Lektion 137: Mormon 1 und 2

Das Buch Mormon – Seminarleitfaden für den Lehrer, 2012


Einleitung

Obwohl Mormon in einer Zeit aufwächst, in der große Schlechtigkeit herrscht, entscheidet er sich, treu zu sein. Wegen seiner Treue wird ihm mitgeteilt, dass ihm die heiligen Aufzeichnungen des Volkes zu einem späteren Zeitpunkt anvertraut werden sollen. Als er fünfzehn Jahre alt ist, wird er „vom Herrn besucht“ (Mormon 1:15). Er will den Nephiten helfen, umzukehren. Da sie sich aber bewusst auflehnen, wird ihm vom Herrn verboten, ihnen zu predigen. Er wird in jungen Jahren dazu bestimmt, das Heer der Nephiten anzuführen. Da viele der Nephiten den Heiligen Geist und andere Gaben Gottes verloren haben, sind sie beim Kampf gegen die Lamaniten ihrer eigenen Kraft überlassen.

Anregungen für den Unterricht

Mormon 1:1-5

Mormon erfährt, dass ihm eines Tages die heiligen Aufzeichnungen der Nephiten anvertraut werden sollen

Schreiben Sie diese Frage vor dem Unterricht an die Tafel, damit die Schüler darüber nachdenken können, wenn sie hereinkommen: Wie fühlst du dich, wenn man dich Mormone nennt?

Fordern Sie die Jugendlichen gleich zu Beginn des Unterrichts auf, die Frage an der Tafel zu beantworten. Nachdem die Schüler die Frage erörtert haben, bitten Sie einen von ihnen, diese Aussage von Präsident Gordon B. Hinckley vorzulesen:

Präsident Gordon B. Hinckley

„Auch wenn ich manchmal bedauere, dass die Menschen die Kirche nicht bei ihrem richtigen Namen nennen, so freue ich mich doch, dass der Spitzname ehrenvoll ist, weil er der Name eines Mannes und eines Buches ist, das ein Zeugnis ohnegleichen vom Erretter der Welt gibt.

Wer den Mann namens Mormon kennt, weil er seine Worte gelesen und darüber nachgedacht hat, wer diesen kostbaren Schatz der Geschichte liest, die in erster Linie er zusammenstellte und bewahrte, der wird erfahren, dass Mormone keinen schlechten Klang hat, sondern das wiedergibt, was wirklich gut ist, das, was von Gott kommt.“ („Mormone sollte ‚besser‘ heißen“, Der Stern, Januar 1991, Seite 54.)

Damit die Schüler den Kontext von Mormon 1 und 2 besser verstehen, erklären Sie ihnen, dass 320 Jahre nach dem Erscheinen des Erretters bei den Nephiten fast jedermann im Land in Schlechtigkeit verfallen war. Zu diesem Zeitpunkt wird Ammaron, ein rechtschaffener Mann und Berichtführer, vom Heiligen Geist gedrängt, die heiligen Aufzeichnungen zu verbergen (siehe 4 Nephi 1:47-49). Etwa zur gleichen Zeit besucht Ammaron einen zehnjährigen Jungen namens Mormon und belehrt ihn über seine zukünftige Verantwortung für die Aufzeichnungen.

Bitten Sie die Schüler, leise Mormon 1:2 zu lesen und auf Wörter und Formulierungen zu achten, mit denen Ammaron Mormon beschreibt. Sie sollen erzählen, was sie herausgefunden haben. Schreiben Sie den Namen Mormon an die Tafel und listen Sie darunter die Antworten der Schüler auf. Sie können darauf hinweisen, dass Ammaron mit dem Wort ernsthaft meint, Mormon sei ein ruhiges, ernstes und nachdenkliches Kind.

  • In welchen Belangen sollten wir wohl ernsthaft sein? (Die Schüler könnten beispielsweise antworten: wenn man das Abendmahl austeilt oder davon nimmt, beim Schriftstudium, wenn es um Keuschheit geht, wenn man vom Erretter spricht oder von ihm Zeugnis gibt.) Warum sollen wir in diesen Belangen ernsthaft sein?

Erklären Sie, dass man ernsthaft sein und trotzdem Spaß haben und lachen kann. Jemandem, der ernsthaft ist, ist jedoch klar, wann er unbekümmert und fröhlich sein kann und wann es angebracht ist, ernst zu sein.

  • Was bedeutet es wohl, „schnell im Beobachten“ zu sein?

