Lektion 75: Alma 9 und 10

Das Buch Mormon – Seminarleitfaden für den Lehrer, 2012


Einleitung

Alma und Amulek haben bei der Missionsarbeit in Ammoniha nur wenig Erfolg, denn „der Satan [hatte] auf das Herz des Volkes … großen Einfluss gewonnen“ (Alma 8:9). Viele verhärten ihr Herz gegen das Evangelium und kommen Almas und Amuleks Aufforderung zur Umkehr nicht nach. Dennoch rufen Alma und Amulek sie voll Glauben zur Umkehr auf und bezeugen: Da diese Menschen die Wahrheit kennen und die Macht Gottes erlebt haben, erwartet der Herr, dass sie rechtschaffener leben als die Lamaniten, denen die Wahrheit nicht verkündet worden ist. Alma und Amulek prophezeien, dass das Volk von Ammoniha, wenn es nicht umkehrt, vernichtet werden wird. Sie lehren das Volk auch, dass Erlösung nur durch Jesus Christus möglich ist.

Anregungen für den Unterricht

Alma 9

Alma warnt das Volk von Ammoniha und ruft es auf, umzukehren und sich auf das Kommen Jesu Christi vorzubereiten

Nennen Sie das folgende Fallbeispiel: Als zwei Schüler in der Schule ankommen, kündigt ihr Lehrer überraschenderweise einen Test an. Der erste Schüler ist jeden Tag in der Schule gewesen, aber der zweite war die letzten beiden Wochen krank.

  • Welcher Schüler erreicht im Test wohl die bessere Note?

Lassen Sie die Schüler Alma 9:1-7 überfliegen und Wörter und Wendungen heraussuchen, aus denen hervorgeht, dass die Bewohner Ammonihas das Evangelium und die Macht Gottes gekannt haben. Sie sollen dann berichten, was sie herausgefunden haben.

Bitten Sie einige Schüler, reihum Alma 9:8-13 vorzulesen. Die Klasse soll dabei auf die Wörter und Wendungen achten, aus denen hervorgeht, dass dieses Volk über das Evangelium Bescheid gewusst und Gottes Macht gekannt hat. (Mögliche Antworten: „wie habt ihr so bald vergessen“ und „denkt ihr nicht mehr daran“.)

  • Hat das Volk von Ammoniha jemals das Evangelium kennengelernt oder ist es in Bezug auf Gottes Macht belehrt worden?

  • Aus welchen Gründen vergessen Leute, die vom Evangelium wissen, das, was sie gelernt haben, oder verstehen das Vermittelte nicht?

Lassen Sie die Schüler Alma 8:9,11; 9:5,30 und 12:10-11 überfliegen und nach Wörtern und Wendungen suchen, aus denen sich erkennen lässt, wieso die Bewohner von Ammoniha das, was sie gelernt hatten, wieder vergessen oder gar nicht verstanden haben. („Der Satan [hatte] auf das Herz des Volkes großen Einfluss gewonnen“; „sie verhärteten … ihr Herz“; „sie waren ein hartherziges und ein halsstarriges Volk“; sie hatten ihr „Herz stark gegen das Wort Gottes verhärtet“.)

Schreiben Sie die folgende Übersicht an die Tafel und bitten Sie die Schüler, sie in ihr Studientagebuch zu übertragen. (Achten Sie darauf, dass Sie genügend Platz zum Schreiben übrig lassen.)

Der Zustand des Volkes in geistiger Hinsicht

Was der Herr von dem Volk erwartet und was der Herr dem Volk verheißt

Lamaniten (Alma 9:14-17)

  

Bewohner Ammonihas (Alma 9:18-24)

  

Teilen Sie die Schüler paarweise auf. Jede Gruppe soll die Übersicht mithilfe der angegebenen Schriftstellen ausfüllen. Wenn die Schüler fertig sind, sollen sie einen Satz unter ihre Übersicht schreiben, der zusammenfasst, was sie gelernt haben. Lassen Sie einige Schüler vorlesen, was sie notiert haben. Die Schüler drücken sich vielleicht anders aus, aber ihre Antworten sollten folgende Wahrheit widerspiegeln: Der Herr erwartet größeren Gehorsam von denen, die das Evangelium kennen und die Segnungen des Evangeliums erhalten haben. Damit die Schüler erkennen, wie dieser Grundsatz auf ihr Leben zutrifft, stellen Sie die folgenden Fragen:

  • Warum erwartet der Herr wohl mehr von dem Volk in Ammoniha?

  • Warum ist es nur recht und billig, dass der Herr mehr von denen erwartet, die Kenntnis vom Evangelium und damit einhergehende Segnungen empfangen haben?

