Lektion 57: Mosia 9 und 10

Das Buch Mormon – Seminarleitfaden für den Lehrer, 2012


Einleitung

Während der Regierungszeit von König Mosia I. führt Zeniff eine Gruppe Nephiten aus Zarahemla fort. Sie wollen sich unter den Lamaniten im Land Nephi niederlassen. In Mosia 9 bis 22 wird berichtet, was diese Gruppe erlebt. Der König der Lamaniten gestattet dem Volk Zeniffs, sich bei ihnen anzusiedeln, da er insgeheim beabsichtigt, es in Knechtschaft zu bringen. Die falschen Überlieferungen der Lamaniten und ihr Hass auf die Nephiten führen schließlich zum Krieg. Das Volk Zeniff vertraut darauf, dass der Herr ihm Kraft gibt, und schafft es, die Lamaniten aus seinem Land vertreiben.

Anregungen für den Unterricht

Mosia 9:1-13

Zeniff führt eine Gruppe Nephiten zurück ins Land Nephi

Fordern Sie die Schüler auf, an eine Situation zu denken, in der sie etwas unbedingt wollten. Lassen Sie ein paar Schüler davon erzählen. Erläutern Sie, dass sie heute etwas über einen Mann lernen werden, der etwas so sehr wollte, dass er die möglichen Folgen seines Wunsches völlig übersah.

Bitten Sie die Schüler, sich das Schaubild zu den Reisen anzuschauen, das sie in der vorherigen Lektion zu zeichnen angefangen haben. Rufen Sie ihnen in Erinnerung, dass ein Mann namens Ammon eine Gruppe anführte, die sich von Zarahemla aus auf den Weg machte und im Land Nephi auf Limhi und sein Volk stieß. (Erklären Sie gegebenenfalls, dass im Buch Mormon zwei Männer namens Ammon vorkommen. Einer war der Mann, um den es heute geht. Der andere war ein Sohn Mosias, der bei den Lamaniten zu einem großartigen Missionar wurde. Die Schüler lesen von ihm ab Mosia 27.) Lassen Sie die Schüler Mosia 7 und 8 aufschlagen und nachschauen, welche Zeitangabe jeweils in der Zusammenfassung des Kapitels steht (um 121 v. Chr.). Lassen Sie sie diese Angabe mit der in Mosia 9 vergleichen (um 200 v. Chr., also gut achtzig Jahre zuvor). Fragen Sie, ob jemand weiß, woher dieser Zeitsprung rührt.

Erläutern Sie, dass die Handlung in Mosia 8 und 9 achtzig Jahre zurückspringt und mit dem Bericht von König Limhis Großvater Zeniff beginnt. Bitten Sie einen Schüler, Mormons Vorwort zum Bericht Zeniffs vor der Kapitelüberschrift von Mosia 9 vorzulesen. Bitten Sie dann einen anderen Schüler, Mosia 9:1,2 vorzulesen.

Lassen Sie die Schüler einen Pfeil in ihr Schaubild einzeichnen. Er stellt die Reise der ersten Gruppe dar, die von Zarahemla zum Land Nephi kam. Weisen Sie darauf hin, dass Zeniff zu dieser Gruppe gehört. Der Pfeil, der im Schaubild auf dieser Seite zu sehen ist, bedeutet, dass die Gruppe außerdem nach Zarahemla zurückkehrt. Am Pfeil steht: „Einige Nephiten versuchen, das Land Nephi zurückzugewinnen.“ (Sie finden das vollständige Schaubild im Anhang hinten im Leitfaden.)

Bitten Sie einen Schüler, Mosia 9:3,4 vorzulesen. Fordern Sie die übrigen Schüler auf, mitzulesen und darauf zu achten, was Zeniff 1.) so übereifrig erlangen will und woran er sich 2.) nur langsam erinnert.

  • Was bedeutet es, übereifrig zu sein? (auf etwas versessen sein oder den übermäßigen Wunsch haben, etwas zu bekommen)

  • Was bedeutet es wohl, sich des Herrn nur langsam zu erinnern?