Bitten Sie im Laufe des Gesprächs über diese Frage einen der Schüler, die folgende Aussage von Elder David A. Bednar vom Kollegium der Zwölf Apostel vorzulesen:

Elder David A. Bednar

„Wenn wir also schnell im Beobachten sind, nehmen wir etwas rasch wahr und gehorchen bereitwillig. Diese zwei Grundelemente – wahrnehmen und gehorchen – sind wesentlich dafür, schnell im Beobachten zu sein. Und der Prophet Mormon ist ein eindrucksvolles Beispiel für diese Gabe in Aktion. …

Schnell im Beobachten zu sein, [ist] für uns in der Welt, in der wir jetzt leben und in der wir noch leben werden, von [sehr] entscheidender Bedeutung.“ („Schnell im Beobachten“, Liahona, Dezember 2006, Seite 16ff.)

  • Wie kann die Fähigkeit, schnell etwas wahrzunehmen und auf den Rat des Herrn zu hören, uns helfen?

Fordern Sie die Jugendlichen auf, in ihrem Studientagebuch einen Punkt aufzuschreiben, in dem sie ernsthafter sein sollten. Sie sollen außerdem Weisungen des Herrn aufschreiben, denen sie bereitwilliger gehorchen könnten. Spornen Sie sie an, ernsthafter und schneller im Beobachten zu werden.

Bitten Sie einen Schüler, Mormon 1:3-5 vorzulesen. Die Klasse soll währenddessen auf die Anweisungen achten, die Ammaron Mormon gibt.

  • Was trägt Ammaron Mormon auf?

  • Warum muss Mormon ernsthaft und schnell im Beobachten sein, um diese Aufgaben zu erfüllen?

Mormon 1:6-19

Weil die Menschen sich bewusst auflehnen, verbietet der Herr Mormon, ihnen zu predigen

Fragen Sie die Schüler, ob sie schon einmal etwas verloren haben, was ihnen viel bedeutet hat, oder ob ihnen schon einmal etwas Wertvolles weggenommen worden ist. Bitten Sie einige Schüler, kurz davon zu berichten.

Fassen Sie Mormon 1:6-12 zusammen, indem sie erklären, dass Mormon schon in jungen Jahren Zeuge einer Vielzahl von Schlachten zwischen den Nephiten und den Lamaniten wurde. Er musste auch mit ansehen, wie die Schlechtigkeit unter dem ganzen Volk im Land zunahm.

Erklären Sie, dass die Nephiten, weil sie so schlecht wurden, viele kostbare Gaben von Gott verloren. Teilen Sie die Klasse in zwei Gruppen. Die eine Hälfte der Schüler soll leise Mormon 1:13,14,18 lesen und darauf achten, welche Gaben der Herr den Nephiten nahm. Die andere Hälfte soll Mormon 1:14, 16,17,19 lesen und darauf achten, warum der Herr den Nephiten diese Gaben entzog. Bitten Sie Schüler beider Gruppen, vorzutragen, was sie herausgearbeitet haben.

  • Was geschieht gemäß Mormon 1:13,14, wenn Menschen sich auflehnen und sich vom Herrn abwenden? (Die Schüler können unterschiedliche Antworten geben. Sie können ihre Worte zusammenfassen, indem Sie diese Wahrheit an die Tafel schreiben: Wenn Menschen schlecht und ungläubig sind, verlieren sie die geistigen Gaben, die sie vom Herrn erhalten haben, und können den Einfluss des Heiligen Geistes nicht mehr wahrnehmen.)

Unterstreichen Sie, dass die Auflehnung der Nephiten außerordentlich war. Dieser Grundsatz gilt jedoch auch für jeden von uns, wenn wir den Geboten Gottes nicht gehorchen.

  • Der Verlust welcher der in Mormon 1:13,14,18 genannten Gaben würde euch am schwersten treffen?

Bitten Sie einen Schüler, Mormon 1:15 vorzulesen. Die anderen Schüler sollen mitlesen und darauf achten, was Mormon erfahren durfte, während der Großteil der Nephiten die Gaben Gottes und den Einfluss des Heiligen Geistes verlor.

  • Warum war Mormon wohl fähig, inmitten großer Schlechtigkeit geistige Erlebnisse zu haben?