Machen Sie auf den Ausdruck „ein so hoch begünstigtes Volk des Herrn“ in Alma 9:20 aufmerksam. (Vielleicht möchten Sie anregen, dass die Schüler diesen Ausdruck markieren.)

  • Inwiefern sind heute die Mitglieder der Kirche „ein hoch begünstigtes Volk des Herrn“?

  • Welche Gaben und Segnungen hatten die Nephiten (einschließlich der Bewohner Ammonihas) laut Alma 9:19-23 erhalten, weil sie das Bundesvolk des Herrn waren?

  • Welche Gaben und Segnungen habt ihr erhalten, weil ihr der Kirche des Herrn angehört?

  • Was erwartet der Herr von uns wegen der Gaben und Segnungen, die wir von ihm erhalten?

Beauftragen Sie die Hälfte der Schüler, Alma 9:24-27 für sich zu lesen, und die andere Hälfte Alma 9:28-30. Bitten Sie die Schüler, den ihnen zugeteilten Abschnitt für sich mit eigenen Worten zusammenzufassen. Schreiben Sie die folgenden Fragen an die Tafel, um ihnen bei der Zusammenfassung zu helfen:

Welche Hinweise seht ihr in diesen Versen darauf, dass der Herr von denen, die größere Kenntnis vom Evangelium haben, mehr Gehorsam erwartet?

Welche Segnungen ruft Alma den Menschen in Ammoniha ins Gedächtnis?

Was muss das Volk Alma zufolge tun, um diese Segnungen zu empfangen?

Nachdem die Schüler genügend Zeit zum Lesen gehabt haben, bitten Sie jeweils einen Schüler der beiden Gruppen, den ihnen zugeteilten Abschnitt zusammenzufassen. Fragen Sie die Klasse dann:

  • Wie können wir dem Licht und der Wahrheit treu bleiben, die wir empfangen haben? (Mögliche Antworten: Schriftstudium, Gott für unsere Segnungen danken, regelmäßig Zeugnis geben, jede Woche die Versammlungen der Kirche besuchen, Tagebuch führen und so weiter.)

Alma 10:1-12

Amulek folgt dem Ruf des Herrn und bestätigt Almas göttliche Berufung

Erklären Sie, dass das Volk nach Almas Rede wütend auf ihn ist und ihn ins Gefängnis werfen will. Amulek spricht unerschrocken zum Volk und fügt dem Zeugnis Almas sein eigenes hinzu (siehe Alma 9:31-34). Fassen Sie Alma 10:1-4 zusammen und erklären Sie, dass Amulek ein Nachkomme Nephis ist. Er ist ein fleißiger Mann, der beträchtlichen Reichtum erworben hat. Er ist auch sehr bekannt und „von nicht geringem Ruf“ unter seinen vielen Angehörigen und Bekannten (siehe Alma 10:4). Er hat aber nicht nach den Wahrheiten des Evangeliums gelebt, obwohl sie ihm bekannt gewesen sind.

  • Inwiefern hilft es Alma wohl, dass ihn Amulek, der in der Stadt gut bekannt ist, begleitet?

Fragen Sie die Schüler, wie sie heute wach geworden sind. (Sind sie zum Beispiel durch den Wecker geweckt worden oder hat jemand aus der Familie sie geweckt? Falls Sie einen Wecker oder ein Bild davon mitgebracht haben, zeigen Sie es.) Fragen Sie die Schüler, wie viele von ihnen mehr als einmal „gerufen“ wurden, aufzustehen.

Bitten Sie einen Schüler, Alma 10:5,6 vorzulesen. Die Klasse soll auf Amuleks Reaktion auf die geistigen Weckrufe, die er vom Herrn erhalten hat, achten.

  • Was meint Amulek wohl, wenn er sagt: „Ich wollte nicht hören“ und „ich wollte es nicht wissen“?

  • Auf welche Weise ruft der Herr uns? (Mögliche Antworten: Eingebungen des Heiligen Geistes, Anleitung von Eltern und Führern der Kirche, Berufungen in der Kirche.)

Bitten Sie die Schüler, Alma 10:7-10 still für sich zu lesen und die wichtigsten Punkte aus Amuleks erstem Zeugnis an sein Volk herauszuarbeiten.

  • Wie hat das, was Amulek erlebt hat, ihn darauf vorbereitet, als zweiter Zeuge für Almas Botschaft an das Volk in Ammoniha aufzutreten?

  • Was wird wohl alles anders in Amuleks Leben, als er beschließt zu gehorchen?