Erläutern Sie, dass Zeniff aufgrund seines Übereifers und weil er sich des Herrn nur langsam erinnert, einen Fehler macht. Lassen Sie die Schüler Mosia 9:5-7,10 lesen und diesen Fehler herausfinden.

  • Was übersieht Zeniff aufgrund seines übersteigerten Wunsches, das Land Nephi in Besitz zu nehmen?

  • Worin besteht die Gefahr, wenn man aus Übereifer heraus Entscheidungen trifft?

  • Worin liegt die Gefahr, wenn man Entscheidungen trifft, ohne sich zuvor mit dem Herrn zu beraten?

Fassen Sie Mosia 9:11-13 zusammen und erzählen Sie den Schülern, dass das Volk Zeniffs zwölf Jahre später so gediehen ist, dass der lamanitische König unruhig wird. Er befürchtet, es nicht in Knechtschaft bringen zu können, und fängt daher an, „sein Volk aufzustacheln, sodass sie mit [Zeniffs] Volk Streit beginnen“ (Mosia 9:13).

Mosia 9:14 bis 10:22

Die Lamaniten versuchen, das Volk Zeniffs in Knechtschaft zu bringen

Schreiben Sie diese Punkte an die Tafel: Hausaufgaben, Versuchung widerstehen, Probleme mit Freunden, Menschenführung, Arbeit, Konflikte in der Familie, Sport (Je nachdem, was die Schüler brauchen oder woran sie interessiert sind, können Sie diese Liste noch ergänzen.)

Bitten Sie einen Schüler, nach vorne zu kommen und seine Arme auszustrecken. Legen Sie ihm kleinere Gegenstände wie Bücher oder Steine auf die Hände und sagen Sie ihm, er solle die Arme weiter ausgestreckt lassen. Erklären Sie, dass die Gegenstände die Tätigkeiten und Herausforderungen darstellen, die an der Tafel aufgeführt sind. Fragen Sie die Klasse:

  • In welchen dieser Bereiche hättet ihr gern mehr Kraft und Unterstützung?

Legen Sie noch ein, zwei Gegenstände auf die linke und rechte Hand des Schülers. Fragen Sie die Klasse:

  • Hattet ihr schon einmal das Gefühl, dass ihr zu viel mit euch herumschleppt, und habt ihr euch gewünscht, ihr wärt besser imstande oder hättet mehr Kraft, eure Herausforderungen zu meistern?

Bitten Sie zwei Schüler, nach vorne zu kommen und die Arme desjenigen zu stützen, der die Gegenstände hält. Erläutern Sie, dass es in der restlichen heutigen Lektion um eine Gruppe von Menschen geht, die sich auch bewusst wurden, dass sie mehr Kraft brauchten. Bitten Sie die Schüler, während der Lektion darauf zu achten, wie sie mehr Kraft im Leben empfangen könnten. (Lassen Sie die Schüler, die nach vorn gekommen waren, wieder ihren Platz einnehmen.)

Erzählen Sie, dass in Mosia 9 und 10 berichtet wird, wie die Lamaniten zweimal zum Kampf gegen Zeniff und sein Volk ausrücken. Zeichnen Sie die nachstehende Tabelle an die Tafel (ohne die in Klammern stehenden Antworten). Sagen Sie den Schülern, dass es nun ihre Aufgabe ist, in den angegebenen Schriftstellen die Antwort auf die Fragen oben in der Tabelle zu suchen. Fordern Sie die Hälfte der Klasse auf, sich die Schriftstellen in der ersten Zeile vorzunehmen und die Antworten hinsichtlich Zeniff und seinem Volk zu suchen. Lassen Sie die andere Hälfte die Schriftstellen in der zweiten Zeile lesen, um Antworten im Hinblick auf die Lamaniten zu finden. Bitten Sie einen Schüler aus jeder Gruppe, das, was sie herausgefunden haben, an die Tafel zu schreiben.

Wie bereitet sich das Volk vor?

Wie setzen sie ihr Vertrauen in den Herrn?

Was ist das Ergebnis?

Zeniff und sein Volk

Mosia 9:14-16; 10:1,2,7,9,10

(Sie bewaffnen sich und ziehen in den Kampf.)