Mormon 2:1-15

Mormon führt die Heere der Nephiten an und trauert über ihre Schlechtigkeit

Bitten Sie einen Schüler, der (ungefähr) fünfzehn Jahre alt ist, Mormon 2:1,2 vorzulesen. Die Klasse soll darauf achten, welche Verantwortung Mormon übertragen wurde, als er fünfzehn Jahre alt war (in seinem „sechzehnten Jahr“). Bitten Sie die Schüler, sich vorzustellen, wie es wohl für einen 15-Jährigen wäre, ein Heer anzuführen.

  • Inwiefern mögen die in Mormon 2:1 genannten Eigenschaften Mormon als Heerführer geholfen haben?

Fassen Sie die Verse in Mormon 2:3-9 zusammen, indem Sie den Schülern erklären, dass die Lamaniten die Heere der Nephiten so heftig angreifen, dass die Nephiten sich fürchten und sich zurückziehen. Die Lamaniten treiben sie von einem Ort zum anderen, bis die Nephiten sich an einem Ort sammeln. Schließlich gelingt es Mormons Heer, den Lamaniten zu widerstehen und sie in die Flucht zu schlagen.

Die Schüler sollen still Mormon 2:10-15 lesen und dabei auf den geistigen Zustand der Nephiten nach diesen Kämpfen achten.

  • Warum trauern die Nephiten? (Siehe Mormon 2:10-13. Sie trauern, weil sie ihr Eigentum nicht festhalten können. Mit anderen Worten trauern sie nur wegen der Folgen ihrer Sünden und nicht, weil sie ihre Taten bereuen.)

  • Woher wusste Mormon den Versen Mormon 2:13,14 zufolge, dass die Trauer des Volkes kein Hinweis auf wahre Umkehr war?

Schreiben Sie Folgendes an die Tafel, damit die Schüler den Unterschied zwischen „Trauern, das der Umkehr dient,“ und dem „Trauern der Verdammten“ erkennen.

Die, deren Trauern der Umkehr dient …

Die, die nur wegen der Folgen ihrer Sünden trauern …

Die Schüler sollen Mormon 2:12-15 noch einmal durchsehen und darauf achten, welche Eigenschaften diese zwei Gruppen kennzeichnen. Bitten Sie sie, zu erzählen, was sie herausgefunden haben. Ihre Antworten sollen folgende Wahrheiten widerspiegeln:

Die, deren Trauer der Umkehr dient, erkennen die Güte Gottes und kommen mit demütigem Herzen zu Christus.

Diejenigen, die nur wegen der Folgen ihrer Sünden trauern, lehnen sich weiterhin gegen Gott auf.

Erklären Sie, dass Mormon mit den Worten „das Trauern der Verdammten“ (Mormon 2:13) die Trauer derjenigen beschreibt, die infolge ihrer Taten leiden, aber nicht bereit sind, umzukehren. Diese Einstellung führt nicht zu Vergebung und Frieden. Sie führt zur Verdammnis, das heißt, dass man keinen weiteren Fortschritt hin zum ewigen Leben macht.

Fordern Sie die Schüler auf, darüber nachzudenken, wie sie reagieren, wenn sie erkennen, dass sie gesündigt haben. Spornen Sie sie an, mit demütigem Herzen zum Heiland zu kommen, damit ihnen vergeben werden kann und sie Frieden erlangen und mit Gott versöhnt werden können.

Mormon 2:16-29

Mormon erhält die Platten und verfasst einen Bericht über die Schlechtigkeit des Volkes

Fassen Sie Mormon 2:16-18 zusammen: Erklären Sie, dass Mormon sich während der fortdauernden Kämpfe mit den Lamaniten in der Nähe eines Hügels namens Shim befindet, wo Ammaron die Aufzeichnungen der Nephiten verborgen hat. Mormon nimmt die Platten Nephis an sich und beginnt niederzuschreiben, was er seit seiner Kindheit beobachtet hat.

Bitten Sie einen Schüler, Mormon 2:18,19 vorzulesen. Die anderen Schüler sollen mitlesen und darauf achten, wie Mormon den geistigen Zustand des Volkes zu seiner Zeit beschreibt und wie er die Hoffnung zum Ausdruck bringt, die er dennoch hegt.

  • Wie beschreibt Mormon den geistigen Zustand zu seiner Zeit? („Ein beständiges Bild von Schlechtigkeit und Gräueln.“)

  • Woher nahm Mormon wohl seine Zuversicht, „am letzten Tag emporgehoben“ zu werden? (Sie können den Schülern bei Bedarf erklären, was Mormon damit meint, wenn er davon spricht, „am letzten Tag emporgehoben“ zu werden, nämlich dass er aufstehen und in die Gegenwart Gottes gebracht werden wird, um für immer bei ihm zu leben.)