Lassen Sie einen Schüler Alma 10:11,12 vorlesen. Bitten Sie die Klasse, darauf zu achten, wie sich Amuleks Entschluss, dem Ruf des Herrn zu folgen, auf seine Mitmenschen ausgewirkt hat. Lassen Sie sie erzählen, was sie herausgefunden haben.

Schreiben Sie den folgenden Grundsatz an die Tafel: Wenn wir den Ruf des Herrn hören und ihm folgen, werden wir und andere dadurch gesegnet. (Sie können anregen, dass die Schüler diesen Grundsatz in ihr Buch Mormon neben Alma 10:11,12 schreiben.) Um den Schülern die Wahrheit und Bedeutung dieses Grundsatzes zu vermitteln, fragen Sie:

  • Wann habt ihr schon einmal gemerkt, dass ihr gesegnet worden seid, weil ihr dem Ruf des Herrn gefolgt seid?

  • Inwiefern habt ihr schon einmal erlebt, dass jemand gesegnet wurde, weil ihr oder jemand anders dem Ruf des Herrn Folge geleistet hat?

  • Wie wirken sich solche Erfahrungen auf euren Wunsch aus, auf den Herrn zu hören und seinem Ruf Folge zu leisten?

Alma 10:13-32

Amulek antwortet denen, die sich ihm entgegenstellen, und ermahnt das Volk zur Umkehr

Schreiben Sie folgende Formulierungen an die Tafel:

  1. 1.

    Ärgerlich abwehren

  2. 2.

    Bezweifeln, dass der Rat wichtig ist

  3. 3.

    Den kritisieren, der den Rat erteilt

  4. 4.

    Den Rat infrage stellen oder darüber debattieren

  5. 5.

    Voll Demut zuhören und gehorchen

Die Schüler sollen für sich überlegen, welche Formulierung an der Tafel am ehesten ihre Reaktion beschreibt, wenn ihr Vater, ihre Mutter oder ein Führer der Kirche sie zurechtweist oder ihnen sagt, dass sie ihr Verhalten ändern sollen.

  • Aus welchen Gründen reagiert man auf eine Maßregelung so?

Schreiben Sie die folgenden Schriftstellen an die Tafel: Alma 9:2,3; Alma 9:4,5; Alma 10:13,16,17; Alma 10:24,28-30

Jeder Schüler soll eine der Schriftstellen an der Tafel auswählen und sich damit befassen. Die Schüler sollen herausarbeiten, inwiefern ihre Schriftstelle die Reaktion des Volkes in Ammoniha auf Almas und Amuleks Botschaft beschreibt. Sie sollen auch die Formulierungen an der Tafel auswählen, die die Reaktion des Volkes am ehesten widerspiegeln. Lassen Sie die Schüler, sobald sie genügend Zeit gehabt haben, erklären, welche der fünf Reaktionen an der Tafel der Schriftstelle am besten entspricht, mit der sie sich beschäftigt haben.

  • Warum sind die ersten vier Reaktionen, die an der Tafel stehen, in geistiger Hinsicht gefährlich?

Bitten Sie die Schüler, reihum Alma 10:19-23 vorzulesen. Sie sollen dabei herausfinden, was Amulek über die Folgen der Sünde und der Vertreibung der Rechtschaffenen sagt.

Um den Schülern zu helfen, über die schlimmen Folgen nachzudenken, die eintreten, wenn man von seinen Sünden nicht umkehrt, lesen Sie die folgende Aussage von Präsident Gordon B. Hinckley vor:

Präsident Gordon B. Hinckley

„Überall gibt es so viel Böses. Überall lauert die Versuchung mit all ihren prickelnden Einflüssen. Manch einen verlieren wir leider an diese zerstörerischen Kräfte. Wir trauern um jeden Einzelnen, der verloren geht. Wir reichen ihnen die Hand, um ihnen zu helfen, um sie zu retten, aber in zu vielen Fällen wird unsere flehentliche Bitte zurückgewiesen. Sie folgen einem tragischen Kurs. Es ist der Weg, der zur Vernichtung hinabführt.“ („Mein Zeugnis“, Liahona, Juli 2000, Seite 82.)

  • Welche vernichtenden Folgen kommen über den, der Gottes Geboten nicht gehorcht, sei es ein Einzelner oder eine Gruppe?

    Wenn es die Zeit erlaubt, bitten Sie die Schüler, ihre Antwort auf die folgende Frage niederzuschreiben:
  • Inwiefern können die Wahrheiten, die ihr heute gelernt habt, ein Segen für euch sein?

