Lektion 138: Mormon 3 und 4

Das Buch Mormon – Seminarleitfaden für den Lehrer, 2012


Einleitung

Die Nephiten erobern ihre Länder von den Lamaniten zurück und bereiten sich wieder auf den Kampf vor. Mormon fleht die Nephiten an, umzukehren. Sie prahlen stattdessen jedoch mit ihrer eigenen Stärke und schwören, sich für ihre gefallenen Brüder zu rächen. Da der Herr seinem Volk verbietet, Rache zu nehmen, weigert sich Mormon, das nephitische Heer anzuführen, und es wird besiegt. Die Nephiten verharren weiterhin in Schlechtigkeit, und Gott gießt sein Strafgericht über sie aus. Die Lamaniten fangen an, sie vom Erdboden hinwegzufegen.

Anregungen für den Unterricht

Mormon 3:1-8

Der Herr verschont die Nephiten in der Schlacht, um ihnen die Gelegenheit zur Umkehr zu geben. Aber sie verhärten ihr Herz

Schreiben Sie vor dem Unterricht diese Frage an die Tafel: Hattet ihr schon einmal das Gefühl, dass der Herr versucht, eure Aufmerksamkeit zu erlangen und euch dazu zu bewegen, etwas in eurem Leben zu ändern?

Bitten Sie die Schüler zu Beginn des Unterrichts, die Frage an der Tafel zu beantworten. (Erinnern Sie sie daran, dass sie nichts zu erzählen brauchen, was zu persönlich oder vertraulich ist.) Sie können auch ein eigenes Erlebnis schildern.

Erklären Sie, dass der Herr sich bemüht, die Aufmerksamkeit der Nephiten zu erlangen, sodass sie von ihrer Schlechtigkeit umkehren. Die Nephiten verhärten jedoch ihr Herz, sodass sie gar nicht bemerken, dass der Herr sie bei ihren Schlachten mit den Lamaniten segnet. Die Nephiten schließen einen Vertrag mit den Lamaniten und den Gadiantonräubern (siehe Mormon 2:28). Der Herr beschützt sie, indem er zulässt, dass zehn Jahre lang kein Kampf mehr ausbricht. In dieser Zeit bereitet Mormon die Nephiten auf zukünftige Angriffe vor (siehe Mormon 3:1).

Bitten Sie jemanden, Mormon 3:2,3 vorzulesen. Die anderen sollen mitlesen und darauf achten, was der Herr in der Friedenszeit, mit der er die Nephiten gesegnet hat, von diesen erwartet.

  • Welche Botschaft soll Mormon den Nephiten im Auftrag des Herrn überbringen? Verstehen die Nephiten diese Botschaft? Wie reagieren sie darauf?

  • Warum hat der Herr die Nephiten laut Mormon 3:3 bei ihren jüngsten Kämpfen trotz ihrer Schlechtigkeit verschont?

  • Welchen Grundsatz erkennt ihr, wenn ihr in Mormon 3:2,3 vom Umgang des Herrn mit den Nephiten lest? (Es kann sein, dass die Schüler unterschiedlich antworten. Fassen Sie ihre Aussagen zusammen, indem Sie Folgendes an die Tafel schreiben: Der Herr gibt uns genügend Gelegenheiten, von unseren Sünden umzukehren. Sie können ihnen vorschlagen, diesen Grundsatz in ihre heiligen Schriften zu schreiben.)

Fassen Sie Mormon 3:4-8 zusammen, indem Sie erklären, dass der Herr die Nephiten trotz ihrer Schlechtigkeit noch zweimal in der Schlacht beschützt, obwohl sie nicht willens sind, sich ihm zuzuwenden.

  • Was lernt ihr daraus, dass der Herr die Nephiten bewahrt, über die Eigenschaften des Herrn? (Eine mögliche Antwort lautet, dass der Herr barmherzig und geduldig ist.)

