistet habe‘, läuft es anscheinend immer wieder auf die Folgerung ‚und darum bin ich besser als du‘ hinaus.

Wenn uns das Herz mit Stolz erfüllt ist, begehen wir eine schwere Sünde, denn wir brechen die beiden wichtigsten Gebote [Matthäus 22:36-40]. Weder verehren wir Gott, noch lieben wir unseren Nächsten – stattdessen enthüllen wir den eigentlichen Gegenstand unserer Verehrung und Zuneigung: das eigene Spiegelbild.“ („Stolz und das Priestertum“, Liahona, November 2010, Seite 56.)

  • Wie kann Stolz laut Präsident Uchtdorf Einigkeit zunichtemachen?

Fordern Sie einige Schüler auf, abwechselnd 4 Nephi 1:24-35,38-45 vorzulesen. Die anderen sollen still mitlesen und darauf achten, welche Auswirkungen der Stolz auf das Volk hat. Sie können den Jugendlichen vorschlagen, die betreffenden Stellen zu markieren. (Die Schüler könnten beispielsweise antworten: Tragen von kostbaren Gewändern; Teilung in Gesellschaftsklassen oder Cliquen, die andere ausschließen; Errichtung von Kirchen, um Gewinn zu erlangen; das Leugnen der wahren Kirche; Verfolgung derer, die im Glauben treu sind; Errichtung geheimer Verbindungen; Schlechtigkeit.)

Ein Schüler nach dem anderen soll einen Punkt nennen, den er herausgefunden hat. (Es macht nichts, wenn der eine oder andere Punkt mehrfach genannt wird.) Schreiben Sie die Antworten der Schüler auf je einen der farbigen Bogen, die Sie vor dem Unterricht bereitgelegt haben. Geben Sie jedem Schüler das farbige Blatt mit seinen Antworten und lassen Sie sich von ihm dafür das weiße Blatt Papier aushändigen, auf dem er eingangs das Glück und die Einigkeit des Volkes beschrieben hat. Wiederholen Sie diesen Vorgang, bis alle Schüler statt des weißen Bogens einen farbigen haben.

Die Schüler sollen sich umschauen, damit sie sehen, dass jeder in der Klasse ein farbiges Blatt Papier hat, das den Stolz darstellt. Bitten Sie sie, darüber nachzudenken, wie sich wohl die drei Jünger Christi gefühlt haben mögen, als sie miterleben mussten, wie sich Stolz und Schlechtigkeit unter dem Volk verbreiteten, das einst so glücklich und einig war.

  • Welchen Grundsatz können wir diesen Versen entnehmen? (Auch wenn die Schüler es möglicherweise anders ausdrücken, sollen sie folgenden Grundsatz erkennen: Die Sünde des Stolzes führt zu Spaltung und Schlechtigkeit. (Sie können diese Wahrheit auch an die Tafel schreiben.)

  • Wie kann der Stolz einiger weniger das Glück einer ganzen Gruppe beeinträchtigen?

    Die Schüler sollen darüber nachdenken, wie der Stolz eines Einzelnen in den folgenden Fallbeispielen eine ganze Gruppe beeinträchtigen kann:
  1. 1.

    Obwohl ein älterer Bruder von seiner Familie angespornt wird, auf Mission zu gehen, zieht er es vor, stattdessen eigennützige Interessen zu verfolgen.

  2. 2.

    Ein Mädchen aus der JD-Klasse oder ein Junge aus dem AP-Kollegium stört absichtlich den Unterricht und weigert sich, sich zu beteiligen und Anweisungen zu befolgen.

  3. 3.

    Ein Junge oder ein Mädchen ärgert jemanden aus seinem Freundeskreis ständig oder würdigt ihn immerzu herab.

Die Schüler sollen überlegen, ob sie schon Situationen erlebt haben, in denen Glück und Einigkeit durch Stolz zunichtegemacht wurden.