Mosia 9:17; 10:19

(Sie beten und erinnern sich daran, dass der Herr ihre Vorfahren befreit hat.)

Mosia 9:18; 10:20

(Der Herr gibt ihnen Kraft und sie vertreiben die Lamaniten erfolgreich aus ihrem Land.)

Die Lamaniten

Mosia 10:6-8

(Sie bewaffnen sich und ziehen in den Kampf.)

Mosia 10:11

(Nichts. Sie verlassen sich auf ihre eigene Kraft.)

Mosia 10:19,20

(Die Lamaniten werden durch ein großes Gemetzel aus dem Land vertrieben.)

Wenn die Schüler die Tabelle fertiggestellt haben, fragen Sie sie:

  • Welche Ähnlichkeiten und welche Unterschiede sind bei der Art und Weise zu erkennen, wie das Volk Zeniffs und wie die Lamaniten an den Kampf herangingen?

  • Welche Wahrheiten werden uns anhand dieses Vergleichs deutlich?

Schreiben Sie diesen Grundsatz an die Tafel: Der Herr gibt uns Kraft, wenn wir alles tun, was wir können, und auf ihn vertrauen.

Weisen Sie nochmal auf die Tätigkeiten und Herausforderungen an der Tafel hin und darauf, was Sie dazu demonstriert haben.

  • Wie ließe sich dieser Grundsatz wohl auf einige der genannten Punkte anwenden?

    Sie könnten auch folgende Beispiele anführen, um den Schülern vor Augen zu führen, wie sie ihren Teil erfüllen und auf den Herrn vertrauen können, wenn sie sich um Kraft bemühen:
  1. 1.

    Euch steht in der Schule eine wichtige Arbeit bevor und ihr möchtet die Kraft haben, sie gut zu bewältigen.

  2. 2.

    Ihr habt euch sehr bemüht, eine schlechte Gewohnheit aufzugeben, doch ihr habt das Gefühl, dass ihr nicht stark genug seid, es allein zu schaffen.

  3. 3.

    In eurer Familie gibt es Schwierigkeiten, und ihr habt das Gefühl, ihr könnt mit den dadurch aufwallenden Emotionen nicht ohne Hilfe umgehen.

Bitten Sie die Schüler, die ersten dreieinhalb Zeilen von Mosia 9:18 durchzugehen. (Die Schüler können sich diese Zeilen auch in ihren Schriften markieren.)

  • Wann wurde das Prinzip, die in diesen Zeilen zum Ausdruck kommt, schon einmal in eurem Leben deutlich?

Sie können auch ein eigenes Erlebnis erzählen, das zeigt, wie bereitwillig der Herr uns stärkt, wenn wir unser Möglichstes tun und auf ihn vertrauen.

Erläutern Sie, dass Zeniff, bevor er und sein Volk zum zweiten Mal in den Kampf ziehen, diesem erklärt, warum die Lamaniten den Nephiten gegenüber so hasserfüllt sind. Schreiben Sie die Begriffe zornig und Unrecht erleiden an die Tafel und lassen Sie die Schüler ähnliche Begriffe oder Formulierungen nennen. (Zum Beispiel: ärgerlich, wütend; unfair behandelt werden.)

Damit die Schüler besser verstehen, dass es sich auf mehrere Generationen auswirken kann, wenn man anderen etwas übel nimmt, vom Zorn nicht ablässt und nicht gewillt ist, zu vergeben, bilden Sie Zweiergruppen und lassen Sie jede Gruppe Mosia 10:12-18 lesen. Lassen Sie sie nach Gründen dafür suchen, warum die Nachfahren Lamans und Lemuels die Nachfahren Nephis immer noch hassten.

Wenn alle Gruppen mit dem Lesen fertig sind, stellen Sie folgende Fragen zur Diskussion. (Sie können die Fragen an die Tafel schreiben, während die Schüler die Schriftstelle lesen, oder jeder Gruppe einen Handzettel mit den Fragen geben.)

  • Warum hassten die Lamaniten die Nephiten so sehr?

  • Wen verletzen wir, wenn wir wütend sind oder nicht vergeben wollen?