Machen Sie darauf aufmerksam, dass der Herr uns allen eine „Gelegenheit zur Umkehr“ gewährt (Mormon 3:3). Fordern Sie die Schüler auf, still über diese Fragen nachzudenken:

  • Wart und seid ihr immer gewillt, umzukehren und die Änderungen vorzunehmen, die Gott sich von euch wünscht? Gibt es etwas, was ihr jetzt ändern könnt, um so zu werden, wie ihr nach Gottes Willen sein sollt?

Geben Sie Zeugnis von Gottes Güte und Geduld, die sich darin zeigt, dass er uns Gelegenheiten zur Umkehr gibt. Regen Sie die Jugendlichen an, darauf zu achten, wann sich ihnen Gelegenheiten bieten oder sie aufgefordert werden, Änderungen in ihrem Leben vorzunehmen. Spornen Sie sie an, sich dann auch umgehend entsprechend zu ändern.

Mormon 3:9-22

Die Nephiten nehmen an Schlechtigkeit zu, und Mormon weigert sich, ihre Heere anzuführen

Erklären Sie, dass die Nephiten die Aufforderungen des Herrn, umzukehren, ignorieren und ihr Herz verhärten. Bitten Sie einen Schüler, Mormon 3:9,10 vorzulesen. Die anderen sollen mitlesen und herausarbeiten, wie die Nephiten auf ihre vielen Siege über die Lamaniten reagieren.

  • Wie reagieren die Nephiten nach ihren Siegen über die Lamaniten?

  • Warum ist es falsch, dass die Nephiten mit ihrer eigenen Stärke prahlen? Was sagt dieses Prahlen über ihre Beziehung zu Gott aus?

Bitten Sie einen Schüler, Mormon 3:11-13 vorzulesen. Fordern Sie die Klasse auf, herauszufinden, wie Mormon reagiert, als die Nephiten Rache schwören.

  • Was tut Mormon, als die Nephiten den Wunsch äußern, sich an den Lamaniten zu rächen?

  • Wolltet ihr euch schon einmal an jemandem rächen? Warum trachten viele Menschen wohl von Natur aus nach Rache?

  • Mormon hat die Nephiten trotz ihrer Schlechtigkeit über 30 Jahre lang angeführt. Was lernen wir daraus, dass er sich nun weigert, das Heer anzuführen, darüber, wie schwerwiegend Rachsucht ist?

Bitten Sie einen Schüler, Mormon 3:14-16 zu lesen. Die Jugendlichen sollen herausarbeiten, was der Herr Mormon über Rachsucht lehrt.

  • Was hält der Herr davon, rachsüchtig zu sein? (Die Schüler können unterschiedlich antworten. Fassen Sie ihre Antworten zusammen, indem Sie dies an die Tafel schreiben: Der Herr verbietet uns, nach Rache zu trachten.)

Damit die Schüler die Worte des Herrn in Vers 14-16 besser verstehen, können Sie sie auffordern, den ersten Teil von Mormon 3:15 („Die Rache ist mein, und ich werde vergelten“) mit eigenen Worten wiederzugeben.

  • Warum ist es wichtig, nicht nach Rache zu trachten? Wie können wir den Wunsch, uns zu rächen, überwinden?

Um den Schülern verständlich zu machen, wie sie Rachegefühle überwinden können, bitten Sie einen von ihnen, vorzulesen, was Präsident James E. Faust von der Ersten Präsidentschaft dazu gesagt hat. Geben Sie nach Möglichkeit jedem Schüler eine Kopie des Zitats.

Präsident James E. Faust

„Wir müssen Gefühle des Zorns erkennen und [zugeben]. Hierfür ist Demut notwendig, aber wenn wir auf die Knie gehen und den himmlischen Vater um Vergebungsbereitschaft bitten, wird er uns helfen. Der Herr verlangt zu unserem eigenen Nutzen, dass wir allen Menschen vergeben [LuB 64:10], weil „Hass das geistige Wachstum hemmt“. [Orson F. Whitney, Gospel Themes, 1914, Seite 144.] Nur wenn wir uns von Hass und Bitterkeit befreien, kann der Herr unserem Herzen Trost schenken, wie er es für die Gemeinschaft der Amish, die Familie Christensen, die Familie Ceran und die Familie Williams tat. …