Bitten Sie sie, auch darüber nachzudenken, welche Rolle sie in unterschiedlichen Gruppen einnehmen, zu denen sie gehören – wie in ihrer Familie, in ihrem Kollegium oder ihrer Klasse, in der Gemeinde oder im Zweig und in ihrer Seminarklasse. (Sie können gegebenenfalls weitere Gruppen, denen Ihre Schüler angehören, nennen.) Lassen Sie die Jugendlichen überlegen, ob sie irgendetwas getan haben oder tun, wodurch deutlich wird, dass in ihrem Verhältnis zu anderen Menschen aus diesen Gruppen Stolz eine Rolle spielt. Ermuntern Sie sie gegebenenfalls, davon umzukehren und darüber nachzudenken, wie sie Stolz überwinden und in diesen Gruppen Einigkeit und Rechtschaffenheit fördern können. Sie sollen sich auch Gedanken über die Pläne machen, die sie schriftlich dazu festgehalten haben, was sie tun wollen, um mehr so zu leben wie die Nachfahren Lehis, die sich zum Herrn bekehrten.

Bezeugen Sie, dass wir das gleiche Glück erfahren können, welches in 4 Nephi 1:1-18 beschrieben wird, wenn wir danach streben, uns noch mehr zu Jesus Christus zu bekehren und mit anderen in Einigkeit zu leben.

Kommentar und Hintergrundinformationen

4 Nephi 1:1,2. „Alles Volk [wurde] zum Herrn bekehrt“

Präsident Marion G. Romney von der Ersten Präsidentschaft hat den Prozess der Bekehrung beschrieben:

„Bekehrung wird durch göttliche Vergebung herbeigeführt, die die Sünde tilgt. Das läuft in etwa so ab: Jemand, der aufrichtig nach Wahrheit sucht, hört die Botschaft. Er betet zum Herrn, um zu wissen ob sie wahr ist. Der Heilige Geist bestätigt sie ihm. Das ist ein Zeugnis. Wenn das Zeugnis dieses Menschen stark genug ist, kehrt er um und befolgt die Gebote. Aufgrund solchen Gehorsams erlangt er göttliche Vergebung, die die Sünde tilgt. Somit ist er bekehrt, er ist nun ein neuer Mensch. Sein Geist ist geheilt.“ (Herbst-Generalkonferenz 1963.)

4 Nephi 1:1-18. Einigkeit ist notwendig

Präsident Henry B. Eyring von der Ersten Präsidentschaft hat gesagt:

„Die Propheten des Herrn haben schon immer zur Einigkeit aufgerufen. In den Tagen, die vor uns liegen und in denen wir als Volk auf unsere herrliche Bestimmung vorbereitet werden, werden wir noch mehr darauf angewiesen sein, dass uns diese Gabe gewährt wird. …

Aus Erfahrung kennen wir die Freude, die uns erfüllt, wenn wir einig sind. Als Geistkinder Gottes sehnen wir uns nach derselben Freude, die wir einst in seiner Gegenwart im vorirdischen Dasein verspürten. Er möchte uns diesen heiligen Wunsch, nämlich einig zu sein, erfüllen, weil er uns liebt.

Jedoch kann er ihn nicht jedem einzeln erfüllen. Die Freude der Einigkeit, die er uns so gern geben möchte, kann man nicht allein verspüren. Wir müssen gemeinsam danach trachten und uns dafür bereit machen. Es ist also nicht verwunderlich, dass Gott darauf dringt, dass wir uns sammeln, damit er uns segnen kann. Er möchte, dass wir uns in Familien sammeln. Er hat Gemeinden und Zweige und Unterrichtsklassen in der Kirche eingerichtet und uns geboten, oft zusammenzukommen. In diesen Sammelplätzen, die Gott für uns vorgesehen hat, liegt unsere große Chance. Wir können für die Einigkeit beten und arbeiten, die uns Freude schenkt und unser Vermögen, für andere da zu sein, vermehrt.“ („Im Herzen vereint“, Liahona, November 2008, Seite 69).