  • Wie kann Mormons vorbildliche Rechtschaffenheit euch helfen? (Die Schüler können darauf vielerlei Antworten geben. In diesen soll folgender Grundsatz zum Ausdruck kommen: Sogar in einer schlechten Gesellschaft können wir uns entscheiden, rechtschaffen zu leben. Sie können einen Schüler bitten, diesen Grundsatz an die Tafel zu schreiben.)

  • Wann konntet ihr beobachten, dass Freunde oder Angehörige standhaft dem Willen Gottes gehorsam waren, selbst wenn die Menschen um sie herum dies nicht taten?

Ermuntern Sie die Schüler dazu, an einen konkreten Lebensbereich zu denken, in dem sie mehr für das Rechte einstehen können. Die Jugendlichen sollen in ihrem Studientagebuch aufschreiben, wie sie das nächste Mal reagieren möchten, wenn sie in dem betreffenden Bereich gefordert sind. Bezeugen Sie, dass wir uns, wie Mormon, dafür entscheiden können, rechtschaffen zu leben, und dass der Herr uns helfen wird, standhaft für das einzustehen, was richtig ist, selbst wenn die Menschen um uns herum es nicht tun.

Kommentar und Hintergrundinformationen

Mormon 1:1. „Ich, Mormon“

Nachfolgend ist einiges aufgeführt, was Mormons Leben und Wirken kennzeichnet:

  1. 1.

    Sein Vater heißt Mormon (siehe Mormon 1:5).

  2. 2.

    Er wird nach dem Land Mormon benannt, dem Land, wo Alma die Kirche unter dem Volk aufrichtete (siehe 3 Nephi 5:12).

  3. 3.

    Er nennt seinen Sohn Moroni (siehe Mormon 6:6).

  4. 4.

    Er ist ein reiner Abkömmling Lehis (siehe 3 Nephi 5:20).

  5. 5.

    Der Herr besucht ihn (siehe Mormon 1:15).

  6. 6.

    Er ist ein Jünger Jesu Christi (siehe 3 Nephi 5:13).

  7. 7.

    Er ist ein Heerführer der Nephiten (siehe Mormon 2:1).

  8. 8.

    Er schreibt gemäß dem Willen Gottes (siehe 3 Nephi 5:14).

  9. 9.

    Er ist Zeuge des Untergangs der Nephiten (siehe Mormon 2:18,19; 3:16; 6:8-22).

Mormon 2:13-15. Trauer zur Umkehr

Mormon trauert um sein Volk, weil er sieht, dass „ihr Trauern … nicht der Umkehr“ dient, und weil er weiß, dass „der Herr es ihnen nicht immer“ zulässt, „in der Sünde Glücklichsein zu finden“ (Mormon 2:13). Präsident Spencer W. Kimball hat dazu bemerkt: „Ohne Umkehr aber kann es keine Vergebung geben, und ohne Vergebung stehen alle Segnungen der Ewigkeit auf dem Spiel.“ (The Miracle of Forgiveness, 1969, Seite 117.)

Elder Bruce D. Porter von den Siebzigern hat darüber gesprochen, wie wichtig die Trauer zur Umkehr ist:

„Ein reuiges Herz und ein zerknirschter Geist [bedeutet], ,gottgewollte Traurigkeit‘ zu verspüren, die eine ‚Sinnesänderung zum Heil‘ hervorruft (siehe 2 Korinther 7:10). Dies geschieht, wenn unser Wunsch, von Sünde rein zu werden, so verzehrend ist, dass unser Herz vor Kummer schmerzt und wir uns danach sehnen, mit unserem Vater im Himmel im Reinen zu sein. Wer ein reuiges Herz und einen zerknirschten Geist hat, ist willens, alles zu tun, was Gott von ihm verlangt, und zwar ohne sich zu widersetzen oder Groll zu hegen. Wir hören auf, etwas auf unsere Weise zu tun, und lernen stattdessen, es auf die Weise Gottes zu tun. Wenn man sich derart unterordnet, kann das Sühnopfer wirksam werden und wahre Umkehr erfolgen. Der Umkehrwillige erlebt dann die heiligende Macht des Heiligen Geistes, der ihn mit einem ruhigen Gewissen und der Freude erfüllt, mit Gott versöhnt zu sein.“ („Ein reuiges Herz und ein zerknirschter Geist“, Liahona, November 2007, Seite 32.)