Wenn Tragödien stattfinden, dürfen wir nicht darauf reagieren, indem wir persönliche Rache anstreben, sondern müssen stattdessen der Gerechtigkeit ihren Lauf lassen und dann loslassen. Es ist nicht einfach, loszulassen und unser Herz von schwärendem Groll zu befreien. Der Erretter bietet uns allen durch sein Sühnopfer einen kostbaren Frieden, doch dieser kann nur einziehen, wenn wir willens sind, negative Gefühle wie Zorn, Verachtung oder Rachsucht abzulegen.“ („Die heilende Kraft der Vergebung“, Liahona, Mai 2007, Seite 69.)

Bitten Sie einen Schüler, Mormon 3:17,20-22 vorzulesen, und fordern Sie die Klasse auf, herauszufinden, was Mormon uns hier mitteilen möchte. Sie können den Jugendlichen vorschlagen, Mormons Rat, „dass ihr umkehrt und euch vorbereitet, vor dem Richterstuhl Christi zu stehen“ (Mormon 3:22), zu markieren.

Mormon 4

Die Lamaniten fangen an, die Nephiten vom Erdboden hinwegzufegen

Bitten Sie die Schüler, die Hand zu heben, wenn sie jemanden kennen, der etwas Falsches gemacht hat, aber noch nicht erwischt worden ist oder die Konsequenzen dafür noch nicht getragen hat. Fordern Sie die Schüler auf, über diese Frage nachzudenken:

  • Habt ihr euch schon einmal gefragt, wann jemand, der wissentlich das Falsche wählt, von den Konsequenzen für seine falschen Entscheidungen eingeholt wird?

Die Schüler sollen Mormon 4:1,2 für sich lesen und darauf achten, was mit dem nephitischen Heer geschieht, als es sich an den Lamaniten rächen will. Dann sollen sie im Stillen Mormon 4:4 lesen und herausarbeiten, warum die Nephiten keinen Erfolg haben. Fragen Sie sie, was sie herausgefunden haben.

Bitten Sie einen Schüler, Mormon 4:5 vorzulesen. Fordern Sie die anderen auf, mitzulesen und darauf zu achten, was laut diesen Versen geschieht, wenn man in Schlechtigkeit verharrt. Während die Schüler berichten, was sie herausgefunden haben, schreiben Sie den Grundsatz aus Mormon 4:5 an die Tafel: „Die Strafgerichte Gottes ereilen die Schlechten.“ Sie können ihnen vorschlagen, diese Wahrheit in ihren heiligen Schriften zu markieren.

Bitten Sie die Schüler, Mormon 4:10-12 für sich zu lesen und darauf zu achten, wie die Schlechtigkeit der Nephiten beschrieben wird. Fragen Sie sie, was sie herausgefunden haben.

Lassen Sie ein paar Schüler abwechselnd Mormon 4:13,14,18,21,22 vorlesen. Fordern Sie die Klasse auf, mitzulesen und herauszuarbeiten, inwiefern das Strafgericht Gottes über die Nephiten ausgegossen wird.

  • Welchen Teil dieses Berichts findet ihr am traurigsten?

Weisen Sie die Jugendlichen auf die Grundsätze hin, die Sie an die Tafel geschrieben haben. Fordern Sie sie auf, darüber nachzudenken, wie sie diese Grundsätze in die Tat umsetzen können. Spornen Sie sie an, Eingebungen des Heiligen Geistes, die sie dabei erhalten, auch zu befolgen.

Geben Sie Zeugnis von der Güte und Liebe des Herrn, die sich darin offenbart, dass er uns genügend Chancen zur Umkehr gibt. Bezeugen Sie auch, dass diejenigen, die in Sünde verharren, stets die Konsequenzen dafür tragen müssen.