Kommentar und Hintergrundinformationen

Alma 9:19-23. „Nachdem ihnen so viel Licht und so viel Erkenntnis … gegeben worden ist“

Die Bewohner Ammonihas standen aufgrund ihrer Schlechtigkeit schwerwiegenderen Folgen gegenüber als die Lamaniten, weil sie mehr Kenntnis vom Evangelium erlangt hatten. Das folgende Zitat von Schwester Sheri L. Dew, die ehemals der FHV-Präsidentschaft angehörte, bezieht sich auf die Frauen in der Kirche, gilt aber auch für alle Mitglieder der Kirche:

Wir sind einzigartig. Wir sind aufgrund unserer Bündnisse, unserer geistigen Rechte und der Aufgaben, die mit beidem verbunden sind, einzigartig. Wir sind mit Macht ausgestattet und haben die Gabe des Heiligen Geistes. Wir haben einen lebenden Propheten, heilige Handlungen, die uns mit dem Herrn und miteinander verbinden, und in unserer Mitte die Macht des Priestertums. Wir wissen, wo wir im großen Plan des Glücklichseins stehen. Und wir wissen, dass Gott unser Vater ist und dass sein Sohn unser nie versagender Fürsprecher ist.

Mit diesen Rechten geht auch Verantwortung einher, denn ‚wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert‘. (LuB 82:3.)“ („Wir sind Frauen Gottes“, Liahona, Januar 2000, Seite 118f.)

Alma 10:6-11. Wenn man den Ruf des Herrn beachtet, werden auch andere dadurch gesegnet

Präsident Thomas S. Monson hat eine Geschichte erzählt, die zeigt, wie wichtig es ist, der Inspiration des Heiligen Geistes zu folgen:

„Eines Nachmittags war ich schwimmen gegangen. Ich schwamm auf dem Rücken und schaute zur Decke, während ich meine Bahnen zog. Unhörbar, aber ganz klar, kam mir der Gedanke in den Sinn: ‚Hier schwimmst du beinahe mühelos vor dich hin, und dein Freund Stan leidet in seinem Bett im Krankenhaus und kann sich kaum bewegen.‘ Dann kam die Eingebung: ‚Geh ins Krankenhaus und gib ihm einen Segen.‘

Ich stieg aus dem Wasser, zog mich an und eilte an Stans Bett im Krankenhaus. Sein Zimmer war leer. Eine Krankenschwester sagte mir, er sei mit dem Rollstuhl am Schwimmbecken, wo er auf eine Behandlung warte. Ich eilte zum Schwimmbecken und sah Stan ganz alleine am Rand an der tiefsten Stelle des Beckens. Wir begrüßten einander und kehrten dann in sein Zimmer zurück. Dort gab ich ihm einen Priestertumssegen.

Langsam, aber sicher kehrten Kraft und Bewegung in Stans Beine zurück. …

Stan spricht oft in Versammlungen der Kirche und erzählt, wie gütig der Herr zu ihm gewesen ist. Manchmal spricht er auch über die düsteren Gedanken, die ihn an jenem Nachmittag heimsuchten, als er mit seinem Rollstuhl am Beckenrand stand – zu einem, wie es schien, Leben in Hoffnungslosigkeit verdammt. Er erzählt, wie er über eine Alternative nachdachte. Es wäre so einfach, den verhassten Rollstuhl über den Beckenrand ins Wasser gleiten zu lassen. Dann wäre das Leben vorbei. Aber genau in diesem Augenblick sah er mich, seinen Freund. An jenem Tag wurde Stan bewusst, dass wir nicht alleine sind. Auch ich habe an diesem Tag etwas gelernt: Einer Eingebung leistet man am besten unverzüglich Folge!“ („The Spirit Giveth Life“, Ensign, Mai 1985, Seite 70.)

Alma 10:22,23. „Die Gebete der Rechtschaffenen“

Beachten Sie, was die Gebete der Rechtschaffenen für das Volk in Ammoniha bewirkten. Die Gebete der Rechtschaffenen führten auch zur Zeit von Hauptmann Moroni und Samuel dem Lamaniten dazu, dass die Nephiten nicht vernichtet wurden (siehe Alma 62:40; Helaman 13:12-14).

Präsident Spencer W. Kimball hat über die Gebete, die heutzutage gesprochen werden, gesagt:

„Es gibt sehr viele rechtschaffene und dem Glauben treue Menschen, die alle Gebote befolgen und deren Leben und Gebete die Welt vor der Vernichtung bewahren.“ („Voices of the Past, of the Present, of the Future“, Ensign, Juni 1971, Seite 16.)

Als die Rechtschaffenen getötet oder aus Ammoniha ausgestoßen wurden, wurde die Stadt nicht mehr durch ihre Gebete beschützt, und von den Lamaniten wurde „jede lebende Seele der Ammonihaiten vernichtet“ (Alma 16:9).