  • Wie kann sich der Zorn, den jemand hegt, jetzt und künftig auf die Familie des Betreffenden auswirken?

Lesen Sie die nachstehende Aussage von Elder Donald L. Hallstrom von den Siebzigern vor. Lassen Sie die Schüler darauf achten, was wir tun können, wenn wir uns angegriffen fühlen oder auf jemanden wütend sind.

„Wenn Sie glauben, Ihnen sei ein Unrecht widerfahren, sei es durch einen Menschen (ein Angehöriger, ein Freund, ein Mitglied oder ein Führer der Kirche, ein Arbeitskollege) oder durch die Umstände (Tod eines geliebten Menschen, gesundheitliche Beschwerden, finanzielle Einbußen, Missbrauch, Abhängigkeit), müssen Sie den Stier mit aller Kraft bei den Hörnern packen. … Wenden Sie sich unverzüglich dem Herrn zu. Üben Sie Ihren ganzen Glauben an ihn aus. Lassen Sie ihn einen Teil Ihrer Last tragen. Lassen Sie zu, dass durch seine Gnade Ihre Last leicht wird. … Lassen Sie nie zu, dass irdische Umstände Sie geistig lähmen.“ („Wenden Sie sich dem Herrn zu“, Liahona, Mai 2010, Seite 80.)

Bitten Sie die Schüler, über die folgenden Fragen nachzudenken. (Sie können sie auch ermuntern, die Antwort darauf in ihr Studientagebuch zu schreiben.)

  • Habt ihr in irgendeiner Hinsicht das Gefühl, dass euch jemand Unrecht getan hat, oder seid ihr auf jemanden wütend?

  • Wen könnt ihr bei euren Bemühungen, dem Betreffenden zu vergeben, um Hilfe bitten? Wie könnt ihr schlechte Gefühle oder Zorn künftig vermeiden?

Bitten Sie die Schüler, an eine Situation zu denken, in der sie jemandem vergeben haben. Lassen Sie einige erzählen, wie sie sich gefühlt haben, als sie vergeben und die eigenen schlechten Gefühle oder den Zorn abgelegt hatten. Sie können auch selbst Zeugnis davon geben, dass man den Herrn um Hilfe bitten kann, um anderen vergeben zu können.

Kommentar und Hintergrundinformationen

Mosia 9. Der Bericht Zeniffs

Die Überschrift vor der Kapitelzusammenfassung von Mosia 9 wurde von Mormon verfasst und war in dem Originalbericht enthalten, den der Prophet Joseph Smith erhielt. Zu Beginn einiger anderer Bücher und Kapitel im Buch Mormon sind ähnliche Überschriften zu lesen. Auch diese hat Mormon verfasst. (Der Zusatz „Das 9. bis 22. Kapitel umfassend“ wurde 1879 hinzugefügt, als das Buch Mormon mit Kapiteleinteilung erschien. Die kurzen Zusammenfassungen vor jedem Kapitel im Buch Mormon gibt es seit der Ausgabe von 1920.)

Mosia 10:12-18. Wie soll ich reagieren, wenn mir meiner Meinung nach Unrecht getan wurde?

Elder Harold G. Hillam von den Siebzigern hat erklärt, wie man mit Ärger und Zorn umgehen kann:

„Wenn Sie meinen, Ihnen sei Unrecht widerfahren, dann seien Sie vergebungsbereit. Wenn es aus irgendeinem Grund eine unangenehme Erinnerung gibt, lassen Sie sie los. Sprechen Sie, wenn nötig, mit Ihrem Bischof oder mit Ihrem Pfahlpräsidenten.

Ich wende mich an alle, aber besonders an diejenigen, die eines Tages Urgroßvater oder Urgroßmutter sein werden: Ihre ewigen Segnungen und die Segnungen Ihrer Nachkommen sind weitaus wichtiger als Ihr verletzter Stolz oder sonst ein Grund, der dazu führen könnte, dass Ihnen und so vielen anderen diese wichtigen Segnungen entgehen.“ („Der Wert der Seelen“, Liahona, Mai 2005, Seite 32.)