Kommentar und Hintergrundinformationen

Mormon 3:9,10. Einen Eid schwören

Mormon erklärt, dass die Nephiten bei den Himmeln und auch beim Thron Gottes schwören, dass sie sich an den Lamaniten rächen werden (siehe Mormon 3:9,10). Elder Bruce R. McConkie vom Kollegium der Zwölf Apostel hat erklärt, was es zur Zeit des Buches Mormon bedeutete, wenn man einen Eid schwor, und verdeutlicht uns dadurch, wie gotteslästerlich der Versuch der Nephiten ist, Gott in ihre Rache einzubeziehen.

„Einen Eid zu schwören war in alter Zeit weitaus bedeutsamer, als vielen von uns bisher klar ist.

Beispielsweise waren Nephi und seine Brüder bestrebt, von Laban die Messingplatten zu erhalten. Ihr Leben war in Gefahr. Nephi schwor trotzdem diesen Eid: ‚So wahr der Herr lebt und wir leben, wir werden nicht zu unserem Vater in die Wildnis hinabgehen, ehe wir vollbracht haben, was der Herr uns geboten hat.‘ (1 Nephi 3:15.)

Damit machte Nephi Gott zu seinem Partner. Misslänge es Nephi, die Platten zu erlangen, so hieße das, es wäre Gott misslungen. Und weil Gott nichts misslingt, oblag es nun Nephi, die Platten zu erlangen oder aber bei dem Versuch sein Leben zu lassen.“ („The Doctrine of the Priesthood“, Ensign, Mai 1982, Seite 33.)

Zusätzliche Anregung für den Unterricht

Mormon 3:9-15. Der Herr verbietet uns, nach Rache zu trachten

In dem Video „Vergebung: Meine Last wurde mir leicht gemacht“ aus der Reihe „Mormon Messages“ ist die Geschichte von Chris Williams dargestellt. Dieser verlor bei einem Autounfall, der von einem betrunkenen Teenager verursacht wurde, seine halbe Familie. Sie können dieses Video zeigen, bevor oder nachdem Sie das Zitat von Präsident James E. Faust vorlesen lassen.

Vielleicht möchten Sie den Schülern etwas Zeit geben, in ihrem Studientagebuch festzuhalten, was sie tun werden, um jeglichen Groll, Zorn oder andere ungute Gefühle, die sie gegenüber anderen hegen mögen, abzulegen.

Mormon 4:5. „Die Strafgerichte Gottes ereilen die Schlechten“

Die folgende Geschichte können Sie gegen Ende des Unterrichts verwenden.

Um zu verdeutlichen, dass sich negative Konsequenzen ergeben, wenn man sündigt, können Sie vorlesen oder von einem Schüler vorlesen lassen, was Präsident Thomas S. Monson aus seinem Leben erzählt hat:

„Ich weiß noch, wie an der Universität im Kurs Unternehmensrecht ein bestimmter Kommilitone sich nie auf das Unterrichtsgespräch vorbereitete. Ich fragte mich, wie er wohl die Abschlussprüfung schaffen würde.

Die Antwort bekam ich, als er zur Abschlussprüfung im Hörsaal erschien. Es war Winter, und er trug an seinen nackten Füßen lediglich ein Paar Sandalen. Ich war erstaunt und beobachtete ihn, als es losging. Wir hatten alle unsere Bücher auf den Boden gelegt, so lautete die Anweisung. Er streifte die Sandalen ab, und dann blätterte er geschickt mit seinen Zehen, die er trainiert und mit Glyzerin eingerieben hatte, die Seiten in einem der auf dem Boden liegenden Bücher um und sah sich darin die Antworten auf die Prüfungsfragen an.

Er bekam eine der besten Noten im Kurs Unternehmensrecht. Doch der Tag der Abrechnung kam. Als er sich später auf die Gesamtprüfung vorbereitete, erklärte der Leiter des Fachbereichs, dass er dieses Jahr erstmals von der Tradition abweichen und statt der schriftlichen eine mündliche Prüfung durchführen wolle. Unser Liebling musste feststellen, dass er diesmal wohl mit seinen meisterlich geschulten Zehen ins Fettnäpfchen getreten war, und fiel durch.“ („Vorbereitung bringt Segnungen“, Liahona, Mai 2010, Seite 65.)